Odaliske - Graue Augen

von Oscar
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger Luna Lovegood Pansy Parkinson Ronald "Ron" Weasley
20.01.2019
07.07.2019
17
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Disclaimer: Alle Charaktere sind Eigentum von J. K. Rowling. Ich leihe sie mir nur aus um ein AU zu schreiben, um das niemand gebeten hat.

Kleine Vorwarnung: Ich kenne die englischen Bücher in- und auswendig, aber habe die deutschen Bücher seit mindestens 10 Jahren nicht gelesen. Es kann also sein, dass sich paar Originalbegriffe in den deutschen Text einschleichen, ohne dass es mir auffällt.

Ich wäre übrigens für Reviews sehr dankbar! Die motivieren Schreiberlinge wie mich sehr c:.

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1 – Der Achtklässlerturm

Nie hätte er gedacht, jemals wieder vor den Toren Hogwarts zu stehen. Nicht nach allem, was geschehen war. Er, der Junge-der-viel-zu-oft-überlebt-hatte, der Voldemort besiegt hatte und dabei – wie so oft – selbst fast umgekommen wäre. Nach allem was geschehen war, stand er vor den Toren Hogwarts und das unverletzt. Er hatte kaum Schaden, außer psychischen, mit sich getragen und fühlte sich deshalb schlecht. Ja, tatsächlich. Er fühlte sich schlecht, überlebt zu haben. Viele Menschen, zu viele Menschen hatten ihr Leben gegeben, um ihn zu beschützen. Nicht nur im letzten Jahr, auch zuvor. Seine Eltern, sein Patenonkel, Remus Lupin und seine Frau Nymphadora Tonks, Mad-Eye Moody … und so viele mehr. Besonders schuldig fühlte er sich, wenn er zwischen den Weasleys gesessen hatte nach dem Krieg und ein Rotschopf fehlte und er dennoch dort sitzen konnte, Mollys leckeres Essen verspeisen konnte, während Fred für ihn sein Leben gegeben hatte. Er hatte des öfteren angesprochen gehabt, wie leid es ihm täte, während Molly mit Tränen in den Augen einfach nur gelächelt und gesagt hatte, dass es nicht seine schuld gewesen wäre. Aber dieses Gefühl wurde er nicht los. Er hatte Molly weinen sehen, nicht nur einmal. Irgendwann war sie in eine Depression gefallen. Sie hatte George Fred genannt, der irgendwann mit dem Ganzen nicht mehr klargekommen war und sich kaum noch hat blicken lassen. Stattdessen lebte er über – nun – seinem Laden in der Winkelgasse in einer kleinen Wohnung und kam ab und an zum Anstandsbesuch vorbei, dann allerdings nur mit Angelina im Schlepptau, um einen Grund zu haben, schnell zu gehen. Molly hatte mehrmals ausgesprochen, dass sie sich einsam fühlte, da ihre Kinder alle fort waren. Sie hätte am liebsten ein neues Baby gehabt, wogegen sich allerdings Arthur ausgesprochen hatte. Ob es ihm egal wäre, was mit Fred geschehen wäre, hatte sie ihn unter Tränen angefahren. Natürlich war es ihm nicht egal gewesen, natürlich hatte er genauso gelitten. Aber ein Baby würde nichts besser machen, so seine Antwort. Molly hatte sich nicht als einsichtig gezeigt. Jetzt, wo der Fuchsbau leer war und auch die Jüngsten bald gehen würden, wollte sie ihn wieder voll haben. Arthur allerdings änderte seine Meinung nicht. Harry hatte das Gefühl, diese einst so liebevolle Familie zerrissen zu haben. Er war der festen Überzeugung, dass, wenn er nicht gewesen wäre, Fred noch am Leben wäre und nichts und niemand konnte ihn vom Gegenteil überzeugen. Er wusste einfach, dass es seine Schuld war. Hätte er sich gleich Voldemort ausgeliefert, oder wäre damals im Malfoy Anwesen enttarnt worden, dann wäre Fred noch am Leben. Nicht nur er, natürlich. Als George eines Tages im Sommer nach Hause gekommen war, konnte man Mollys Schreie und Weinen noch im obersten Zimmer des Fuchsbaus hören. George hatte sich in einem Muggelladen Haarfarbe besorgt und sich diese einst kupferroten Haare schwarz gefärbt. Er hätte im Spiegel, trotz des verlorenen Ohres, nur Fred sehen können. Doch Molly war dagegen gewesen, wollte ihm die Farbe wieder aus den Haaren zaubern. George war noch auf der Stelle disappariert und hatte sich seitdem auch nicht mehr blicken lassen.

