Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Wundersame Erlebnisse aus dem Leben des Eddy Spenser

von - Leela -
Kurzbeschreibung
SammlungAbenteuer / P12 / Gen
Eddie Jake Jessica OC (Own Character) Prime Evil Tracy
20.01.2019
01.01.2021
100
261.220
9
Alle Kapitel
57 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
18.05.2019 2.552
 
Anm. d. Aut.: Dieses Kapitel wurde für das »Geschichten-Bingo« von Mufterling geschrieben. Die Vorgabe zu der Nummer 22 war: "Dem Mann ins Gesicht sehend, der dabei war mich zu töten, bemerkte ich, dass ich nicht der Gute, sondern der Böse war.Niemand würde trauern wenn ich tot wäre"
__________________________________________________________________________________________




Eddy hat bislang nicht nur interessante Erlebnisse in seinem Leben erlebt, genug davon waren auch gefährlich und brachten ihn in lebensbedrohliche Situationen. So erschütternd diese Erlebnisse auch zum Zeitpunkt des Geschehens waren, sind es aber auch gleichzeitig mit die spannendsten, von denen er berichten kann. Eine solche hat er sich für das nächste Kapitel ausgesucht.

Drei gegen eine Geisterübermacht

Ein Friedhof. Ein Altenheim. Ich habe nie verstanden, wie man ausgerechnet diese beiden Orte direkt nebeneinander legen kann. Bis zu einem bestimmten Punkt in meinem Leben. Keepsake Hills. Eine hysterische Frau. Und plötzlich war alles ganz anders.
      Die Geschichte begann mit einem Telefonanruf, wie so oft bei unseren Aufträgen. Eine Frau rief bei uns an und erklärte Jake hysterisch, daß es in dem Ort, in den sie gerade zugezogen war, spuken würde. Großartig! Wir waren wieder mitten im Dienst. Und ich hoffte, das Honorar war gut.
      Auf dem Weg zu unserem Bestimmungsort resumierten wir die Informationen, die wir hatten. Es handelte sich um den Ort Oakbridge, ein kleiner Ort mit wenigen Einwohnern, die sich in der Regel alle kannten. Tracy wußte, daß das Völkchen gerne unter sich blieb und selten neue Einwohner zuzogen. Nun, Jake und ich hatten schon eine Ahnung, warum.
      Ganz in der Nähe des Ortes gab es eine Hügellandschaft mit drei großen Hügeln: Keepsake Hills. Ein treffender Name für den Friedhof, der sich über zwei Hügel erstreckte. Welche makabre Seele auf die Idee gekommen war, auf den dritten Hügel gleich das Rainbowbridge Seniorenzentrum zu bauen, erschloß sich mir zu dem Zeitpunkt noch nicht.
      Ein paar Gedanken, die uns auf unserer Fahrt durch den Kopf gingen, waren, daß die von der Frau beschriebene Gefahr vielleicht von dem Friedhof ausgehen könnte, und wenn das der Fall war, dann wären auch die alten Leute aus der Seniorenresidenz in Gefahr. Sofern sich der Sachverhalt nicht doch noch anders darstellte, mußte dort sofort eingegriffen werden!
      Wir trafen unsere Informantin in einem Bistro abseits des Ortes. Sie trug ein Kopftuch und eine große Sonnenbrille, um nicht erkannt zu werden, und erzählte uns nicht nur von Geistererscheinungen, sondern auch von Verschwörungstheorien. Sie fühlte sich verfolgt und fürchtete mittlerweile um ihr Leben.
      Für einen Augenblick hielt ich sie für verrückt und sah für sie eine Therapie als angebrachter. Trotzdem mußten wir ihrem Hinweis nachgehen. Sie bestätigte uns allerdings den Verdacht, daß der Ursprung der Geistererscheinungen auf den Hügeln zu finden war. Auf dem Friedhof. Na, herzlichen Glückwunsch! Mein Vater hatte Friedhöfe schon gehaßt, und das hatte er wohl an mich vererbt.
      Jake hinterfragte noch ein paar Sachen mehr, zum Beispiel, wann und wo genau die Geister auftauchten. Sie sagte uns, daß es jederzeit an jedem Ort passieren könnte, überall in Oakbridge, wo die Keepsake Hills zugehörigen. Hm. Das konnte uns die Arbeit leichter oder schwieriger machen, je nachdem.
      Im Anschluß an das Gespräch stellten wir GB taktisch an einem geschützten Ort ab, bewaffneten uns mit allem, was wir hatten und machten uns an’s Werk. Natürlich war unser erstes Augenmerk auf den Friedhof auf den Hügeln gerichtet!
