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Die wilden Hühner in Dänemark

von Anonym7
GeschichteAbenteuer, Romanze / P12
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Friedrich Baldwein / Fred OC (Own Character) Thorsten Stubbe / Torte Wilhelm Blödorn / Willi
20.01.2019
06.02.2019
15
21.565
 
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20.01.2019 1.063
 
'Lieber Fred,
Ich weiß, es ist schwach, dir das alles in einem Brief zu sagen, aber wenn ich dir gegenüberstehen würde, um dieses Gespräch zu führen, würde ich vermutlich zusammenbrechen.
In den letzten 2 Wochen hast du dich in meinen Augen völlig verändert. Ich erkenne dich nicht wieder. Wenn ich dir in die Augen sehe, erkenne ich nicht mehr den Jungen, in den ich mich verleibt habe. Niemals hätte ich gedacht, dass du mich so verletzen würdest. Klar ich war oft eifersüchtig, aber ich habe immer irgendwie gedacht, dass ich dir wichtig bin und du das, was wir beide haben, bzw. hatten, nicht aufs Spiel setzen würdest. Aber da habe ich mich wohl getäuscht. Du weißt nicht, wie es sich anfühlt, das zu sehen, was ich mit ansehen musste. In dem Moment ist etwas in mir gestorben und zwar die Liebe, die Liebe für dich. Ein Stück weit zumindest. Fred, die letzten Tage waren unglaublich schlimm für mich, ich bin hin und her gerissen zwischen dich hassen und vermissen. Und langsam müsste ich auch völlig dehydriert sein. Ich weiß aber auf jedem Fall, dass ich nicht so weiter machen kann, ich halte das einfach nicht mehr aus. Ich kann dich zur Zeit nicht sehen und will auch nicht mehr an dich denken müssen. Meine restlichen Gefühle für dich möchte ich nicht weiter erdulden müssen. Du hast unsere Beziehung aufs Spiel gesetzt und nun hast du sie verloren. Ich wünsche dir viel Spaß mit deiner neuen Freundin.

Sprotte'

Besiegelt wurde der Brief mit einer Träne, die direkt neben ihrem Namen landete. Der Brief hatte sie wirklich Überwindung gekostet, niemals hatte sie gedacht, dass sie sich eines Tages von Fred trennen würde. Immer wieder waren ihr die Bilder ihrer gemeinsamen Zukunft durch den Kopf gegangen, ihre Hochzeit, ihre Kinder und wie die beiden im Alter am Wohnwagen saßen und in Erinnerungen schwelgten. Doch es hatte sich alles geändert. Er hatte sie betrogen, offensichtlich war sie ihm nichts mehr wert, was sie leider nicht behaupten konnte. Sie hasste sich aktuell selbst dafür, dass sie zuhause lag und sich die Augen rot heulte. Seit einer Woche ging das nun so. Auf der Klassenfahrt hatte sie sich noch zusammengerissen und das tat die in der Öffentlichkeit auch immer noch. Aber sobald sie alleine war, waren alle Dämme gebrochen. Sie liebte ihn noch, das war ja wohl klar, und das machte sie fertig. Und genau das wollte sie hinter sich lassen. Einen Schlussstrich. Die Idee mit dem Brief kam ihr in der Schule.
Den Brief dann einzuwerfen, war aber tausend mal schwerer als ihn zu schreiben. Der Gang zu Freds Haus war wie eine Qual, seine beleuchtetes Zimmer von außen zu sehen tat ihr im Herzen weh. Als sie vor seiner Haustür stand, zögerte sie kurz, aber dann warf sie den Brief doch ein.
'War das die richtigste Entscheidung? Ich will doch nur wieder mit ihm glücklich sein!'
Sofort bereute sie ihre Aktion kurz, doch als sie nach Hause ging, fühlte sie sich zum ersten mal seit 2 Wochen nicht mehr hundeelend. Mit einem kleinen Lächeln kam sie zuhause an...

'Geliebte Sprotte,
Ich weiß es ist falsch, dir das alles in einem Brief zu sagen, aber ich habe Angst davor mit dir zu sprechen. Angst, dass du weinen würdest, Angst, dass du weglaufen und mir garnicht zuhören würdest. Eigentlich habe ich es auch garnicht verdient, dass du mir zuhörst. Was ich getan habe, ist das schlimmste, was man jemandem antuen kann, den man liebt. Und das tue ich, ich liebe dich. Sei dir dessen immer bewusst und denk jetzt nicht, dass das jemals anders war oder du mir nichts bedeutest. Der einzige, der mir nichts mehr bedeutet, bin ich selbst. Ich sehe in den Spiegel und erkenne mich nicht wieder. Ich sehe in meine Augen und erkenne mich nicht, ich sehe einen völlig Fremden an, der zufällig meine Augenfarbe hat und ich eckle mich vor ihm. Ich weiß nicht, wie ich zu dieser Person werden konnte. Ich habe immer gewusst, dass ich dich nie verletzten würde, deshalb fand ich deine Eifersucht auch immer so verletzend. Aber offensichtlich hattest du ja jeden Grund dazu. Ich glaube nicht, dass ich mich dafür entschuldigen kann, was ich getan habe, denn dafür gibt es keine Entschuldigung. Ich kann nur eins tun. Und zwar dir sagen, dass ich dich immer lieben werde und ich mir mein Leben ohne dich nicht vorstellen kann, ohne dich ist es kein Leben. Also werde ich um dich kämpfen, bis du und vor allem ich selbst mir wieder in die Augen sehen kann.

In Liebe
Fred.'

Noch nie war es Fred leicht gefallen, seine Gefühle auszudrücken oder sich in Texten gut zu artikulieren, aber jetzt konnte er es auf einmal. Es floss alles nur so aus ihm heraus. Alles was er Sprotte schon auf der Klassenfahrt sagen wollte, denn das Erlebnis mit Sabrina hatte ihm die Augen geöffnet. Es war gewesen, als wäre aber auf Autopilot, völlig unansprechbar. Er erinnerte sich kaum. Dieses Mödchen hatten er und Willi am Eingang der Jugendherberge getroffen. Am Anfang fand er sie sehr sympathisch und nach ein zwei Tagen dachte er sogar er könnte sich in sie verlieben, weil sie nicht Sprotte war. Zu dieser Zeit war er regelrecht stocksauer auf seine Freundin, er dachte sie hätte mit ihrer Beziehung abgeschlossen. Doch als er von Waldbad zurückkam, merkte er, dass er mit der Beziehung abgeschlossen hatte, besser gesagt, sein anderes Ich. Auf einmal fand er Sabrina unausstehlich und wollte sie eigentlich nicht wieder sehen, am liebsten am morgen danach schon nicht mehr, weil sie eben nicht Sprotte war. Denn für ihn gab es nur sie. Er wollte mit ihr reden, doch nachdem er abgeblockt worden war, sah er ein, dass das keinen Sinn hatte und hielt Abstand, so weh es ihm tat. In der Schule kam ihm dann die Idee mit dem Brief. Das war eine gute Idee, dachte er, so würde sie ihm zumindest wieder in die Augen sehen können, hoffte er zumindest. Doch das schreiben half auch ihm, seinen Gefühlen ein Ventil zu geben, so verdrückte der stolze Pygmäe sogar eine Träne. Als er mit Schreiben fertig war, war er voller Hoffnung und wollte sich gleich auf den Weg zu Sprotte machen. Doch auf dem Boden vor der Tür blieb er stehen. Auf dem Boden lag ein Brief, die Handschrift erkannte er sofort.
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