Odaliske - Graue Augen

von Oscar
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger Luna Lovegood Pansy Parkinson Ronald "Ron" Weasley
20.01.2019
07.07.2019
17
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14 – Vorurteile

Geladen lag Harry James Potter mit seinen Händen hinter seinem Kopf verschränkt auf seinem Bett, seinen Blick an die Decke gerichtet. Er war gereizt, am liebsten hätte er irgendetwas zerstört. Warum hatten Draco und er sich streiten müssen? Allmählich bekam er das Gefühl, aus Prinzip nichts richtig zu machen. Selbst wenn er dachte, dass alles gut lief, schien irgendetwas aus der Ecke gekrochen zu kommen, und ihm von hinten in die Eier zu treten. Genauso fühlte er sich. Zwar fühlte er sich schlecht dabei, Draco so zurückgelassen zu haben, aber er konnte es auch nicht mehr rückgängig machen. Er hoffte wirklich, dass sein Partner sich einfach abregen und später wieder zu ihm ins Bett kriechen würde – ohne, dass Pansy wieder auf ihn einschlug. Sein Bett roch nach Draco, was er faszinierend fand, da sie zuvor nicht in Harrys, sondern seinem gelegen hatten. Ihn zu riechen hatte etwas Beruhigendes, machte ihn aber gleichermaßen traurig. Er wollte Draco in seinen Armen liegen haben und nicht irgendein Kissen, das nach ihm roch. Seufzend und mit den Tränen kämpfend, drehte er sich auf die Seite. Regungslos blieb er dort liegen, horchte bei jeder Person, die den Schlafsaal verließ oder betrat, auf. Aber Draco schien nicht dabei zu sein. Nachdem er längere Zeit mit geschlossenen Augen auf der Seite liegend verbracht und dabei auf Draco gewartet hatte, stand er schließlich irgendwann auf, um sich unter die Dusche zu stellen. Auf dem Weg zum Badezimmer, spähte er kurz in den Gemeinschaftsraum, wo zwar Nott und Zabini saßen, aber weder Draco noch Pansy. Natürlich hätte er einen der beiden Anwesenden fragen können, aber aus irgendeinem Grund traute er sich nicht. Er hatte nicht so viele Worte mit den beiden gewechselt, um gleich mit seinen Beziehungsproblemen zu ihnen rennen zu wollen.
Nach der Dusche, die seine müden Muskeln etwas aufweckte, ihn erfrischte und ihm das Gefühl gab, einiges an Wut weggewaschen zu haben, ging er wieder in den Schlafsaal. Draco war in der Zwischenzeit nicht zurückgekehrt. Nervös lief er im Zimmer auf und ab, warf sich wieder aufs Bett, wo er erneut längere Zeit in einer Position verharrte, bevor er das Gefühl bekam, jeden Moment durchzudrehen. Wo zur Hölle war Draco?!
„Harry, ist was los?“, fragte Seamus, seinen Kopf zwischen den Vorhängen seines Bettes rausstreckend.
„Nein, alles gut.“, zischte Harry und seufzte dann, versuchte die Härte und Wut aus seiner Stimme zu nehmen und sagte dann wieder: „Alles gut.“
„Also, wenn das nach ‚alles gut‘ aussieht, dann weiß ich auch nicht.“, meldete sich nun Dean zu Wort, „Habt ihr euch gestritten?“ Harry wandte seinen Blick ab. So einfach durchschaut zu werden war ihm sichtlich unangenehm.
„Du musst nicht darüber sprechen, wenn du nicht willst.“, meinte dann Seamus.
„Wenn ihr – du, wer auch immer – reden möchte, kann man sich an uns wenden, ja?“, bot Dean freundlich an, woraufhin Harrys Lippen ein kleines Lächeln bildeten.
„Danke.“, sagte er und meinte es aufrichtig. Erneut sprang er vom Bett, die Haare noch leicht feucht und sein Hemd falsch zugeknöpft, und verließ den Schlafraum. Ein weiteres Mal blickte er in den Gemeinschaftsraum, entschloss sich dann, den Weg zum Schlafsaal der Mädchen einzuschlagen. Zaghaft klopfte er an der Tür und drückte die Klinke, nachdem er ein helles „Herein!“ hörte.
„Entschuldigt die Störung.“ Harry fiel in dem Moment ein, dass er zuvor noch nie den Schlafsaal der Mädchen betreten hatte. Er wusste nicht wieso, aber irgendwie war er ernüchtert. Fast, als hätte er irgendetwas Großartiges erwartet. Auch dieser Raum war groß, geräumig, hatte acht Betten mit je einem Nachttisch.
„Oh, Harry. Ist was?“, fragte Padma, die in einem dünnen Nachthemd auf ihrem (Harry nahm an, dass es ihres war) Bett saß. Sein Blick ging durch den Raum. Lavender und Parvati saßen zusammen auf einem Bett, wobei Lavender ihren Kopf auf einen von Parvatis Schenkel ruhen ließ, während ihre eigenen Beine in der Luft hingen. Bulstrode schien mit zugezogenen Vorhängen in ihrem Bett zu sein.
„Habt ihr Pansy gesehen?“ Lavender stutzte und hob ihren Kopf mit den blonden Locken.
