Juno Chronicles Band 1. - Vampire heilt man nicht.

von Lia125
GeschichteMystery, Fantasy / P16
Vampire Werwölfe
19.01.2019
09.10.2019
39
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Bevor ich sie traf, war mein Leben ein einziges, zähes, quälendes Kriechwerk. Ich aß die süßen Früchte unserer tropischen Bäume und den Fisch, trank und schwamm im Meer. Doch ich war nur ein Geist. Ein Geist unter vielen – grau und bedeutungslos. Mit einigen unerkannten Talenten vielleicht – aber bedeutungslos. Eines von unzähligen Waisenkindern in einem der vielen Waisenhäusern von Falair. Irgendwann jedoch trieb mich die Neugier und Sehnsucht, meinen vielleicht noch lebenden Vater zu finden fort aus dieser Stadt. Hin an einen noch sehr viel unwirklicherem Ort. Dort traf ich ›ihn‹ – den Mann, welchem ich für einige bedeutungsvolle Jahre, Vater, nennen durfte. Von ihm lernte ich viel über die Medizin, die Welt in der wir leben und wie diese funktioniert. Es waren erfüllte, glückliche Jahre, in welchen eine Gewisse angenehme Ruhe in mein Leben einkehrte. Wie es jedoch so ist, ist wahre, tiefe Sehnsucht unheilbar. So war es auch bei mir und es trieb mich wieder fort von ihm. Auf der Suche nach meinem Vater kam ich schließlich an einen Ort an dem die Not zum Teil so groß war, wie ich sie noch nie irgendwo gesehen hatte. Waisenkinder, die von einigen herzensguten Damen umsorgt wurden, drohten zu verhungern, weil es weder genug Nahrung, noch genug Geld gab. Dieses Elend konnte ich einfach nicht mit ansehen. Ich ertrug es nicht. So nutzte ich meine Natur gegebenen Talente und begann mich, als Diebin durch die Straßen der Stadt zu schlagen. Ich bestahl die, denen es an Geld nicht fehlte und schenkte es denen, die es bitter benötigten. Dies lief eine ganze Weile außerordentlich hervorragend und ich unterstützte die Waisenkinder, wo ich nur konnte.

Eines Tages jedoch schlug das Schicksal zu und man erwischte mich. Da die Gefängnisse allerdings restlos überfüllt waren und mein Verbrechen im Verhältnis zu manch anderen so belanglos und sogar beinahe edel wirkte, hatten die Richter Erbarmen mit mir. Sie verpflichteten mich dazu meine Schuld durch gemeinnützige Arbeit zu sühnen.
Tja … was anfangs gut gemeint war, sollte sich schon bald als fataler Fehler erweisen.

Als mich diese stinkenden, stumpfsinnigen Nichtsnutze von Kopfgeldjägern damals in Falair aufgriffen und mich mit den anderen bemitleidenswerten Männer und Frauen auf diesen dreckigen Karren verfrachteten – da dachte ich, mein Leben sei vorbei und es könne kaum mehr schlimmer werden.
Allerdings jedoch sollte dies nur der Anfang eines unbeschreiblichen Debakels sein, dessen Spuren und Bilder ich wohl niemals wieder aus meinem Bewusstsein bekommen werde. Der Tod wäre für so einen Taugenichts wie mich noch eine faire, gnadenvolle Erlösung gewesen. Stattdessen erwartete mich eines der schlimmsten Schicksale, die man sich als Frau nur vorstellen kann. Als Sklavin verkauft an irgendwelche zwielichtigen und skrupellosen Lustmolche. Ihr könnt euch wohl leicht vorstellen, was einen als Frau in den Händen solcher Männer erwartet.

Doch dann, als ich die Hoffnung schon beinahe aufgeben und mich mit meinem Schicksal abgefunden hatte, sah sich sie – eine Frau, wie sie mir noch nie begegnet war und auch niemals wieder begegnen sollte. Eine Frau, mit langem, wunderschönem honigblondem Haar und ein paar spitzbübischen grünen Augen, aus denen einem der Schalk schon von weitem entgegen sprang und die keinen Zweifel daran aufkommen ließen, dass sie in der Lage waren, alles und jeden zu durchschauen, der sich ihnen in den Weg stellte. Sie war stark, bereit, schön, entschlossen, mutig und wo sie auftauchte, hatte man das Gefühl, als würde am Horizont ein silbernes Licht aufgehen und die Dunkelheit durchbrechen. Sie war der wohl mitfühlendste, sanftmütigste und zugleich biestigste, gerissenste und furchteinflößendste Mensch, der mir jemals begegnet war.

Diese Frau rettete mich in jeder nur erdenklichen Weise, wie ein Mensch nur von einem anderen gerettet werden kann. Doch diese unverhoffte und schicksalhafte Begegnung sollte nur der ungewöhnliche Anfang einer außergewöhnlichen gemeinsamen Reise und eines noch größeren gemeinsamen Abenteuers gewesen sein. Eines Abenteuers, wie ich es mir in meinen kühnsten Träumen nicht hätte ausmalen können.

Nun fragt ihr euch sicher, wie die Geschichte lautet und was noch alles geschah. Und vor allem: Wer ist diese ominöse Frau, von der ich hier gerade in den höchsten Tönen schwärme? Wie lautet ihre Geschichte? Fragen über Fragen …
Aber immer schön der Reihe nach. Um alle eure Fragen so gut wie möglich zu beantworten und die Geschichte richtig zu erzählen, müssen wir ganz an den Anfang zurückkehren. Dorthin, wo damals alles angefangen hat. Es ist eine Geschichte voller, Mut, inniger Liebe, prägender Begegnungen, wundersamen Dingen und einer Art von Magie, die am Ende überhaupt keine ist und doch auf seltsame und zugleich so vertraute Weise so scheint.
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