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Wundersame Erlebnisse aus dem Leben des Eddy Spenser

von - Leela -
Kurzbeschreibung
SammlungAbenteuer / P12 / Gen
Eddie Jake Jessica OC (Own Character) Prime Evil Tracy
20.01.2019
01.01.2021
100
261.220
9
Alle Kapitel
57 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
21.05.2020 2.362
 
Anm. d. Aut.: Dieses Kapitel wurde für die »Wochen-Challenge« von Sira-la geschrieben. Die Vorgaben sind zur Vermeidung von Spoilern wie immer am Ende des Kapitels.
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Es gibt Fügungen im Leben, die man nicht vorausahnen kann, und die man durchaus als Schicksal bezeichnen kann. Eddy mag euch heute eine solche Geschichte erzählen, die ganz unverhofft eine gewisse Eigendynamik nahm.

Eddy auf Abwegen

Ghostbusting-Aufträge können es ganz schön in sich haben – noch schlimmer ist es aber, wenn man sich mit dem eigenen Dienstfahrzeug in die Klamotten bekommt. Nach dem letzten Einsatz, bei dem wir Prime Evil erfolgreich aus einer Lagerhalle vertrieben hatten, geriet ich mit GB aneinander wegen der engen Schleifen, die er im Flugmodus beim Richtungswechsel zu drehen pflegte und mich mit meiner Höhenangst regelmäßig an den Rand eines Herzinfarktes brachten. GB argumentierte, daß größere Schleifen nur unnötig Zeit kosteten, und so hatten wir eine Debatte par excellence, die damit endete, daß ich verkündete, zu Fuß nach Hause zu gehen! Es war einer der ersten warmen Tage im Jahr, und so hatte ich beschlossen, ein Zeichen zu setzen und den Weg zurück zu laufen. Es war zwar ein gutes Stück, aber soo weit war es nun auch nicht, und diese Konsequenz ließ ich mir auch nicht nehmen, auch wenn der ewig lange Weg die Hauptstraße hoch zum Ghostkommando etwas eintönig war.
      Ich lief also die Strecke zurück, während Jake und Tracy mit GB zurück flogen, und ich muß sagen, ich war guter Dinge. Eigentlich hatte mir GB genau die richtige Entscheidung aufgezwungen. Das war die Chance, sich mal wieder ein bißchen zu bewegen, und der gemütliche Spaziergang kam mir dabei gerade recht. Das Wetter war herrlich, die Ruhe nach dem Auftrag angenehm, und den Weg gestaltete ich mir kurzweilig, indem ich meinen Gedanken nachhing. Ich ließ den Auftrag noch einmal Revue passieren. Wir hatten Prime Evil nicht dematerialisieren können, dafür war er einfach zu mächtig, aber schließlich hatte er sich doch vertreiben lassen, wo auch immer hin. Mutmaßlich zurück nach Hauntquarters. Bald schon drifteten meine Gedanken vom dienstlichen in schönere Themen ab. Die Ausstellung zum Beispiel, die demnächst in unserer New Yorker Galerie startete, und die ich unbedingt besuchen wollte…
      Ich war in Gedanken schon ein gutes Stück gegangen, als ich plötzlich meinte, eine flüchtige Melodie zu hören. Meine eigenen Schritte hätten sie fast übertönt. Ich blieb stehen und lauschte. Hatte ich es mir nur eingebildet? Doch da, ganz in der Ferne, war sie wieder. Wenn ich genau hinhörte, konnte ich sie hören…

      Der Abend senkt sich auf die Dächer der Vorstadt
      Die Kinder am Hof müssen heim
      Die Krämersfrau fegt das Trottoir vor dem Laden
      Ihr Mann trägt die Obstkisten rein

