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actio et reactio

von Firegirl7
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
OC (Own Charakter) RK800-51-59 Connor
17.01.2019
21.05.2019
11
21.668
7
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17.01.2019 2.087
 
15.August.2038
20:25:19
1554 Park Avenue - Detroit, Michigan


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Ich habe keine Ahnung wie viele Stunden ich nun bereits tatsächlich in voller Montur schwitzend auf den neuesten Prototypen von CyberLife warte.
RK800.
Ein Android, ausgelegt dafür Abweichler ausfindig zu machen und zur Strecke zu bringen.
Besorgt werfe ich einen Blick nach draußen.
Auf der Kante des Daches steht ein solcher Abweichler, in seinen Armen ein kleines, unschuldiges Mädchen.
Er fühlt sich bedroht, das ist kaum zu übersehen.
Neben dem Vater der Kleinen, seinem Besitzer, hat er vor lauter Verzweiflung gleich einen meiner Kollegen erschossen.

,,Warum sollen wir überhaupt einen beschissenen Androiden verhandeln lassen? Dieser Scheißkerl kann jederzeit vom Dach springen.''

Captain Allens Worte schwirren unaufhörlich durch meinen Kopf und hinterlassen ein dumpfes Echo.
Langsam aber sicher rennt uns die Zeit davon.

Durch den schmalen Schlitz meines Visiers beobachte ich die völlig aufgebrachte Mutter des Kindes, welches gerade in dem Augenblick in Lebensgefahr schwebt.
Ihre Augen sind verheult und die Geräusche die sie von sich gibt, lassen auf ihre Hysterie schließen.
Selbst wenn ich laut meiner eigenen Meinung kein besonders empathischer Mensch bin, entwickele ich Mitgefühl mit Caroline Phillips.
Schließlich ist ihre Tochter das Einzige, was ihr momentan bleibt.

Ich halte meine Waffe fest im Anschlag, unaufhörlich darauf vorbereitet, den Abweichler auf den Befehl meines Vorgesetzten zu erschießen.
Um ehrlich zu sein unterscheide ich mich in diesem Augenblick nicht sonderlich von einem Androiden.
Ich tue das, was von mir verlangt wird, ohne es zu hinterfragen.
Keine Widerworte. Keine Schuldgefühle.
Nur der Auftrag zählt.

,,Nein, halt ich… ich kann sie nicht alleine lassen.''

Meine Augen folgen der mittlerweile völlig verzweifelten Mrs. Phillips, wie sie von einem meiner Kollegen in Richtung des Aufzuges geschliffen wird und obwohl sie sich mit Händen & Füßen dagegen währt, kommt sie nicht im entferntesten gegen seine Kraft an.
Kaum ist sie hinter der Mauer verschwunden, vernehme ich ihre Stimme nur mehr verwaschen.

Das gibt mir Anlass, mal wieder die Lage draußen zu überprüfen.
Dieser dreckige Hund steht immer noch am Rande des Daches und sieht sich nervös um, dabei die synthetischen Finger um den Griff der Pistole gelegt.
Seine LED-Leuchte blinkt inzwischen tiefrot.
Er hat Angst.
Eine verdammte Maschine, die Angst hat.

,,Verzeihung, könnten Sie mir zufällig Auskunft darüber geben wo sich Captain Allen befindet?''

Eine melodisch klingende, männliche Stimme reißt mich aus meinen Gedanken.
Rasch drehe ich meinen Kopf in die Richtung, aus der sie kommt und lege ihn in den Nacken um in das Gesicht des Sprechers sehen zu können.
Makellose Haut, rehbraune Augen und ein sanfter Gesichtsausdruck sind das erste, was mir an diesem Mann auffällt.
Sein Auftreten könnte man als Perfektion bezeichnen, wäre da nicht die blau leuchtende LED-Lampe an der rechten Schläfe.
Das ist er wohl. Der RK800. Unsere vermeintliche Rettung.

