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Wundersame Erlebnisse aus dem Leben des Eddy Spenser

von - Leela -
Kurzbeschreibung
SammlungAbenteuer / P12 / Gen
Eddie Jake Jessica OC (Own Character) Prime Evil Tracy
20.01.2019
01.01.2021
100
261.220
9
Alle Kapitel
57 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
08.03.2019 2.390
 
Anm. d. Aut.: Dieses Kapitel wurde für das »Geschichten-Bingo« von Mufterling geschrieben. Die Vorgabe zu der Nummer 36 war: "Als Autor schreibst du eine Mordserie, doch auf einmal wird alles aus deiner Geschichte wahr. Die Polizei verdächtigt dich etwas damit zu tun zu haben."
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Eddy hatte sich nicht nur autobiographisch auch mal mit Schreiben versucht, und das durchaus erfolgreich – der Erfolg war allerdings für sein Gemüt etwas zu durchschlagend. Aber lassen wir ihn selbst erzählen:

Der Mörder ist immer der…

Alles begann damit, daß die Polizei bei uns klingelte. Nein, eigentlich begann alles schon viel früher. Aber meine Geschichte beginnt damit, daß die Polizei bei uns klingelte. Ausgerechnet ich öffnete auch noch die Tür, und unbedarft wie ich bin, erkundigte ich mich, ob ich den zwei Polizeibeamten helfen könne. Dann machte ich den wohl größten Fehler meines Lebens: Als sie fragten, ob ich Eddy Spenser sei, bejahte ich.
      Ich hatte kaum mein Nicken vollendet, da stand ich plötzlich mit dem Rücken zu den Beamten, und Handschellen rasteten hörbar hinter mir ein. Das löste unweigerlich den Automatismus in mir aus, laut protestierend zu fragen, was das denn solle.
      Den nächsten Satz des stattlichen Mannes ist der Uniform werde ich nie vergessen: „Alle Spuren führen zu Ihnen, Mister Spenser!“
      Mein darauf folgender Aufenthalt in der Gefängnis-Zelle war jetzt nicht soo interessant, um den in allen Einzelheiten hier zu beschreiben, daher komme ich nun zum wirklichen Beginn dieser Geschichte.
      Alles begann damit, daß die »Phantom News«-Zeitung einen Autoren für eine spannende, mehrteilige Geschichte suchte. Der »tägliche Roman« sollte eine neue Rubrik in der Zeitung werden, um den Lesern etwas neues spannendes zu bieten; und dafür war ein Aufruf an interessierte, schreiblustige und zuverlässige Leute gestartet worden, zunächst erst mal, um mit der ersten Geschichte zu testen, wie die neue Idee der Redaktion bei den Lesern überhaupt ankam. Und ich Idiot hatte mich dafür beworben!
      Ich hatte schon immer mal Lust gehabt, einen großen, spannenden Roman zu schreiben. Ich hatte es nie probiert, und so wußte ich nicht, ob ich Talent dazu hatte. Als dieser Aufruf kam, fühlte ich mich inspiriert, es auszuprobieren. Es sollte eine größere Geschichte werden, die aus mehreren kleinen Episoden bestand, welche dann wiederum jede Woche in der Samstagsausgabe abgedruckt werden sollten. Und für die erste Geschichte wurde ich unter allen Bewerbern als erster ausgewählt! Juhuu! Dachte ich. Zu dem Zeitpunkt noch.
      Das Thema war mir freigestellt, und da ich es spannend und dramatisch haben wollte, dachte ich mir eine Geschichte über eine Mordserie aus. Mit jeder Episode gab es eine Leiche mehr, und mit jeder Episode wollte ich mehr und mehr Hinweise einfließen lassen, um die Leser darauf hinzuführen, daß sie den Mörder selbst ermitteln konnten. Eine unbedachtere Wahl hätte ich nicht treffen können. Das wußte ich zu dem Zeitpunkt nur noch nicht. Hätte ich doch bloß einen Liebesroman geschrieben…
      Die Geschichte an sich ging mir gut von der Hand. Das grobe Konzept hatte ich schon von Anfang an im Kopf, und die einzelnen Kapitel schrieben sich fast wie von allein. Auch der Rhythmus, ein Kapitel pro Woche abzugeben, war gut, so daß ich nicht in Engpaß geriet, wenn in einer Woche mal viele Ghostbusting-Einsätze reinkamen. Meistens hatte ich ohnehin schon immer zwei, drei Kapitel im Voraus fertig.