„Ich glaube Mum ist jetzt komplett am Durchdrehen“, hatte Ron seiner Schwester Ginny am Esstisch zugeflüstert, die ihm einen genervten Blick zu warf.
„Wie kamst du denn jetzt darauf? Hm? Hat dir das ihr nächtliches Weinen verraten? Oder war es das am helllichten Tag? Oder, dass sie George angeschrien hätte, er würde die Familie verraten, weil er sich die Haare gefärbt hat? Ronald, sag mir bitte, was davon hat dich auf die Idee kommen lassen?“, hatte sie ihm zugezischt. Hermione und Harry saßen ebenfalls am Tisch, wenn auch leicht verschämt. Sie wären am liebsten weggerannt. Die Luft war die Tage so dick gewesen, dass man sie gefühlt hätte schneiden und zu Bratensoße servieren können. Es waren nur die vier und die Eltern gewesen. Dadurch, dass Arthur tagsüber im Zaubereiministerium war, hatten die vier den Tag über mit Molly. Sie hätten schwören können, dass Arthur manchmal absichtlich länger fernblieb, aber niemand konnte ihm das übel nehmen, da sie in seiner Situation wahrscheinlich das gleiche getan hätten. Irgendwann Mitte Sommer hatten Hermione und Harry die schwere Entscheidung getroffen, die beiden Geschwister im Fuchsbau zurück zu lassen und zum Grimmauldplatz mit Kreacher zu gehen. Es wäre zu anstrengend gewesen, dem waren sich beide sicher. Die beiden anderen würden nachkommen können, wenn ihnen danach wäre.
Hermione war Feuer und Flamme gewesen, ihre Schulausbildung auf Hogwarts abzuschließen, während weder Ron noch Harry irgendwelche Pläne in die Richtung hatten.
„Ihr müsst auch an eure Zukunft denken!“, hatte sie mehrmals sehr energisch gemeint.
„Warum sollten wir? Wir bekommen auch so sicher Jobs, Mione.“, hatte Ron gesagt und ihr einen Kuss auf die Wange gedrückt, woraufhin sie ihn weggedrückt hatte.
„Die Ausbildung ist wichtig! Wenn ihr die Möglichkeit habt, noch ein Jahr an Hogwarts zu verbringen, warum schmeißt ihr die in den Sand? Harry kann es sich vielleicht erlauben mit seinem Ruhm, aber du, Ronald?!“
„Oh, ich liebe das, wenn du mich Ronald nennst, das riecht immer nach Ärger.“
„Ich meine nur … es ist nur ein Jahr. Ich werde auf jeden Fall gehen.“ Sie hatte ihren Blick auf Harry gerichtet, der ihren Blick versucht hatte zu meiden.
„Ron. Sie hat recht. Wir wissen nicht, was wir machen sollen und willst du 24/7 mit deiner Mutter allein sein, während Ginny zur Schule geht?“
Man hatte sehen können, wie ihm die Farbe aus seinem sowieso schon blassen Gesicht gewichen war. Hermione hatte letztendlich ihren Willen bekommen.

