Wallflower

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
15.01.2019
20.03.2019
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Hey Leute, lasst mal ein bisschen Motivation da ;)

Als wir am späten Abend im staubigen Saal in dem wir  bereits die  Situtionsanlalyse abhielten sitzen fühle ich mich merklich erschöpft. Da ich beim Nahkampftraining keinen Partner hatte erfüllte ich meine restliche Strafe und lief, in der Zwischenzeit, Runden im Innenhof. Mein Blick in die Runde verrät mir allerdings, dass die Energie der Anderen auch aufgebraucht zu sein scheint. Dazu kommt noch, dass die Biologie der Titanen mein Gehirn nicht sonderlich anregt und so übermannt mich langsam die Müdigkeit. Es sind keine neuen Erkenntnisse und Beobachtungen ans Licht gekommen. So vermeide ich es auch mich aktiv an den Diskussionen zu beteiligen und mir Notizen zu machen. Ich habe acht Jahre intensiv geforscht und selbst kaum Neuerungen zu diesem Thema erzielen können. Die Menschheit weiß nach wie vor quasi nichts über diese Bestien.

Mein Blick gleitet zu Eren und natürlich verstärkt sich mein Gedanke erneut, der mir des Öfteren im Kopf herum schwirrt. Sind alle Titanen in Wirklichkeit Menschen? Ich bin gespannt welche neuen Erkenntnisse die Zusammenarbeit mit ihm bereit halten wird.

Den restlichen Tag wagt es - zu meiner Zufriedenheit-- Niemand mehr seine Kräfte mit Meinen messen zu wollen. Die gehässigen Blicke und die scharfen Zungen kann ich jedoch schlecht ignorieren. Reiner und die Anderen nehmen mich in Schutz und versuchen mich aufzubauen, was eigentlich nicht nötig ist. Ich kenne die gespaltenen Parteien der Menschheit, wenn es um meine Person geht seit Jahren. Gern würde ich sagen können, dass es mir egal ist.

Das Abendessen nehme ich schnell ein und verschwinde als Erste von unserem Tisch. Der ganze Tag bestand nur aus langweiligen Wiederholungen, doch meine Arbeit mit Hanji ist zum Greifen nahe. Ein kleiner Hoffnungsschimmer.
Sie fing mich heute ziemlich aufgeregt ab. Tatsächlich ist es gelungen zwei lebendige Titanen gefangen zu nehmen, nachdem Eren das Loch verstopfte . Morgen werde ich tatsächlich mit Hanji zu einem Lager ein Stück außerhalb aufbrechen und etwas Sinnvolles tun.

Ich trete in den Waschraum, befülle das Becken aus Blech mit Wasser und spritze mir etwas ins Gesicht. Ich löse den Knoten meines Haares und lasse es über meinen Rücken fließen. Langsam öffne ich meine Bluse und streife sie von meinen Schultern. Den etwas kratzigen Waschlappen tauche ich in das kalte Wasser und reibe das grobe Seifenstück daran bis sich leichter Schaum bildet. Sorgfältig wasche ich Hals, Brust, Bauch und Arme. Vereinzelte Strähnen meines langes Haare bleiben auf meiner nassen Haus kleben. Vorsichtig fahre ich mit dem angerautem Stoff über meinen rechten Arm und erschaudere kurz, als ich Schmerzen verspüre. Verwundert blicke ich an meinem Arm hinab und sehe die Ursache. Fünf violette, beinahe schwarze Punkte heben sich deutlich auf meiner vernarbten Haut ab. Jeder einzelne steht für einen Finger des Hauptgefreiten. Ein Wunder, dass er mir den Arm nicht gebrochen hat.

Ich erinnre mich an den Abend zurück. An ihn, sein Verhalten, die Schmerzen und meine rote Mappe. Mein Magen zieht sich zusammen und lustlos streife ich mir die helle Hose vom Körper. Bekomme ich mein Eigentum jemals zurück? Ob er sie sich bereits angesehen hat? Ob er es Erwin zeigen wird?

