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Wundersame Erlebnisse aus dem Leben des Eddy Spenser

von - Leela -
Kurzbeschreibung
SammlungAbenteuer / P12 / Gen
Eddie Jake Jessica OC (Own Character) Prime Evil Tracy
20.01.2019
01.01.2021
100
261.220
9
Alle Kapitel
57 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
29.05.2020 2.008
 
Anm. d. Aut.: Dieses Kapitel wurde für die »Wochen-Challenge« von Sira-la geschrieben. Die Vorgaben sind zur Vermeidung von Spoilern wie immer am Ende des Kapitels.
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Eddy teilt Ghostbusting-Aufträge grob in zwei Kategorien ein: Klassische Ghostbusting-Aufträge mit einem Setting und Geistern, die man in einer guten Geistergeschichte erwarten würde, und spezielle Ghostbusting-Aufträge, die von der Norm abweichen und jenseits der konservativen Geistergeschichteromantik so manche Überraschung bereithalten. Die Geschichte für sein heutiges Kapitel ist ein Klassiker. Und sie brachte Eddy dazu, Dinge zu tun, die er sich vorher nie zu träumen gewagt hätte…

Für ein gutes Honorar

Berlingtown hatte einen neuen Bürgermeister!
      Das an sich war keine große Sache, zumindest nicht für mich, sollte man meinen. Und doch sollte es bedeuten, daß sich etwas veränderte in der kleinen Ortschaft, und wir wurden in die Sache involviert!

Vielleicht sollte ich erst einmal etwas über Berlingtown erzählen. Es handelte sich bei dem Örtchen um nicht mehr als ein kleines Dorf.
      Das Dorf wiederum lag mitten im Nirgendwo, und in der Nähe eines Hochmoores, welches aber von den Dorfbewohnern gemieden wurde. In diesem Hochmoor stand eine Ruine. Man vermutete ein altes Kloster. Und in dieser Ruine sollte es spuken, schon seit Jahrhunderten! Deswegen mieden die Leute das Gebiet.
      Und an dieser Stelle kommt der neue Bürgermeister ins Spiel. Im Gegensatz zu der restlichen Bevölkerung nahm er den Zustand nicht einfach so hin. Er wollte dem Spuk ein für allemal ein Ende, und sich damit in seiner Amtszeit ein Denkmal setzen!
      Und so kam es, daß bei uns nur wenige Tage nach der Amtsübergabe ein Anruf einging…

Die Szenerie hätte nicht klassischer für eine Geistergeschichte sein können. Schon bei Tage konnte einem das Moor einen Schauer durch den Körper jagen. Wir konnten die Ruine sehen, als GB über das Gebiet flog, und hielten bereits Ausschau nach irgendwelchen Anzeichen für Geisteraktivitäten, konnten aber nichts ungewöhnliches feststellen.
      Zuerst hörten wir uns ein wenig im Ort um, um Informationen über den Spuk zu sammeln. Viel war es nicht, was wir an die Hand bekamen. Niemand hatte je wirklich den Geist gesehen, aber es war von unheimlichen Lichterscheinungen die Rede, die vor allem nächtens in der Ruine wahrzunehmen waren, und die eindeutig nur von einem Geist ausgehen konnten! Aha. Meine Kameraden und ich wechselten einen Blick. Solche Aussage kannten wir zur Genüge, kurz bevor sich alles als Banalität herausstellte, und Jake unzufrieden nach Hause zurückfuhr, weil er um einen Geist betrogen worden war. Und das mitzuerleben war kein Spaß, das könnt ihr mir glauben!
      Die Leute, die wir befragten, waren sich alle einig. In der Ruine im Moor spukte es! Das reichte uns aus, um der Sache nachzugehen. Schließlich hatten wir einen eindeutigen Auftrag vom Bürgermeister bekommen, und somit die Autorisation für unseren Einsatz. Ausgerechnet Jake warf leise, als wir unter uns waren, die Jugendbande ein, die bestimmt die Ruine als Lager nutzen könnte, und mit ein paar Taschenlampen unerwünschte Besucher von ihrem Unterschlupf fernhielt. Es wunderte mich, daß ausgerechnet er gleich von vorneherein bei einer Geistergeschichte so rational dachte, war ich das in erster Instanz doch nicht von ihm gewohnt, frei nach dem Motto, die Hoffnung stirbt zuletzt. Vielleicht waren es inzwischen aber auch einfach Erfahrungswerte. Andererseits lag die Sachlage so klar auf der Hand, daß selbst ich nicht an einen richtigen Spuk glaubte. Immerhin, der Bürgermeister hatte uns ein gutes Honorar versprochen, wenn der Spuk aufhörte. Da fragt man nicht mehr nach dem Ursprung der unheimlichen Aktivitäten!