Da stand er nun. Es war ihm bereits auf dem Weg nach Hogwarts aufgefallen, im Express, wie die Augen an ihm geklebt hatten und aus dem Starren Tuscheln und Flüstern wurde. Harry war das schon immer gewöhnt gewesen. Seitdem Hagrid damals in der Hütte mit der Torte aufgetaucht war und ihm mit elf mitgeteilt hatte, dass er ein Zauberer wäre, war er Blicke gewöhnt gewesen. Er kannte das Flüstern und Tuscheln, die Finger, die auf ihn zeigten. Aber nicht in dem Ausmaß. Manche wirkten tatsächlich eingeschüchtert. Zwischen der Menschenmenge, die aus dem Express gestiegen war, hatte er einen bekannten Haarschopf ausmachen können. Das war schlichtweg etwas gewesen, womit er nicht gerechnet hatte. Auch auf diese Person waren die Blicke gerichtet und es wurde getuschelt. Aber nicht voller Bewunderung, wie bei Harry, sondern fast schon angewidert. Er wusste nicht, wie er diese Blicke sonst hätte beschreiben sollen, als mit angewidert. Vielleicht noch ängstlich. Er selbst spürte nichts, als er ihn sah. Er war verwundert, aber der Groll, den er zuvor jahrelang gehegt hatte, war weg. Einfach verschwunden. Harry war darauf bedacht, mit so viel Ruhe wie irgendwie möglich durch dieses Jahr zu gehen. Ereignislosigkeit war genau das, was er brauchte. Er grüßte hier und da Schüler, die zu ihm gerannt kamen und verlor dann irgendwann den weißblonden Haarschopf aus den Augen, der mit gesenktem Kopf durch die Menge gegangen war. Er fragte sich, warum Malfoy, der sonst immer so vor Stolz gestrotzt hatte und immer erhobenen Hauptes durch das Schloss stolziert war, mit gesenktem Kopf durch die Leute schritt. Er fragte sich, was in den Monaten, die sie sich nicht gesehen hatten, passiert war.

Als er und seine Freunde in der großen Halle waren, alle versammelt am Gryffindortisch – auch Luna – ließ er seinen Blick durch die Menge schweifen. Es war ausgedünnt, besonders am Slytherintisch. Neben Malfoy saßen Zabini, Nott und Parkinson. Parkinson hatte ihren Kopf auf Malfoys Schulter liegen und einen Arm um ihn gelegt. Ob die beiden zusammen waren?, fragte sich Harry und winkte dann den Gedanken an, weil es ihm nichts anging. Er konnte Goyle nicht ausfindig machen, aber bei genauerem Überlegen wäre er wahrscheinlich auch nicht der Typ Mensch gewesen, der freiwillig ein Jahr wiederholte. Ansonsten konnte er ein paar jüngere Schüler ausmachen, die er zuvor noch nie gesehen hatte. Wahrscheinlich Zweitklässler. Er dachte sich, dass sich die restlichen Schüler wahrscheinlich nicht getraut hatten, wieder zur Schule zu kommen und er fragte sich erneut, warum ausgerechnet Malfoy wiedergekommen war. Sein Blick wanderte zu den anderen Tischen, die hauptsächlich von jüngeren Schülern gefüllt waren und er sah wenige bekannte Gesichter, was ihn fast schon traurig stimmte. Nachdem McGonagall, die Schulleiterin, mithilfe des sprechenden Huts die Erstklässler in ihre Häuser sortiert hatte, trat sie an das Podium und bat um Ruhe.
„Liebe Schüler! Wir – das Kollegium und ich – sind sehr erfreut darüber, Sie alle zu einem neuen Jahr an einem neu aufgebauten Hogwarts begrüßen zu dürfen! Ebenso freut es uns, alte Gesichter antreffen zu dürfen, die sich freiwillig dazu entschlossen haben, ihre Ausbildung an der Hogwartsschule für Zauberei und Hexerei abzuschließen. In diesem Jahr wird es Änderungen geben, die wir lange besprochen haben. Die Schüler, die das Jahr zuvor in dem siebenten Jahrgang waren – oder gewesen wären – werden in einem neuen, achten Jahrgang, in einem Turm, der eigens dafür erbaut wurde, unterkommen. Ebenso werden diese Schüler keinem Haus angehören und ihrem Unterricht gemeinsam beiwohnen. Grund dafür ist, dass wir alte Feindlichseligkeiten gerne aus dem Weg räumen wollen und da die Anzahl der Schüler des achten Jahrgangs sehr gering ausfällt, wird das auch – in unseren Augen – machbar sein. Ich hoffe, dass Sie alle sich baldig an die neuen Umstände gewöhnen. Ansonsten ist – wie immer – anzufügen, dass das Betreten des verbotenen Waldes – wie der Name es schon verrät – verboten ist. Genauso bitte ich Sie, auf das Ausgehverbot zu achten und es, nicht wie die Jahre zuvor, auch ernst zu nehmen. Außerdem ist den volljährigen Schülern ist der jederzeitige Besuch Hogsmeades gestattet. Ich wünsche den neuen, wie auch alten Schülern ein herzliches Willkommen und ein wundervolles und hoffentlich friedliches Jahr auf Hogwarts! Und nun wünsche ich Ihnen allen einen guten Appetit!“
Verschiedenste Speisen erschienen auf den Tischen und die Schüler applaudierten, bis sich McGonagall an ihren Platz in der Mitte der riesigen Tafel zwischen ihre Kollegen gesetzt hatte.