      Ich hielt erstaunt den Atem an. Das mußte irgendwo aus dem Wohngebiet kommen, das zu meiner linken lag, ganz von der anderen Seite, wo es meines Wissens nach sogar eine Kneipe gab! Ob die Musik es schaffte, tatsächlich ganz von dort bis hierher zu gelangen?
      Ich spürte mein Herz höher schlagen. Alles zog mich in die Richtung, aus der das Lied kam, um das herauszufinden. Ich bog in die nächste Seitenstraße zu meiner linken ab, ging ein paar Schritte und lauschte erneut. Zuerst hörte ich nichts. Stille hatte den vagen Hauch der Musik abgelöst. Als ich schon enttäuscht umkehren wollte, durchbrach die flüchtige Melodie aber wieder die Stille:

      Der Tag ist vorüber, die Menschen sind müde
      Doch viele gehen nicht gleich nach Haus
      Denn drüben klingt aus einer offenen Türe
      Musik auf den Gehsteig hinaus

      Ich wagte kaum, mich zu bewegen, aus Angst, die Musik erneut zu vertreiben. Sie war einfach zu weit entfernt, um sie jetzt schon richtig greifen zu können, doch sie war definitiv da! Und ich war gewillt, ihren Ursprung herauszufinden! Wenn ich nur die Richtung besser hätte bestimmen können! Sollte ich vielleicht auf gut Glück auf die Kneipe zugehen?
      Ich beschloß, noch einen Moment stehenzubleiben und zu lauschen. Wenn die Musik doch woanders herkam, und ich sie vielleicht nicht wiederfand, wenn ich jetzt den falschen Weg einschlug – ich würde es mir nie verzeihen! Nicht heute, nicht in dieser Atmosphäre, nicht, nachdem ich mir gerade ausgemalt hatte, daß mein erzwungener Spaziergang vielleicht einen tieferen Sinn haben könnte!
      Ich lauschte in die Ferne, und da hörte ich es wieder, klar und deutlich, und dennoch noch so weit entfernt wie eine Erinnerung:

      Die kleine Kneipe in unserer Straße
      Da wo das Leben noch lebenswert ist
      Dort in der Kneipe in unserer Straße
      Da fragt dich keiner was du hast oder bist

      Ich versuchte, noch einmal die Richtung auszumachen. Es war nicht so einfach, dafür war die Musik zu weit entfernt, und wurde allenfalls vom Wind in meine Richtung getragen, wenn er günstig stand. Mal war sie besser zu hören, mal bald gar nicht, aber nie so deutlich, als daß ich genau hätte wissen können, woher sie kam.
      Ich folgte also zunächst meiner Intuition, suchte mir langsam und möglichst lautlos einen Weg zwischen den Häusern, von dem ich annahm, oder zumindest hoffte, daß der Klang näher kommen mußte. Immer wieder blieb ich stehen und lauschte. Besonders als die Gasse vor mir sich gabelte, versuchte ich, den Ort, von dem das Lied kam, genauer zu bestimmen. Und jetzt hörte ich die Musik schon klarer, wenngleich noch immer leise und weit entfernt:

      Die Postkarten dort an der Wand in der Ecke
      Das Foto vom Fußballverein
      Das Stimmengewirr, die Musik aus der Jukebox
      All das ist ein Stückchen Daheim

      Mein Herz schlug unwillkürlich schneller. Dies war in den heranbrechenden Abend hinein das zauberhafteste, was mir hätte passieren können. Ich hoffte sehr, daß ich am Ende meines Weges nicht feststellte, daß es lediglich ein Radio in einem Wohnzimmer gewesen war, oder etwas ähnlich banales, was mich nicht weiterbrachte.
      Ich wählte den rechten Weg und ging weiter auf die Musik zu. Zumindest hoffte ich, daß ich so auf die Musik zuging, ganz genau bestimmen konnte ich es noch nicht. Aber es hatte sich für mich vielversprechend angefühlt.
      Ich wagte es, meinen Schritt etwas zu beschleunigen. Immerhin gab es hier erst einmal nur eine Richtung in die ich gehen konnte. Und tatsächlich, je weiter ich den Weg hinaufging, desto lauter wurde die Musik:

