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Wundersame Erlebnisse aus dem Leben des Eddy Spenser

von - Leela -
Kurzbeschreibung
SammlungAbenteuer / P12 / Gen
Eddie Jake Jessica OC (Own Character) Prime Evil Tracy
20.01.2019
01.01.2021
100
261.220
9
Alle Kapitel
57 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
28.03.2020 2.156
 
Anm. d. Aut.: Dieses Kapitel wurde für die »Wochen-Challenge« von Sira-la geschrieben. Die Vorgabe für Kalenderwoche 13 war:
      Aus Gründen, die ihr euch selbst ausdenken dürft, kann/darf euer Hauptcharakter für mindestens eine Woche lang das Haus nicht verlassen. Er entschließt sich, diese Zeit sinnvoll zu nutzen und Speicher sowie Keller zu entrümpeln. Eventuelle Mitbewohner werden natürlich in das Vorhaben mit einbezogen, ganz gleich, wie begeistert sie sind.
      Ob die Aktion erfolgreich ist, oder alles am Ende noch chaotischer aussieht als davor, bleibt euch überlassen. Aber euer Charakter soll mindestens ein verloren geglaubtes, geliebtes Erinnerungsstück wiederfinden.

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Normalerweise schreibt Eddy die Kapitel in seinem Buch ja selbst. Beim nächsten Kapitel macht er eine Ausnahme, denn die Geschichte war für jemand anderen anscheinend spektakulärer als für ihn selbst. Und so überläßt er das Feld diesmal jemand anderem um die Geschichte zu erzählen. Viel Spaß bei:

Die Winterkatastrophen-Krise

Hallo, liebe Leser. Mein Name ist Jake Kong. Für gewöhnlich erzählt Eddy hier ja die Geschichten. Diese eine Begebenheit werde ich allerdings so schnell nicht vergessen, und daher bin ich froh, daß er mir erlaubt hat, die Geschichte für sein Buch zu schreiben. Die nachfolgenden Geschehnisse sind also einmal aus meiner Sicht geschildert, als mein bester Freund uns alle in den Wahnsinn trieb!

Es war in dem Winter, der als »Die Geisterstürme« bekannt war. Es hatte Schneestürme gegeben, welche die ganze Stadt unter sich begraben hatten. Auch unser Ghostkommando lag metertief unter Schnee, und wir mußten uns darauf einstellen, daß wir tagelang nicht aus dem Haus herauskommen würden.
      Vorräte hatten wir genug. Die Katastrophe war rechtzeitig in den Medien angekündigt worden, so daß wir uns gut vorbereiten konnten. Ab einem bestimmten Zeitpunkt wurden die Bürger dazu angehalten, die Häuser nicht mehr zu verlassen, und das aus gutem Grund. Was zunächst als Vorsichtsmaßnahme begann, entwickelte sich rasch zu der wortwörtlichen Unmöglichkeit, das Haus zu verlassen, weil Tonnen von Schnee Türen und Fenster blockierten.
      Eddy liebte den Winter. Er liebte Schnee, Eislaufen, Winterspaziergänge und alles, was dazu gehörte. Jetzt aber sperrte der Winter ihn im Haus ein, so daß er nichts davon genießen konnte. Im Gegenteil, gefangen in unseren eigenen vier Wänden konnten wir nichts anderes tun als abzuwarten, bis es vorbei war. Und Eddy drehte durch…!