Bei den älteren Schülern machte sich ein Raunen breit.
„Wir sind alle zusammen?“, fragte Ron irritiert und sah zu Hermione.
„Es macht irgendwie Sinn – wenn man drüber nachdenkt.“ Sie schöpfte sich Erbsen auf ihren Teller.
„Inwiefern, Hermione?“, kam es wieder leidig von Ron. Auch Harry sah interessiert auf.
„Na ja, wir sind dieses Jahr ziemlich wenige. Guckt euch nur um. Von Gryffindor sind es wir drei und Neville, Dean, Seamus … ob es noch mehr gibt, kann ich gerade nicht sehen. Aber selbst wenn, würde es sehr mager ausfallen. Nun guckt euch um. Es ist kaum jemand aus unserem alten Jahrgang da. Das heißt, dass man uns bei den Siebtklässlern irgendwo ins Zimmer schmeißen müsste und dafür gibt es die Kapazitäten nicht. Einfach die paar 'Achtklässler' zusammenwerfen würde es einfacher machen als sich irgendwie zu überlegen, wer wo reinkäme. Verstehst du das, Ronald?“
„Ich denke mal schon … Wenn du es sagst, wird es schon stimmen, Mione.“ Er schenkte ihr ein breites Lächeln und gab ihr einen sanften Kuss auf die Wange, bevor er sich einen Hühnerschenkel nach dem nächsten in den Mund schob.
„Isst du kein Hühnchen, Mione?“, fragte er irritiert mit vollem Mund.
Sie schüttelte den Kopf,
„Nein. Ich habe so viele Tote gesehen das letzte Jahr … ich möchte nichts Totes mehr essen. Ich weiß nicht, es dreht mir den Magen um.“
Er nickte abwesend und legte dann seinen Hühnerschenkel wieder langsam auf den Teller, reinigte sich die Finger und entschied sich dann, sich eine riesige Portion Kartoffelpüree mit Erbsen und Bratensoße aufzutischen. Sie lächelte ihm zu, während Harry wieder unbewusst seine Blicke zum Slytherintisch wandern ließ, wo Parkinson selbst beim Essen noch an Malfoy klebte. Aber warum?, fragte sich Harry, bevor Luna ihn aus seinen Gedanken riss.
„Harry. Du versalzt dir so noch dein Essen.“
Er sah auf und merkte, dass er den Salzstreuer, den er zuvor gegriffen hatte, nicht aufgehört hatte zu schütteln, auch als er zu Malfoy geguckt hatte.
„Oh! … Danke, Luna.“
„Es heißt, dass man verliebt ist, wenn man sein Essen versalzt. Harry? Bist du verliebt?“
„In mich auf jeden Fall nicht.“, zischte Ginny und erhob sich wütend, bevor sie aus der Halle eilte.
„Oh je … Habe ich etwas Falsches gesagt?“ Ihre großen Augen weiteten sich noch mehr, dass sie den Ausdruck von einer geistesabwesenden Eule annahm. Auch Neville sah interessiert zu Harry, der auf seinen Teller starrte, als wäre er das interessanteste auf Erden.
„Ich … ich habe zu ihr gemeint, dass ich mir mit dem ganzen nicht sicher wäre ...“
„Oh, Harry.“
Ihr Blick wanderte zu Ron, der einen etwas finsteren Blick auf dem Gesicht hatte, aber nichts sagte, sondern stattdessen schweigend weiter aß.