Mit einer eintönigen Bewegung zeige ich mit meinem Gewehrlauf in Richtung des Schlafzimmers, in dem sich der Captain seinen vorübergehenden Stützpunkt eingerichtet hat.
Abgesehen davon dass es mir nicht erlaubt ist mit Worten zu antworten, halte ich nicht sonderlich viel von Gesprächen während eines Einsatzes.
Dankbar nickt der Android mir zu und auch wenn wir nicht miteinander geredet haben, weiß er vermutlich bereits mehr über mich, als mir lieb ist.
Sein scannender Blick hat ihn verraten.

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Mittlerweile ist erneut einige Zeit verstrichen, in der das RK800 Modell alle Beweismittel zusammen gesucht hat, um den Abweichler endlich zur Strecke, und das kleine Mädchen sicher & wohlbehalten zurück in die Arme ihrer Mutter zu bringen.

,,Dearing, ich erwarte Sie augenblicklich bei mir.'', ertönt durch die Kopfhörer meines Helmes.

Ohne mir Gedanken darüber zu machen, sichere ich meine Umgebung ab und begebe mich auf dem schnellsten Weg zu Captain Allen.
Im Normalfall habe ich bei solchen extremen Aufträgen eher eine Hintergrundrolle gespielt, also bin ich umso überraschter nun persönlich gerufen zu werden.

,,Sie wollten mich sehen, Captain.''

Bevor ich meine Worte ausspreche nehme ich meinen Helm ab und offenbare somit meine langen, braunblonden Haare die in verstrubbelten Wellen und verschwitzt über meine Schultern reichen.
Ich spüre den brennenden Blick des Androiden auf mir, als er mich nahezu durchlöchert.

,,Wir haben keinerlei Zeit zu verschwenden. Dieser Scheißkerl da draußen steht kurz vor einem Nervenzusammenbruch und das Letzte was ich gebrauchen kann, ist ein totes kleines Mädchen, deshalb werden Sie Connor begleiten und diesen Abweichler beruhigen, verstanden?''  

Alles in mir weigert sich dem Befehl folge zu leisten.
Ich werde in meinen sicheren Selbstmord rennen, ist es etwa das was er will?
Mein Herzschlag erhöht sich um mehrere Frequenzen und ich werde verdammt nervös, doch trotz allem habe ich dem Captain nichts entgegenzusetzen.
Es ist ein Befehl.

,,Natürlich, Captain.'', lasse ich verlauten, ehe ich mein Gewehr samt meiner restlichen Schutzkleidung ablege und mich augenblicklich entblößt fühle.

Ich soll den Abweichler beruhigen und ihm nicht noch mehr Angst machen, abgesehen davon würde er mich nur noch eher erschießen, sollte ich in voller Kampfmontur erscheinen.
Eilig binde ich mir die langen Haare zu einem praktischen Zopf zusammen und versuche mich aufs Atmen zu konzentrieren.
Verdammt nochmal, ich bin nicht ohne Grund SWAT-Officer geworden und keine Psychologin.
Ich weiß nichts über seine Beweggründe oder seine Vorgeschichte, nicht einmal sein Name ist mir bekannt.

,,Sein Name lautet Daniel. Er war der Android der Familie Phillips und stand Emma, dem kleinen Mädchen sehr nah. Die Familie wollte sich allerdings ein neueres Modell zulegen, weshalb er ausrastete und den Vater ermordete.''

Überrascht von dem plötzlichen Redeschwalls des RK800 nicke ich dumpf, nicht fähig etwas zu sagen.
Die Sache mit der Vorgeschichte & den Beweggründen wäre hiermit also auch geklärt.
Vorsichtig setze ich einen Fuß vor den anderen und bahne mir somit meinen Weg zur Terrassentür.
Connor, wie ihn Captain Allen noch vor wenigen Minuten genannt hat, befindet sich dicht hinter mir und vermittelt mir zumindest einen Hauch von Sicherheit.
Wenigstens bin ich nicht ganz alleine mit diesem psychopatischen Abweichler.
Ein letztes Mal atme ich tief durch, ehe ich durch die Tür trete.

