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Wundersame Erlebnisse aus dem Leben des Eddy Spenser

von - Leela -
Kurzbeschreibung
SammlungAbenteuer / P12 / Gen
Eddie Jake Jessica OC (Own Character) Prime Evil Tracy
20.01.2019
01.01.2021
100
261.220
9
Alle Kapitel
57 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
30.04.2020 1.523
 
Anm. d. Aut.: Dieses Kapitel wurde für die »Wochen-Challenge« von Sira-la geschrieben. Die Vorgaben werden jetzt zur Spoilervermeidung an’s Ende gestellt.
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Es gibt so einige Situationen, die Eddy überfordern. Und manche, denen er denkt, sich gewachsen zu fühlen. Und hin und wieder schlägt das zweite in das erste um. So wie in dieser Geschichte, die er heute erzählen wird.

About Fairy Tales

„So, Eddy, und hier finden Sie alles notwendige, was Sie für den Abend brauchen. Unter dieser Telefonnummer können Sie mich im Notfall erreichen. Ansonsten würde ich Ihnen viel Spaß, und noch mal vielen Dank für Ihre Hilfe.“

So hätte der Beginn einer ganz gewöhnlichen Geschichte für jemanden sein können, der einen Abend auf das Nachbarkind aufpaßt. Es wurde der Beginn eines Dramas!

Es hatte sich ganz zufällig ergeben, daß ich unsere Nachbarin aus dem Wohnblock nebenan in einem kleinen Laden in unserer Straße getroffen hatte. Wir kamen ins Gespräch, und dabei erwähnte sie, daß sie jemanden brauchte, der für eine Nacht auf ihr Kind aufpaßte, da sie zu einem Krankenbesuch in der Familie mußte, während ihr Mann auf Geschäftsreise war. Und ich Idiot sagte zu, diese Aufgabe zu übernehmen.
      Ich konnte eigentlich ganz gut mit Kindern. Deswegen machte ich mir auch keine Sorgen. Ich bedachte dabei nicht, daß es immer spezielle Situationen geben konnte, die alles, was man sich ausmalte, ad absurdum führten. Und eine solche Situation wartete auf mich par excellence!

Eigentlich begann der Nachmittag ganz unproblematisch. Wir spielten viel mit den verschiedenen Spielsachen, die uns zur Verfügung standen - das ist eine Spezialität von mir - zwischendrin gab es Abendessen, auch das bekam ich ganz gut hin, und so steuerten wir langsam auf die Schlafengehzeit zu, von der ich hoffte, daß die genauso gut über die Bühne ging. Und da stellte sich bereits das erste Problem ein. Schlafen gehen ist doof! Vor allem, wenn da jemand anstatt der Eltern ist, von dem man meint, daß man es mit ihm machen kann. Sprich: Mich!
      Ich überlegte mir, ob ich kämpfen wollte oder angesichts der besonderen Umstände alle Fünfe gerade sein lassen wollte. Immerhin, einmal verlängert hatte ich schon. Und da half mir der Zufall!
      Wir waren mitten in einem Spiel, das ich nun schon zum dritten Mal als »das letzte Spiel« deklariert hatte, als das Kind plötzlich unaufmerksam wurde. Der Grund dafür erschloß sich mir wenig später. Nachdenklich hielt das Kind einen Zahn in der Hand.
      Meine Nachbarin hatte mir bereits gesagt, daß das passieren könnte. Es war der erste Zahn, den der fünfjährige Junge verlor, und sie hatte sogar etwas Geld dagelassen, damit »Die Zahnfee« ihren Job erfüllen konnte. Das war in diesem Fall also auch ich.
      Im Wohnzimmer brach jetzt jedenfalls Aufregung aus. Das spielen war augenblicklich vergessen, dafür mußte sofort zu Bett gegangen werden! Immerhin kam die Zahnfee! Daß mir ein ausgefallener Zahn mal so in die Hände spielen würde, hätte ich nie gedacht!

