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Das phänomenale Leben des Mr. Snuggels (Januar)

OneshotDrama, Humor / P12
14.01.2019
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Das phänomenale Leben des Mr. Snuggles


Frau von Spencer auf Hampstead im schön' England, ein Buchsbaum in ihrem Garten stand.

Es war einst, da lebte ein kleiner Setzling, wohlgenährt unter vielen anderen Setzlingen in einer Gärtnerei. Er mochte es sehr von den Gärtnerinnen umsorgt zu werden und auch die Gesellschaft seiner Geschwister genoss er, keine Frage. Und doch träumte er davon, eines Tages von einem netten Käufer mit nach Hause genommen zu werden, denn so gern er sein Leben in der Gärtnerei auch hatte, so wusste er doch, dass es seine Bestimmung war, den Vorgarten eines Hauses zu schmücken und alle Besucher, ja sogar jeden, der nur an ihm vorbeikam, mit seiner ordentlichen und gepflegten Ausstrahlung willkommen zu heißen. Dieser Wunsch sollte ihm alsbald gewährt werden, denn in dem Jahr, da Mrs. Philippa Adelaide Spencer ihr fünfzigstes Lebensjahr vollendete, hatte sie beschlossen, dass es an der Zeit für sie war, ihrem Vorgarten eine unvergleichliche Note zu verleihen. Weil ihr älterer Sohn nun seit schon ein paar Jahren erwachsen war und der jüngere sich immer mehr ihrer erzieherischen Reichweite entzog, war sie zu dem Schluss gekommen, eine Beschäftigung für ihre freie Zeit zu benötigen. Und als ihr Geburtstag immer näher rückte, war ihrem lieben Mann die Idee gekommen, ihr ein besonders hübsches Exemplar der Gattung Buxus sempervirens Myrtifolia zu schenken. Als er nun eben jenes Gärtnereigeschäft betrat, in dem sich unser Buchsbaum befand, sah dieser seine Chance als gekommen. Mr. Spencer Senior erkundigte sich freundlich bei der jungen Gärtnerin, die gerade am Verkaufstresen stand, nach ihrem schönsten und kräftigsten Buchsbaumsetzling. Der Setzling nun hatte dies mitbekommen und gab sich die größte Mühe noch prächtiger zu grünen, als er je zuvor gegrünt hatte. Die Entscheidung fiel Mr. Spencer nicht schwer und so landete der junge Buchsbaum noch am selben Tag auf - oder besser neben - dem Geschenketisch von seiner Frau. Mrs. Spencer war mehr als entzückt von dieser Pflanze, die ihren Vorgarten von nun an verschönern würde. Bald kam ihr auch der Einfall, der den Buchsbaum in geraumer Zukunft zu einer lokalen Attraktion und Berühmtheit werden lassen würde.



Es war nicht das erste Mal, dass Mrs. Spencer Hand an ihn anlegte, doch dieses Mal war der gute Buchsbaum schlichtweg überrascht. Lange Zeit hatte er beinahe ungehindert wachsen können, nur selten war sie mit der Gartenschere gekommen, um ihn in Form zu halten, doch nun musste er mehr Blätter und Zweige lassen als je zuvor. Und noch nie war seiner Blätterpracht eine andere Form als die einer Kugel angedacht gewesen, was ab nun wohl nicht mehr der Fall sein sollte. Zu ihm in den Vorgarten hatten sich weitere Buchsbäume, natürlich in gebührendem Abstand zueinander, zu ihm gesellt und zwischen seinem und ihren Stämmen war eine Zierde an Blumen angepflanzt worden, die er zuvor nur aus der Weite in der Gärtnerei hatte erblicken können. Voller Stolz sah Mrs. Spencer ihn und ihren Vorgarten nun an, da sie nach Jahren ihr lang ersehntes Ziel erreicht hatte – einen Pfau aus Buchsbaum. Geduld war normalerweise nicht ihre größte Tugend, doch als sie den Prächtigen Buchs, den ihr Mann ihr geschenkt hatte, Jahr um Jahr wachsen sah, hatte dieser ihren Ehrgeiz geweckt. Einen schönen Garten zu haben war das A und O einer Frau ihres Standes und Alters. Wenn man noch Kinder großzuziehen hatte oder arbeiten musste, entschuldigte dies zwar nicht einen ungepflegten Vorgarten, jedoch schmälerten solche Umstände die Vielfalt an  Möglichkeiten, die das Halten eines Gartens boten. Ihr besonderer Buchsbaum wusste zwar nicht um ihre Gedanken, doch hatte er über die Jahre ihr Wesen erfassen können und erahnte somit seine neue Gestalt. Er war sich sicher, dass wenn sie es gekonnt hätten, seine Geschwister über ihn lachen würden. Während sie ihre kugelrunde Form beibehalten konnten, war ihm ein spezielles Schicksal angediehen, mit dem er nun, sehr zur Freude Mrs. Spencers, zu leben hatte.