Kurz vor Mitternacht brachen wir aus dem Schutz des lauschigen kleinen Gasthofes auf, in dem wir untergekommen waren, um der Sache auf den Grund zu gehen. Man sagte, um diese Uhrzeit hätte man die größte Chance, dem Spuk zu begegnen. Überraschung!
      Zugegeben, auch wenn wir wußten, daß wir gleich kaum mehr als ein nächtliches Beisammensein von Jugendlichen stören würden – mitten in der Nacht durch dieses Moor zu streifen war gruselig! Die ganze Umgebung konnte einem Angst machen mit den Bäumen, die sich schwarz vor dem Licht des Mondes abzeichneten, und dem alten Gemäuer, auf das wir gerade zusteuerten. Wir achteten sehr darauf, wohin wir traten. Die Konsistenz des Bodens machte mir bald noch mehr Angst als irgendeine frei erfundene Geistererscheinung, und wenn ich das schon sage, hat das was zu bedeuten!
      Mitten in diese einerseits malerische, andererseits erschreckende Landschaft hinein war das Gebäude gemauert worden, das die Zeit bis heute nur als Ruine überlebt hatte. Die alte Anlage war riesig! Die Mauern zum Teil eingestürzt, Türen und Fenster so verwittert, daß sie nicht mehr existent waren, zum Teil fehlte das Dach. Es gab verschiedene Räume, alles war verlassen und frei zugänglich. Ein gefundenes Fressen für einen Jugendtreff, gleich mit Mutprobe anbei!
      Wir sahen durch die Räume, ohne etwas ungewöhnliches zu entdecken. Zumindest in der letzten Zeit schienen hier keine Menschen mehr gewesen zu sein. Ein paar Tierspuren fanden wir im Staub. Wie das zu den Erzählungen aus dem Dorf passen sollte, war mir noch nicht ganz klar. Ich vermutete, daß die Bande von Jugendlichen einen speziellen Raum in diesem Gebäude für sich hergerichtet hatte, der von einem anderen Zuweg aus erreichbar war. Vermutlich sahen auch die zu, so unauffällig wie möglich zu operieren, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
      Jake hockte sich gerade an einen anderen Eingang in die Anlage, der eigentlich kein Eingang war, sondern ein herausgebrochenes Mauerstück, und betrachtete etwas, was er gefunden hatte, nachdenklich. Als ich ihm über die Schulter sah, sah ich mich in meiner Vermutung bestätigt. Der erste Anhaltspunkt: Alte Fußspuren unter der Staubschicht. Es war also jemand hier gewesen; es war nur schon einige Zeit her. Die Erkenntnis brachte mich unweigerlich zu der Frage, ob wir hier heute Nacht überhaupt etwas mit unserem Anliegen werden würden.
      Wir lauschten eine Weile in das schummrige, oder besser, schauerliche Dämmerlicht. Doch es war nichts zu hören. Unsere Augen hatten sich mittlerweile an das Zwielicht gewöhnt und wir sahen uns überall gut um, in den nur noch halbherzig von Mauern umgebenen Räumen, draußen auf dem Gelände, auch suchten wir nach Falltüren und ähnlichen versteckten Zugängen oder Lagern. Fehlanzeige! Wir sammelten uns schließlich wieder im Gebäude, um uns auszutauschen, was recht schnell ging, da wir alle keine verwertbaren Erkenntnisse gewonnen hatten. Dieser Auftrag mußte für Jake noch eine herbere Enttäuschung sein, weil wir noch nicht einmal die Jugendbande gefunden hatten, die wir erwartet hatten. Dafür gaben unsere Fußspuren wahrscheinlich dem nächsten Besucher Rätsel auf.
      Wir beschlossen, den Auftrag abzubrechen und gingen langsam durch die Räume zurück zu unserem Ausgangspunkt. Dabei verpaßten wir es aber nicht, uns vorsichtshalber weiter umzusehen, nur für den Fall der Fälle. Und das war gut! Tracy war es, der den Lichtschein zuerst sah. Ah, eine Taschenlampe! Jetzt ging es also los. Ich hätte zur Polizei gehen sollen!
      Wir schlichen uns an den Raum heran, um die Kids zu überraschen. Doch als wir ankamen, fanden wir den Raum leer, und auch das Licht war verschwunden. Wir sahen uns irritiert um. Jake entdeckte, daß das Licht nun aus einem anderen Raum kam. Aha. Wer auch immer hier war, versuchte, uns aus dem Weg zu gehen. Wir probierten es noch einmal mit der gleichen Taktik, und mit dem gleichen Erfolg. Wieder verschwand das Licht einen Raum weiter.
      Tracy gab uns ein Zeichen, daß wir uns aufteilen sollten. Wir hatten schon gemerkt, daß es zu den meisten Räumen in diesem Gemäuer mehrere Zugänge gab, eine ideale Ausgangslage für jemanden der Spielchen mit uns spielen wollte, solange wir den Spieß nicht umdrehten und unser Zielobjekt einkreisten.
