illusion breaks

von sculapius
OneshotDrama, Angst / P12
20.01.2019
20.01.2019
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–  illusion breaks  –
it kills me real slow, so much
that it hurts


o1
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 »Das kann nicht echt sein«, wisperte sie stotternd, hilflos, sich wiederholend, Angst erfüllte sie, die ihn hart schlucken ließ. Ihre fragilen, zitternden Finger verkrampften sich um den Stoff seines blütenweißen Hemdes, ehe sie sich an ihn drückte, bis er widerstandslos mit ihr gemeinsam auf Erde und Gras fiel.
 Norman kannte Emma so nicht, und er schwieg, unfähig dazu, Worte zu formulieren, die ihr halfen, zu überstehen, was sie gesehen hatten. Er konnte sich in Wahrheit selbst nicht helfen, nicht retten, vor dem, was ihnen noch vor wenigen Minuten unwillkürlich vorgekommen wäre.

 »Mutter ist … sie ist─«, Emma weinte, aber keine einzige Träne lief über ihre Wange, stillschweigend ertragend, in der brutalen Realität zu erwachen, die sie nicht kannte, die sie nicht wollte, während der Wind an ihren Leiber zog, und die ersten Himmelskörper am tiefschwarzen Firmament zu erblicken waren.

 Sie schrie, obwohl kein einziger Laut ihre schmalen Lippen verließ. Zu groß war die Angst, von Mutter gehört zu werden, zu hoch das Risiko, sie beide zu verraten.

 Norman presste ihren zierlichen Körper enger an seinen eigenen; er spürte ihr schnell schlagendes Herz unter seinem, während er die Augenlider schloss, und versuchte, zu verarbeiten, was sie gesehen hatten: Dämonen, Ungeheuer, bei denen er geglaubt hatte, sie existierten nur in Büchern. Menschenfresser. Das kann nicht echt sein. Aber das war es. Es gelang ihm nicht, er konnte nicht verleugnen, dass das, was geschehen war, mit Conny, mit allen Kindern, die das Waisenhaus verlassen hatten, Eltern hatten bekommen sollen, nicht der Wirklichkeit entsprach, niemals entsprechen würde.

 Wir sind Vieh. Wir sind Nahrung.

 Sein Brustkorb zog sich schmerzlich zusammen; er bekam keine Luft, obwohl er atmete, noch lebte. Und dennoch bildete sich ihretwegen ein mildes Lächeln auf seinen Lippen, das seine himmelblauen Iriden jedoch nicht erreichte, weil er nicht zulassen durfte, dass sie wie Porzellan zerbrach. Er musste stark sein. Für sie, für alle.

 »Emma, wir müssen weitermachen. Du musst lächeln.«

 Norman wollte sie beschützen, mit allem, was er hatte, mit all seiner Kraft, die er aufbringen konnte. Und Emma lächelte. Für ihn. Für Ray. Für alle Kinder. Aber ihre Welt brach auseinander, während all die Splitter auf sie niederprasselten; das repräsentieren, was sie waren. Gebrochen. Hoffnungslos. Und für den Augenblick verloren.



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dust still in the wind, i cannot
see to the end
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