„Seit wann seid ihr denn so eng miteinander?“, fragte das blonde Mädchen, woraufhin sie zu Parvati sah, die mit den Fingern durch die so weich wirkenden Locken fuhr.
„Ja, das Bett da“, Parvati deutete auf das Bett, das am weitesten im Zimmer stand, dessen Vorhänge zugezogen waren, „Sie ist da. Kannst ja mal klopfen, vielleicht schläft sie. Aber ich glaube, dass sie Malfoy wieder zu Besuch hat?“ Parvati sah zwischen ihrer Zwillingsschwester und Lavender hin und her. „Also, wer weiß, was für Bilder du da zu Gesicht bekommst. Wir haben dich gewarnt.“ Lavender grinste, was Harry sofort freute. Er hatte sie lang nicht mehr so freudig gesehen. Als das Schuljahr angefangen hatte, war sie stets mit gesenktem Kopf gelaufen, aber sie schien trotz oder komplett unabhängig der Narben und des blinden Auges, wieder ihr Selbstbewusstsein erlangt zu haben. Harry nickte unsicher und ging auf das Bett zu, riss dort einfach den Vorhang auf, bevor er ihn hinter sich wieder schloss. Tatsächlich lagen Pansy und Draco auf dem Bett. Pansy lehnte an der Wand, während Draco auf ihrem Schoß lag und sie mit ihren langen Fingernägeln seinen weißblonden Schopf kraulte.
„Hey.“, sagte Harry vorsichtig, woraufhin nur Pansy aufsah. Sie wirkte wenig überrascht von seinem Erscheinen.
„Hast du einen Muffliato gesprochen, Pansy?“ Sie nickte. Zögerlich setzte sich Harry mit zu den beiden aufs Bett und legte eine Hand auf Dracos Rücken, der sich diesmal nicht dagegen wehrte.
„Du Nervensäge.“, kam es von Harry, „Ich habe mir Sorgen gemacht.“ Ihm fiel auf, dass Pansy einen ganz weichen Gesichtsausdruck angenommen hatte, während sie Draco so liebevoll streichelte. Sie hatte fast etwas Mütterliches, dachte sich Harry, sein Blick auf die beiden gerichtet.
„Mh.“, machte Draco in den Schoß seiner besten Freundin. Harry fand es fast schon niedlich, wie trotzig er sich benahm. Die Wut war fast wie weggeblasen. Pansy seufzte und sah von Draco zu Harry. „Dann übersetze ich mal: ‚Aber du bist doch verschwunden‘“, sagte sie, woraufhin Harry sich ein Schmunzeln verkneifen musste.
„Je nachdem, wie er das ‚Mh‘ macht, bedeutet es etwas anderes, oder wie darf ich das verstehen?“ Das schwarzhaarige Mädchen schüttelte ihren Kopf. „Nein, ich kenne ihn einfach.“
„Draco, hey, es tut mir leid, ja? Lass uns bitte nicht mehr streiten.“
„Mhm.“
„‘Ich bin eingeschnappt und muss jetzt noch etwas Diva spielen.‘“, sagte Pansy amüsiert, woraufhin Draco ihr einen Klaps auf den Schenkel gab.
„Was, ist doch wahr?“, gluckste sie. Harry sah ihr dabei zu, wie sie ihn weiterhin ununterbrochen streichelte. Dabei fiel ihm auf, dass sie – bis auf an Zeige- und Mittelfinger – ihre Nägel lang trug.
„Ist das ein neuer Modetrend?“, fragte Harry unschuldig, woraufhin Pansy verwirrt auf ihre Hand sah. „Was?“
„Die Fingernägel.“
Draco war es, der plötzlich auflachte und sich aufsetzte. „Ach, tu doch nicht so, Harry.“
„Was meinst du?“, fragte Harry sichtlich verwirrt. Als auch Pansy in Lachen verfiel, errötete er. Hatte er irgendeinen Witz verpasst?
„Ich bin Linkshänderin, Harold.“, erklärte Pansy ihm. Doch das verwirrte ihn nur mehr. Pansy tauschte Blicke mit Draco aus, der den Kopf schüttelte. „Nein, es ist lustiger, wenn er selbst draufkommt.“ Pansy kicherte, nickte schließlich. Er gab auf, irgendetwas Brauchbares von den beiden zu hören und entschied sich leise für sich selbst, später eines der anderen Mädchen zu fragen.
„Draco?“, wandte er das Wort wieder an ihn, der daraufhin erst aufsah, dann aber sehr schnell wieder den Blick abwandte.