      Die ersten Kapitel kamen gut an. Jake las meine Geschichte in der Zeitung mit und sagte mir ein paar Mal, wie toll er sie fand. Das machte mich schon stolz.
      In meinem ersten Kapitel ging es um einen Mord an einem Busfahrer. Als Tracy ein paar Tage nach der Veröffentlichung vergeblich auf den Bus wartete, ahnte ich nichts böses. Am folgenden Tag war die Meldung über einen ermordeten Busfahrer in der Zeitung. Paßgenau mit meinem neuen Kapitel, in dem eine Friseurin getötet wurde.
      Ich machte mir nicht einmal die Mühe, es als Zufall abzutun. Ich hatte die Ähnlichkeit nicht einmal realisiert! Als in der nächsten Ausgabe, in welcher in meiner Geschichte ein Optiker das Leben lassen mußte, von dem Mord an einer Friseurin berichtet wurde, stutzte Jake das erste Mal. Ich sehe noch den seltsamen Ausdruck in seinen Augen, so etwas wie ein Déjà Vu.
      Ab da bekam das ganze eine Regelmäßigkeit; in jeder Samstagsausgabe der Phantom News las man auf der ersten Seite über einen Mord, der dem aus meinem letzten Kapitel ähnelte, und konnte sich auf der vorletzten Seite informieren, wer als nächstes sterben würde. Oder zumindest, aus welcher Sparte er kam.
      Es war gruselig! Als wir die Dynamik überhaupt erst einmal verinnerlicht hatten, überkam uns alle ein Schaudern, und als ich verkündete, daß in meinem nächsten Kapitel der Bürgermeister sterben sollte, flehte Jake mich förmlich an, es nicht zu veröffentlichen.
      Zuerst wollte ich nicht darauf eingehen. Hey, keiner von uns war wirklich abergläubisch, warum sollten wir ausgerechnet jetzt anfangen, hier irgend etwas seltsames in die Sache reinzuinterpretieren? Aber für einen Zufall war es zu viel, und Tracy brachte das treffende Argument: Was war, wenn irgendein Geistesgestörter meine Geschichte mitlas und als Vorlage benutzte?
      Es gelang mir, mein übernächstes Kapitel vorzuziehen und so umzuschreiben, daß ich die beiden Kapitel tauschen konnte – obwohl mir insgesamt schon nicht mehr wohl bei dem Gedanken war, daß durch meine Feder irgend jemand zu Tode kommen sollte.
      Die Schreckensmeldungen nahmen auch kein Ende, und ich beschloß, die Fortsetzung der Geschichte erst einmal auszusetzen. Himmel, wenn es stimmte, hatte ich mittlerweile zwölf Morde auf dem Gewissen!
      Ich beruhigte mich damit, daß mich niemand dafür verurteilen konnte, einen Kriminalroman zu schreiben. Der Mord an dem Eisverkäufer war dann auch der letzte, über den berichtet wurde, in der ersten Ausgabe, in der es keine weitere Fortsetzung der Geschichte von mir mehr gab. Die Ermittlungen der Polizei liefen indes weiter, und gerade, als ich nicht mehr über den Vorfall nachdachte, standen die Beamten vor unserer Tür und verhafteten mich. Die Logik hatte ich nicht so ganz verstanden. Wer, in Prime Evils Namen, würde denn, wenn er vorhatte einen Mord zu begehen, diesen auch noch groß in der Zeitung ankündigen? Ein Polizeibeamter murmelte etwas von Verschleierungstaktik, und so gab ich resignierend auf.
      Ich habe noch nie eine so langweilige Nacht verbracht wie die erste in der Gefängniszelle. Jake und Tracy besuchten mich am nächsten Tag und sagten mir zu, daß sie alles daran setzen würden, die Sache aufzuklären. Außerdem hatten sie sich schon mit unserem Hausrechtsanwalt in Verbindung gesetzt, er würde im Laufe des Tages bei mir vorbeikommen. Das alles klang ja schon mal ein bißchen beruhigend. Immerhin reichten die Indizien, daß ich einen Roman schrieb, in dem ich mir Morde ausdachte, wohl kaum aus, um mich hinter Schloß und Riegel zu setzen, oder gar schlimmeres… Oder?