Mrs. Spencer hatte eine gute Meinung von der jungen Frau, die neuerdings die Verlobte ihres älteren Sohnes Ernest war. Cecilia hieß sie und war nicht nur hübsch, sondern auch durchaus freundlich, zuvorkommend und eine Gärtnerin von Herzen. So zumindest sprach Mrs. Spencer immer von ihr, wenn sie dabei war ihren Garten in all seiner Schönheit zu pflegen. Einzig ihre familiären Verhältnisse bereiteten ihr Sorgen, war doch sowohl ihr Vater als auch ihr älterer Bruder schon verstorben. Sobald ihr aber zu Ohren gekommen war, dass die junge Frau somit als zweihunderterste in der britischen Thronfolge galt, verlor sie kein Wort mehr darüber.  Und als sie ihn wie jedes Jahr im Juni verschnitt, war sie durchaus guter Dinge, denn aus der Verlobten ihres Sohnes war ihre Schwiegertochter geworden.  Er mochte die junge Frau ebenfalls recht gern, denn wann immer sie an ihm vorbeiging, schenkte sie ihm ein freudiges Lächeln. Auch Charles war nun schon aus dem Hause, doch im Gegensatz zu seinem großen Bruder machte er seiner Mutter keine Freuden. Anstelle des von ihr empfohlenen Jurastudiums hatte er beschlossen Medizin zu studieren und zu allem Überfluss, als wolle er sie höchstpersönlich ärgern, verfolgte er das Ziel, Zahnarzt zu werden. Umso größer war ihre Freude und Aufregung, als den Februar darauf ihre Enkel das Licht der Welt erblickten. Sie und ihr Mann brachen alsbald auf, die frischgebackene Mutter im Krankenhaus abzuholen und mit ihr die beiden Zwillinge. Florence und Grayson waren ihre Namen und sie beide wahre Goldstücke. Kaum konnten sie sprechen, begannen sie ihn Mr. Snuggles zu nennen, eine unverhoffte Aufmerksamkeit, derer der Buchsbaum sich wahrlich geehrt fühlte und er freute sich ein jedes Mal mehr, wenn die beiden zu ihren Großeltern kamen.