„Jetzt sei doch nicht so.“ Weiterhin keine Antwort erhaltend, seufzte er. „Draco.“ Nichts. Pansy legte ihre Hand unerwartet auf Harrys Oberschenkel und sah ihn eindringlich ein. Er schien zu verstehen, dass er es im Moment lieber sein lassen sollte. Zwar respektierte er, dass Draco noch etwas Zeit brauchte, aber er wünschte sich, dass er jetzt einfach aufgestanden wäre und sich in seine Arme geworfen hätte. Wobei Draco auch einer der Sorte zu sein schien, die sehr nachtragend waren. In den letzten Monaten war es nicht selten gewesen, dass er ihn gemieden hatte, statt dass sie sich ausgesprochen hatten. Harry wusste, dass er selbst genug beigetragen hatte, dachte sich aber auch, dass sie vielleicht schon wesentlich länger zusammen gewesen wären, wenn der Weißblonde nicht so dermaßen trotzig gehandelt hätte.  Erneut dachte er daran, wie mütterlich Pansy wirkte und verstand, warum Draco sich immer an sie wandte, wenn es ihm schlecht ging. Das Bild, das er zuvor von Pansy gehabt hatte, war größtenteils ein anderes gewesen. Ihm war bewusst gewesen, dass sie irgendein positives Attribut haben musste, weil Draco sich sonst sicherlich nicht immerzu – hauptsächlich! – an sie gewandt hätte. Aber zuvor hatte er sie immerzu nur als sehr lautes Mädchen gesehen, das kein Blatt vor den Mund nahm und mit Beleidigungen um sich warf. Diese Seite von ihr zu sehen, war erfrischend und er merkte, wie er allmählich begann, sie zu mögen. Sie war aufgeweckt, lustig und er hatte das Gefühl, dass sie in Zukunft gute Freunde werden könnten – auch wenn er es als störend empfand, ‚Harold‘ genannt zu werden. Zuvor war er keinem Menschen begegnet, der ansatzweise gewesen war wie sie. Sirius war auch sehr offen gewesen, ja, aber nicht auf dem Level.

Seine blattgrünen Augen trafen auf die Grauen, die er so liebte. Nur kurz, da Draco sofort wieder wegsah. Sich geschlagen gebend, lächelte Harry schließlich.
„Gut. Dann gehe ich. Ich liebe dich, ja?“ Draco reagierte nicht, also stand Harry auf und winkte Pansy zum Abschied.
„Dein Hemd ist falsch geknöpft.“, kam es von Draco, woraufhin Harry lächelte. Ihm wurde klar, dass, nur weil man verletzt oder wütend war, man nicht aufhörte den anderen zu lieben und dass Draco gerade auf seine eigene Art und Weise erwidert hatte.
„Danke.“

Den Vorhang hinter sich schließend, trat er wieder in den Raum, wo die drei Mädchen interessiert hochsahen. Man konnte ihnen ansehen, dass ihnen Fragen auf den Lippen brannten, sie sich aber nicht trauten, irgendetwas zu sagen – schließlich ging es sie nichts an und so eng befreundet waren sie auch nicht gewesen. Harry dachte sich, dass die Tatsache, dass er Pansy umarmt hatte, als sie nackt gewesen war, sich wahrscheinlich bereits im Achtklässlerturm verbreitet hatte und dass die Mädchen wohl sonst was von ihm dachten. Er hoffte, sich nicht mit dem Gerücht rumschlagen zu müssen, mit Pansy zusammen zu sein oder bestenfalls, dass er eine Sexbeziehung mit ihr führte. Ginny wäre die Erste, die ihm ins Gesicht gesprungen wäre, da war er sich sicher. Kurz gefolgt von Hermione. Ginny, da er sie ja mit den Worten verlassen hatte, kein Interesse an Frauen zu haben und Hermione, da sie – was eigentlich? Da sie Gefühle für sie hatte? Hatte sie das? Harry verabschiedete sich von den Mädchen und fragte sich, was genau in seiner besten Freundin vor sich ging. Er wusste, dass sie eifersüchtig gewesen war, aber warum? Wenn sie doch Ron nicht verlassen wollte? Er beschloss, dass es ihn nichts anging und er es früher oder später herausfinden würde. In Gedanken knöpfte er, nachdem er den Schlafsaal verlassen hatte, sein Hemd richtig zu.

Die Nacht verbrachte er allein.

Hannah und Neville saßen auf einem Sofa und küssten sich zaghaft, Neville seine Hand an ihr Gesicht gelegt. Ein überraschender Anblick für Harry, als er mittags den Gemeinschaftsraum betrat, in der Hoffnung, sich irgendwie von der Sache mit Draco ablenken zu können.
„Das machen die die ganze Zeit … ist schlimm.“, sagte Susan, die in einer anderen Ecke des Raumes saß, ein Schulbuch auf ihrem Schoß aufgeschlagen. Ihre langen kupferroten Haare waren zu zwei Zöpfen geflochten, die auf ihren Schultern lagen. Falls Harry es richtig in Erinnerung hatte, waren sie und Hannah beste Freunde und er litt still mit ihr, da er wusste wie es war, schweigend neben den besten Freunden zu sitzen, während diese damit beschäftigt waren, Körperflüssigkeiten auszutauschen. Er warf ihr ein mitleidiges Lächeln zu, das sie nickend erwiderte, ihr Blick auf Ron und Hermione gerichtet, die vor dem Kamin wortlos nebeneinandersaßen. Krummbein, der in Harrys Augen die Katzenversion von Ron war, tapste durch den Raum, da er von Hermione allen Anscheins nicht die Beachtung bekam, die er sich wünschte. Hermione, die zuvor in Gedanken versunken gewesen zu sein schien, sah auf und winkte Harry zu. Er setzte sich zu den beiden auf den bequemen Teppich.
„Wobei solltest du Luna gestern helfen?“ Eine Sekunde verspürte Harry Panik in sich aufkommen. Das hatte er vollkommen vergessen!