      Ich wartete also auf Dr. Peterson, unseren Rechtsanwalt, der uns und unserer Firma schon das eine oder andere Mal Rechtsbeistand geleistet hatte – und der laut Jake am frühen Nachmittag bei mir eintreffen wollte. Das tat er auch. Ich habe noch nie jemanden so verwirrt dreinschauen gesehen, wie Dr. David Peterson, als ich auf seine Frage, was geschehen war, die Geschichte aus meiner Perspektive schilderte.
      Glücklicherweise brauchte ich für ihn nicht viel zu erklären. Er glaubte mir auch so, daß ich nicht, aus Spaß an der Freude, wenn ich die Geschichte schon schrieb, sie auch gleich in die Tat umsetzte. Er sagte mir zu, sich darum zu kümmern und empfahl mir, die Ruhe zu bewahren. Damit ließ er mich erst mal wieder allein, um die Angelegenheit zu regeln. Und schon konnte ich wieder nichts tun, als zu warten.
      Trotz der guten Worte des Anwalts war ich fix und fertig. Wie kam die Polizei nur darauf, mich zu verdächtigen? Ich meine, selbst wenn sie eine »Verschleierungstaktik« als Möglichkeit ansahen, wie wollten sie mir das nachweisen? Und, ermittelten sie wenigstens auch, so ganz nebenbei, wer wirklich der Täter war? So viele Fragen, und ich hatte keine Möglichkeit, Antworten darauf finden, schon gar nicht hier!
      Ich saß also in meiner Zelle und konnte nichts tun. Aber Jake und Tracy konnten! Und Jake hatte genau den richtigen Riecher! Er hatte meine ganze Geschichte in der Zeitung ja mitgelesen, und schon während dessen mitgerätselt, wer der Täter ist, und jetzt machte er sich um so intensiver daran, die ganzen Hinweise zu kombinieren.
      Er war nahe dran, aber dadurch, daß ich meine Geschichte ja noch nicht fertig veröffentlicht hatte, fehlten ihm noch entscheidende Informationen. Ich wollte es meinen Lesern ja auch nicht zu einfach machen!
      Tracy besuchte mich am nächsten Tag. Die Polizisten hatten ihn zähneknirschend zu mir durchgelassen – Besuch für einen Serienmörder ist wohl nicht so ganz üblich, und täglich nicht gerne gesehen. Jedenfalls berichtete er von Jakes Bemühungen, und daß er gerade in seinen Kombinationen stagnierte, weil ihm entscheidende Hinweise fehlten. Und das war der Moment, wo sowohl mein Verstand aussetzte, als auch der unseres Gorillagenies: Ich sagte ihm, wo ich die nächsten fertigen Kapitel liegen hatte, damit Jake mehr Informationen bekam, um den Fall zu lösen, und Tracy verabschiedete sich freudig und dankbar wieder von mir, und ging nach Hause. Als er gegangen war, schlug ich mir die flache Hand vor die Stirn. Ich hätte ihm ja sagen können, daß der Mörder der Hoteldirektor war, der mit jedem der Opfer noch eine Rechnung offen hatte, aus der Zeit, als sie Gäste in seinem Hotel gewesen waren – und wenn’s die Bierrechnung gewesen war!
      So ermittelte Jake also weiter, und er war echt gut! Ich überlegte während dessen, was wäre, wenn uns das gar nicht nützte? Wenn es in der Realität nur jemand war, der auf den Zug mit der Geschichte aufgesprungen war. Ich bereute, daß ich die Mord-Artikel nicht genauer gelesen hatte. Gab es dort die gleichen Hinweise wie in meiner Geschichte? Wie auch immer, die ganze Sache ließ mich frösteln. Das hier war unheimlicher als alles, was ich je als Ghostbuster erlebt hatte.
      Und dann passierte das unglaubliche. Es dauerte noch vier Tage und einen Besuch von meinem Rechtsanwalt, dann wurde ich frei gelassen. Und die Beteiligten erzählten mir, wie es dazu gekommen war.
      Dadurch, daß Jake sich so intensiv in die Ermittlungen um den wahren Mörder eingeklinkt hatte, hatte auch die Polizei eine Seitenermittlung wieder aufgenommen. Ich muß gestehen, mir war noch immer unwohl dabei, wenn ich mir vorstellte, daß ich jemanden zu einer Mordserie inspiriert hatte. War das nicht so etwas wie eine Mittäterschaft? Naja, jedenfalls ermittelten Jake und die Polizei parallel, und Jake kam auch folgerichtig darauf, daß der Mörder in meiner Geschichte der Hoteldirektor war.