Die ersten Tage ging es noch. Wir standen am Fenster und betrachteten fasziniert die zugeschneiten Scheiben, beschäftigten uns mit Dingen zu denen man endlich mal Zeit fand, und verbrachten die Zeit mit unseren Hobbys. Tracy sahen wir vom ersten Tag an nicht mehr, so euphorisch war der in seiner Werkstatt verschwunden.
      Ich beschäftigte mich mit neuen Poesieformen und versuchte dem Anlaß entsprechend Schneeballverse zu schreiben. Daran hatte ich eine unbändige Freude entwickelt. Alles ging gut – ganze zwei Tage lang. Dann begann Eddy, wie ein gefangenes Tier im Haus auf- und abzulaufen, und uns gleich mit nervös zu machen. Unsere Versuche, ihn dazu zu bewegen, sich zu beschäftigen, gingen ins Leere. Er hatte nicht einmal die Ruhe, sich hinzusetzen und einen Film im Skelevision zu schauen, und das will schon etwas heißen.
      Richtig anspruchsvoll wurde es aber, als er sich dann eine Beschäftigung suchte! Ich hatte ihn seit einer Weile nicht mehr gesehen, das hätte mir zu denken geben müssen. Statt dessen freute ich Idiot mich, daß ich endlich ungestört an meinen Versen arbeiten konnte.
      Ich wurde aufmerksam, als ich ein Rumoren über mir hörte. Allerdings schaltete ich zu spät. Mein Gesicht mußte jedenfalls Gold wert gewesen sein, als Eddy plötzlich einen alten Sessel ins Büro trug.
      Als ich ihn fragte, was das nun zu bedeuten hatte, erklärte er mir fast schnippisch, daß er sich dazu entschlossen hatte, den Dachboden aufzuräumen, so würde er zumindest etwas sinnvolles tun, wenn er schon nicht aus dem Haus konnte. Nun, die Idee an sich hatte etwas für sich. Nur erklärte das noch immer nicht, was der Sessel jetzt in unserem Büro machte. Ich erkannte erst später, daß das nur die Spitze des Eisbergs war.
      Als ich auf den Flur trat, traf mich bald der Schlag! Alles stand voll mit… Dingen! Man konnte keinen Fuß mehr setzen. Und Eddy war noch nicht fertig. Im Gegenteil, er hatte gerade erst angefangen!
      Ich zog mich taktisch ins Büro zurück. Der Sessel hätte mir Aufschluß darüber geben können, daß meine Idee, hier einen Rückzugsort zu haben, bis Eddy fertig war, nicht funktionieren würde. Und genau so kam es auch! In Nullkommanichts war hier ebenfalls alles so vollgestellt, daß ich froh sein konnte, noch einen Platz am Schreibtisch zu haben – von dem aus ich jetzt übrigens einen wundervollen Blick auf einen alten Wäscheständer hatte. Und das war’s dann auch! Es war Abend, und Eddy ging zu Bett. Wie gut, daß wir gerade ohnehin keine Klienten empfangen konnten. Das war das einzige, was ich an dem Abend dazu noch denken konnte…

Der nächste Morgen ging in genau dem gleichen Stil weiter. Es wurde nicht besser, es wurde schlimmer! Die Situation eskalierte fast, als ein aufgebrachter Gorilla durch das einem Schrottplatz ähnelnde Büro tobte und sich darüber aufregte, daß Eddy seine ganze Werkstatt mit Kram vom Dachboden zumüllte. Ach ja, ich sollte vielleicht dabei erwähnen, daß bei der Gorillahysterie eine Mingvase und drei alte Holzkisten in die Brüche gingen.
      Ich wurde neugierig und wollte mir das Resultat von Eddys Bemühungen mal mit eigenen Augen ansehen. Also stieg ich zu ihm auf den Dachboden hinauf. Ich hatte unseren Dachboden noch nie so leer gesehen… Ich hatte gar nicht gewußt, wie groß der Raum wirklich war. Im nächsten Moment fand ich mich mit einem Fondue-Set in den Händen wieder und der Anweisung von Eddy, es in die Küche zu stellen. Ich war so perplex, daß ich der Aufforderung sogar nachkam. Anschließend beschloß ich, den Dachboden vorsichtshalber zu meiden.
      Tracy hatte mittlerweile alles, was in seiner Werkstatt Platz gefunden hatte, wütend in Eddys Zimmer umgestapelt. Unsere Idee, ihn beim Mittagessen auf das Drama, das er veranstaltete, anzusprechen, schlug fehl, da er gar nicht erst mit uns aß, sondern sich etwas für zwischendurch mit auf den Boden nahm.
      Wir beschlossen, zunächst abzuwarten, als Eddy sich mit Putzzeug bewaffnete, um den Boden zu reinigen. Vielleicht löste sich der Spuk, und das war es im wahrsten Sinne des Wortes, ja in Kürze von allein wieder auf. Bevor Eddy aber endgültig auf dem Dachboden verschwand, verpaßte er nicht, uns die Anweisung zu geben, schon mal durchzuschauen, was von dem Gerümpel alles weg konnte.
      Tracy und ich wechselten einen verblüfften Blick. Selten hatten wir einen solchen Befehlston von Eddy erlebt. Er mußte extrem unzufrieden mit der Situation sein!
      Dennoch, wir beschlossen, daß die Idee jetzt nicht soo schlecht war und kamen der Aufforderung sogar nach. Da wir nicht raus konnten, beschlossen wir, die Sachen, die aussortiert wurden, vorübergehend in der Garage zu lagern. Seitdem haben wir Krach mit GB.