„Irgendetwas mit … Nargles.“, murmelte Harry, woraufhin Ron eine Augenbraue hochzog. „Ja, klingt nach Luna.“ Stille.
„Hast du eigentlich gesehen, wie die kaltherzige Tunte gestern rausgestürmt ist, als ich das mit Parkinson und dir erwähnt hatte?“ Hermione schrak kurz auf, lachte dann aber herzlich auf, während sich Harrys Augen weiteten. Aus der Position, in der er saß, hatte er Blick auf Susan, die bei den Worten aufgesehen hatte. Er konnte etwas in ihrem Blick sehen, ein Wort auf ihren Lippen, welches sie sich nicht traute, auszusprechen, bevor sie schließlich wieder das Buch vor ihr Gesicht zog, die Augen über dem Buchrand auf die drei gerichtet. Er fragte sie, wieso.
„Was meinst du?“, fragte Harry, sich dümmer stellend als er war.
„Wovon redet ihr?“, fragte dann Neville, der es wohl geschafft hatte, sich von seiner Freundin wegzureißen. Ron grinste und lachte dann.
„Harry hat mit Parkinson rumgemacht.“
„Habe ich nicht.“
„Gut, sie umarmt. Meinetwegen. Wie auch immer. Wir haben vorhin darüber geredet, als Mr ‚Mein-Vater-wird-davon-hören‘ rausgerannt ist. Scheint wohl nicht so begeistert davon zu sein, dass Parkinson mit Harry anbändeln könnte.“
„Ron.“, sagte ein Stimmchen zaghaft. Simultan drehten sich alle zu Susan, die ihr Buch wieder abgelegt hatte. „Warum musst du ihn dann eine Tunte nennen?“
„Ach, Susan. Sei doch nicht so. Ich bin doch nicht schwulenfeindlich. Es ist nur schwierig, alte Gewohnheiten abzulegen.“
Susan wirkte nicht zufrieden mit der Antwort, schwieg aber. Ihr Blick war auf Harry gerichtet, fast schon verschämt.
„Alte Gewohnheiten hin oder her, wir leben jetzt alle zusammen und sollten versuchen, miteinander klarzukommen.“, ergriff nun Hannah das Wort.
„Tut doch nicht so scheinheilig! Ihr habt alle wesentlich schlimmere Sachen gesagt als ich jetzt. Nicht nur über Malfoy. Wer hat ein Lied über Parkinsons Sexleben geschrieben? Das warst du, Hannah!“ Hannah errötete. „Kleine Schlampe, schließ die Beine …“, begann Ron, woraufhin Hermione ihn unterbrach.
„Es geht nicht um Parkinsons Sexleben!“, stieß nun Susan aus. Lavender, Parvati und Padma traten nach und nach in den Raum, interessiert zu Susan schauend, die die Stimme erhoben hatte, was eher untypisch für sie war.  
„Ach nicht? Hand hoch, wer von euch Mädchen nicht gesagt hat, dass Parkinson nach Möse aus dem Mund riechen würde! Los, los! Traut euch!“ Keines der Mädchen rührte sich, stattdessen sahen sie verlegen zu Boden.
„Genau das meine ich. Was soll die Scheinheiligkeit? Nur weil man zusammenlebt, ist man nicht plötzlich gut miteinander befreundet.“, murmelte Ron, gereizt wirkend, „Hand hoch, wer von euch nicht meinte, dass Malfoy eigentlich immer Sperma hochhusten müsste, so schwul wäre er!“ Stille. Die drei dazugestoßenen Mädchen schienen mittlerweile verstanden zu haben, worum es ging.
„Ihr könnt ruhig zu dem stehen, was ihr gesagt habt!“ Harry fühlte sich unwohl. So offen über solche Themen zu reden, mit der Gefahr, dass Draco und die anderen jeden Moment dazustoßen hätten können, ließ sein Herz rasen.
„Ich sehe nicht ein, dass ich hier angefahren werde, aber ihr euch nicht an die eigene Nase fasst.“, fügte Ron noch an.
„Aber wir hatten Spaß mit ihnen, als wie feiern gegangen waren.“, meinte Susan, die etwas rot um die Nasenspitze geworden war.
„Du hast auch mit Nott rumgemacht, Susan, was du schon ewig machen wolltest, nicht wahr?“, erwiderte Ron etwas gereizt, woraufhin sich das Rot über ihr gesamtes Gesicht ausbreitete und sie verlegen auf ihren Schoß sah.
„Ron, warum gehst du jetzt Susan so an?“, fragte Harry, leicht gereizt klingend.
„Fängst du jetzt auch an? Ich gehe hier niemanden an, ich lege nur die Fakten auf den Tisch.“
„Er hat recht.“, sagte Lavender unerwartet, die Hände unter ihrer großen Brust verschränkend, „Niemand hier im Raum hat jemals gut von den Slytherins geredet – außer vielleicht Susan, die von Notts Aussehen geschwärmt hatte. Aber jemanden ficken zu wollen, heißt ja nicht gleich, dass man die Persönlichkeit auch geil findet … Harry und Malfoy haben sich regelrecht Schlammschlachten geliefert. Jeden Tag gab’s einen neuen Schwanzvergleich zwischen den beiden. Parkinson wollte Harry den Todessern wortwörtlich zum Fraß vorwerfen. Wir sind nicht dazu gezwungen, mit ihnen klarzukommen, nur weil wir zusammenleben. Er hat recht.“ Harry ließ schweigend seinen Blick durch die Runde schweifen und biss sich auf die Lippen. Er mochte die Ex-Slytherin. Er wollte sie verteidigen, traute sich aber nicht, wodurch er sich noch schlechter fühlte.