      Ein Weg führte hinauf. Ein altes Holzschild wies uns den Weg sowohl zu dem Friedhof, als auch zu dem Seniorenwohnpark. Es war ein merkwürdiges Gefühl.
      Wir kamen unweigerlich nahe an dem Seniorenzentrum vorbei, und ich konnte meinen Blick nicht von der großen Anlage abwenden. Die hellen, freundlichen Gebäude mit der wunderschönen Außenanlage. Es erschien mir nicht nur makaber, daß zu der wundervollen Aussicht ausgerechnet ein Friedhof gehörte; jetzt schienen die Bewohner auch noch in Gefahr zu sein! Selten war ich bei einer unserer Missionen so erschüttert, daß es mir ein großes Bedürfnis war, unseren Auftrag erfolgreich zu Ende zu führen, wie jetzt!
      Als wir weiter den Berg hochgingen, wurden wir von einigen älteren Herrschaften auf Spaziergang kritisch beäugt. Kein Wunder, die wußten ja wahrscheinlich gar nicht, in welcher Gefahr sie schwebten. Großartig, und ausgerechnet ich, Eddy Spenser, mußte sie davor bewahren!
      Meine beiden Kameraden an meiner Seite schritten entschlossen den Weg hoch. Ob sie wohl nur gut zu verbergen wußten, was die bevorstehende Aufgabe in ihnen auslöste? Ich vermochte es nicht zu sagen.
      Als wir auf das Friedhofsgelände zukamen, holte Tracy sein Meßgerät heraus. Kaum daß er es eingeschaltet hatte, sprangen die Anzeigen bald über – und wir kippten fast aus den Socken! Was hier an spektraler Energie eingelagert war, hatten wir an keinem anderen Ort jemals zuvor gesehen. Selbst Jake war die Farbe aus dem Gesicht gewichen. Es war absolut richtig von der Frau gewesen, uns zu benachrichtigen!
      Wir sahen uns von unserem Standort aus vorsichtig zwischen den Bäumen, Grabsteinen, Hecken und Bänken um. Natürlich sahen wir nichts! Das war es, was unsere Arbeit so schwierig machte. Ein Geist, der nicht gesehen werden wollte, konnte nur mit einigen Tricks dazu gebracht werden, optisch wahrnehmbar zu werden. Und hier mußten hunderte von Geistern ihr Unwesen treiben!
      Ich wußte nicht, wie wir dem Spuk Einhalt gebieten sollten, ich wußte nur, wir mußten es um jeden Preis. Mittlerweile glaubte ich der Frau, die uns hier hergebracht hatte, alles. Die grimmigen Mienen der Senioren, denen wir begegnet waren, kamen mir wieder in den Sinn. Wahrscheinlich waren die Bewohner dieses Ortes schon so verstört und paranoid von der ganzen Spukerei, daß sie Fremden, wie unserer Auftraggeberin, nicht mehr trauten, obwohl sie helfen wollten. Vielleicht füchteten sie schon selbst alles fremdes, deshalb wurde sie bedroht.
      Wir berieten uns, wie wir vorgehen wollten. Ich äußerte meine Bedenken, es überhaupt zu schaffen, das Land von der ganzen Geisterenergie zu befreien, die sich hier angesammelt hatte. Und wir wußten nicht, wie verschlagen die Geister waren. Kaliber eines Prime Evil konnten wir hier nun gar nicht gebrauchen!
      Das schien auch Jake Sorgen zu machen. Wir verblieben zunächst einmal so, den ganzen Platz zu sondieren. Wir bewaffneten uns vorsichtshalber, Tracy teilte die Armbänder mit den Spektralmessern aus und wir beschlossen, uns nicht zu weit voneinander zu entfernen und in ständigem Funkkontakt zu bleiben. Bevor wir handelten, hieß die Devise aber erst einmal beobachten, damit wir wußten, worauf wir uns einließen. Nichts war fataler, als einen aufgeschreckten Geist zu busten, der hunderte von Freunden hatte, die ihm zu Hilfe kommen konnten!
      Wir trennten uns also, um möglichst schnell ein möglichst großes Gebiet unter die Lupe nehmen zu können. Ich war froh, daß wir bei Tag hier waren. Es wirkte sogar alles sehr freundlich. Wären die ganzen Grabsteine nicht gewesen, man hätte meinen können, sich in einem großen Park zu befinden.
      Nachdem ich das Eingangstor passiert hatte, sah ich noch viel mehr. Ein kleiner Bachlauf verlief über das Gelände. Es gab einen Springbrunnen und verschiedene kleine Pavillons zwischen den zum Teil mannshohen Hecken. Hätte der Spektralmesser an meinem Handgelenk nicht wie wild ausgeschlagen, es wäre die perfekte Spaziergeh-Idylle gewesen.