Ich hatte meine ganze Hoffnung auf den nächsten Tag gesetzt. Eddy hatte ganze Arbeit geleistet; am Abend hatte der ganze Dachboden geglänzt. Jetzt mußte es doch eigentlich wieder losgehen, daß die Sachen, die wir behalten wollten, auf den Boden zurück kamen, damit wir wieder Platz im Haus hatten! Ich hatte Eddy unterschätzt…
      Von purem Tatendrang beflügelt, wurden Flure und Zimmer nicht leerer, sondern voller. Eddy war im Keller angelangt…
      Auf meine Nachfrage hin, warum er nicht erst eine Sache zu Ende machen könne, bevor er die nächste begann, bekam ich eine verblüffende Antwort: Eddy erklärte mir, daß er erst alles auf der »mittleren Ebene« (die Etage zwischen Keller und Dachboden hatte einen Namen bekommen) zusammenziehen wolle, um zu gucken, was von unserem eingelagerten Inventar alles auf den Boden oder in den Keller sollte. Auf diese Weise wollte er alles gleich thematisch sortieren und vernünftig strukturieren. Was hätte ich darauf noch sagen sollen?
      Das Spiel ging also von vorne los, nur nicht von oben, sondern von unten. So viel Elan, wenn es ums aufräumen ging, hatte ich noch nie bei Eddy erlebt. Tracy hatte sich mittlerweile in seiner Werkstatt eingeschlossen.
      Ich intervenierte an der Stelle, als Eddy anfing, die Weinflaschen aus dem Weinkeller nach oben zu schleppen. Das mußte nun wirklich nicht sein, die mußten mit keinen anderen Dingen zusammengeführt werden und würden sicher nicht auf dem Dachboden landen! Ich hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht! Zwar ließ Eddy sich auf mein Argument ein; ich sah mich indes kurz darauf mit Putzzeug in der Hand wieder, um den Weinkeller auf Vordermann zu bringen. Nunja, da man im Büro gerade ohnehin keinen Schritt tun konnte, beschloß ich, daß die Alternative auch nicht besser oder schlechter als andere war und fügte mich in mein Schicksal.
      Als ich mit meiner Arbeit fertig war, waren Keller und Dachboden komplett leer, der Rest des Hauses stand voll, und, um den Supergau komplett zu machen, klingelte das Skelefon. Versucht ihr mal, ein schädelförmiges Telefon unter einem Haufen Gerümpel wiederzufinden, geschweige denn zu erreichen…
      Ansabone nahm die Sache auch gleich selbst in den Hörer und erklärte dem Anrufer, daß gerade niemand ans Telefon kommen könne, da das Ghostkommando aktuell zu einem Kuriositätenkabinett umfunktioniert worden war, daß sich so rapide veränderte, daß niemand mehr den Weg zum Schreibtisch fand. Nun, einmal in seinem Leben hatte Ansabone Recht!

