The sun will shine on us again

GeschichteDrama, Familie / P16
Captain America / Steven "Steve" Grant Rogers Hulk / Bruce Banner Iron Man / Anthony Edward "Tony" Stark Loki OC (Own Character)
20.01.2019
26.04.2019
24
53081
30
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59 Reviews
Dieses Kapitel
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Es geht weiter! Danke für die 4 lieben Reviews zum letzten Kapitel. Geht doch.
Danke natürlich auch für die 6 Sternchen und die 32 Favoriteneinträge.
Die Hälfte dieses Kapitels war nicht so geplant! Ich hoffe, die Kinder sind einigermaßen realistisch dargestellt. Was sonst noch? Ach ja... man merkt, dass ich Clint Fan bin. Ups ;-)
Um euch ein bisschen bei Laune zu halten... Lorena wird in einigen Kapitel nach Asgard reisen!
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„Natasha!“ Ich würde gerne aufstehen und die Freundin begrüßen, aber mein Körper protestiert energisch, deshalb bleibe ich auf meinem Bett liegen. Die Agentin schließt lachend die Türe hinter sich und setzt sich auf den Stuhl vor meinem Schreibtisch. „Soll ich Maria sagen, dass sie dich nicht so hart ran nehmen soll?“ Ich schüttle den Kopf. Weder will ich eine Sonderbehandlung noch weniger Training. Ja, es ist anstrengend und ich habe regelmäßig mit Muskelkater und blauen Flecken zu kämpfen, aber ich werde jeden Tag ein bisschen besser. „Ich schaff das schon!“, beruhige ich die Rothaarige.
Natasha schaut mich kritisch an, sagt aber nichts mehr dazu. „Und sonst? Schon Freundschaften geschlossen?“ Ehrlich gesagt liebe ich das Einzeltraining und die Theoriestunden im Klassenraum, aber bei den Sportstunden mit meinen zukünftigen Mitagenten bekomme ich regelmäßig die Krise. „Die meinen alle, mich wie ein Kleinkind behandeln zu müssen, nur weil ich die Jüngste bin“, erkläre ich und setze mich nun doch auf. „Weshalb bist du hier?“, frage ich schließlich und sehe sie neugierig an.
Natasha zieht eine dünne Mappe aus ihrer Umhängetasche hervor. „Du bist Jahrgangsbeste! Nach nur einem Monat. Wenn das so bleibt... Nun, die Besten haben gewisse Privilegien. Gibt es irgendetwas, das du gerne hättest?“ Mein erster Impuls ist es, zu verneinen. Elektronisch bin ich so gut ausgestattet wie noch nie, meine Tutoren sind alle streng, aber fair und da sich Natasha und Clint ab und zu nach mir erkundigen, bin ich nicht ganz alleine hier. Doch dann fällt mir etwas ein. „Darf ich direkt mit Bogenschießen anfangen und die Pistolen weglassen?“ Gerne würde ich auch morgens nicht mehr um fünf Uhr aufstehen müssen, aber um halb sechs beginnt unser Lauftraining und das darf ich wahrscheinlich auch als Jahrgangsbeste nicht schwänzen. „Ich spreche mit Maria“, versichert mir Natasha und erstaunlicherweise hakt sie nicht weiter nach, was meine Ablehnung von Schusswaffen betrifft.

Die nächsten Monate sind mehr als anstrengend. Da ich jedoch im Gegensatz zu meinen Mitschülern kein Interesse an heimlichen Partys, nächtlichen Besuchen bei potenziellen Paarungspartnern oder Rebellionen gegen die Tutoren habe, kann ich meinen Stand als Jahrgangsbeste halten. Ich trainiere wie verrückt, meine Kenntnisse in Selbstverteidigung und meine, bis vor zwei Jahren noch guten Noten helfen ungemein. Jeden Tag gibt es Kampftraining, Lauftraining und simulierte Einsätze. Am Nachmittag bis Abend läuft dann der Theorieunterricht, wozu nicht nur verschiedene Waffenarten, die gefährlichsten Verbrecher und allgemeines Programmieren und der Umgang mit modernster Technik gehören sondern auch Geschichte, Mathematik und Naturwissenschaften. Einzig in Mathematik habe ich Probleme, aber wenn ich rechtzeitig vor einem Test anfange zu lernen, komme ich ganz gut durch. Meine Lieblingstutorin ist Maria Hill. Sie ist, meiner Meinung nach, noch unterkühlter als Natasha und furchtbar professionell, aber eine verdammt gute Agentin und wenn man sich ihren Respekt verdient hat auch manchmal freundlich und witzig. Nick Fury sehen wir jeden Monat nur ein Mal, wenn er sich unsere Fortschritte anschaut. Von Natasha erfahre ich irgendwann, dass Clint sich einige Monate Urlaub genommen hat, weshalb ich jetzt Steve als männlichen Ansprechpartner in der Nähe habe. Ich finde es ziemlich süß, wie die Avengers sich um mich kümmern und hasse es umso mehr, Natasha anzulügen.