„Sie ist wohl immer noch etwas … verstimmt?“ Luna lächelte zärtlich und legte ihre Hand über den Tisch auf Harrys. Er erwiderte unsicher das Lächeln und räusperte sich.
„Ja - ähm. Ja. Ich denke mal schon.“
Hermione seufzte und zog damit die Blicke auf sich.
„Du Vollidiot, Harry. Natürlich ist sie verstimmt. Sie wird sich bald einkriegen, aber dieses ganze Hin und Her ist es, was sie stört.“
„Himpf umpf hea?“, kam es von Ron.
„Schluck gefälligst runter bevor du sprichst, Ronald.“, warf sie ihm zu und er verdrehte zwar die Augen, kaute aber plötzlich ausgiebig seine Mahlzeit.
„Ja. Erst schwärmt sie für ihn, er mag sie aber nur wie eine Schwester, dann mag er sie und dann doch nicht, dann sind sie zusammen und wieder getrennt und wieder zusammen und wieder getrennt. Dieses Hin und Her.“
„Ooooh“, machte Luna nur und schenkte Harry erneut ein herzliches Lächeln. Er wusste nicht genau, wie er darauf reagieren sollte und nickte einfach nur.
„Da wäre ich auch gereizt, um mal ehrlich zu sein.“, meinte Hermione zwischen zwei Bissen Kartoffelpürees mit Erbsen.
„Ich habe mich entschuldigt.“, versuchte Harry sich nun zu verteidigen. Hermione verdrehte die Augen.
„Jungs … ohne Witz. Wenn ich dir ins Essen kacke und es wieder rausfische, würdest du dann einfach weiter essen, als wäre nichts gewesen?“, sagte sie komplett genervt und erntete von allen Seiten entsetzte Blicke.
„Ach kommt. Wir haben schlimmeres mitbekommen als wie ich fluche oder vulgär spreche.“, warf sie ein.
„Wie du Malfoy eine reingehauen hast war auch ziemlich skandalös, Hermione.“, kam es von Ron, der sie angrinste.
„Seht ihr.“
Die fünf aßen kurze Zeit schweigend weiter, bis Hermione ein Schrei entfuhr.
„Heißt das, dass ich mir mit Parkinson das Zimmer teilen muss?!“
Ron, Harry und Neville lachten, während Luna einfach nur lächelte.
„Vielleicht werdet ihr ja Freunde. Wer weiß.“
„Ich bezweifle es, Luna. Aber es ist faszinierend, wie du immer positiv bleiben kannst.“
Hermione stützte ihr Gesicht auf ihren Händen ab und seufzte herzhaft.

Der Turm der Achtklässler war geräumig, aber vielleicht lag das auch nur an den wenigen Schülern. In seiner Erinnerung war der Gryffindorgemeinschaftsraum oft so gefüllt mit Schülern, dass es zu bestimmten Uhrzeiten fast schon eine Qual war, sich dort aufzuhalten, weil man des öfteren seinen eigenen Gedanken nicht mehr hatte folgen können. Er lag sehr hoch, da er lediglich für die Achtklässler an das Schloss gebaut wurde. Wenn man aus dem Fenster sah, konnte man gut über das Schulgelände blicken. Ganz weit in der Ferne dachte Harry sich, Hagrids Hütte erahnen zu können. Der Gemeinschaftsraum, in dem sie standen, war neutral in grau und schwarz gehalten. Nicht Golden und Rot, wie Harry es gewöhnt war. Feuer brannte bereits im Kamin und verbreitete mit seinem Knistern eine angenehme Wärme. An den Wänden standen mehrere Sofas, die auch in schwarz gehalten waren. Den einzigen farbigen Akzent setzte der riesige, runde Teppich, der sich bordeauxrot über den Boden erstreckte. Mehrere Tische samt Stühlen waren in dem Raum verteilt und er wusste einfach, wo Hermione das Schuljahr verbringen würde: An dem Tisch, der direkt neben dem Kamin stand, damit sie es auch beim Lernen schön warm hatte. Harry fand es zuerst merkwürdig, als er sah, wie die Schüler der einst anderen Häuser sich breit machten, ihre trägen Körper auf die Sofas und Sitzkissen warfen und sich am Feuer wärmten. Heitere Konversationen drangen durch den Raum. Manche Schüler machten sich auch direkt auf den Weg in die Schlafsäle, statt sich noch im Gemeinschaftsraum aufzuhalten.