Über die Jahre hinweg entwickelten sich die Zwillinge zu zwei wunderbaren Kindern. Je kräftiger die beiden wurden, desto mehr büßte ihre Mutter jedoch an Anmut und Ausstrahlung ein. Immer seltener kam sie mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern zu besuch, bis sie dem Hause von Mr. und Mrs. Spencer Senior gänzlich fernblieb. So ganz wollte es Mr. Snuggels nicht einleuchten, wo sie ihn doch so gerne sah, umso mehr freute er sich, als die Zwillinge schließlich auf unbestimmte Zeit bei ihren Großeltern einzogen. Sie waren bereits in die Schule gekommen und voller Stolz lauschte er bedächtig dem kurzen Aufsatz, den Florence ganz allein ihm gewidmet hatte, gerade weil es auch ihr allererster war. Zu ihrem siebten Geburtstag brachten beide ihre Freunde mit, die er sogleich auch kennenlernen würde. Mit Grayson und seinen Freunden, Arthur, Henry und Jasper, machte Mr. Spencer nach dem Tee einen Ausflug ins Grüne, während Florence mit ihren Freundinnen Miranda und Emily bei Mrs. Spencer im Haus blieb. So viel Freude hatte er schon lange nicht mehr in ihren Gesichtern erblicken können, als sie am Abend ihre Gäste verabschiedeten und ihnen eifrig hinterher winkten. Dies sollte auch für dieses Jahr das Freudigste sein, das er von ihnen zu Gesicht bekam, denn kaum einen Monat später verstarb die gute Cecilia. Mrs. Spencer hatte es sogleich gewusst, als sie von den verstorbenen Verwandten ihrer Schwiegertochter erfahren hatte, so murmelte sie jedenfalls vor sich hin, während sie sich mal wieder ihren Pflanzen zuwandte. Huntington Disease nannte sie es, heimtückisch, weil nicht heilbar und durch und durch ein schreckliches Schicksal, welches ihren Enkeln keinesfalls wiederfahren sollte. Auch Mr. Snuggels hoffte inständig, dass die beiden Zwillinge nicht daran erkranken würden, hatte dieses Huntington doch schon ihre Mutter auf dem Gewissen. Sicher hatte er mitbekommen, dass Cecilias Zustand nicht nur Ernest gänzlich vereinnahmt, sondern sich auch erheblich auf das Wohlbefinden von Florence und Grayson ausgewirkt hatte. Dass sie so bald sterben würde, hatte jedoch niemand geahnt, am allerwenigsten er. So empfand er eine tiefgehende Traurigkeit, als sich die Trauernden alle im Hause von Mr. und Mrs. Spencer einfanden. Die kleine Florence, wusste sie doch, dass er der Lieblingsbaum ihrer lieben Mutter war, stand eine halbe Stunde weinend vor ihm, sodass ihre Tränen durch den weichen Mulch hindurch bis hin zu seinen Wurzeln drangen. Etwas später gesellte sich auch Grayson hinzu und nahm seine Schwester tröstend in den Arm, kam jedoch nicht darum herum selbst einige Tränen zu vergießen. So standen sie da, und wenn Mr. Snuggels gekonnt hätte, hätte er mit ihnen geweint.



Weitere Jahre gingen ins Land, in denen nun jeder, der einmal den Londoner Stadtteil Hampstead zu Gesicht bekam, den wunderschönen  Pfau aus Buchsbaum bemerken musste, der im Elmswalk in Mr. und Mrs. Spencers Vorgarten zu stehen pflegte. Die verschiedensten Gartenzeitschriften waren auf ihn aufmerksam geworden und brannten nur so darauf, die lokale Berühmtheit ablichten und auf ihr Titelblatt bringen zu dürfen. Mr. Snuggles, wie ihn nun schon alle zu nennen wussten, warf sich in Szene, als ein Fotograph einer eben jener Zeitschriften die Erlaubnis ergattern konnte, ein Bild von ihm und dem restlichen Vorgarten machen zu dürfen. Wenn er ein echter Pfau gewesen wäre, hätte er seine Brust aufgeplustert und seine Schwanzfedern ausgestreckt wie kein zweiter, doch da es sich bei ihm schlichtweg um einen Buchsbaum handelte, blieb ihm nichts weiter, als die Zweige straff zu halten und den Blättern einen bilderbuchreifen Grünton zu verleihen. Für seine Spitzenleistung, oder viel mehr Mrs. Spencers grünen Daumen und Sinn für kleingärtnerliche Exquisitäten, wurde der Vorgarten von Philippa Adelaide Spencer mit einem ersten Preis belohnt. Das Foto prangte tatsächlich auf der Titelseite der meistgelesenen Gartenzeitschrift Londons und alsbald erlangte Mr. Snuggels nicht nur lokale Berühmtheit, sondern war unter Hobbygärtnern, wie Gartenzeitschriftlesern in ganz Südengland wohl bekannt. Und der gesamte Vorgarten entsprang der mühevollen Arbeitshand von Mrs. Spencer, Buchsbäume wie Hortensien, alles in Eigenregie. Nach absehbarer Zeit empfand diese für ihr Alter doch recht adrette Frau sich der Arbeit jedoch als zu beschäftigt mit anderen Dingen, dass sie es vorzog zumindest für die größeren Anstrengungen einen Gärtner anzustellen. Hatte sie doch neben ihrem Bridgeclub sich auch noch um ihren Mann zu kümmern, der ebenfalls nicht jünger wurde. Es stellte sich heraus, dass Mrs. Spencers Wünschen nicht leicht zu entsprechen war, doch passte etwas nicht ihre Vorstellungen, wechselte sie kurzerhand den Gärtner. Einzig an ihre Buchsbäume legte sie selbstständig Hand an und überließ sie unter keinen Umständen jemand anderem. Mr. Snuggels hätte sich wahrlich bemühen müssen, sich nichts auf diese Ehre hin einzubilden, doch da er nichts von Eitelkeit wusste, war es ihm gleich; und er fühlte sich mehr und mehr allen anderen Pflanzen seiner Umgebung überlegen.