      Du wirfst eine Mark in den Münzautomaten
      Schaust anderen beim Kartenspiel zu
      Und stehst mit dem Pils in der Hand an der Theke
      Und bist gleich mit jedem per du

      Der Weg führte mich noch ein Stück die Straße hoch, aber zu meiner Freude wußte ich nun sicher, daß er mich auf die Musik zuführte. Auf einmal hatte ich unheimlich Lust auf ein Bier und ein wenig Plauderei mit Leuten, die ich gar nicht kannte. Ich merkte plötzlich, wie ich den Weg mehr lief als ihn zu gehen, fast wie um die gerade gefundene Melodie nicht wieder zu verlieren.
      Zwischendrin stoppte ich einmal vorsichtshalber, als die Straße vor mir eine Biegung machte und nach rechts wegzuführen schien. Einen Augenblick war ich etwas verunsichert. Würde mich das von meinem gerade gefundenen Kurs wieder abbringen? Da mir nichts anderes übrig blieb, folgte ich der Straße mit rasendem Puls weiter. Dabei lauschte ich dem Refrain, der gerade wieder einsetzte und die Saiten in meinem Inneren zum klingen brachte:

      Die kleine Kneipe in unserer Straße
      Da wo das Leben noch lebenswert ist
      Dort in der Kneipe in unserer Straße
      Da fragt dich keiner was du hast oder bist

      Trotz der Biegung versuchte ich, die Musik nicht aus dem Fokus zu verlieren, lauschte, ob sie leiser zu werden drohte und schaute schon nach Möglichkeiten, zwischen den Häusern hindurchzukommen. Manchmal gab es ja so kleine Gassen, hier hatte ich dahingehend allerdings kein Glück. Und so folgte ich gezwungenermaßen verzweifelt weiter dem Weg in der Hoffnung, daß ich mich nicht weiter von den nun nicht mehr ganz so fernen Klängen entfernte, oder das Lied gar stoppte. Noch schien der Song mich aber zu begleiten, je weiter ich ging.
      Ich wandte den Blick aus der Richtung der Musik wieder vor mir auf den Weg. Dort vor mir war eine Querstraße. Bewegte ich mich noch in die richtige Richtung? Die Musik war nicht leiser geworden. Ich mußte mich aber mehr links halten! Ich bog also nach links auf die Querstraße ab und lief ein Stück den schmalen Bürgersteig hinunter, blieb noch einmal stehen und lauschte. Von hier konnte man die Musik ganz klar hören!

      Man redet sich heiß und spricht sich von der Seele
      Was einem die Laune vergällt
      Bei Korn und bei Bier findet mancher die Lösung
      Für alle Probleme der Welt

      Ich lief noch zwei Schritte, bog nach rechts in die Seitenstraße ab und lief immer schneller. Aufgedreht kam ich an einer neuen Kreuzung zum Stehen. Der Ursprung der Musik mußte jetzt ganz nah sein! Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Wenn ich richtig lag, brauchte ich nur noch den Weg vor mir hochzulaufen.
      Ich verfiel noch einmal in Laufschritt, bis ich am Ende der Straße angekommen war. Dort blieb ich atemlos stehen. Ich wandte mich nach links und lächelte. Die Tür der Eckkneipe stand offen, und aus dem Gastraum klang nun laut und deutlich das Lied bis auf die Straße.

      Wer Hunger hat, der bestellt Würstchen mit Kraut
      Weil es andere Speisen nicht gibt
      Die Rechnung, die steht auf dem Bierdeckel drauf
      Doch beim Wirt hier hat jeder Kredit

      Ich zögerte nicht lange, trat ein, und verschaffte mir einen schnellen Überblick. Ich war noch nie hier gewesen, aber ich fühlte mich gleich zu Hause. Ich suchte mir einen Platz am Tresen, bestellte mir ein Bier und die Bratwurst mit Kraut, und es dauerte gar nicht lange, bis ich mit den anderen Gästen an der Theke ins Gespräch kam.
      Die Atmosphäre war unbeschreiblich. Draußen fiel sanft der Abend in den Nachmittag herab und versetzte alles in ein Schummerlicht, bis die Straßenlaternen angingen, und in der Kneipe wurden die Gäste von der Musik aus der Jukebox, die in der Ecke stand, sanft getragen, während sie sich über Gott und die Welt unterhielten. Und ich konnte gar nicht beschreiben, wie unsagbar glücklich ich war, heute Abend hier zu sein.