„Warum gibst du Menschen nicht einfach eine Chance?!“, rief Susan, wobei das Rot in ihrem Gesicht immer dunkler wurde.
„Warum denn? Wir sehen uns nach diesem Jahr sowieso nicht wieder.“, sagte Ron schulterzuckend, „Denkst du etwa, dass alles der letzten sieben Jahre einfach vergessen ist, nur weil man einmal zusammen trinken war? Ach – oder in deinem Fall, liebste Susan, mit einem rumgemacht hat.“
„Ich bin nicht die einzige, die –!“ Aber sie hielt inne, sah zu Harry und schlug sich die Hand vor den Mund. Sie konnte sich erinnern! Harry war sich aus irgendeinem Grund sicher gewesen, dass sie und Hannah zu betrunken gewesen waren, um sich an irgendetwas von dem Abend zu erinnern, aber sie hatte wohl einfach nur den Anstand gehabt, es nicht hinauszuposaunen, dass Draco und er bei dem Trinkspiel sich schließlich geküsst hatten.
„Meinst du Parkinson, die Harry die Knutschflecken verpasst hatte?“ Verwirrt sah Susan Ron an, nickte aber einfach. „Ja … genau …“, sagte sie, obwohl sie selbst nicht davon überzeugt wirkte. „Kaum lässt dich Nott ran, tust du so, als wärst du ein Unschuldsengel?“, kam es nun von Padma, die sich mit den anderen beiden in der Zwischenzeit mit auf den Boden gesetzt hatte.
„Das tue ich nicht! Ich stehe offen zu meinen Fehlern und dazu, dass ich Leute falsch eingeschätzt habe. Ich habe mir die Mühe gemacht, mich nach dem Abend im Styrax zumindest mit Theo und Blaise zu unterhalten und wisst ihr was? Die beiden sind unfassbar nett!“
„Die ist doch schwanztrunken …“, murmelte Padma, woraufhin sie ein Kichern ihrer Zwillingsschwester erntete.
„Ich bin nicht schwanztrunken!“
„Susan hat recht, Leute. Die Slytherins sind wirklich sehr nett.“, wandte nun Harry ein. Dankbar lächelte Susan ihn an und nickte.
„Unser lieber Harry ist gestern zu Parkinson ins Bett gestiegen.“, plauderte Parvati aus dem Nähkästchen, woraufhin Harry die Augen verdrehte. „Du hast was?“, fragte Ron irritiert.
„Also doch Mädchen, oho!“
„Nein, nein! Ich habe nicht mit Pansy geschlafen.“ Hermiones Blick verdunkelte sich, auch wenn sie nichts sagte.  
„Aber die Tunte war auch dabei. Ich bezweifle, dass Harry so weit sinken würde …“, fügte Padma an. Harry verdrehte die Augen.

„Leute. Nur weil jemand vielleicht gerne Schwänze im Arsch mag, gibt es euch nicht das Recht, über die Person zu urteilen.“, sagte eine sehr bekannte Stimme. Pansy Parkinson stand mit verschränkten Armen, perfekt geschminkt und in einem viel zu großen Pyjamaoberteil, das einem ihrer Freunde gehören musste, vor der Gruppe und sah sie verächtlich an, „Besonders finde ich solche Aussagen lustig, wenn sie von jemanden wie dir, Ronald Weasley, kommen, der jemand bestimmtes nonstop anstarrt. … Ich fände es übrigens großartig, wenn ihr Harold überlassen würdet, was für ihn ‚weit sinken‘ ist oder nicht … und ich habe übrigens nicht mit ihm geschlafen, das wüsste ich. Dafür habe ich mit anderen Leuten in diesem Turm geschlafen. Ist das etwas Verwerfliches? Mh?“ Wortlos wurde sie angestarrt. Niemand traute sich, das Wort zu ergreifen oder gar laut zu atmen. „Susan und Harold scheinen die einzigen hier zu sein, die erwachsen genug sind, jemanden eine zweite Chance zu geben und einzusehen, Vorurteile gehabt zu haben.“ Sie hielt kurz inne, schien ihre Gedanken zu sortieren und sprach dann schließlich weiter. „Wisst ihr, dass wir ach so bösen Slytherins keine Geheimnisse voreinander haben? Offen mit Gefühlen umgehen? Davon solltet ihr euch mal was abgucken.“ Ihr Blick fiel auf Harry, der schluckte. Er verstand worauf sie hinaus wollte. „Ihr seid alle so verklemmte Pavianärsche, kein Witz.“, kommentierte sie noch, bevor sie durch ihre Haare fuhr und sich an jemanden wandte, der schräg hinter ihr stand. Draco. Er hatte nicht gewusst, dass Draco Französisch sprach, bis dieser sich in diesem Moment leise auf perfekt klingendem Französisch mit Pansy unterhielt, die ihren Blick weiterhin auf der Runde haften ließ, als wollte sie sicher gehen, dass niemand plötzlich wegrannte. Dann nickte sie. Harry hätte gerne gewusst, worüber sie sich unterhalten hatten. Er sah, wie Pansy zu Hermione sah und dann verächtlich den Kopf schüttelte, bevor sie sich wieder abwandte. Hermione senkte verschämt ihren Blick.