Ich hatte, gelinde gesagt, die Schnauze voll! Wenn heute nicht das Gerümpel von den Fluren verschwinden würde, dann würde ich zum Gorilla werden, das wußte ich! Viele Wahlmöglichkeiten blieben glücklicherweise ja aber auch nicht mehr.
      Und tatsächlich, jetzt war Eddy an dem Punkt angelangt, an dem er all die Dinge, die uns den Weg verstellten und in den schweren Zeiten gerade die Lebensqualität raubten, sondierte und überlegte, wo sie hinsollten. Ich wagte kaum, ihn in seinem Fluß zu stören und zog mich lieber zurück, um ihm nicht in die Quere zu kommen, als Zug um Zug alles wieder in Keller und auf dem Boden seinen Platz fand. Ich gebe zu, es muß ungeheuren Spaß gemacht haben, alles neu einzurichten.
      Ich muß gestehen, um Eddy aus dem Weg zu gehen, zog ich mich am Vormittag in den einzigen Bereich des Hauses zurück, der von der ganzen Aktion nicht betroffen war: Das Bad! Hier konnte ich in Ruhe meine Schneeballverse schreiben. Das brachte mich noch einmal in Konflikt mit Tracy, der aufgrund eines gewissen Rufs der Natur verzweifelt vor der Tür auf- und ablief und fast platzte, nachdem er schon seit einigen Stunden das Wasser angehalten hatte. Ich wurde mir darüber erst richtig bewußt, als der Gorilla die Tür aus den Angeln riß, just als ich es mir auf der geschlossenen Toilette bequem gemacht hatte.
      Eddy jedenfalls hatte zwei Tage lang eine unbändige Freude daran, allem Kram auf Boden und im Keller einen neuen Platz zuzuordnen, und dabei noch einmal Sachen auszusortieren, die wir nicht mehr brauchten. Habe ich schon erwähnt, daß GB nicht mehr mit uns spricht?

Als Eddy mit allem fertig war, konnte ich meine Erleichterung kaum beschreiben. Dafür aber, und das muß ich unumwunden so sagen, staunte ich gleichermaßen. Nie waren Dachboden und Keller so aufgeräumt und gut sortiert gewesen. Eddy konnte zu Recht stolz auf sich sein!
      An dem Tag erwartete uns noch eine Überraschung. Eddy hatte uns in dem nun wieder begehbaren Büro zusammengetrommelt, und ließ es sich nicht nehmen, noch einmal zu erwähnen, was für eine nützliche Aktion das gewesen war. Nachdem wir ihn angemessen gebauchpinselt hatten, schmunzelte er auf eine seltsame Art und Weise, und überreichte Tracy den Bananenstampfer, den er mindestens schon seit fünfzehn Monaten suchte, und mir mein altes Freundschaftsbuch aus der Schule, das ich schon immer mal Futura hatte zeigen wollen, aber schon seit mindestens zwei Jahren nicht wieder gefunden hatte.
      Und noch etwas hatte Eddy gefunden, eine kleine Holzschachtel, in dem Trubel hatte er aber noch nicht hinein gesehen. Jetzt schaute er neugierig nach dem Inhalt, und erstarrte mit großen Augen. Es war sein altes Pfadfinder-Abzeichen, das er als Kind bekommen hatte, und das er schon seit ewigen Zeiten vermißt hatte. Ich weiß, wie sehr sein Herz daran hing, und wir hatten es schon nicht wieder gefunden, da waren wir damals knapp ins Ghostkommando eingezogen. Wir hatten wirklich gedacht, wir würden es nie wieder sehen, und irgendwann war es in Vergessenheit geraten. Eddy war zu Tränen gerührt. Was für eine schöne Belohnung für seine Mühe!

Während wir noch dort zusammen standen, wurde Tracy auf etwas aufmerksam. Er trat ans Fenster, sah hinaus und winkte uns zu sich. Was er uns zeigen wollte, stimmte mich nachdenklich. War diese Schneekatastrophe etwa nur deswegen entstanden, damit Eddy sein geliebtes Abzeichen wiederfand, auf das er heute noch so stolz war? Draußen fing es an zu tauen…
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