      Zuerst gingen die Ermittlungen der Polizei in die gleiche Richtung, da die Indizien aus den echten Morden stimmten. Und dann fanden sie heraus, daß es in Wirklichkeit nicht der Hoteldirektor gewesen war, sondern der Gärtner einer der reichen, hoch angesehenen High Society-Familien aus unserer Gegend mit einem großen Grundbesitz. Mir ist wohl noch nie so unprofessionell die Kinnlade runtergeklappt. Sollte das ein blöder Witz sein? Der Gärtner? Im Ernst? Selbst ich wäre nie auf die Idee gekommen, dieses uralte Klischee zu bedienen!
      Es war also der Gärtner. Na gut. Das beruhigte mein schlechtes Gewissen aber nicht. Ich hatte zwölf Menschen auf dem Gewissen. Da half es mir auch nicht, daß Jake und Tracy mir sagten, daß ich nichts für die kranke Phantasie anderer Leute könne.
      Zumindest aber die Polizei hatte anerkannt, daß ich nichts mit den realen Morden zu tun hatte. Die Anschuldigung gegen mich wurde fallen gelassen. Und die Ermittlungen gingen weiter.
      Noch zwei Tage später wurde ich erneut auf das Revier geladen. Ich nahm vorsichtshalber Jake und Tracy mit, als seelischen Beistand. Dort erzählte man mir, daß man einen weit gefährlicheren Menschen aus dem Verkehr gezogen hatte, als man zuerst angenommen hatte. Die Morde aufgrund meiner Geschichte waren nicht die einzigen. Aber es waren die, welche die Polizei erst auf die richtige Spur gebracht hatten!
      Mord mußte so etwas wie ein Hobby von diesem Gärtner gewesen sein. Er hatte hunderte von Leichen auf dem Grundstück seines Dienstherrn vergraben. Die Familie hatte es nie bemerkt, da sie selten zu Hause war, und hatte sich nur über das Engagement ihres Gärtners gefreut, jedes Mal wenn sie heimkamen, ihren Garten völlig neu gestaltet vorzufinden. Nun war dieses gruselige Geheimnis im wahrsten Sinne des Wortes an’s Tageslicht gekommen, inklusive der zwölf Ermordeten, die sich dank meiner Geschichte auf ihr Ende hatten freuen dürfen, und ich war froh, daß ich nicht in der Haut der armen Familie steckte, welche den Gärtner seit Jahrzehnten beschäftigt, und ihm vertraut hatte.
      Hunderte plus zwölf – gegen die Gesamtbilanz waren meine zwölf Leichen ein Witz. Daß es ausgerechnet diese Leute hatten sein müssen, die gestorben sind, das ging tatsächlich auf mein Konto. Aber daß der Täter nach Jahrzehnten hatte gefaßt werden können, das wäre ohne meinen Einsatz nicht möglich gewesen. Vielleicht wären es dann nicht diese Personen gewesen, die hätten sterben müssen, dafür aber andere, und vor allem: Vermutlich noch viele mehr! Und so wurde ich nicht nur wieder freigelassen, sondern bekam auch noch eine Auszeichnung von der Bürgermeisterin, die ich mehr mit einem seltsamen Gefühl in der Magengegend annahm. Eigentlich hatte ich doch nichts anderes getan, als einen Kriminalroman zu schreiben, just for fun…
      Ob ich die Geschichte trotz allem noch zu Ende veröffentlicht habe? Eigentlich wollte ich es nicht. Ich war so mit allem durch, daß ich damit nichts mehr zu tun haben wollte. Einer der Polizisten sagte mir aber, daß ich keine Angst davor zu haben brauchte, und daß ich damit keine Menschen zum Mord anstiften würde – und er beschwor mich, den Rest der Geschichte zu veröffentlichen, weil er, auch wenn er jetzt wußte, daß der Mörder in meiner Geschichte der Hoteldirektor war, unbedingt wissen wollte, wie es weiterging. Und so veröffentlichte ich doch noch die sechs ausstehenden Kapitel; und ich schwor mir, sollte ich jemals wieder auf die Idee kommen, eine Geschichte zu veröffentlichen, dann würde es eine Liebesgeschichte sein!
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