      Ich ging also nach rechts, Jake nach links, und Tracy schnitt dem nächtlichen Besucher rückwärtig den Weg ab. Diese Strategie ging schließlich auf – ihr könnt euch unsere Überraschung aber sicher vorstellen, als wir statt eines übermütigen Jugendlichen wirklich einen Geist vorfanden! Als wir von drei Seiten in den Raum sprangen, schwebte die Lichterscheinung in der Mitte des Raumes, wirbelte um die eigene Achse und versuchte zu fliehen. Tracy reagierte sofort, bevor der Geist durch die nächste Wand entkommen konnte. Das war die Chance für ihn, ein neues Gadget zu testen. Er warf eine kleine Dose auf den Boden, trat darauf, um den Auslöser zu bestätigen und kickte sie unter das Licht. Augenblicklich war der Geist in einem spektralen Kraftfeld gefangen.
      Wir atmeten alle drei erst einmal tief durch. Wie gut, daß wir für alle Fälle trotzdem auf Geisterjagd vorbereitet gewesen waren! Damit gerechnet, hier wirklich einen zu finden, hatten wir nicht! Ebenso wenig, wie der Geist damit gerechnet hatte, von drei Seiten angegriffen zu werden. Der Moment der Desorientierung hatte uns den Sieg gebracht!
      Jake reagierte nun sofort und souverän und zückte den Dematerialisator, um den Auftrag zu Ende zu führen. Und an der Stelle reagierte ich auch, allerdings so, wie keiner von uns vier Anwesenden es erwartet hätte.
      Ich hätte nie gedacht, daß ich so etwas einmal tun würde. Aber bevor mein Partner agieren konnte, lief ich zwischen Kraftfeld und Waffe und stellte mich schützend vor den Geist. Es war ein Wunder, daß Jake mich nicht dematerialisierte. Entsprechend fuhr er mich auch an, ob ich übergeschnappt sei. Anscheinend war ich aber auch der einzige gewesen, der sich die Mühe gemacht hatte, den Geist näher zu betrachten. Es handelte sich um nicht mehr als ein kleines Schloßgespenst, das mehr Angst hatte als wir. Ich konnte sogar sehen, wie es zitterte. Ich konnte nicht zulassen, daß es so ohne mit der Wimper zu zucken gebustet wurde.
      Jake funkelte mich wütend an. Tracy kratzte sich nachdenklich am Kopf. Er nickte mir schließlich zu, und so begann ich, mit dem Geist zu reden. So erfuhren wir, daß das kleine Gespenst Sheridan hieß, und tatsächlich schon seit ein paar Jahrhunderten hier spukte. Es hatte sich diesen Ort hier ausgesucht, weil er verlassen war und es hier seine Ruhe hatte. Menschen kamen hier für gewöhnlich nicht her, und durch das Licht, das es ausstrahlte, hielten sich die Leute in der Regel erst recht vom Moor fern. Wagte sich doch jemand bis hierher vor, konnte Sheridan sich in dem Gemäuer verstecken, bis der Spuk für ihn vorbei war. Es handelte sich um einen netten Geist, wie wir feststellen mußten, aber auch sehr ängstlich, so daß wir erst durch unseren Überraschungsangriff überhaupt die Chance bekommen hatten, es zu sehen.
      Wir überlegten, was wir jetzt tun sollten. Der Bürgermeister hatte seine Absicht klar gemacht, er wollte den Spuk auf jeden Fall los werden, damit er in die Annalen der Ortsgeschichte einging. Dagegen würden wir nicht rational argumentieren können.
      Tracy hatte die rettende Idee. Und die hieß Umsiedlung! Statt den armen kleinen Geist ins Geisterlimbo zu schicken, versprachen wir ihm einen neuen Ort, an dem er in Ruhe spuken konnte. Seitdem lebt Sheridan auf unserem Dachboden, zusammen mit Gregory, dem Geist, den wir mal aus Schottland gerettet haben, und der sich sehr über die Gesellschaft freut.
      So nahm die Geschichte ein gutes Ende. Und das Honorar des Bürgermeisters konnte sich auch sehen lassen.


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Die Vorgabe für Kalenderwoche 22 war:
      Geisterstunde! Ein gruseliges Hochmoor, eine Ruine. Im Dorf erzählt man sich, dass es seit Jahrhunderten dort spukt, aber noch nie hat jemand den Geist gesehen.
      Für diesen Prompt gibt es zwei Aufgaben:
      a) Finde einen Grund, warum ausgerechnet deine Gruppe diesen Geist sieht. (zum Beispiel eine ganz bestimmte Sternenkonstellation oder weil sie über eine Geheimtür stolpern, die in die Kammer des Geists führt oder oder oder)
      b) Der Geist muss nicht unbedingt ein Geist sein (vielleicht macht ja nur eine alte Flöte gruselige Geräusche, wenn der Wind in sie fährt), aber falls doch, dann einer der freundlichen Art. Casper, das kleine Schlossgespenst und ähnliche Konsorten.

      Verwendet wurde hier von Aufgabe b) die zweite Option.
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