Florence und Grayson derweil erreichten das Alter, da sie nicht mehr die Primary School besuchen mussten, sondern auf eine weiterführende Schule zu gehen pflegten. Mrs. Spencer hatte eindringlich auf einer Privatschule bestanden, wogegen ihr Sohn Ernest nichts einzuwenden hatte. Er wollte nur das Beste für seine beiden Kinder und so gingen sie nun auf die Frognal Academie for Boys and Girls, die beliebteste Privatschule im Stadtteil. Obgleich sie nun mehr Schularbeiten hatten, ließen sie es nicht aus, sich regelmäßig bei ihren Großeltern blicken zu lassen. Eines windigen, trüben Herbsttages dann, es schien als würde es den ganzen Tag über nicht mehr hell werden, geschah es. Mr. Spencer Senior erlitt einen Schlaganfall, von dem er sich nicht wieder erholen würde. Der Kummer der ganzen Familie war groß und auch Mr. Snuggels setzte dieses Ereignis schwer zu. Er erinnerte sich des frohen Gemüts, das dem guten Mann nur selten erlaubt hatte, nicht guter Dinge zu sein. Auch die Fürsorge, mit der sich Mrs. Spencers Mann um selbige und um die gesamte Familie gekümmert hatte, war stets bewundernswert an ihm gewesen. (Einzig sein Cholesterinspiegel und die Unbekümmertheit um seine damit zusammenhängende Gesundheit waren nicht erstrebenswerte Eigenschaften an ihm gewesen.) Als sich nun die Trauergemeinschaft, einzig bestehend aus den nächsten Angehörigen, im Hause des Verstorbenen zum Leichenschmaus versammelte, konnte Mr. Snuggels sie mit hängenden Köpfen an ihm vorbeigehen sehen. Florence‘ Augen waren verquollen, Graysons ebenfalls rot, wenn auch nicht so sehr wie die seiner Schwester. Auch die beiden Söhne Mr. Spencers‘ hatten Tränen lassen müssen, hatte sie die Trauerrede schon so stark berührt, war es beim Herablassen des Sarges um alle beteiligten geschehen, denn jeder hatte den alten Mr. Spencer tief ins eigene Herz geschlossen. Einzig seiner Gattin, die alles mit versteinerter Miene beobachtet hatte, war nicht eine Träne über die Wange gerollt. Sie trauerte auf ihre Weise, da war Mr. Snuggels sich sicher. Und als er die lieben Worte, die ein jeder über ihn zu sagen wusste, und die vielen schönen Erinnerungen, die sie alle nun miteinander teilten, durch das offene Fenster zu hören bekam, wurde ihm ganz wehmütig; und den ganzen Winter über hingen seine Blätter traurig herab.