Odin, die Schlange, taucht leider nicht mehr auf und ich vermute, dass Loki aus seinem Gefängnis in Asgard raus keine Magie wirken kann. Zweimal war Frigga als Projektion bei mir, was mich stark an Star Wars erinnert hat, doch ihre Magie ist der Hologramm-Technik in den Filmen weit überlegen. Sie versichert mir beide Male, dass Loki so gut behandelt wird wie möglich und er sogar eine Zelle ganz für sich hat. Wenn ich irgendetwas brauche, soll ich ihr Bescheid geben. Beim zweiten Besuch wage ich es, zu fragen ob Loki sich bei ihr nach mir erkundigt. „Nun, er wünscht, dass Heimdall mich sofort informiert, wenn dir etwas zustoßen sollte.“ Das erleichtert mich ungemein. Er will also keine Details wissen, interessiert sich aber zumindest dafür ob ich lebe oder sterbe. Mehr kann und will ich nicht von ihm erwarten.
Genau sechs Monate nach meiner Aufnahmeprüfung kommen Natasha und Maria Hill mit ernsten Gesichtern in mein Zimmer. Ich sitze am Schreibtisch und versuche, mir die Daten irgendeiner russischen Revolution zu merken und gleichzeitig nicht zu vergessen, wie viele große Terrororganisationen es im Moment gibt und wie die alle heißen. Als die beiden hereinschneien bleibe ich auf dem Stuhl sitzen, drehe mich zu ihnen um und schaue sie fragend an. „Bin ich beim letzten Test durchgefallen?“ Wir haben am letzten Tag eine Prüfung in Naturwissenschaften gehabt und die Resultate wurden noch nicht bekanntgegeben.
„Es geht um den Drogentest letzte Woche“, beginnt Hill. Ich runzle die Stirn. Da ich keine Drogen nehme, sind diese Tests für mich einfach leidige Routine und schnell wieder vergessen. Im Übrigen wird unser Blut und Urin dabei auch auf Aufputschmittel, Doping und etwaige Krankheiten untersucht. „Bin ich wieder krank? Hat Loki was falsch gemacht?“ Ich springe fast von meinem Stuhl. Bitte, nicht wieder eine ominöse  Krankheit die mit meinem vorzeitigen Tod endet. „Nein, du bist nicht krank“, beruhigt mich Natasha sofort. „Du kennst die Konsequenzen für Drogenkonsum, ja?“ Verwirrt sehe ich Hill an. „Natürlich. Sofortiger Ausschluss aus dem Ausbildungsprogramm.“ Zwei Mitschüler mussten schon gehen, weil sie ihre Denkleistung künstlich antreiben wollten.
