Refugium

KurzgeschichteFantasy / P6
Link Zelda
16.01.2019
16.01.2019
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"...was, wenn sie nicht aufhören würden?"


Die Stimme der Prinzessin war leise, kaum mehr ein Flüstern verwoben mit dem Rascheln von Blatt und Gras im Wind und dem prasselnden Gesang des Regens. Doch gleichzeitig war die Anklage darin so laut und deutlich, dass sie kaum zu überhören war. Eine Anklage, von der Zelda offensichtlich selbst nicht wirklich sicher war, gegen wen sie sich genau richtete, so verloren, wie letzten Silben dieser Frage zwischen ihnen hingen. Am meisten und wie so häufig aber wohl gegen ihre eigene Person. Dazu kannte er die junge Frau, deren Leibwächter er war, mittlerweile viel zu gut und die Art, wie sie nun verzagt auf einen unbestimmten Punkt vor sich starrte, war ihm ebenfalls unangenehm bekannt. Unfähig, den dumpfen Schmerz in seiner Brust länger zu ignorieren, unterbrach der Recke seine Übungen und blickte auf den beseelten Stahl in seiner Hand, welcher Gegenstand von Zeldas vorheriger Rede gewesen war. Sie hatte recht - es gab viele Dinge, die anders hätten verlaufen und seinen Lebensweg in eine Richtung lenken können. Aber dabei übersah sie in all ihrer Weisheit einen wichtigen Punkt.


Scheinbar mühelos senkte sich die die Spitze der silbernen Klinge in das feuchte Erdreich zu seinen Füßen. Zuweilen kam es ihm vor, als ob Zelda mehr einen dunklen Fluch denn einer gesegneten Waffe in seiner Hand sah und den folgenden Kampf konnte er mit ihr ohnehin nicht schlagen. Vielmehr noch würde des Bannschwertes Nähe ihn noch schwerer machen. Mit wenigen Schritten hatte er die Distanz zu seiner Prinzessin überwunden und ließ sich neben ihr nieder. Die Hände auf der klammen Wurzel abstützend, legte er den Kopf in den Nacken und blickte zum wolkenverhangenen Himmel.


"Eigentlich wollte ich immer Ziegenhirt werden."


Da war ein Moment ungläubiger Stille, dann ein kurzes Prusten, gefolgt von einem mindestens genauso fassungslosen "Was?!"

Aus dem Augenwinkel konnte er sehen, wie der Ansatz eines schiefen Lächelns ihre Lippen umspielte. Es war eine willkommene Abwechslung zu diesem ewig grüblerischen Ausdruck, der in ihren Zügen manifest geworden war - und es stand ihr außerordentlich gut. Link kam nicht umhin, es zu mögen.  "Aber was ist mit...", setzte Zelda an, verstummte darauf aber gleich wieder, als haderte sie darüber, mit welchem der zahllosen Worte, die ihr auf der Zunge lagen, sie den Satz beenden sollte. Die meerblauen Iriden des Recken kehrten zurück auf das graue Regenmassiv über ihnen.

"Das Bannschwert? Mein Schicksal? Das Erbe meines Vaters?"

"Ja", erwiderte die Prinzessin atemlos. Ihr Blick lag gebannt auf ihm und loderte mit einem solchen Wissensdurst und einer fragilen Hoffnung, dass es Link fast schon unangenehm war. Er zögerte einen Moment. Er war nicht für große Worte gemacht, sie fühlten sich falsch in seinem Mund an. Also sagte er es einfach, wie es war. "Ich hab' früher gern mit meinem Vater geübt. Sehr sogar. Und Mutter hört bis heute nicht davon auf zu reden, wie sie sich 'gutaussehensten, besten, talentiertesten und aufmerksamten Ritter' aus der Kaserne geschnappt hat. Aber..."

"Aber...?"

"Die Familie meiner Mutter ist der größte Lieferant für Ziegenmilch und Ziegenbutter in Hyrule. Wir beliefern sogar die Schlossküche. Die Farm ist riesig."

Er konnte nicht verhindern, dass eine leichte Wärme der Verlegenheit auf seinen Wangen ausbreitete. Link fühlte sich, als würde er angeben.

"So hat Mutter auch Vater kennen gelernt", fügte er hinzu.

"Und du bist auf dieser Farm aufgewachsen?"

Link nickte stumm. "Mein Großvater meinte immer, ich hätte ein Händchen für die Tiere."

Sein Blick fiel zurück auf das Masterschwert. "Manchmal kann ich es immer noch nicht glauben, dass gerade ich es sein soll, der die Kraft hat, die Verheerung Ganon zu besiegen."