Harry spürte sein Herz rasen und hörte sein Blut in den Ohren rauschen. Er stand auf und ging auf Pansy und Draco zu, den Blick der anderen auf ihm haftend.
„Leute.“ Vor Draco blieb er lächelnd stehen.
„Könntet ihr mir eine Sekunde zuhören?“ Wortlos hafteten diese Blicke auf ihm, gespannt, was er als nächstes tun würde. All seinen Mut zusammennehmend, drehte er sich zu der Runde und sagte: „Draco und ich sind zusammen.“ Demonstrativ griff er Dracos schmale Hand und streichelte ihn liebevoll mit seinem Daumen. Ein Raunen ging durch den Raum. Erneut schluckte er.
„Verarscht ihr uns gerade?“, fragte Ron, in dessen Gesicht der Schock praktisch geschrieben stand.
„Nein. Ich meine es wirklich ernst.“ Aus dem Augenwinkel sah er, dass Dean und Seamus auf dem Weg zum Gemeinschaftsraum waren, aber abrupt stehen blieben, als sie Draco und Harry sahen.
„Ohje. Platzen wir gerade in euren Outing?“, fragte Dean mit einem Lächeln auf seinen vollen Lippen.
„Die wussten davon?!“, rief Ron. Aber es war Hermione, die aufsprang und sich vor Harry aufbaute. Dean und Seamus derweil setzten sich auf eines der Sofas, die Handlung gespannt verfolgend. „Ist das dein Ernst, dass du mit ihm zusammen bist?!“, entfuhr es ihr. Harry sah zu Draco und nickte dann verlegend lächelnd. „Ja.“
„Mit dem? Du von allen Menschen, Harry.“ Sie schüttelte den Kopf, ihre kleinen Hände zu Fäusten ballend. Harry studierte sie und wagte es nicht, sie zu unterbrechen.
„Mit dem? Du weißt, was er alles getan hat und wie er uns alle behandelt hat. Besonders mich! Falls es dir entfallen ist, bin ich ein dreckiges Schlammblut, wie er mich stets so liebevoll daran erinnert hat. Harry, du von allen Menschen solltest wissen, wie es ist, einer Minderheit anzugehören!“ Fragende Blicke richteten sich auf Hermione. Harry verstand wieso und senkte den Blick. „Mein Leben lang wurde ich von Muggeln ausgegrenzt, weil ich dunkelhäutig bin und kaum bin ich hier, freue ich mich, dass es in der Hinsicht keine Diskriminierung kommt, bis er mit dem N-Wort der Zauberwelt um die Ecke kam und mich an all die Situationen erinnern musste, die ich lieber vergessen hätte. Harry, du weißt, wie das ist! Harry! Du wurdest eingesperrt, weil man sich für dich und deine Hautfarbe geschämt hat! Du weißt doch, wie ich mich fühle. Wie kannst du mit dem Kerl zusammen sein, der für den Hitler der Zauberwelt gearbeitet hat? Er ist nichts anderes, als ein kleiner, feiger Rassist, der sich was auf seinen Blutstatus einbildet. Eine Sache, zu der er absolut nichts beigetragen hat! Es ist keine große Kunst, in eine Familie geboren zu werden. Wirklich Harry. Ich verstehe dich nicht.“ Sie drehte sich weg, zu Dean. „Dean, du bist bei deiner Muggelmutter aufgewachsen. Sag mir, wann du das erste Mal wegen deiner Hautfarbe benachteiligt wurdest.“
„Hermione, ich will mich nicht einmischen.“
„Dean!“ Er seufzte.
„Ich denke, als ich ganz klein war und die Muggelkinder nicht mit mir spielen durften, weil alle Kinder, die aussehen wie ich, schmutzig seien. Also du weißt schon, die liebenswerte Bezeichnung war natürlich dabei.“ Entschuldigend sah er zu Harry, der Dracos Hand fester griff.
„Genau das meine ich. Dean, du und ich wissen, wie es ist, diskriminiert zu werden … Wenn du nur mit ihm schlafen wollen würdest, könnte ich das noch nachvollziehen, aber eine ernsthafte Beziehung? Harry. Denk doch mal nach. Hast du Ginny wirklich für den da fallen lassen? Das kannst du doch nicht ernst meinen. Denk doch darüber nach, was er getan hat.“ Ron starrte sie mit aufgeklapptem Mund an, während alle anderen sehr flach atmeten und sich niemand traute, irgendetwas zu sagen.