„Lorena, in deinen Proben wurden Spuren von Cannabis gefunden.“ Gut, dass ich schon sitze. „Wie bitte?“ Beide Frauen beobachten mich genau und meine Reaktion überzeugt sie anscheinend davon, dass ich keine Ahnung von meinem Cannabiskonsum habe. „Dann müssen die Proben vertauscht oder kontaminiert worden sein.“ Natasha setzt sich auf mein Bett. „Lorena, Thomas berichtete mir von Zweikämpfen im Sportunterricht, die... heftiger geworden sind. Du lagst schon dreimal auf der Krankenstation und jedes Mal haben die Ärzte mich benachrichtigt, weil die Verletzungen nicht nur vom Training kommen konnten. Doch ich dachte mir, wenn du Probleme hast würdest du auf mich zu kommen und mit mir reden. Jetzt will anscheinend jemand das sofortige Ende deiner Ausbildung bei SHIELD. Was ist hier los?“
Da ist es. Der Grund, warum ich Natasha anlüge, warum ich ein schlechtes Gewissen habe, wenn sie sich um mich kümmert. Sie hat als wichtige Agentin und Mitglied der Avengers einfach genug zu tun und muss sich nicht auch noch um meine Probleme kümmern. In einem Monat werde ich achtzehn und dann kann ich endgültig alles alleine regeln. „Du hast mal gesagt, die anderen Schüler würden dich wie ein Kleinkind behandeln. Aber das war nicht die ganze Wahrheit, oder?“ Maria Hill, die in den letzten Minuten nichts gesagt hat, hockt sich jetzt vor mich hin. „Hör zu: Auch, wenn wir euch zu professionellen Agenten machen wollen, vergisst niemand von uns, dass wir alle nur Menschen sind. Zickenkriege und Machogehabe sollt ihr unter euch ausmachen, aber Sabotage ist etwas anderes! Du sollst später nicht mit Menschen zusammenarbeiten müssen, die dich am liebsten loswerden wollen. Wir bei SHIELD, wir sind ein Team. Wir können uns aufeinander verlassen. Das heißt auch, dass du dich auf uns verlassen kannst!“
Ich versuche wirklich, nicht zu weinen, doch es funktioniert nicht. Beschämt senke ich den Blick als die ersten Tränen über meine Wangen rollen. Besonders vor diesen beiden starken Frauen will ich nicht wie ein Jammerlappen aussehen. Ich kann meine Probleme alleine regeln! Entschlossen schnappe ich mir ein Taschentuch, wische mir die Tränen aus dem Gesicht und lächle Natasha an. „Ihr müsst euch wirklich keine Sorgen machen. Im Prinzip verstehen wir uns alle gut und was diese Probe angeht.. Bestimmt ist nur jemand neidisch, weil ich Jahrgangsbeste bin. Ich nehme doch keine Drogen!“
„Okay, wenn du nicht reden willst...“ Hill ist endlich bereit, aufzugeben und hat die Hand schon auf der Türklinke, als Natasha sie zurückhält. „Ich hätte da eine andere Lösung. Wie Lorena gesagt hat, sie ist die Beste. Es wird Zeit für ihren ersten praktischen Einsatz!“  Erstaunt und ein bisschen misstrauisch sehe ich sie an. Was genau hat Natasha vor? „Personenschutz. Du kommst einige Monate hier raus, kannst dein Training trotzdem fortsetzen und gleichzeitig mal mit netten Menschen in Kontakt kommen.“
Hill nickt verstehend. „Du schickst sie zu Clint?“ „Wieso braucht Clint Personenschutz?“, frage ich verblüfft. Gut, er ist im Urlaub, aber immer noch in der Lage sich zu wehren und auf sich aufzupassen. „Was ich dir jetzt anvertraue, sind streng geheime Informationen, die an niemanden weitergegeben werden dürfen! Nick weiß Bescheid, ansonsten... Es steht nicht einmal in den Akten!“

Es ist Natasha tatsächlich gelungen, mich zu überraschen. Niemals hätte ich vermutet, dass Clint verheiratet ist und zwei Kinder hat. Doch jetzt stehe ich vor einem netten, kleinen Farmhaus und warte auf jemanden, der mich rein lässt. Die Türe öffnet sich und eine hübsche, sympathisch wirkende Brünette hält mir lächelnd die Hand hin. „Ich bin Laura. Du muss Lorena sein.“ Ich schüttle die Hand und nicke. „Lorena Prince, ja.“ Zu Beginn meiner Ausbildung bei SHIELD hatte ich darum gebeten, trotz meines angeblichen Todes meinen Namen behalten zu können.