Mrs. Spencer hatte es schon immer gesagt, das wusste er jetzt. Vor mehreren Monaten, als sich selbige gerade auf einer Weltreise befand, hatte die Familie Spencer unerwarteten Zuwachs bekommen. Sehr zum Erstaunen so ziemlich aller Beteiligter, hatte Ernest eine neue Frau kennen gelernt und diese ohne jegliche Vorwarnung bei sich einziehen lassen. Und das samt zweier Töchter, dem Hausmädchen und einer unerzogenen Promenadenmischung an Hund. (Wie er konnte Mrs. Spencer Tiere nicht ausstehen, sie war schon verstimmt gewesen, als sie von dem Kater erfahren hatte, den sich ihre Enkel vor Jahren gewünscht hatten. Er hatte jedoch alles Recht zu seiner Meinung von an alle Bäume pinkelnden Hunden.). Zu allem Überfluss stammte sie nicht nur aus geschiedener Ehe, sondern behielt sich die Frechheit, eine Amerikanerin zu sein. Das Hausmädchen war Deutsche und die Kinder gleich aus beiden Ländern, die in Mrs. Spencers Augen die schlimmsten waren, die ihr Sohn sich hätte aussuchen können. Mr. Snuggels hatte sich, trotz einiger Voreingenommenheit, die er keinesfalls von sich weisen konnte, doch dazu entschlossen, ein eigenes Bild der Situation zu machen. Und tatsächlich wirkten die Neuankömmlinge aus der fernen Welt zunächst nicht zwangsläufig dümmlich, zurückgeblieben, hinterhältig und gemein, wie es schon zu Beginn Mrs. Spencer vorhergesagt hatte, als sie nichtsahnend nach dreimonatiger Abwesenheit zuhause angekommen und sogleich aus allen Wolken gefallen war. Ganz hübsch hatte er die beiden Mädchen gefunden, die ältere vielleicht ein Jahr jünger als Grayson und Florence, die jüngere um die dreizehn. Er hatte ihnen angesehen, dass sie Schwestern waren, nicht nur weil sie sich so ähnlich sahen, sie benahmen sich auch wie welche. Die Mutter der beiden war in ihrer Jugend sicher ebenso hübsch gewesen wie ihre beiden Töchter und hatte bis zu diesem Tage noch nicht viel von diesem Glanz einbüßen müssen. Dass sie ihn fälschlicherweise als Geier bezeichnet hatte, schob Mr. Snuggels ihrer amerikanischen Herkunft zu und verzieh es ihr, als er sah wie gern Ernest sie hatte. Sie waren zum Dreikönigstee gekommen, der nun schon seit Jahren eine liebgewonnene Tradition von Mrs. Spencer und beinahe allen Teilnehmern geworden war. Diese empfing sie immer sobald sie kamen an der Haustür und Mr. Snuggels hatte inständig gehofft, dass Mrs. Spencer sich in ihren Vorurteilen irrte. Die darauf folgende Nacht wurde er eines besseren belehrt. Im Schutze der Dunkelheit hatten sich die beiden deutsch-amerikanischen Schwestern an ihn herangeschlichen, heftig darüber diskutierend, ob ein Stinktier oder ein Pinguin besser aussähe. In unguter Vorahnung hatte er an seinem angestammten Platz in Mrs. Spencers Vorgarten gewacht, scheinbar bewusst seines baldigen, persönlichen Unheils. Mit Fuchsschwanz und Küchenschere waren sie gekommen, seiner Schönheit ein Ende zu bereiten. Und von jeglichen Nachbarn oder anderen Zeugen unbemerkt, vollendeten sie ihr für ihn verheerendes Werk. Was hatte er ihnen getan, dass sie ihn so schändlich behandelten? Weder als Stinktier noch als Pinguin sollte er überleben, fraglich, ob er diese drastische Umgestaltung überhaupt hätte ertragen können. Einzig ein blätterbehangener Stumpf ward von ihm übrig geblieben. Hätte er eine Seele gehabt, so wäre sie ihm in den letzten Scherenschnitten entwichen; hätte er aus Fleisch und Blut bestanden, wäre ihm letzteres bis auf wenige Tropfen aus den Adern geflossen.
Doch er war nur eine Pflanze, gezwängt in eine unnatürliche Form, dazu bestimmt von aller Welt missverstanden zu werden und in Abgeschiedenheit von seinen Artgenossen als Absonderlichkeit zu leben; dem Schicksal angedacht, als einsamer Buchsbaum zu sterben. Denn dies war Mr. Snuggels trotz aller ihm zuvor zugeschriebenen Fähigkeiten – ein Buchsbaum.



Im Gedenken an Mr. Snuggels,

Buxus sempervirens Myrtifolia,

nach 25 Jahren des unermüdlichen Sprießens

dahingemetzelt in einer einzigen Nacht




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AN: Hallöchen ^^!
Schön, dass du es bis hierhin geschafft hast =D. Ich hoffe, dir hat dieser Oneshot gefallen (wenn ja, lass gerne ein Review da... und wenn nicht, bitte sagen, was das nächste mal besser gemacht werden kann ;-)). Solltest du dich gefragt haben, was es mit dem "Januar" auf sich hat, bist du gerne dazu eingeladen in unserem Profil nachzusehen. Dass ein "Februar" folgen wird, macht dich bestimmt auch neugierig ^^.
Auf ein baldiges Wiederlesen! Traumhafte Grüße
~ Arhea
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