„Er hat mir das Leben gerettet und ich seines, Hermione.“
„Du würdest dein Leben für eine scheiß Taube geben, Harry! Das bedeutet doch nichts! Er war zu feige, sich selbst die Finger schmutzig zu machen, hat er dafür eine Urkunde verdient?! Er ist eine rassistische, böse, verachtenswerte, kleine Kakerlake, die sicherlich nicht deine Liebe verdient hat!“ Sie atmete tief ein und sah dann direkt zu Draco. "In der Muggelwelt wäre er der Sonderling mit seiner krankhaft blassen Haut und seiner Familie, die ihre Verwandten heiraten, um das Blut 'rein' zu erhalten! Jemals was von Biologie gehört?! Behinderungen sind dann üblicher ... Es würde mich nicht wundern, wenn sogar seine Eltern Geschwister wären!" Ein lautes Klatschen ertönte, was Hermione verstummen und nach hinten straucheln ließ. Tränen sammelten sich in ihren Augen und sie sah, sich die Wange haltend, entsetzt nach oben. Pansy hatte sich vor ihr aufgebaut und hielt noch die Hand in der Luft, mit der sie Hermione eben geohrfeigt hatte. Ron wollte aufspringen, wurde aber von Neville zurückgehalten.

„Wie kannst du nur. Von allen Menschen, Hermione. Du bist hier am Scheinheiligsten.“
„Pansy …“, flüsterte sie, Tränen ihren Weg über ihre Wangen findend.
„Ich lasse nicht zu, dass du so über meinen besten Freund sprichst, ohne dass du ihn kennst. Ohne dass du weißt, was er – was wir! – alles durchgemacht haben. Ich bin anscheinend okay für dich, aber Draco nicht? Wie scheinheilig du bist … Ich habe dich auch als Schlammblut bezeichnet, ich habe dich und jeden in diesem Raum beleidigt. Aber mir hast du verzeihen können. Warum? Mh? Weil du unsere gemeinsame Zeit so genossen hast? Oder weil du einfach einen anständigen Fick brauchtest? War ich dafür gut genug?“ Hermione begann unkontrollierbar zu weinen, zog die Knie an ihr Gesicht und versteckte dieses hinter ihren Händen, während Pansy ihre Hand senkte und tief durchatmete. Die anderen tauschten Blicke aus, sahen erschrocken zwischen Pansy und Hermione hin und her. Lavender war es, die auf Hermione zustürmte und einen Arm um sie legte. Harry irritierte das erst, da er an das sechste Jahr zurückdachte, behielt aber seine Gedanken für sich.
„Hast du sie gleich schlagen müssen? Wieso bist du so beschissen aggressiv, Parkinson? Auf Harry hast du auch eingeprügelt und jetzt Hermione?!“, entfuhr es Parvati, die ebenfalls zu Hermione stürzte, die immer lauter schluchzte.
„Wie … sie hat auf Harry eingeschlagen?“, fragte Neville verwirrt. Padma richtete sich an ihn und die anderen Schüler, die fragend zu ihr und ihrer Schwester sahen.
„Vor paar Tagen sind wir reingestolpert, als Parkinson auf Harry saß und auf ihn eingeschlagen hat. Man musste sie von ihm runterzerren.“, erklärte sie, Parvati kommentierte: „Wie eine tollwütige Bestie.“
„Das haben wir bereits geklärt! Sie hat mich geschlagen, weil ich Draco nicht gut behandelt hatte ...“, meinte Harry, woraufhin Ron auflachte.
„Klar, laufen wir jetzt rum und verprügeln Leute, weil sie gemein zu unseren Freunden sind?“, feixte er.
„Hermione hat Draco im dritten Jahr auch eine verpasst und das hast du gefeiert, Ron, und in diesem Fall war es berechtigt, weil ich mir erst da bewusst geworden bin, dass ich wirklich Fehler begangen habe.“, wurde Harry nun etwas bissig.
„Der Kerl bringt nur Ärger, merkst du es denn nicht?!“, rief Ron.
„Wieso wäre es dann okay, wenn ich mit Pansy zusammen wäre, aber nicht mit Draco?!“, wurde Harry noch lauter, drückte Dracos Hand so fest, dass es diesem bestimmt schmerzen musste. Das bemerkend, ließ er schnell locker, ohne den Griff zu lösen. Er war sich nämlich sicher, dass sein Partner wieder weggerannt wäre, hätte er ihn losgelassen. Es wunderte ihn, dass Draco der ganzen Diskussion nichts beigetragen hatte. Aus dem Augenwinkel konnte er sehen, wie Draco zu Boden sah, Pansys Hand an seinem Arm.
„Sie wäre das kleinere Übel, Harry.“, antwortete sein bester Freund dann trocken. Harrys grüne Augen weiteten sich und er sah zu Boden, seine Gedanken sortierend.
„Das ist unfair. Ich mische mich auch nicht bei euch beiden ein.“, mit seiner freien Hand deutete er erst auf Ron und dann auf Hermione, „Aber wenn ihr mich fragt, besteht da auch genug Klärungsbedarf. Bin ich zu euch gerannt und hab euch meine Meinung aufgezwungen? Nein. Ich habe euch beiden jeweils zugehört und Geheimnisse für mich behalten. Aber andersrum geht das nicht, wie ich sehe … Es wird schon einen Grund geben müssen, warum ich mich für Draco entschieden habe. Darüber hättet ihr vielleicht nachdenken können. Außer wenigen Ausnahmen, seid ihr alle auf die Slytherins los … ich bin enttäuscht von euch, wirklich.“
„Du kannst doch nicht wirklich behaupten, dass du den da ernsthaft liebst. Das ist Draco Malfoy, immer noch der Draco Malfoy.“, meinte Padma.