Letztendlich waren sie acht Jungen in dem Schlafsaal. Fünf aus Gryffindor, drei aus Slytherin. Es waren zwar ehemalige Ravenclaw- und Hufflepuffmädchen im Jahrgang, aber keine Jungen. Die Stimmung im Schlafsaal war angespannt. Es verwunderte ihn, dass Malfoy die ganze Zeit nicht ein Wort gesprochen hatte. Keinen giftigen Kommentar wie sonst. Einfach nichts. Zabini war es, der als erstes das Wort ergriff und damit das Eis brach.
„Yo. Ihr beide da drüben. Seid so gut und zaubert einen Muffliato auf euch, wenn ihr es nachts treibt. Ich denke, das würden wir alle hier begrüßen. Ich kann natürlich nicht ausschließen, dass Voyeure anwesend sein könnten. Aber ich unterstelle natürlich niemanden etwas.“ Bei den letzten Sätzen hatte er gegrinst. Allerdings hatte er aber den Kopf dabei gesenkt, als würde er nicht wollen, dass man merkte, dass er wegen seines eigenen Witzes lachte. Harry und Ron wechselten irritierte Blicke, waren sich aber sicher, nicht damit gemeint zu sein. Jedenfalls hofften sie nicht damit gemeint zu sein.
„Wen meinst du, Zabini?“, kam es leise von Ron, der unter seinen vielen Sommersprossen etwas rot geworden war. Zabini warf Nott einen Blick zu, als würden sie wortlos miteinander kommunizieren und antwortete dann: „Die beiden Turteltauben da hinten natürlich.“
Sein langer, dünner Finger deutete auf Seamus und Dean, die bei ihren Koffern an den Betten standen, die am weitesten im Zimmer lagen.
Seamus räusperte sich, aber Dean war es, der antwortete.
„Keine Sorge, so diskret werden wir noch sein können.“
Ron fiel die Kinnlade runter.
„Seit wann seid ihr beide …?“
„Ron, du hast die beiden im sechsten Jahr in der Dusche erwischt.“, murmelte Neville peinlich berührt.
„Ich dachte sie würden wrestlen!“
„Er hatte seinen Schwanz in mir dri-“, kam es nun unerwartet von Seamus, wurde dann aber von einem lauten Aufschrei Rons unterbrochen.
„Aaaah! Mir egal! Macht was ihr wollt aber redet nicht drüber!“
Dann passierte etwas, womit Harry nicht gerechnet hatte. Alle lachten miteinander. Zabini lachte so stark, dass er sich den Bauch halten musste, Nott wiederum standen Tränen in den Augen. Selbst Neville und das Pärchen schüttelte es vor Lachen. Nur Malfoy war es, der nicht lachte. Erst dann fiel Harry auf, dass dieser verschwunden war. Wann war er gegangen?
„Wieso tust du denn so prüde, Ron?“, fragte Dean und setzte sich mit Seamus auf eines ihrer Betten. Harry hatte das Gefühl, dass das achte Bett das Jahr über unberührt bleiben würde.
„Du und Granger lasst es doch bestimmt selbst ziemlich krachen.“ Er machte eine obszöne Geste, woraufhin Ron bis zu seinen Ohren so rot wurde, dass es fast seinen Haaren Konkurrenz gemacht hätte.  „Oh.“, machten die Anwesenden simultan.
„Mein Beileid, Weasley“, sagte Zabini, wenn auch mit einem kleinen schelmischen Grinsen auf den Lippen. Ron entschied sich dazu, nichts zu erwidern und kramte stattdessen in seinem Koffer, als würde er angestrengt nach etwas suchen, wovon Harry wusste, dass es nicht der Fall war.
