Der Gefallen

GeschichteDrama, Romanze / P18
14.01.2019
12.06.2019
13
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Kapitel 13
Reden ist Silber ...




Der Arbeitstag im Meantime Coffe verlief erwartungsgemäß ereignislos, trotzdem hatte Lara regelrecht Hummeln im Hintern und konnte sich kaum auf etwas anderes konzentrieren als die Frage, ob Ethan Allys Gesuch erneut ablehnen oder es eventuell doch noch annehmen würde. Immer wieder hielt sie ihre Freundin dazu an, nachzusehen. Aber bis kurz vor Ende der Schicht tat sich nichts. Es war Ally, die schließlich von sich aus sagte: „Na, sieh mal einer an … Dein Adonis scheint angebissen zu haben.“ Vor Schreck hätte Lara fast die Tasse Kaffee fallen lassen, die sie gerade in den Händen hielt.
„Zeig' her!“, forderte sie aufgeregt und näherte sich ihrer Freundin, doch die drehte sich mit dem Handy in der Hand in eine andere Richtung, um Lara ein wenig aufzuziehen. „Wow, er sieht ja tatsächlich richtig gut aus“, schob sie hinterher, was Lara fast wahnsinnig machte. Sie brannte darauf, zu erfahren, was Ethan so gepostet hatte und vor allem wollte sie ihn wiedersehen – wenn auch nur auf einem Foto.
„Und hier ist die Frage, vor der du dich so gefürchtet hast“, eröffnete Ally sofort und zeigte ihrer Freundin schlussendlich das Display auf dem sich folgende Nachricht befand:

>Tut mir leid, aber kennen wir uns?

Mit wild klopfendem Herzen sah Lara Ally an.
„Und jetzt?“, fragte sie mit einem Hauch von Verzweiflung in den Augen.
„Ich sag' einfach, dass mich sein Bruder auf ihn gebracht hat'“, erwiderte Ally leichthin und zuckte mit den Schultern, doch davon war Lara alles andere als begeistert.
„Das wird er nicht glauben. Und selbst wenn ...“ Sie hielt mitten im Satz inne, denn gerade fiel ihr etwas ein. „Du bist sicher, dass du alle Fotos von uns zusammen gelöscht hast, oder?“, hakte sie noch einmal nach, obwohl Ally ihr genau das wenige Stunden zuvor bestätigt hatte.
„Ja, hab' ich doch gesagt“, kam es ein wenig beleidigt von Ally zurück, doch nur Sekunden später schien sie ihre Aussage revidieren zu wollen. „Obwohl ...“ Sie drehte das Display ihres Handys erneut in Laras Richtung. „Ich hab' das hier übersehen“, sagte sie mit schuldbewusster Miene und zeigte ihrer Freundin ein Foto aus längst vergangenen Tagen.
„Verdammt, Ally!“, schimpfte Lara frustriert und boxte ihrer Freundin leicht gegen den Oberarm.
„Tut mir leid! Ich denke nicht, dass er all meine Bilder unter die Lupe genommen hat. Und selbst wenn: Das Foto ist zehn Jahre alt!“
„Ja, und ich hab' mich seitdem kaum verändert!“
„Jetzt spiel' nicht die beleidigte Leberwurst, Lara. Er wird sich nur die ersten zwei, drei Bilder angeguckt haben und dann hat er mir geschrieben. Kein Grund zur Panik.“
„Und wenn du dich irrst?“
„Hm.“ Ally überlegte. „Ich glaub', ich hab' da 'ne Idee“, sagte sie schließlich und tippte wie wild auf ihrem Smartphone herum.
„Was denn für 'ne Idee? Was schreibst du da?“ Panisch versuchte Lara Ally erneut über die Schulter zu spähen, doch diese drehte sich immer wieder geschickt in eine andere Richtung und dachte augenscheinlich nicht daran, mit dem Tippen aufzuhören.
„Du hast doch gesagt, er ist Mechaniker, oder?“, hakte sie noch einmal nach, kurz bevor sie auf Senden drückte.
„Ja, wieso? Was hast du vor, verdammt?“
„Bleib' cool! Ich hab' ihm das hier geschrieben.“
Erneut drehte sie das Display in Laras Richtung.