,,Bleibt weg. Keinen Schritt näher, oder ich springe!''

Mein Herz klopft mir bis zum Hals und am liebsten will ich sofort wieder umdrehen.
Der Abweichler hält den drohenden Lauf seiner Waffe in Connors & meine Richtung und nimmt mir somit auch noch das letzte bisschen Selbstvertrauen.
Versteht mich nicht falsch, natürlich habe ich mittlerweile im Laufe meiner Zeit bei der SWAT-Einheit so einiges erlebt und das ist definitiv nicht die erste Pistole die mir gegenüber steht und doch ist die Begegnung mit einer Maschine, die zum ersten Mal in ihrem "Leben" echte Gefühle erfährt, ziemlich beängstigend.

,,Hi Daniel. Mein Name ist Ellie und das ist Connor.''

Langsam taste ich mich an seine Psyche ran und auch meine Schritte verlängern sich, wobei ich den blonden Abweichler nie aus den Augen lassen.
Wer weiß wozu er aus Angst heraus fähig ist.

,,Wo-… woher weißt du meinen Namen?''

Für einen kurzen Augenblick wirkt er irritiert & lässt seine Waffe einen Zentimeter sinken.
Das kleine Mädchen in seinen Armen windet sich immer noch und sieht mich durch ihre roten, angeschwollenen Augen flehend an.
Ich will gerade etwas auf die Frage des Abweichlers erwidern, als der RK800 hinter mir, sich auch mal zu Wort meldet.

,,Wir wissen so einiges über dich & wollen dich hier raus holen!''

Völlig unerwartet gibt es einen lauten Knall und blaue Thiriumspritzer befeuchten meine rechte Gesichtshälfte.
Reflexartig drehe ich meinen Kopf zu Connor, um zu überprüfen ob es ihm gut geht, doch dieser zuckt nicht einmal mit der Wimper.
Vermutlich hat er den Streifschuss nicht einmal gespürt.

So gut es geht versuche ich weiterhin meinen Augenkontakt zu Daniel aufrecht zu erhalten.
Er vertraut uns beiden nicht, allerdings sieht er in meinem mechanischen Partner eine größere Gefahr als in mir, weshalb ich Connor mithilfe meiner Körpersprache zu verstehen gebe, sich im Hintergrund zu halten, bis sich die Lage ein wenig entspannt hat.
Plötzlich jedoch kündigen sich starke Windböen an und nur kurz darauf erscheint ein riesiger Hubschrauber mitsamt weiteren Kollegen von mir.
Ich muss kein Android sein, um zu merken wie drastisch sich unsere Erfolgschancen auf einmal vermindern, sodass ich nun alle Register ziehen muss.
Keine Ahnung woher ich so plötzlich das Selbstvertrauen nehme, aber es bleibt keine Zeit mehr darüber nachzudenken.

,,Ich weiß, du & Emma standet euch sehr nah. Lass sie gehen, sie hat nichts Falsches getan.''

Bedächtig trete ich näher an ihn heran.
In seinen Irden glänzt Reue, wohlmöglich der erste Schritt zur Einsicht?

Er will wohl gerade etwas auf meine Aussage erwidern, als die Geräusche des Hubschraubers immer lauter und nervtötender werden.
Mit einem Mal springt seine gelb blinkende LED-Lampe auf rot und er greift sich völlig entkräftet an den Kopf.
Würde er nicht gerade selber für die Situation verantwortlich sein, könnte er einem fast leidtun.

,,Argggh… Ich halte diesen Krach nicht mehr aus! Dieser Helikopter soll verschwinden!''

Mein Blick schweift zunächst über die bereits mit Blut befleckte und mit Leichen übersäte Dachterrasse, ehe er zum Hubschrauber fällt.
Soll ich es wirklich wagen?

,,Ich glaube nicht, dass sie auf uns…'', setzt der RK800 an, doch ich unterbreche ihn jäh, indem ich meinem Kollegen mit dem Scharfschützengewehr das Zeichen gebe, zu verschwinden.

