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Geheimnisse und Überraschungen

von eromanga
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Chet Kelly Dr. Mike Morton
14.01.2019
05.04.2019
87
58.370
1
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Dieses Kapitel
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19.01.2019 677
 
Als sie das Lokal verlassen hatten, gingen beide die Straße entlang. Ciara tastete mit ihrem Blindenstock den Weg. Da es schon fast Mitternacht war, hatte die Dunkelheit die meisten Menschen von der Straße vertrieben. „Wie kommst du denn im Alltag zurecht?“ Mike brannte die Frage schon die ganze Zeit auf der Seele. „Ganz gut. Man muss sich nur richtig organisieren, dann geht das schon.“ Er sah sie an. „Organisieren? Das war doch nie deine Stärke. Wie oft haben wir deine Schlüssel oder Geldbörse suchen müssen.“ - „Na ja, Anfangs war es schon schwer, aber es blieb mir ja nichts anderes übrig. Es hat alles seinen festen Platz und Amanda, meine Mitbewohnerin, weiß das auch. In meiner Freizeit höre ich sonst viel Musik und lese gerne. Aber Blindenbücher sind ziemlich teuer, so dass ich die Wenigen, die ich habe, wie einen Schatz hüte. Wie geht es dir denn im Rampart Krankenhaus?“ - „Relativ gut. Ich arbeite in der Notaufnahme und habe dort sehr nette Kollegen.“ Sie lächelte kurz. „Das ist schön.“ - „Wie lange bleibt ihr denn in Los Angeles? Ich meine, du wohnst ja hier in einer Wohnung und nicht in einem Hotel.“ - „Wir wurden erstmal für ein Jahr gebucht und wenn die Nachfrage da sein sollte, wird entsprechend verlängert.“ Mikes Herz schlug schneller, ohne dass er es beeinflussen konnte. Ein Jahr würde sie in Los Angeles bleiben – oder auch länger. Sie gingen noch eine halbe Stunde spazieren und unterhielten sich viel dabei. Es machte ihm genauso viel Spaß, mit ihr zu reden wie früher. Ciara hatte schon immer das Talent in Bildern zu erzählen, so dass es ihm viel Spaß machte, ihr zuzuhören. Ihr erging es da nicht anders. Sie mochte schon immer seine tiefe kräftige Stimme und seine klaren Erzählungen. Mike malte nie unnötig etwas aus und kam schnell auf den Punkt. Manchmal war seine Art schon extrem direkt, aber dennoch mochte sie das sehr an ihm. „Ciara, darf ich dich noch etwas fragen?“ - „Sicher.“ - „Wo bist du damals hingegangen? Du hast doch in Los Angeles keine Familie oder so gehabt.“ Sie atmete tief durch. „Die ersten Tage hatte ich noch in einem Motel geschlafen, doch mein Auge wurde viel schneller trüb, als es der Arzt gesagt hatte. Aber als sich unsere Gruppe mit den beiden anderen Gruppen zusammen geschlossen hatte, habe ich Amanda kennengelernt. Wir haben uns sofort gut verstanden und ich durfte erstmal bei ihr übernachten. Dann ging die Tour los und wir haben uns von Anfang an das Hotelzimmer geteilt. Sie half mir mit meiner Blindheit zurecht zu kommen, sie kam auch auf die Idee, die Schildchen in meiner Kleidung einzuschneiden, damit ich weiß, welche Farbe sie hat, ohne jemanden fragen zu müssen. In Las Vegas haben wir uns dann auch ein kleines Appartement geteilt wie hier ja jetzt auch.“ Mike sah sie an. „Und wie ging es dir damals? Nach der Trennung meine ich.“ Ciara senkte den Kopf und wurde langsamer bis sie schließlich stehen blieb. „Beschissen, anders kann ich es nicht ausdrücken. Du hast mir so wahnsinnig gefehlt und das schlechte Gewissen dir gegenüber hat mich fast aufgefressen. Ich habe immer nur gehofft, dass du bald jemand Neues finden würdest, eine Frau, die dich glücklich macht und nicht so feige ist, wie ich.“ Mike konnte nicht glauben, was sie da sagte. „Ciara, du bist nicht feige. Du hast damals einfach überstürzt gehandelt, aber wärst du feige, würdest du hier jetzt nicht stehen; du bist beruflich erfolgreich und meisterst auch so dein Leben.“ Er merkte, wie sie ganz leicht mit dem Kopf schüttelte und wieder weiterging. Ein paar Minuten später standen sie schließlich wieder vor dem Apartment-Komplex, wo Ciara wohnte. „Ich danke dir für deine Zeit“, sagte er zu ihr. Sie lächelte kurz. „Schlaf gut, Mike.“ - „Du auch, Kleines.“ Sie drehte sich zum Hauseingang und holte ihren Schlüssel aus der Jackentasche. Mike stand unschlüssig da. Er wollte sie nicht gehen lassen. Nie wieder. Er liebte sie immer noch, das hatte er bei dem Spaziergang gemerkt. Er genoss ihre Gegenwart, fühlte sich rundum wohl, wenn sie bei ihm war. Was sollte er tun?
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