Für den Rest des Abends hatte ich jedenfalls meine Ruhe. Dachte ich. Ich machte es mir auf dem Sofa bequem und wollte etwas lesen, als ich meinte, ein Geräusch gehört zu haben. Im Grunde bin ich nicht so leicht aufzuschrecken, da ich ja aber nun mal nicht zu Hause war und eine Verantwortung von jemand anderem übertragen bekommen hatte, ging ich vorsichtshalber doch nachsehen. Nur für’s Gefühl.
      Ich sah vorsichtig ins Kinderzimmer. Das Bild, das sich mir bot, brauchte einen Moment, bis es sich in meinem Geist richtig manifestierte. Mein Schützling schlief ruhig in seinem Bett, so wie es auch sein sollte. Ein Bild, was ich auch so erhofft, wenn nicht erwartet hatte. Vor dem Bett jedoch schwebte eine schimmernde, schwach leuchtende Gestalt, eine Fee, wie sie mich an Tinkerbell erinnerte. Während ich sie noch verwirrt musterte, sah sie sich erschrocken zu mir um. Unsere Blicke trafen sich. Im nächsten Moment stürzte sie zu Boden.
      Habe ich schon erwähnt, daß ich Zeit meines Lebens in Tinkerbell verliebt bin? Meine gesamte Courage sackte in sich zusammen, als die Fee wütend aufstand und mich mit allem beschimpfte, was ihr Wortschatz hergab. Folgendes lernte ich dabei:
      Ich hatte die Zahnfee mitten bei der Arbeit erwischt, und dadurch, daß ich sie als Erwachsener sah, ihrer Kräfte beraubt. Ich muß sagen, ich fühlte mich diskriminiert! Kaum hatte man ein bestimmtes Alter erreicht, wurden einem sämtliche zauberhaften Privilegien genommen, und nun zerstörte ich dadurch auch noch den Zauber, den gerade ich mir zu erhalten versuchte. Ich empfand, daß gerade ich es nicht verdient hatte!
      Das nützte mir gerade allerdings gar nichts. Im Gegenteil, ich hatte ein Riesenproblem am Hals. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, hatte die verunglückte Fee es auch noch geschafft, mit ihrem Gezeter das Kind aufzuwecken!
      Ich wurde also Zeuge der schnellen Auffassungsgabe eines Fünfjährigen. Ich werde nie die großen Augen vergessen, als der Junge die Fee entdeckte, und dann ging es auch gleich ganz schnell, daß er begriff, daß etwas nicht in Ordnung war. Glaubt mir, es ist schon nicht angenehm, von einer hübschen Zahnfee angezickt zu werden, noch anspruchsvoller ist es, von einem heulenden Jungen mit den Fäusten bearbeitet zu werden, weil ich ihn um seine Belohnung betrogen hatte.
      Ich mußte jetzt also das Kind beruhigen und mir Gedanken darüber machen, wie die Fee ihre Kräfte zurück bekam. Wie es mir gelang, wußte ich nicht, aber nach einem mehrminütigen Drama hatte ich Fee und Kind mit Kakao und Keksen beruhigt, und wir saßen zu dritt frustriert in der Küche zusammen; der Junge war frustriert, weil es keine Belohnung von der Zahnfee bekam, die Zahnfee war frustriert, weil sie ihrer Kräfte beraubt war, und ich war frustriert, weil ich mich ausgeschlossen fühlte.
      Ich war auch der erste, der anfing, sich zu beschweren! Gab es etwa Regularien, die dafür sorgen sollten, daß beides, sprich magisch begabte Zahnfeen und ungläubige Erwachsene, nicht zusammen existieren? Und was, zur Hölle, hatte das mit mir zu tun? War es ein Kapitalverbrechen, älter zu werden? Mußte ich für etwas bestraft werden, was ich überhaupt nicht beeinflussen oder gar verhindern konnte? Wo blieb da die Gerechtigkeit? Auf ü30-Partys konnte man schließlich auch gehen, wenn man noch unter 30 war und Eintritt bezahlte!
      …
      Das brachte mich auf eine Idee. Eltern, die nicht an die Zahnfee glaubten, und das dürften die meisten sein, legten den Kindern selber Geld unter das Kopfkissen und behaupteten, es sei von der Zahnfee. Damit machten sie, wenn auch unbewußt, einem Gewerbe Konkurrenz, dessen Existenz sich darin bedroht sehen konnte. Es war also kein Wunder, daß sie den Zauber vernichteten, der tatsächlich existierte, indem sie einfach vorgaben, er würde existieren. Meine Theorie war nun, wenn ich der Zahnfee ihren Verlust ausglich, und damit ihre Berechtigung wieder herstellte, würde sie dann auch ihre Kräfte wieder erlangen, um ihren Job ausführen zu können?
      Ich überlegte nicht lange, schnappte mir das Zahngeld, das meine Nachbarin auf den Küchentisch gelegt hatte und schob es der frustrierten Zahnfee zu. Ich erklärte ihr, daß das Geld für den Zahn eingesetzt werden sollte, und sie es bekommen sollte, um ihren Auftrag ausführen zu können. Den Jungen ignorierte ich dabei. Sollte seine Mutter sich doch später selbst mit ihm auseinandersetzen und ihm erklären, warum sie der Fee in die Parade gefahren war!
      Die Fee nahm, zunächst ein wenig skeptisch, das Geld an. Kaum hatte sie es berührt, löste es sich in Feenstaub auf, der sie einhüllte, und kurz darauf konnte sie wieder fliegen. Begeistert schwebte sie durch die Küche, und ich glaube, in dem Augenblick war auch der Umstand, daß seine Mutter ihn hatte betrügen wollen, für den Jungen vergessen.
      Wir folgten also der Fee zurück ins Kinderzimmer, wo sie ihr Werk vollendete, und zwar - und das möchte ich an dieser Stelle betonen! - unter meinen faszinierten Blicken. Es kommt eben doch immer darauf an, was für ein Erwachsener man ist, und ob man im richtigen Moment auch richtig reagiert!
      Das Kind war zufrieden, die Fee war zufrieden, und ich war es auch. Immerhin hatten wir alle bekommen, was wir wollten. Kaum legte sich der Feenstaub und die Zahnfee war verschwunden, kehrte Ruhe im Kinderzimmer ein, und der Junge schlief. Und ich konnte es mir endlich im Wohnzimmer gemütlich machen und noch ein bißchen lesen. Die Geschichte zu erzählen, würde ich bei der Rückkehr meiner Nachbarin jedenfalls dem Jungen überlassen. Mir würde sie sowieso nicht glauben…


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Die Vorgabe für Kalenderwoche 18 war:
      Du sollst auf das kleine Nachbarskind aufpassen, Übernachtung inklusive. Am Abend verliert es seinen ersten Zahn, der natürlich sofort unter das Kopfkissen gelegt wird.
      Dass die Zahnfee tatsächlich auftaucht, damit hast du nicht gerechnet. Und dass sie ihre Kräfte verliert, wenn ein Erwachsener sie sieht, damit erst recht nicht. Und als dann auch noch das Kind aufwacht, ist das Chaos perfekt.
       (Am Ende soll die Zahnfee ihre Kräfte wiederbekommen. Wie ihr das anstellt, ist euch überlassen.)
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