      Ich sah mich aufmerksam um. Sehr aufmerksam sogar – von überall her konnte es jederzeit losspuken! Ob sich wohl überhaupt noch jemand hier hertraute? Dafür sah aber alles viel zu gepflegt aus. Vielleicht wußten die Bewohner hier ja aber auch gar nichts von dem Spuk. Wenn sich die Geister bedeckt hielten, ahnten sie vielleicht nicht einmal, daß sie hier auf einer Geisterhochburg saßen. Immerhin würde hier kaum jemand ein Spektralmeßgerät haben. Dafür waren wir die Spezialisten. Aber, konnte man so eine geballte Geisterenergie tatsächlich nicht bemerken?
      Gedanken dieser Art gingen mir durch den Kopf, als ich mich auf dem Platz umsah. Die Anzeigen auf meinem Meßgerät gingen in’s astronomische; zu sehen war aber nichts. Nicht richtig jedenfalls, manchmal meinte ich Schatten und flüchtige Bewegungen zu sehen, die mir unangenehme Schauer durch den Körper laufen ließen.
      Über Funk hielt ich Kontakt zu Tracy und Jake und wußte daher, daß die Situation dort genauso war. Zumindest wurde bislang aber niemand von uns akut bedroht.
      Ich kam gerade auf einen kleinen Platz, der als Rosengarten angelegt war, als ich meine erste Geistererscheinung fand. Es handelte sich um die Gestalt einer jungen Frau, die offenbar unvorsichtig genug gewesen war, sich nicht zu verbergen. Ich richtete mit zitternden Fingern den Dematerialisator auf sie, schaffte es, ihr in bestimmten Ton die Anweisung zu geben, sich nicht zu rühren und fragte Jake über Funk, wie ich mich jetzt verhalten sollte. Ich kam nicht einmal dazu, meine Frage zu beenden, als ich plötzlich den Lauf einer Schrotflinte an meiner Schläfe spürte, gekoppelt mit dem unmißverständlichen Hinweis, keine falsche Bewegung zu machen, wenn mir mein Leben lieb war. Ich schluckte und gab noch vor dessen Antwort an Jake weiter, daß sich mein Anliegen gerade erledigt hatte.
      Der Mann mit der Flinte, der alles andere als ein Geist war, ging langsam um mich herum und schob sich vor die Geisterfrau, als wolle er sie beschützen. Die Flinte zeigte dabei die ganze Zeit unheilvoll auf mich. Als wir Blickkontakt hatten, und ich in seine haßerfüllten Augen sah, stellte er mir ein Ultimatum, von hier zu verschwinden und nie wieder herumkommen. Ich wurde das Gefühl nicht los, daß der Geist und der Mann mich in eine Falle gelockt hatten.
      Ich versuchte, dem Mann zu erklären, daß wir hier hergekommen waren, um zu helfen, und das Geisterproblem zu erledigen. Doch der Mann hörte mir nicht einmal zu und keifte mich nur an. Das machte mir bald noch mehr Angst als das Geisterproblem an sich. In welchem Zusammenhang stand er wohl zu dieser Verschwörung?
      Ausgerechnet das Geistermädchen war es, das sich nun einschaltete und dem Mann eine Hand auf den Arm legte. Sie sprach beruhigend auf ihn ein, sagte, daß ich ja gar nicht verstehen würde, worum es hier ging. Damit hatte sie sowas von Recht. Ich verstand gerade überhaupt nichts!
      Sie wandte sich nun, während der Lauf des Gewehrs ohne das leichteste Zittern auf mich zeigte, mir zu, und erklärte mir, daß der Mann neben ihr - also der, der mich bedrohte! - ihr Vater sei. Sie war vor einem Jahr bei einem Autounfall um’s Leben gekommen, und hier, in Oakbridge, auf den Keepsake Hills, hatten sie die Chance, trotzdem zusammenzuleben. Dafür wäre dieser spezielle Friedhof errichtet worden, um es Menschen zu ermöglichen, über den Tod hinaus Kontakt zu halten. Deswegen kamen die Leute in der Regel her, um in Oakbridge zu leben, und deswegen lag das Seniorenzentrum ganz in der Nähe, um den Pärchen, von denen einer bereits verstorben war, zu ermöglichen, zusammenzubleiben, bis der andere folgte, und sie gemeinsam in die nächste Welt gehen konnten.
      Das warf auf einmal ein ganz anderes Licht auf die Sache. Mit einem Mal wurde mir so vieles bewußt: Der Ursprung der ganzen Geisterenergie, die Zusammenhänge zwischen dem Ort, dem Seniorenzentrum und dem Friedhof, ja, sogar der Name der Hügel ergab plötzlich einen ganz neuen Sinn für mich.