„Komm rein!“ Sie führt mich ins Wohnzimmer und ich kann gerade so einem Wirbelwind ausweichen, der an mir vorbei und die Treppe hoch stürmt. „Dad, die Agentin ist da!“, kräht der Wirbelwind fröhlich bevor er wieder ins Wohnzimmer rennt. „Das ist Cooper, er ist sieben. Unsere Tochter Lila ist vier und irgendwo im Garten.“ Der Garten ist ein riesiges Feld, das vom nahegelegenen Wald begrenzt wird. Neben dem Haus steht auch noch eine Scheune. „Du bist aber eine junge Agentin.“ Cooper mustert mich kritisch und ich erkläre ihm: „Ich bin noch in der Ausbildung und keine fertige Agentin.“
Als Cooper in den Garten stürmt, um seine Schwester zu suchen frage ich Laura leise: „Ist es wirklich in Ordnung, dass ich hier bin? Natasha hat es sicher gut gemeint, aber mir ist durchaus klar, dass ihr keinen echten Personenschutz braucht.“ Bevor sie antworten kann steht Clint in der Türe. „Keine Sorge, Tasha hat angerufen und das mit mir  und Laura abgeklärt. Ich hoffe nur, die Kinder lassen dich einigermaßen in Ruhe, sie können sehr anstrengend sein.“ Ich versichere ihm, sehr geduldig zu sein was kleine Kinder angeht und wenn sie mit mir spielen wollen, gehe ich da gerne drauf ein. „Was genau soll ich eigentlich hier tun?“ Wir sitzen inzwischen alle auf dem Sofa, Clint hat einen Arm um Laura gelegt. „Nun, vormittags werde ich dich weiter trainieren, nachmittags können die Kids dich in Beschlag nehmen und genug Zeit zum Lernen bleibt dir sicher auch noch. Natasha schickt dir die Unterlagen, ja?“ Wütend springe ich auf. „Mir war schon klar, dass das hier eine eher inoffizielle Mission ist, aber wenn ich einfach nur das gleiche tue wie im Hauptquartier, kann ich auch direkt zurück nach Washington!“ Laura sieht mich besorgt an, mischt sich jedoch erst einmal nicht ein. „Tasha will dir nur helfen. Es tut dir sicher gut, mal rauszukommen und deine Mitschüler eine Zeit lang nicht sehen zu müssen.“ Clint hat definitiv nicht mit einem Ausbruch meinerseits gerechnet und fast tut er mir leid. Immerhin ist das alles auf Natashas Mist gewachsen. „Was hat sie dir erzählt?“, knurre ich. „Nur, dass du Probleme hast und nicht mit ihr darüber reden willst.“ Jetzt steht Laura doch auf und stellt sich vor mich. „Du musst nicht mit uns reden! Aber ich bin keine Agentin, nur Ehefrau und Mutter und... Nun ja, eine Frau. Vielleicht fällt es dir leichter, Dinge mit mir zu besprechen als mit Natasha. Ich kann mir vorstellen, dass du sie einfach nicht belästigen willst, doch ich bin mir sicher, sie würde dir helfen, ganz egal bei was.“
Okay, Punkt für sie. Trotzdem werde ich mich nicht sofort bei ihr ausheulen. „Tut mir leid, ich wollte nicht rumschreien“, wende ich mich an Clint. „Wir haben alle mal einen schlechten Tag!“ Verständnisvoll lächelt er mich an, was mir nur noch mehr ein schlechtes Gewissen macht. „Wo schlafe ich denn?“ Erleichtert führt Laura mich in den Flur, die Treppe hoch und in ein kleines, gemütliches Zimmer im ersten Stock. „Hier, unser Gästezimmer. Wenn dir etwas fehlt, sag Bescheid.“ Sie lässt mich alleine, damit ich meine kleine Reisetasche auspacken kann. Im Zimmer stehen ein Bett, ein Kleiderschrank und ein Schreibtisch mit Stuhl, zusätzlich hängen an der Wand noch Regalbretter. Mein Zimmer im Hauptquartier sieht nicht viel anders aus, was die Einrichtung betrifft, ist jedoch nur halb so gemütlich.
Ich richte mich ein, schaue aus dem Fenster und beschließe, bei diesem schönen Wetter ein bisschen raus zu gehen und die Umgebung zu erkunden. Clint und Laura sitzen immer noch auf dem Sofa und ihrem ertappten Gesichtsausdruck nach zu urteilen, haben sie gerade über mich geredet. „Gibt es hier Regeln? Feste Essenszeiten? Irgendwelche Arbeiten, bei denen ich helfen kann?“ Laura erklärt mir, dass es mit zwei quirligen Kindern schwierig ist, feste Essenszeiten einzuhalten und die einzige Regel ist die, dass sich in diesem Haus alle mit Respekt begegnen und Streitigkeiten sofort und ohne Schimpfwörter geklärt werden. „Wenn du möchtest, kannst du mir ab und zu beim Kochen helfen oder Clint bei der Renovierung des Arbeitszimmers“, ergänzt sie.