Wir haben nur diese eine Chance sein Vertrauen zu gewinnen und die müssen wir nutzen.
Koste es, was es wolle.

,,Siehst du? Wir sind keine Gefahr für dich! Wir wollen nur reden, Daniel. Bitte.''

Meine Stimmlage klingt flehender als gedacht, aber vielleicht bin ich ja mittlerweile schon so verzweifelt, dass ich gar keine andere Wahl mehr habe als um die Freilassung des Kindes zu betteln.
Mit einem Mal springt seine LED-Lampe auf blau & entgegen aller Erwartungen, lockert er langsam seinen Griff um Emma und sieht mir dabei wehleidig in die Augen.

,,Ich vertraue dir, Ellie.'', sagt er zittrig und gibt die Kleine frei, die sofort auf mich zu gelaufen kommt.

Dankbar nicke ich dem verstörten Abweichler zu, der mir sogar ein kleines Lächeln schenkt.
Wie kann eine künstliche Intelligenz, die nicht mehr als eine Maschine ist, so viele Gefühle in sich tragen?
Schnell streiche ich Emma beruhigend über den Rücken und will sie gerade ins Haus zu Captain Allen schicken, als die Scharfschützen genau in diesem Moment den ersten Schuss auf Daniel feuern und ihn dabei an der Schulter treffen.

Die nächsten Millisekunden erlebe ich wie in Zeitlupe.
Im Bruchteil einer Sekunde hebt der eigentlich entschärfte Abweichler seine Waffe ein letztes Mal und zielt dabei genau auf das soeben gerettete Mädchen.
Ohne auch nur großartig darüber nachzudenken umfasse ich ihren Oberkörper mit dem rechten Arm und drehe mich 180 Grad um die eigene Achse, um sie so mit meinem Rumpf schützen zu können.
Ein lauter Knall ertönt und insgeheim hoffe ich, dass er von meinen Kollegen stammt, doch als ich wenige Hundertstel später einen starken Schmerz in meinem linken Unterarm und meiner Bauchregion verspüre weiß ich, dass es nicht so ist.
Noch ein dumpfer Knall, doch kein zusätzlicher Schmerz.

Ich spüre wie auf einmal die ganze Kraft aus meinen Muskeln schwindet, weshalb ich so sanft wie nur möglich von Emma ablasse, ehe meine Beine unter mir zusammenbrechen.
Wohl aus Reflex greife ich mit meiner rechten Hand nach der schmerzhafte Stelle an meiner linken Seite und drücke die Wunde so gut es geht ab.
Kaum komme ich in Berührung mit meiner Haut, wird mir schwindelig.

,,Officer Dearing!''

Da ich kaum mehr scharf sehen kann, muss ich mich damit zufrieden geben zu wissen, dass drei Silhouetten auf dem Weg zu mir sind.
Ich habe keine Ahnung wer es ist und ehrlich gesagt ist es mir im Moment auch scheißegal.
Der laute Schrei des Mädchens hindert mich daran die Augen zu schließen und auch der obligatorische Blick auf meinen durchschossenen Arm hält mich im hier & jetzt.

,,Bleiben Sie wach, Dearing.''

Diese Stimme würde ich unter tausenden erkennen und selbst im Angesichts meines potenziellen Abtritts klingt Captain Allen hart & bestimmend.
Doch heute kann ich seinen Befehlen zum ersten Mal nicht Folge leisten, denn innerhalb weniger Sekunden verlässt mich mein Bewusstsein und ich schlummere tief & fest in die bodenlose Schwärze.

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Hallo ihr Lieben!
Falls ihr euch wundern solltet, ja, ich habe diese Geschichte bereits einmal hochgeladen, hatte jedoch ein paar Bedenken bei der Story und habe deshalb ein wenig umgeschrieben und bereits ein paar mehr Kapitel vorgeschrieben! :)
Schreibt mir doch gerne, was ihr von der Story haltet.
LG & bis bald, Firegirl7 <3
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