Am Ende der Reise

von Julirot
OneshotFamilie, Freundschaft / P12
Eric Beal G. Callen Kensi Blye Marty Deeks Nell Jones Sam Hanna
18.01.2019
18.01.2019
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Guten Abend,

eigentlich habe ich nicht gedacht, dass ich zu dieser Serie noch mal etwas schreiben werde, aber die aktuellste Folge hat mich dann doch so tief bewegt, dass ich etwas schreiben musste. Außerdem frage ich mich schon seit längerem, wie wohl ein gutes Ende für diese Serie aussehen könnte. Irgendwann muss es ja mal so weit sein. Das ist meine Version.

Ich hoffe die Geschichte gefällt euch. Viel Spaß beim Lesen und ein schönes Wochenende.

LG
Julirot

*******

Am Ende der Reise

Es war später Abend in L.A., die Sonne stand bereits tief am Himmel und die Temperatur war sehr angenehm. Es war friedlich. Nur noch wenige Menschen befanden sich am Strand. Ein paar Surfer waren noch im Wasser und einige wenige Spaziergänger trieben sich auf der Promenade herum. Das Meer rauschte und die Wellen schaukelten im Wind. Sie saßen im weichen Sand und hingen jeder ihren Gedanken nach. Sie waren ein Team, vier Leute, die stets aufeinander achtgaben, die schon viel miteinander erlebt und durchgestanden hatten, die sich gegenseitig ihr Leben anvertrauen würden und es jeden Tag aufs Neue taten. Sie fragten sich immer wieder, ob es das wert gewesen war oder ob der Preis nicht doch zu hoch war. Sie waren aus Mexiko entkommen. Gerade so mit dem Leben davon gekommen. Ihnen ging es allen nicht gut, sie waren verletzt und kämpften immer noch mit den Folgen dieser Mission. Es war ein Himmelfahrtskommando gewesen und jeder der vier war froh, wieder zu Hause zu sein. Callen, Sam, Kensi und Deeks, vier Leute, ein Team.

„Woran denkt ihr?“, eröffnete Sam die Runde und griff in die Kühltasche, die er neben sich in den Sand gestellt hatte, holte für jeden eine Flasche Bier heraus, verteilte sie an seine Freunde und drehte die eigene dann nachdenklich in seinen Händen.

„An den Sonnenuntergang“, sagte Callen und schraubte seine Flasche auf, setzte sie an die Lippen und trank einen Schluck. Seine angeknacksten Rippen meldeten sich wieder und erinnerten ihn daran, dass er verdammtes Glück gehabt hatte.

„Das Leben“, sagte Deeks und zog seine Partnerin enger an sich heran. Sie hatte sich zwischen seine Beine gesetzt und mit dem Rücken an seine Brust gelehnt. Er hatte die Arme um ihren Oberkörper herumgeschlungen und hielt sie fest. Es war ein Anblick, an den sich Callen und Sam inzwischen gewöhnt hatten. Die Beziehung zwischen den beiden war längst normal geworden und gehörte zum Team wie alles andere auch. Keiner stellte sie in Frage und das war gut so.

„Die Liebe“, sagte Kensi und trank einen Schluck Bier, drehte leicht den Kopf und suchte Deeks Blick. Sie hatten sich gestritten, bevor sie nach Mexiko gefahren waren. Ihre Beziehung hatte auf Messers Schneide gestanden, doch sie hatten es geschafft. Sie hatten sich beinahe verloren und nun waren sie wieder zusammen.  Für immer.

„Und du?“, fragte Callen seinen Partner. Er erinnerte sich, wie Sam ihm das Leben gerettet hatte, wie er seine Hand gehalten hatte, als er geglaubt hatte, sterben zu müssen. Sie waren Partner, ein eingeschworenes Team und sie waren die besten Freunde. Sie waren alles, was sie hatten und das würde auch immer so bleiben.

„Ich denke an euch“, antwortete Sam.

„Wie meinst du das?“, fragte Kensi und strich sich eine ihrer schwarzen Locken aus dem Gesicht.

„Ich denke daran, was wir schon alles erlebt haben. Ich denke darüber nach, was aus uns werden soll. Ob es ewig so weiter gehen soll …“

„… oder ob wir nicht irgendwann alle unser Glück verspielt haben“, vollendete Deeks Sams Satz und schaute ihn dann an. In Sams Augen glitzerte es verdächtig und es ging Deeks nahe, dass dieser große und starke Seal offenbar an seine Grenzen geraten war.