Ich bin in meinem Gedanken gefangen und starre meinem Spiegelbild entgegen. Mittlerweile stehe ich völlig nackt im sonst so menschenleeren Waschraum.
In meinem Zimmer angekommen streife ich mir mein hellgrünes Nachthemd mit den schmalen Trägern über und trete an das Regal mit meinen Aufzeichnungen heran. Ich suche ein gutes Dutzend Bücher heraus und lege sie auf dem Tisch ab. Grübelnd wäge ich ab, welche für meine Zusammenarbeit mit Hanji vom größten Nutzen wäre. Ich lasse mich auf dem Stuhl nieder und beuge mich über die Ansammlung meines Wissens. Ich schlage die Bücher nacheinander auf, blättere darin, lese ein paar Seiten und schlage es wieder zu. Einige Aufzeichnungen lassen mich schmunzeln. Ich schrieb alles auf, wie mit es gerade in die Gedanken kam. Verrückte Theorien, die ich schnell widerlegen musste und Experimente, die anders verliefen als ich es mir erhofft hatte. Nur in den seltensten Fällen hatte ich Erfolg. Ich schlage ein Buch zu, welches ich vor knapp zwölf Jahren verfasste. Mit wilden Zeichnungen und Skizzen, merkwürdige Formeln und etwas, das mich an eine Einkaufsliste voller verrückter Utensilien erinnerte. Ich lache und lege es auf einen, der zwei Stapel, in die ich die Bücher aufgeteilt habe. Sieben  Bücher werde ich Hanji aushändigen, den Rest behalte ich vorerst besser bei mir.

Meine Aufmerksamkeit richtet sich auf die Tür, als es plötzlich klopft.  Ich springe auf und sehe an mir herunter. Das Nachthemd ist recht freizügig.

„Einen Moment!“, sage ich hastig und pflücke eine dünne, graue Jacke vom Fußende meines Bettes. Ich schlüpfe hinein und trete an die Tür. Ich stelle mir vor, wie Erwin auf der anderen Seite auf mich wartet und streiche mir verlegen mein Haar hinter das Ohr.  Als ich die Tür öffne bin ich tatsächlich etwas überrascht, dass mein Gedanke der Wahrheit entspricht. Ein breites Lächeln schmückt mein Gesicht, als ich Erwin in die blauen Augen sehe.

„Was kann ich für dich tun?“, frage ich an ihn gewandt und  folge seinem Blick, welcher auf meinen nackten Oberschenkel hängen bleibt.

„ Darf ich reinkommen ?“, fragt er und löst seinen Blick nur schwerfällig von meinen Beinen. Nickend bitte ich ihn herein.

„ Mir ist heute zu Ohren gekommen, dass du eine Auseinandersetzung hattest! “, sagt er während er durch den kleinen Raum schreitet. Mein Lächeln ist wie weggefegt.

„ Stimmt das?“, fragt er und dreht sich zu mir. Erstarrt beginne ich zu nicken und bin merklich erleichtert, als er mir ein kleines Lächeln schenkt.

„Versprich mir vorsichtig zu sein!“, sagt er und legt seine Hand auf meine rechte Schulter. Seine Finger kommen mit meinem braunen Haar in Berührung. Erwin ergreift eine Strähne und lässt die zwischen den Finger hindurch gleiten. Schweigend beobachte ich sein Handeln.

„ Dein Haar ist sehr lang geworden!“, bemerkt er und reibt es leise knirschend zwischen Daumen und Zeigefinger.

„Es steht dir sehr gut!“, sagt er plötzlich und mir steigt die Hitze in die Wangen. Am liebsten hätte ich eine freche Bemerkung gemacht, doch bei Erwin kann ich es nicht. Er wickelt mich um den Finger, wie er es schon damals schaffte und er wird es immer wieder schaffen.

„Eigentlich wollte ich dir eine Strafe auferlegen.“, sagt er und holt mich so aus meinen Gedanken.
„Aber ich denke, ich werde es bei einer Verwarnung  belassen."

Er streicht mir mein Haar hinters Ohr, nicht ohne mich tadelnd zu mustern und wünscht mir eine gute Nacht bevor er mein Zimmer verlässt.
Ich kaue auf meiner Lippe. Ich denke an früher, an Erwin und mich.
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