>Persönlich kennen wir uns nicht. Aber meine Freundin ist sozusagen mit deinem Bruder liiert. Sie will mir ihren alten Roller verkaufen, aber ich fürchte, der läuft nicht mehr ganz rund. Könntest du ihn dir mal anschauen? Sie meinte, ihr habt 'ne Autowerkstatt. Liebe Grüße, Ally

„Na, was sagst du jetzt?“, fragte Ally und grinste breit. „Bin ich ein Genie oder bin ich ein Genie?“
„Du bist verrückt!“
„Ja, das kann sein. Aber Genie und Wahnsinn liegen ja bekanntermaßen verdammt nah beieinander“, erwiderte Ally selbstbewusst und machte sich am Smoothiemaker zu schaffen. „Darauf sollten wir einen trinken. Mit etwas Glück hab' ich hier gerade zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.“
„Mit etwas Glück werde ich dich nicht umbringen!“, korrigierte Lara grummelnd. „Wie kannst du nur schreiben, dass ich sozusagen mit seinem Bruder liiert bin? Wie klingt denn das?“
„Was denn? Hätte ich etwa schreiben sollen, dass Sean deine große Liebe ist? Denk' doch mal nach … Willst du was bei Ethan erreichen oder nicht?“
Ein wenig haderte Lara noch mit Allys Plan, doch dann fügte sie sich ihrem Schicksal. Was blieb ihr auch anderes übrig? Und wer konnte es schon vorhersagen – je nachdem was Ethan antwortete – vielleicht war Ally wirklich ein verkanntes Genie? Vielleicht würde sie Ethan doch früher wiedersehen, als sie gedacht hätte …

:::

Ein wenig ratlos betrachtete Ethan die Zeilen, die Laras Freundin ihm geschrieben hatte. Mit so einer Antwort hatte er nun wirklich nicht gerechnet. Konnte es möglich sein? War des Rätsels Lösung tatsächlich so banal? War es nur seine Wunschfantasie, die mit ihm durchgegangen war, als er angenommen hatte, Lara hätte versucht, Kontakt mit ihm aufzunehmen? Vermutlich. Und wieder wurde Ethan schmerzlich bewusst, dass die Frau, die er aktuell begehrte, absolut tabu für ihn war. Augenscheinlich hatte das jeder begriffen – nur er nicht! Einen Moment lang überlegte er, was er darauf erwidern sollte, doch noch bevor er dazu kam, etwas einzutippen, wurde er unterbrochen.

„Ethan!“  Laut hallte die donnernde Stimme seines Vaters durch die Werkstatt. Abwesend blickte der Angesprochene von seinem Smartphone auf. Die vergangene Standpauke wegen des verprellten Kunden hatte er teilnahmslos über sich ergehen lassen, obwohl er ganz genau gewusst hätte, wie er seinem Vater den Wind aus den Segeln hätte nehmen können. Doch Ethan war viel zu sehr in Gedanken vertieft gewesen, um einen Streit mit ihm vom Zaun zu brechen.

„Dein Bruder und Sam sind zurück. Hilf ihnen gefälligst beim Abladen!“, forderte ein Öl-besudelter Jeffrey Piper und Ethan, der eigentlich gerade Mittagspause machte, ließ resigniert das Smartphone in seine Hosentasche gleiten.
„Na, toll“, kam es ihm wenig begeistert über die Lippen. Wenn er einen Menschen jetzt nicht gebrauchen konnte, dann war es Sean. Fehlte nur noch, dass er Veronica dabei hatte!  

Widerwillig schleppte Ethan sich nach vorne und hätte liebend gern auf dem Absatz kehrt gemacht, als er das breite, wissende Grinsen seines Bruders sah. Hatte er Sean gegenüber kurz zuvor noch so etwas wie ein schlechtes Gewissen empfunden, weil er derlei Fantasien über seine Freundin hegte, verschwand dies nun gänzlich, als er in das überhebliche Gesicht des Kleineren blickte und sich dessen Selbstgefälligkeit geben musste.
„Na, alles fit, großer Bruder?“, fragte Sean nachdem er vom Beifahrersitz gesprungen war. Das hämische Grinsen wollte einfach nicht mehr von seinen Lippen weichen.
„Alles bestens. Was habt ihr da?“
„Nur ein paar Teile vom Schrottplatz. Dad meinte, der Chevy könnte einen neuen Kolben brauchen.“
„Seit wann weißt du denn, was ein Kolben ist?“
„Seit wann bist du denn so schlecht drauf? Ist da etwa jemand angefressen?“, neckte Sean ihn, und auch, wenn solche Sticheleien bei den beiden Brüdern an der Tagesordnung lagen, war doch selten Sean derjenige, der die Oberhand hatte. Was das Ganze für Ethan noch schlimmer machte.
„Natürlich bin ich angefressen. Wegen euch muss ich meine Mittagspause opfern“, wich er aus und sah sich die verschiedenen Teile an, während Samuel sich mit einem: „Ich muss ganz dringend schiffen.“ aus der Affäre zog.
„Aha, daher weht der Wind. Und ich dachte schon, er käme aus anderer Richtung.“
„Anderer Richtung?!“, wiederholte Ethan abwehrend und hielt dem bohrenden Blick seines kleinen Bruders stand.
„Keine Ahnung … Nur so ein Gefühl“, erwiderte Sean unbedarft und zuckte scheinheilig mit den Schultern, bevor er Ethan endlich beim Ausladen half.  

„Was sagst du eigentlich zu meiner neuen Freundin?“, fragte er ganz unvermittelt, als die beiden gerade damit zugange waren, eine Stoßstange von der Ladefläche zu hieven. Und obwohl Ethan damit gerechnet hatte, dass Sean seinen Trumpf ausspielen würde, traf ihn die Tatsache, dass er es so offen ansprach, dermaßen unvorbereitet, dass ihm vor Schreck besagter Gegenstand direkt aus den Händen glitt. Laut polternd krachte Ethans Seite der vormals unbeschadeten Stoßstange auf den harten Steinfußboden.
„Verdammt, ist das Teil glitschig!“, fluchte er und hob sie wieder auf.
„Wer, Lara?“
„Sei nicht albern! Wo hast du das her? Aus 'ner Schlammgrube?!“ Beide schleppten das schwere Teil an eine geeignete Stelle und legten es dort vorsichtig ab.
„Vom Schrottplatz, sagte ich doch. Aber du hast nicht auf meine Frage geantwortet ...“
„Was willst du von mir hören?!“, fragte Ethan nun vollends angefressen und blickte seinem Bruder herausfordernd in die Augen.
„Ich will wissen, was du denkst!“
Wortlos wuchtete Ethan einen weiteren Gegenstand von der Ladefläche und lud ihn Sean auf die Arme. Der taumelte kurz unter dem schweren Gewicht, hielt aber trotzdem die Balance.
„Auch ein blindes Hund findet mal einen Korn“, presste Ethan schließlich unwirsch hervor. „Das  denke ich!“
Sean lachte triumphierend auf.
„Tja … sieht ganz so aus, als hätte ich diesmal die Nase vorn, was?“
„Gewöhn' dich besser nicht dran!“
„Also gibst du es zu?“, bohrte Sean unablässig nach.
„Was gebe ich zu?!“
„Dass ich dich eiskalt erwischt habe.“
„Erzähl' keinen Unsinn und trag' das nach hinten!“, forderte Ethan, ohne weiter darauf einzugehen. Stoisch lud er seinem Bruder noch ein weiteres schweres Stück Metall auf die Arme. Er würde den Teufel tun, und Sean diese Art von Genugtuung bescheren, auch wenn er fürchtete, dass sein Schweigen mehr verriet als jede Antwort es gekonnt hätte.





Hallo meine Lieben!

Vielen Dank an all diejenigen, die trotz der vielen langen Pausen noch dabei sind. <3 Bei mir ist gerade ne Menge passiert und ich habe mich so wahnsinnig über eure vielen, ausführlichen Kommentare gefreut! Und danke auch an die neuen Leser, falls es denn welche geben sollte.^^
Ich weiß, ich weiß, das Tempo in meiner Geschichte  - sowie das Hochladetempo - lassen zu wünschen übrig, aber schreibt die Story bitte nicht ab! Nach wie vor freue ich mich so wahnsinnig über jede eurer Rückmeldungen. Das könnt ihr euch gar nicht vorstellen ...

Fühlt euch gedrückt!
Liebste Grüße und bis hoffentlich bald,
eure Nina
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