      Der grimmig-entschlossene Blick des Mannes ruhte noch immer auf mir, die Flinte im Anschlag, von der ich sicher war, daß er sich nicht scheuen würde, davon Gebrauch zu machen, und immer mehr konnte ich nachvollziehen warum. Seine rauhe Stimme stellte mir sämtliche Härchen auf, als er mir erklärte, daß er seine Tochter schon einmal verloren hatte, und es nicht zulassen würde, daß er sie durch meine Hand noch einmal verlor.
      Dem Mann in’s Gesicht sehend, der drauf und dran war mich zu töten, bemerkte ich, daß ich nicht der Gute, sondern der Böse war. Nie war mir in den Sinn gekommen, daß diese ganze Gegend hier einen bestimmten Zweck erfüllen konnte und Menschen half, weit über den Tod hinaus beisammen zu bleiben. Und nun kam ich hier her mit dem Ansinnen, all das positive hier mit einem Schlag zu vernichten. Als ich in den Lauf der Flinte sah, wurde mir eins auf unbehagliche Weise bewußt: Niemand hier würde trauern, wenn ich tot wäre.
      Ich versuchte, meinen Gegenüber mit einer sachten Geste, Ruhe bewahren zu lassen. Während ich langsam meinen Dematerialisator auf dem Boden ablegte, versicherte ich den beiden, daß sie vor mir nichts zu befürchten hatten, und ich ihnen helfen wollte. Die Skepsis im Blick des Mannes blieb, trotzdem ließ er mich gewähren, als ich mein Funkgerät einschaltete. Ich erklärte Jake und Tracy, daß alles in Ordnung sei, sie die Waffen einstecken und zu mir herkommen sollten.
      Jake fragte mich postwendend, ob ich gezwungen worden war, das zu sagen. Es war zum verrückt werden! Nachdem ich ihm nochmals versichert hatte, daß ich das Rätsel gelöst hatte, und alles ganz anders war, als es sich uns zu Anfang dargestellt hatte, sicherten die beiden zu, herkommen, und ich hoffte inständig, daß Jake keine seltsamen Heldentaten plante.
      Ich hob meine Hände und legte dem Mann nahe, seine Waffe ebenfalls auf dem Boden abzulegen, da meine Freunde es sonst als Angriff auf mich werten müßten. Ich sah ihm an, daß ihm der Gedanke nicht behagte; seiner Tochter jedoch gelang es, ihn davon zu überzeugen, daß ich Recht hatte.
      Als Jake und Tracy vor Ort waren, erläuterte die junge Geisterfrau die Begebenheiten noch einmal. Die Geschichte war so schlüssig, daß keiner von uns sie in Frage stellte, und ich genoß die Überraschung in den Mienen meiner Freunde. So wie ich zuvor stellten die beiden fest, daß sich alles um ein großes Mißverständnis handelte. Der Mann warf uns daraufhin grimmig vor, daß wir erst mit den Bewohnern des Ortes hätten reden, und uns erkundigen können. Da hatte er wohl Recht.
      Wir brachen unseren Auftrag an der Stelle ab und holten unser Versäumnis nach, sprachen mit Leuten aus dem Ort und der Seniorenresidenz und sogar mit einigen Geistern, die uns alle die Geschichte des Mädchens bestätigten, und erfuhren so auch, daß man versucht hatte, unsere Auftraggeberin von der friedlichen Koexistenz von Geistern und Menschen in diesem Ort zu überzeugen, doch ohne Erfolg. Als sie hysterisch wurde und versprach, etwas gegen diesen Mißstand zu unternehmen, war die Situation eskaliert, und wir zwischen die Fronten geraten.
      Wir zogen ebenfalls alle Register, mußten der Lady leider mitteilen, daß der Ort zukünftig unter dem Schutz der Ghostbuster stand und regten an, Oakbridge schon auf den Ortsschildern als offizielle »Ghosttown« zu deklarieren.
      An den Grenzposten des Friedhofs stehen nun neckische Hinweisschilder mit kleinen stilisierten Geistern, die darauf aufmerksam machen, daß es sich hier um offizielles, Ghostbuster-geprüftes Geistergebiet handelt.
      Aus diesem Auftrag sind auch einige nette Bekanntschaften entstanden, und die Leute nahmen das Versprechen gerne an, uns zu Hilfe zu holen, sollte es noch einmal solch einen Ärger geben wie dem, der uns überhaupt erst nach Oakbridge geführt hatte.
      Tja, auch wenn unsere Berufsbezeichnung es nicht unbedingt hergibt – wir vernichten eben nicht nur Geister, sondern schützen sie auch, wenn die Umstände es erfordern.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast