Neue Gefühle

GeschichteRomanze / P18 Slash
Carol Peletier Daryl Dixon Gregory Maggie Greene Paul "Jesus" Rovia Rick Grimes
17.01.2019
05.03.2019
12
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Und hier kommt auch schon mein drittes Kapitel. Jesus kämpft mit den Nachwehen seiner gemeinsamen Liebesnacht mit Daryl.


Der Ausbildungsplan sah vor, dass die Hilltopbewohner in kleinen Gruppen trainierten. Jesus hatte sein Training auf Nahkampf ohne Waffe spezialisiert, da er den Kampf ohne Waffe vorzog. Bei den Beißern war es selbstredend anders. Hier waren Messer bzw. Pistolen notwendig, um sie zu neutralisieren. Hier war es kein moralische Problem, sie zu töten. In ihnen waren keine Seelen oder Intelligenz mehr vorhanden. Die Beißer waren nur noch willenslose Tötungsmaschinen und konnten nicht mehr gerettet werden, auch wenn sie einmal menschlich waren. Sinnloses Töten von Menschen allerdings widerstrebte Jesus sehr. Er war der Ansicht, dass die meisten Saviors nur ihrem brutalen Anführer folgten und im Grunde keine schlechten Menschen waren. Es ging nur um Negan. Er verdiente den Tod. Wenn sie es schafften, den Anführer der Saviors auszuschalten, gäbe es für die restlichen Männer und Frauen vielleicht wieder eine Möglichkeit sich in eine zivilisierte Gesellschaft einzugliedern. Jesus glaubte fest daran. Tote Menschen konnten aus ihren Fehlern nichts mehr Lernen und nie zu der Einsicht gelangen, dass ihr Tun falsch war und sich aus dem Teufelskreis aus Ausbeutung, Gewalt und Mord befreien.

Sasha hatte sich bei der Ausbildung auf die Handhabung von Schusswaffen konzentriert, wovon sie allerdings nicht sehr viele hatten und noch weniger Munition. Daher blieb es bei ihr bei Trockentraining. Maggie kümmerte sich darum, dass die Hilltopler lernten, wie man mit Messern und Macheten umging. Und Daryl. Auch wenn er dem Plan zunächst nicht zugestimmt hatte, weil er keinen Sinn darin sah, diese Leute etwas zu lehren, hatte er sich bereit erklärt, den Bewohnern das Spurensuchen und den Umgang mit der Armbrust beizubringen. Jesus erinnerte sich, wie Daryl bei der Vorstellung des Trainings nur abfällig geschnaubt hatte. Er begründete seine Ablehnung in knappen Worten damit, dass die Hilltopbewohner es nicht schnell genug lernen und sie keine Kämpfer werden würden, selbst wenn er es ihnen beibrächte.  Nach langer Einrede konnte er jedoch zähneknirschend überzeugt werden.

Daryl war nach jener Nacht wieder so unnahbar geworden, wie er es zu Beginn ihres ersten Treffens war. Jesus verstand nicht warum. Er hatte gegenüber anderen außer Maggie kein Wort über ihre Nacht verloren und den Armbrustschützen darauf auch nicht mehr angesprochen. Paul wollte ihm Zeit geben, um sich an die neue Situation zwischen ihnen beiden zu gewöhnen. Doch so wie Daryl mit ihm umging, tat ihm sehr weh. Es war jedes Mal wie ein Stich in seinem Herzen, wenn Daryl ihm barsch oder einsilbig antwortete oder gar nicht auf ihn reagierte.

Ihre wundervolle gemeinsame Nacht war jetzt drei Tage her und der Alexandriner hatte den Kontakt zu ihm weitestgehend vermieden. Jesus beschloss dem Problem auf den Grund zu gehen; das Gespräch mit seinem Geliebten zu suchen. Er hielt diese Situation und diese Kälte seitens Daryl nicht mehr aus. Er fühlte sich jedesmal schlecht und niedergeschlagen, wenn der Alexandriner ihn so behandelte. Das musste aufhören.

Jesus verließ seinen Wohnanhänger und begab sich zum Barrington-Haus. Gregory hatte sich über die Trainingseinheiten beschwert und behauptete, dass Maggie und Sasha ihm seine Führungsposition streitig machen wollten. Er sah darin eine Gefahr. Wenn die Saviors das Waffen- und Nahkampftraining mitbekämen, würden sie garantiert ein Exempel statuieren und einige Bewohner töten. Jesus wusste genau, dass Gregory die Bevölkerung in Hilltop im Grunde egal war. Er war ein schwacher Feigling, dem nur er selbst und seine Anführerrolle wichtig war. Paul hatte nie verstanden, warum die Hilltopbewohner Gregory zu ihrem Oberhaupt gewählt hatten. Als er zu der Gemeinde gestoßen war, hatte Gregory bereits seine Führungsposition innegehabt. Die einzige Erklärung, die Jesus dafür finden konnte, war, dass es einfach so passiert war. Gregory konnte Rhetorik gut einsetzen und verstand es, Menschen für seine Zwecke zu manipulieren.

Jesus wollte gerade in das Barrington-Haus eintreten, als er Daryl gerade durch das Haupttor gehen sah. Hinter ihm tauchten einige Hilltopler auf. Er konnte Eduardo, Bertie und noch einige weitere Menschen ausmachen. Paul überlegte. Er hatte mehrere Handlungsmöglichkeiten.
Auf den Alexandriner zuzustürmen und ihm eine Szene zu machen, zu fragen, warum er ihn so abfällig und kalt behandelte, schied aufgrund der sich unter Garantie anschließenden Peinlichkeit für alle Beteiligten aus. Gar nichts zu unternehmen war ebenfalls nicht die Patenlösung. Jesus wollte endlich klare Verhältnisse schaffen und eine Erklärung für das Ganze bekommen. Darum beschloss er zu warten, bis die übrigen Hilltopler verschwunden und Daryl allein war. Was sie zu besprechen hatten, wäre eh nicht für fremde Ohren bestimmt gewesen.

Nach einigen Momenten hatten sich die Auszubildenden in verschiedene Richtungen verteilt. Jesus nutzte die Gelegenheit. Er begab sich mit schnellen Schritten auf Daryl zu und versuchte ihn sofort in ein Gespräch zu verwickeln: „Wie lief das Training?“, fragte Jesus ganz harmlos. „Ging“ antwortete Daryl wortkarg. Er blieb nicht stehen, sondern ging wortlos und ohne ihn anzuschauen an Jesus vorbei.
„Hey, redest du mit mir auch wieder einmal mehr als nur eine Silbe?“ bemühte sich Jesus einen Scherz zu machen. Daryl schnaubte nur abfällig und setze seinen Weg fort. Paul sah, wie sich der Armbrustschütze  auf das Motorrad zubewegte, welches sie bei der Flucht aus dem Savior-Komplex benutzt hatten.

„Wo willst du hin?“, wollte der Hilltopler wissen. „Was geht dich das an?“, entgegnete Daryl unfreundlich. Jesus war für einen Moment perplex. So unfreundlich war Daryl noch nie zu ihm gewesen. Er schloss den entstandenen Abstand zwischen den beiden wieder und hielt den Armbrustschützen am rechten Arm fest. Daryl wirbelte in einer schnellen Bewegung herum und schlug Jesus Hand weg. Durch die unerwartete heftige Bewegung verlor Jesus für einen kurzen Moment das Gleichgewicht, fing sich aber sofort wieder.
„Fass mich nie wieder an!“, fauchte Daryl mit einem von Ärger erfüllten Blick. „Was hast du denn für ein Problem? Was habe ich dir getan?“ entgegnete Jesus deutlich energischer, als er zuvor noch das Gespräch begonnen hatte. „Hör auf mich zu nerven!“, erwiderte Daryl in noch barscherem und unfreundlichen Tonfall.

Er drehte sich um und stieg auf das Motorrad, betätigte den Anlasser. „Achso. In der Nacht vor drei Tagen habe ich dich wohl auch genervt, oder!?“, entgegnete Jesus scharf und sehr laut. Es war ihm mittlerweile egal, ob es andere hörten oder nicht. Wut kochte in ihm hoch. Er hatte Gefühle für diesen Mann und der trampelte offensichtlich darauf herum. „Es ist nichts passiert! Klar! Absolut gar nichts!“, brüllte Daryl in derselben Lautstärke zurück. Er rollte mit dem Motorrad an Jesus vorbei und fuhr durch das noch geöffnete Haupttor aus der Gemeinde heraus. Paul hatte noch versucht ihn aufzuhalten, doch der Alexandriner hatte es ignoriert und war einfach an ihm vorbeigefahren.

Jesus Gefühlswelt war extrem aufgewühlt. Seine Gedanken begannen um das eine Thema zu kreisen. „Warum verhält er sich so? Was habe ich ihm nur getan?“, dachte er. „Es war doch alles einvernehmlich. Ich habe ihn doch zu nichts gezwungen und er hat es genossen. Ich habe es doch in seinen Augen gesehen. Er wollte es genauso wie ich und er wollte MICH.“ Jesus war sich dieser Sache zu 100% sicher. Es musste ein anderer Grund hinter Daryls Ablehnung stecken. Und er schwor sich: Diesen Grund würde er herausfinden.

Vollkommen durch den Wind begab er sich trotzdem wieder zurück zum Barrington-Haus. Auch wenn Jesus selbst zweifelte, ob es so eine gute Idee sei, mit Gregory in seinem jetzigen geladenen Gefühlszustand zu reden, musste auch diese Angelegenheit geklärt werden. Wenn Jesus Ärger entbrannte, träfe es wenigsten nicht den falschen. Er stapfte verärgert die Eingangstreppe hoch und begab sich ohne zu Klopfen in Gregorys Arbeitszimmer. Dieser erwartete ihn bereits. „Ah Jesus. Wir müssen mal ernsthaft miteinander reden. Was Natalie da macht, geht wirklich nicht“, begann Gregory mit seiner sonoren Stimme großspurig. Jesus schloss die Tür hinter sich und begann mit ihm ein Gespräch, auf das er in seiner jetzigen Situation nicht wirklich die größte Lust hatte.


Ich hoffe euch hat mein drittes Kapitel zu dieser Story gefallen. Sofern mich die Muse wieterhin küsst, werde ich diese Story regelmäßig fortsetzen. Reviews sind wie immer gern gesehen.
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