"Aber warum...", da war ein kurzes Stocken in ihrem Redefluss, "... warum bist du dann hier und kämpfst?"

"Ich habe etwas gefunden, dass es wert ist zu beschützen." Er sah sie direkt und unverwandt an, das Lächeln voller Entschlossenheit.

Erst als eine zarte Röte, die ihren Ursprung definitiv nicht in der kühlen Luft hatte, Zeldas Gesicht überzog, bemerkte er, wie seine Worte gewirkt haben mussten. Blut schoß in seine Wangen und explodierte dort heiß und brennend.

Rasch schlug er die Augen nieder und versuchte, Ordnung in das sich überstürzende Chaos aus Silben und Buchstaben hinter seinen Lippen zu bringen. "Also, ich... ich mein' ... dieses Land und die Menschen darin und ..."

Er verstummte - der tanzende Puls in seiner Kehle machte es nahezu unmöglich, weiterzusprechen und er wagte einen vorsichtigen Blick in Zeldas Richtung. Ihre smaragdgrünen Iridien fixierten die die ineinander gelegten Handteller auf ihren Oberschenkeln, doch es war unverkennbar ein Lächeln, das ihre Lippen kräuselte. "Ich denke, ich verstehe."

Dann hob sie den Kopf zum Himmel und das Leuchten in ihren Augen wuchs. "Oh, schau, da hinten kommt die Sonne schon wieder raus."

Sie stieß sich von der Wurzel ab und tat einige Schritte voran durch das regennasse Gras. Der Mantel der Traurigkeit war von ihren Schultern gefallen und eine königliche Anmut lag in ihren Bewegungen; sie war im Reinen mit sich selbst. Die Wassertropfen, welche sich in ihrem Haar verfangen hatten, brachen das strahlende Himmelslicht über ihnen hundertfach und krönten die Prinzessin mit einem goldenen Schein. Auch wenn sie ihr Zeremoniengewand nicht trug, so fiel es Link in jenem Moment trotzdem nicht schwer zu glauben, dass die Legenden wahr waren, welche sagten, dass in Zeldas Adern das Blut der Göttin Hylia floss. Sie sah ihn an, voller Wärme, Dankbarkeit und Hoffnung. "Link? Wenn sich irgendwann mal die Gelegenheit ergibt oder... spätestens wenn das alles vorbei ist, lass uns deine Farm besuchen, ja?"


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Ehm, ja. Ihr seht richtig. Die Sari schreibt wieder. Ich meine, eigentlich hab ich nie wirklich damit aufgehört und ich hab die letzten Jahre auch einiges an englischer  Prosa produziert, aber mein letztes Update hier ist ja doch schon einige Zeit her. Also, was ist passiert? Long story short ist, dass ich seit 2016 mal mehr, mal weniger erfolgreich gegen ein chronisches Burnout ankämpfe, was meine kreative Energie doch sehr limitiert. Ich habe zwar zwischendrin zwar immer mal wieder 'inspirational bouts' aber selbst wenn ich dann was schaff, reicht die Restenergie häufig nicht mehr dazu, das Produkt an den Endverbraucher, also euch, zu bringen. (Deswegen gurkt das nächste Kapitel von 'Bittersweet Rhapsodhy' auch immer noch auf 2/3 Vollendung rum, gomen ne an alle, die mich deswegen in den Alerts haben, ich arbeite dran.) Da sich mittlerweile aber doch schon einiges angesammelt habe und ich derzeit wieder versuche, aus dem Autorenblues rauszukommen, dachte ich, warum nicht das posten, was ich habe? So auch hier. Wie ihr bestimmt schon haarscharf erkannt habt, ist das die Fortsetzung einer von Links Erinnerungen. Irgendwo wollte es mein Kopf Zeldas Frage nicht so im leeren Raum stehen zu lassen, ergo verselbständigte sich das ganze Mal wieder zu einem Drabbel. Was kurz nach dem Release entstanden, lang bevor das mit lore vollgepackte BotW Artbook in Japan überhaupt angekündigt war - und dessen englische Version mittlerweile immer noch drauf wartet, von mir gelesen zu werden. Deswegen hab ich keine Ahnung, wie nah dran ich an Links erdachtem Charakter bin.
What else? Ich werde die nächsten Wochen wohl so einige, alte Schätzchen in anderen Kategorien hochladen, also keep your eyes peeled und ich hoffe natürlich, das diese kleine, kurze Sequenz hier euch gefallen hat. :3
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