      Die kleine Kneipe in unserer Straße
      Da wo das Leben noch lebenswert ist
      Dort in der Kneipe in unserer Straße
      Da fragt dich keiner was du hast oder bist

      Genau so hatte ich es mir vorgestellt, als ich die flüchtige Musik heute auf dem Heimweg zum ersten Mal gehört hatte. Und ich war dankbar um zwei Dinge: Daß ich es nicht dabei hatte bewenden lassen, und daß es tatsächlich nicht einfach ein Lied aus einem Radio in irgendeinem Wohnzimmer gewesen war.
      Mit einem Mal fragte ich mich, warum ich hier nie eingekehrt war. Es hatte sich nie ergeben; ich hatte die Kneipe beim vorbeifahren oder beim Drüberflug mal gesehen, daher wußte ich, daß sie existierte, aber näher hatte ich mich nie damit befaßt, tatsächlich einmal herzukommen, obwohl es wirklich nicht sehr weit von uns entfernt ist. Man muß zwar ein gutes Stück gehen, mehr als ein schöner abendlicher Spaziergang ist es aber nicht, was man aufwenden mußte. Manchmal bedurfte es eben nur einer schicksalshaften Fügung, um auf solche Dinge aufmerksam zu werden. Und ich war mir sicher, daß dies nicht mein letzter Besuch hier gewesen sein würde…

      Die kleine Kneipe in unserer Straße
      Da wo das Leben noch lebenswert ist
      Dort in der Kneipe in unserer Straße
      Da fragt dich keiner was du hast oder bist

      Es war bereits später, als ich beabsichtigt hatte, als ich die kleine Kneipe verließ, und mit einem ungeplanten Umweg nach Hause ins Ghostkommando zurückkehrte. Ich hatte ein gutes Stück von der Hauptstraße abgeschnitten und einige Kilometer mehr zurück gelegt, als ursprünglich gedacht, aber das machte nichts. Der Abend war es wert gewesen, und der Weg, den ich durch die Gassen gewählt hatte, war viel interessanter gewesen, als an der tristen Hauptstraße entlangzulaufen.
      Mehr als zufrieden kehrte ich an diesem Abend heim. Ich mußte sogar GB dankbar sein. Dies war die beste Art gewesen, um den Abend ausklingen zu lassen. Unglaublich, was so eine flüchtige Melodie alles ausmachen kann…


Anm. d. Aut.:
      Was Eddy nicht weiß ist, daß Prime Evil seinen Streit mit GB mitbekommen, und ihm auf der Hauptstraße eine Falle gestellt hatte, um ihn ein für alle Mal aus dem Weg zu räumen. Der Großbösemeister wartete lange vergebens an diesem Abend auf sein Opfer…


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Die Vorgabe für Kalenderwoche 21 war (von -Leela- mit Ergänzungen von Sira-la):
      Von irgendwo her kam leise Musik. Die Melodie war so flüchtig, daß man sie überhören konnte, und dennoch sollte sie mir das Leben retten.
      Dieser Prompt soll in Form einer SongFic umgesetzt werden.
      Für das Lied gibt es keinerlei Vorgaben, auch wenn mir persönlich es immer leichter fällt, deutsche Lieder in SongFics zu verwenden. Gute Bands, die ich empfehlen kann, sind Schandmaul, ASP und ähnliche, da kommen die SongFics teilweise von alleine ^^ Ob ihr das ganze Lied verwendet oder nur einen Teil davon, bleibt ebenfalls euch überlassen. Ihr könnt auch Auszüge aus mehreren Liedern verwenden.
      Das hier verwendete Lied ist »Die Kleine Kneipe« von Peter Alexander.
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