„Doch. Genau das kann ich behaupten, dass ich ihn liebe und das bestimmt nicht nur eine dumme Phase von mir ist.“ Padma stutzte und wandte ihren Blick ab. Der Raum verstummte erneut.
„Genau das ist das scheiß Problem bei euch!“, platzte es dann aus Dean heraus. Jedermanns Blick richtete sich auf ihn, der erst kurz zu Seamus sah, der ihm zuversichtlich zunickte. „Wenn Harry Draco liebt – und das tut er, er hat es uns erzählt! – dann sollte euch das reichen. Sollte es mit der Beziehung nicht funktionieren, könntet ihr immer noch sagen ‚ich habe es dir gesagt‘. Freunde unterstützen sich für gewöhnlich. Aber ihr gönnt niemanden irgendetwas. Hermione da hat es Ron nicht gegönnt, als er mit Lavender zusammen war. Warum? Weil sie zuvor die Fresse nicht aufbekommen hat, einfach offen zu ihren Gefühlen zu stehen. Genauso, wie mir das niemand mit Ginny gegönnt hatte – auch wenn es nicht funktioniert hatte – oder wie niemand Hermione das mit Viktor Krum gegönnt hatte. Kein Wunder, dass sich dann Harry lieber an uns – oder Luna Lovegood – gewendet hat, als an irgendjemanden von euch.“ Hermione, deren Gesicht von ihren Tränen verklebt und ihre Augen rot geworden waren, sah auf, zu Pansy, die ihren Blick bemerkte und sich gereizt wegdrehte. „Pansy, es tut mir leid.“ Doch Pansy schüttelte den Kopf und griff Harrys Hand, der davon sichtlich verwirrt war, und zog ihn mit Draco hinter sich in Richtung Portraitloch.

„Wohin geht ihr?“, fragte Ron unruhig, fast schon ängstlich. Pansy erwiderte nichts und schob die beiden aus dem Gemeinschaftsraum in Richtung Portraitloch, durch welches sie stiegen. Sich selbst umarmend, stand Pansy im Gang vor dem Portrait. Sie musste frieren, da sie nur das große Pyjamaoberteil ohne Hose trug. Wortlos sahen die drei einander an, bis Pansy ein lautes Seufzen abließ. Plötzlich strömten ihr stumme Tränen über die Wangen, die durch ihre Schminke schwarz verfärbt waren. Draco löste den Griff nun und umarmte seine beste Freundin, die, kaum lagen seine Arme um sie, laut schluchzend in seine Brust weinte.
„Ist es wegen Hermione?“, fragte Harry vorsichtig, woraufhin Draco nickte, seine Hand auf ihren Kopf legend. Er wandte seinen Blick wieder zu Harry.
„Danke dir. Ich muss ehrlich sein … ich habe tief drinnen gedacht, dass es dir nicht ernst mit mir ist … aber jetzt …“ Fast wie in Trance ließ er seine feingliedrigen Finger durch Pansys schwarze Haare fahren. Pansy ließ irgendwann ab, schniefte und wischte sich mit den langen Ärmeln über ihre Augen, was Harry etwas zum Schmunzeln brachte, da ihr zuvor perfekt geschminktes Gesicht nun eher etwas von einer durchzechten Nacht hatte.
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„Los. Küsst euch, ihr Entenpimmel.“, murmelte sie, schniefte wieder und lächelte dann minimal, sich wieder über das Gesicht wischend. Das ließ sich Harry nicht zweimal sagen: Er griff Dracos Kragen, zog ihn zu sich und presste seine Lippen auf die seinen. Zeit schien eine nutzlose Erfindung gewesen zu sein, da, kaum trafen sich ihre Lippen, Harry dachte, die Zeit würde stillstehen; dass nur die Berührung ihrer Lippen, die Zeit stillstehen hat lassen. Er hatte das Gefühl, dass beide ewig auf diesen einen Moment gewartet hatten. Obwohl sie sich zuvor bereits geküsst hatten, war keiner der Küsse ein Vergleich zu diesem. Dracos Geschmack machte ihn beinahe betrunken, aber dieses Gefühl des Betrunkenseins wollte er gerne noch länger genießen.

Die ganzen Muggelfilme, die sich seine Tante Petunia weinend angesehen hatte, hatten gelogen. Es sangen keine Englein vom Himmel, noch gingen metaphorische Feuerwerke hinter ihnen in die Luft. Es waren nur sie beide, die Hitze, die von ihren Körpern ausging und ihre Lippen, die sich immer und immer und immer wieder trafen, ihre Herzen, die laut gegen ihre Brustkörbe hämmerten, ihre Finger, die über ihre Körper glitten, wie über Wörter in einem Buch.

Es war nur das und die Zeit, die für die beiden stillzustehen schien. Dass sich Pansy mit einem Grinsen auf den Lippen verabschiedet hatte, bemerkten sie erst nicht. Die Küsse wurden hungriger, verlangender – und ja, auch nasser. Keuchend öffneten sie, nach Luft zu schnappend, die Augen, bevor sich ihre Lippen, ihre Münder und Zungen erneut hart trafen. Schließlich fanden sie sich, Harry mit dem Rücken an einer Mauer gelehnt, wieder, sahen sich verlangend an und lächelten einander herzlich an, bevor sie sich abermals küssten. Ihre Liebesbekenntnisse verstummten an den Lippen des anderen.
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