„Ja, genau“, pflichtete Sam Deeks bei.

„Ich finde, wir stehen schon zu lange viel zu nahe am Abgrund, findet ihr nicht auch?“, fragte Deeks weiter. Einer nach dem anderen nickte bestätigend.

„Willst du nicht auch irgendwann mal dein Leben selbst bestimmen? Keine geheimen Identitäten mehr, keine wechselnden Arbeitswege, kein Verfolgungswahn, keine Schusswunden, keine Kopfverletzungen?“, fragte Sam an Callen gewandt.

„Du meinst, wir sollen in Rente gehen?“, fragte Callen und runzelte die Stirn.

„Ganz genau“, bestätigte Sam.

„Ich bin dabei“, rief Kensi plötzlich dazwischen und Deeks schaute sie überrascht an. Noch vor ein paar Tagen hatte sie sich vehement geweigert, ihren Job aufzugeben. Sie war davon überzeugt gewesen, dass es das ist, was sie ausmachte, was ihrem Leben einen Sinn gab.

„Was hat sich geändert?“, fragte Deeks seine Partnerin und Kensi drückte ihm spontan einen Kuss auf den Mund.

„Ich habe es endlich verstanden. Es musste erst etwas Schreckliches passieren, einer musste sterben und ihr musstet alle schwer verletzt werden, damit ich begreife, dass es mehr gibt als dieses Leben hier.“ Sie wischte sich mit dem Handrücken über die Augen und schniefte. In diesem Moment mussten sie alle an ihre verstorbene Kollegin Hidoku denken, die es nicht aus Mexiko heraus geschafft hatte.

„Auf Hidoku“, rief Sam und hob seine Flasche. Die anderen beugten sich zu ihm und sie stießen an.

„Ja, auf sie. Möge sie in Frieden ruhen“, sagte Deeks und trank einen Schluck.

„Habt ihr noch Platz in eurer Runde?“, fragte auf einmal eine weibliche Stimme. Sie schauten nach oben und sahen sich Eric und Nell gegenüber, die mit einem Picknickkorb bewaffnet, näher getreten waren.

„Klar, setzt euch“, forderte Callen seine Kollegen auf. Nell setzte sich neben Callen und Eric nahm neben Nell platz.

„Und, worüber habt ihr geredet?“, fragte Nell und verteilte Sandwiches und Obst an ihre Freunde.

„Darüber endlich auszusteigen“, sagte Deeks und schaute Nell an.

„Ist das euer Ernst?“, fragte Eric und es klang traurig. Er konnte sich nicht vorstellen, ohne sie zu sein. Ohne seine Freunde, seine Familie. Doch er wusste auch, dass sie müde waren. Dass sie die ewigen Katastrophen leid waren und sich ein ruhigeres Leben wünschten.

„Ja“, bestätigte Sam und alle anderen nickten.

„Okay.“ Nells Stimme war leise und man sah der rothaarigen Frau an, dass sie betroffen war.

„Was werdet ihr tun, wenn ihr den NCIS verlasst?“, fragte Eric.

„Also ich dachte an eine schöne lange Reise, vielleicht mit einem von Hettys Booten“, sagte Callen und biss in sein Sandwich. „Vielleicht kann Anna sich ein paar Wochen frei nehmen.“

„Und danach?“, fragte Nell weiter.

„Vielleicht gründe ich meine eigene Firma, wer weiß. Vielleicht bewerbe ich mich auch um Moslys Job. Ich hab gehört, dass sie gekündigt hat.“

„Und du, Sam?“ Nell schaute ihr Gegenüber an.

„Ich werde Dozent an der Militärakademie. Das wollte ich schon eine ganze Weile machen. Ich will, dass möglichst viele der jungen Leute von meinen Erfahrungen profitieren können.“

„Hört, hört“, rief Deeks und prostete Sam zu.

„Und du? Wirst du wieder zum LAPD gehen? Oder als Anwalt arbeiten?“, fragte Eric an Deeks gewandt.