Sie lächelt so liebevoll, dass ich erst gar nicht nach Miete frage. Trotzdem nehme ich mir vor, mich öfter mit den Kindern zu beschäftigen, damit die beiden Zeit für sich haben. Das ist das Mindeste, was ich für ihre Gastfreundschaft zurückgeben kann. „Ich möchte ein wenig die Gegend erkunden.“ Clint scheucht mich lachend raus. Auf der Veranda werde ich fast erneut von Cooper umgerannt. „Wo gehst du hin?“ Lila kommt nun auch dazu und sieht mich neugierig an. „Wie heißt du?“, will sie schließlich wissen. „Lorena. Aber Rena ist auch in Ordnung.“ Ich bin mir nicht sicher, wie sicher Kinder in dem Alter schon sprechen können und mein ganzer Name ist vielleicht ein bisschen schwer für sie.
„Könnt ihr mir die Gegend zeigen?“ Die Kinder nicken begeistert, Lila schnappt sich meine Hand und Cooper verwandelt sich in einen engagierten Fremdenführer. Zuerst bekomme ich die Scheune von innen zu sehen, dann zwei ausgezeichnete Kletterbäume, danach den Fuchsbau, von dem ich mich fernhalten soll und später spielen wir fangen auf dem großen Feld. Cooper erklärt mir außerdem, dass sie nicht alleine in den Wald gehen dürfen, aber mit mir ist das in Ordnung. Trotzdem frage ich da lieber vorher die Eltern.
„Für ein Mädchen rennst du echt gut!“ Erstaunt sehe ich Cooper an. „Als Agentin muss man gut rennen können!“ Jetzt ist die Neugierde der Kinder geweckt. Natürlich wissen sie, dass ihr Vater auch Agent ist, aber wahrscheinlich erzählt Clint ihnen nicht viel von seiner Arbeit, um sie nicht zu erschrecken. „Kannst du schießen?“, will Cooper wissen. „Dad kann toll schießen!“, kräht Lila. „Er bringt es mir auch bei! Also, mit dem Bogen, nicht mit der Pistole.“ Ich hätte Clint auch nicht für den Typ Vater gehalten, der seinem siebenjährigen Sohn eine Pistole in die Hand drückt. „Ja, mit Pfeil und Bogen kann ich auch schießen!“, antworte ich, woraufhin Cooper in der Scheune verschwindet und mit einem Kinderbogen sowie stumpfen Pfeilen wieder herauskommt. Lila zeigt mir inzwischen, wo die Zielscheibe auf der Scheunenwand aufgemalt ist.
„Hier, zeig mal!“ Aha, der Kleine will mich testen. Da er für sein Alter recht groß ist, ist der Bogen zwar ungewohnt klein, aber nicht zu klein und ich lege den ersten Pfeil auf die Sehne. Ich visiere das Ziel an. Bisher haben wir den Umgang mit Waffen im Unterricht nur theoretisch behandelt, auch wenn Natasha meiner Bitte entsprochen und mich direkt für den erweiterten Kurs mit Pfeil und Bogen angemeldet hat. Ich atme tief durch, kontrolliere die Position meiner Füße, schaue wieder auf das Ziel... Und plötzlich ist alles wieder da. Die Schreie der Zivilisten, die einstürzenden Gebäude, die wild umher schießenden Chitauri.... Der Rauch brennt in meinen Augen, der Lärm dröhnt in meinen Ohren und ich bin mehr als froh, diesen Flashback nicht vor den Augen meiner Mitschüler im Hauptquartier zu bekommen.
Ich versuche, normal zu atmen, bekomme trotzdem kaum Luft. Meine Hände zittern und vor meinem inneren Auge sehe ich sie noch einmal blau werden während ich den Chitauri davon abhalte, Clint zu erwürgen. Ich lasse den Bogen sinken und falle auf die Knie. „Lila, hol Mum und Dad!“ Cooper legt mir besorgt eine Hand auf die Schulter und ich versuche, ihn beruhigend anzulächeln, doch die Erinnerungen stürmen weiter auf mich ein. Ich bekomme noch mit wie mich jemand hochhebt und ins Haus trägt, dann wird alles schwarz.
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