Zabini und Nott flüsterten sich etwas zu, bis Nott das Wort ergriff.
„Okay. Wie wäre es mit einem Deal? Bei jeder sexuellen Interaktion und damit meine ich auch Masturbation, einen Muffliato und gut ist?“
Die anwesenden Jungs nickten einstimmig.
„Sollte das nicht noch jemand Malfoy mitteilen?“, fragte Ron.
Zabini lachte. „Glaubt mir, er ist der letzte der aggressiv wichsend im Bett liegt.“ Auch er machte eine obszöne Geste und verzog dabei sein Gesicht.
Ron und Neville prusteten laut auf. Harry versuchte sich derweil das eben gesagte nicht vorzustellen.

Als Harry abends im Bett lag, sah er auf das Bett links von sich, das immer noch frei lag. Die anderen hatten entschieden, dass es Malfoys sein sollte. Rechts von ihm lag Ron, der bereits munter schnarchte und wie so oft vergessen hatte, zuvor den Vorhang zu schließen. Er ließ seinen Blick durch das Zimmer wandern. Seine Augen hatten sich noch nicht an die Dunkelheit gewöhnt, dass er kaum jemanden ausmachen konnte. Aber es schienen alle zu schlafen oder zumindest so zu tun. Harry zog schließlich den Vorhang an seinem Bett zu und legte seine Brille ab, wie immer griffbereit direkt neben seinem Kissen Er lag ruhig da und sah zur Decke. Seit längerem kämpfte er damit, zu schlafen oder generell einzuschlafen. Selbst wenn er es schaffte für kurze Zeit zu ruhen, plagten ihn Alpträume, die ihn auch wieder aus dem Schlaf rissen. Meist wachte er dann schweißgebadet auf. Wenn er wie in diesem Moment von Dunkelheit umgeben war und die Augen schloss, konnte er die regungslosen Gesichter der Menschen sehen, die ihr Leben gegeben hatten um ihn zu schützen. Unter anderem sah er Remus' und Tonks leblose Körper, wie sie nebeneinander lagen. So friedlich, als hätten sie nur geschlafen. Als wären sie jeden Moment aufgewacht. Er konnte nicht umher an die Zukunft zu denken, die er ihnen geraubt hatte. Er dachte an Teddy, seinen Patensohn, Remus' und Tonks Sohn. Das Gefühl, ihn seinen Eltern beraubt zu haben versetzte ihm einen Stich. Auch wenn er in Andromedas Obhut liebevoll aufwachsen würde und Harry sich geschworen hatte, für ihn da zu sein, wusste er, wie es war ohne Eltern aufzuwachsen. Er hätte dieses Laster niemals irgendwem gewünscht. Manchmal dachte er, ganz still und heimlich für sich, dass er ihn seinen Eltern beraubt hatte. So als hätte er die Zauber gesprochen. Auch wenn es Bellatrix Lestrange war, die Tonks ermordet und Antonin Dolohov, der Remus ermordet hatte, waren sie für ihn – Harry, der scheiß Junge, der viel zu oft aus purem Glück überlebt hatte – gestorben. Sie waren bereit gewesen, ihr Leben zu geben. Für was? Ebenfalls gab er sich bis heute die Schuld daran, dass Sirius gestorben war. Fast täglich wünschte er sich, auf Hermione gehört zu haben, die ihm gesagt hatte, dass Voldemort ihm eine Falle stellen würde. Nein. Harry verachtete sein Helfersyndrom. Seine Dummheit an manchen Tagen. Hätte er Sirius zugehört, als er sich im fünften Jahr verabschiedet hatte, hätte er gewusst, dass er ihn jederzeit mit der zerbrochenen Scherbe des Spiegels hätte kontaktieren können, für die sein Patenonkel das Gegenstück besessen hatte. Jeden Tag seines Lebens, bereute er es und litt darunter, selbst wenn er es niemanden hatte anvertraut. Harry spürte, wie die Traurigkeit über ihn hinweg brach und legte seine Hände auf die Augen, bevor sie kurz später in Tränen badeten und er leise in sein Kissen weinte, bis er vor Erschöpfung eingeschlafen war.
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