„Anwalt … vielleicht wenn mir langweilig wird. Ja, vielleicht verteidige ich dann irgendwann wieder die Armen und Schwachen. Wer weiß, aber eigentlich wollte ich die Bar, die wir gekauft haben, fertig machen und führen. Das kann ich mir so richtig gut vorstellen. Ich hinter dem Tresen, das Licht schummrig, ein paar üble Typen am Billardtisch, coole Drinks, nackte Mädchen … Aua“, rief Deeks, dem Kensi soeben einen Schlag gegen die Brust gegeben hatte. Die anderen fingen an zu lachen und das lockerte die betrübte Stimmung ein wenig auf.

„Ich hoffe, du hast einen Platz für uns an deinem Tresen reserviert“, sagte Sam und grinste.

„Für euch, immer.“

„Und du, Kensi?“, wandte sich Nell nun an ihre Freundin. „Wirst du auch in der Bar arbeiten?“ Kensi schaute zuerst Nell, dann Sam, Callen, Eric und schließlich Deeks an. Dann schüttelte sie den Kopf.

„Nein, ich werde ein Baby bekommen“, sagte sie schließlich leise, aber bestimmt. Deeks verschluckte sich beinahe an seinem Bier und musste husten, als er die Tragweite der Worte seiner Partnerin verstand.

„Echt jetzt?“, fragte er, nachdem er sich einigermaßen beruhigt hatte. Er wusste, es war ein riesen Schritt für sie und deswegen freute er sich umso mehr.

„Echt jetzt“, sagte Kensi. Deeks beugte sich zu ihr und flüsterte:

„Ich liebe dich.“

„Ich dich auch“, antwortete Kensi und küsste ihn, bis Sam sich demonstrativ räusperte.

„Okay, wenn nun geklärt ist, was wir alle so machen wollen, dann können wir ja unser Picknick genießen“, sagte er und griff nach einem weiteren Sandwich.

„Gute Idee“, pflichtete Callen ihm bei. Und dann redeten sie alle durcheinander, lachten und genossen den Abend.

                                                                                                                             
                                                                                                                      ***


Sie stand unweit entfernt der Gruppe und beobachtete ihr Team. Sie konnten sie nicht sehen, denn sie stand hinter einem Rettungsschwimmerturm. Sie hatte sie nicht wirklich belauscht, aber Henrietta Lange war dafür bekannt, dass sie immer wusste, um was es ging. Und so war sie sich auch darüber im Klaren, dass das hier ein Ende war. Ein gutes Ende, wie sie fand. Und das war nicht selbstverständlich. Oft genug hatte sie um ihre Kinder, wie sie sie liebevoll zu nennen pflegte, bangen und zittern müssen. Und sie fühlte sich, als Mutter, stets verantwortlich für ihr Wohl. Sie waren flügge geworden und mussten hinaus in ihr eigenes Leben. Jetzt konnte sie nichts mehr für sie tun. Sie mussten ihre eigenen Entscheidungen treffen, ihre eigenen Erfahrungen machen und das war gut so. Der NCIS würde nicht mehr derselbe sein, ohne ihre Kinder. Sie wusste, sie war am Ende ihrer Reise angekommen. Und das fühlte sich erstaunlicherweise gut an. Sie hatte viel erreicht, erlebt und bewirkt, aber auch viel verloren. Und so hob sie die Hand, in der sie ihr Telefon gehalten hatte und wählte. Als sich am anderen Ende eine männliche Stimme meldete, sagte sie:
„Leon, ich bin bereit. Machen Sie meine Papiere fertig.“ Dann drückte sie die rote Taste und nickte zufrieden. Ihre Mission war erfüllt. Sie warf noch einmal einen letzten Blick auf die Truppe am Strand, hörte noch einmal ihr Lachen und genoss noch einmal ihr Geplänkel. Dann schulterte sie ihre Handtasche und lief durch den Sand zurück zur Promenade.  

ENDE


*Vielen Dank fürs Lesen.*


Anmerkung:
Ein Review brachte mich dazu, diese Geschichte fortzusetzen. Allerdings in einer eigenen. Wer also wissen möchte, wie es mit Sam, Callen, Deeks, Kensi, Eric, Nell und Hetty so weitergegangen ist, der sollte "Am Ende der Reise 2.0 - 3 Jahre später" lesen. Vielen Dank.
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