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Geheimnisse und Überraschungen

von eromanga
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Chet Kelly Dr. Mike Morton
14.01.2019
05.04.2019
87
58.370
1
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17.01.2019 1.032
 
Nach über einer Stunde öffnete sich die Tür des Backstagebereiches und die ersten Musiker und Tänzer gingen nach Hause. Etwas später kamen einige junge Frauen hinaus, darunter auch Ciara, die sich bei einer Kollegin eingehakt hatte. Die Frauen unterhielten sich und waren viel am Lachen, bis auf Ciara. Diese sah nachdenklich zu Boden. Die Frauen waren auf dem Weg zu einem Taxi, welches sie sicherlich zu einem Hotel oder so bringen sollte. „Ciara?“, rief Mike nun. Sie blieb abrupt stehen, drehte sich aber nicht zu ihm um. Mike ging näher und konnte ihr Parfüm riechen. Es war immer noch derselbe Duft wie damals. Ihn überkam eine Gänsehaut. „Ciara?“, fragte er jetzt erneut, aber etwas leiser. Mike stand nun neben ihr. Ihm fiel auf, dass sie den Rucksack um die Schulter hängen hatte, den er ihr zu ihrem gemeinsamen letzten Weihnachtsfest geschenkt hatte. Ihr Blick war auf den Boden gerichtet. „Ciara, wir müssen zum Taxi“, sagte ihre Kollegin nun. „Was willst du, Mike?“, flüsterte sie fast lautlos. „Bitte, ich möchte mit dir reden.“ Sie war hin und hergerissen, das merkte er und hatte schon fast Mitleid mit ihr. „Ciara, das Taxi fährt jetzt los“, rief wieder die Kollegin. „Ich könnte dich nachher fahren.“ Mike stand nun dicht vor ihr, doch sie schüttelte den Kopf und atmete tief durch. „Wir wohnen in einem Apartment-Komplex in Hollywood. Direkt daneben ist eine Bar. In einer Stunde können wir uns dort kurz treffen.“ Sie brauchte nicht weiter reden, denn Mike nickte eifrig und sagte sofort: „Ich werde da sein.“ Ciara gab ihm die genaue Adresse und wurde von ihrer Kollegin nun weggezogen. Mike sah ihr hinterher. Sie war es wirklich, die Frau, die ihm vor drei Jahren das Herz gebrochen hatte. Dennoch hätte er sie am liebsten in den Arm genommen und geküsst. Er merkte, dass die Gefühle für sie niemals verschwunden waren und hatte das Gefühl, nicht mehr klar denken zu können.

Eine Stunde später betrat er die Bar. Er sah Ciara schon an einem Tisch sitzen, ihr Blick auf die Tischplatte gerichtet. Mike ging auf sie zu. „Hi“, sagte er leise zu ihr. Sie schrak auf. „Hi, setz dich doch.“ Er tat dies und bestellte sich bei dem Kellner, der sofort angelaufen kam, ein Glas Wasser und Ciara eine Apfelschorle. Er sah sie eindringlich an, doch ihr Blick war immer noch auf die Tischplatte gerichtet. „Ciara, ich.... ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich hätte nicht damit gerechnet, dich je wieder zu sehen.“ Mike sprach das aus, was er empfand und gerade dachte. Damals hatte sie das sehr an ihm gemocht und geschätzt, doch heute biss sie sich nur auf die Lippen. „Ciara, was war damals los? Warum bist du gegangen? Du hast niemals in diesem Restaurant gearbeitet, was du mir erzählt hattest.“ - „Woher...?“, doch Mike unterbrach sie. Seine ganzen Gefühle kamen jetzt raus. Die Gefühle, die er damals unterdrückt hatte. „Ich war dort. Ich bin dir ein paar Tage später nachgeflogen um dir zu sagen, dass ich ebenfalls nach New York gehen werde, das dies doch kein Grund für eine Trennung sei. Aber ich habe dich nicht gefunden. Du warst verschwunden.“ Er sah, wie sie ihre Hände krampfhaft miteinander verknotete. Das tat sie immer, wenn ihr etwas unangenehm war und sie sich in die Ecke gedrängt fühlte. „Es tut mir so leid, Mike. Ich wollte nicht, dass du so leidest. Hätte ich das gewusst....“ - „Was? Hättest du mir dann den wahren Grund für die Trennung genannt?“ Mike wurde lauter. Sie schlug die Hände vor ihr Gesicht, legte sie aber kurz darauf wieder auf den Tisch. Er versuchte, ruhiger zu reden.„Warum, Ciara? Hattest du einen anderen?“ Sie schüttelte den Kopf. „Nein, ich hätte dich niemals betrügen können, Mike.“ - „Was war es dann? Bitte sag es mir. Die ganzen drei Jahre quält mich diese Frage.“ Er sah, wie ihr eine Träne über die Wange lief. Ehe sie etwas sagen konnte, kam der Kellner und brachte das Wasser für Mike und die Apfelschorle für Ciara. Er griff zu seinem Glas und sah, wie ihre Hände nach der Apfelschorle tasteten. Mike schob ihr das Glas hin, welches sie nun fest umschloss. Er sah sie eindringlich an und hatte ein merkwürdiges Gefühl. „Ciara, was ist los mit dir?“ Sie wischte sich die Träne aus ihrem Gesicht. „Mike, ich.... ich bin damals weggegangen, weil ich dir die Enttäuschung ersparen wollte.“ - „Was für eine Enttäuschung?“ Ihre Hände, die immer noch das Glas umklammerten, zitterten. „Die Enttäuschung, mir nicht helfen zu können. Es hätte dich zerstört, da bin ich mir ganz sicher.“ Mike sah sie an. „Ich verstehe nicht.“ - „Mike, ich.... ich bin kurz nach unserer Trennung erblindet.“ Ihre Worte trafen ihn wie ein Faustschlag. Er wusste, dass sie als Kind einen schweren Unfall hatte und ihr rechtes Auge dabei so schwer verletzt wurde, dass sie dort ein Glasauge tragen musste. Aber das linke Auge war immer gesund. „Erblindet?“, fragte er jetzt leise. Ihr Blick ging nun zum ersten mal nach oben und er sah in ein milchig-weißes Auge. Ein paar Sekunden später senkte sie wieder ihren Kopf.  Er war wie vor den Kopf gestoßen. Tausend Gedanken schwirrten durch seinen Kopf. „Wie ist das passiert?“, fragte er leise. Er hatte Mühe, ruhig zu bleiben. „Hornhauttrübung durch Herpes-Infektion heißt es. Aber Trübung ist ein wenig untertrieben. Meine Sehfähigkeit liegt bei einem Prozent. Ich kann kaum noch erkennen, ob es Tag oder Nacht ist.“ - „Aber es gibt doch die Möglichkeit von Hornhauttransplantationen?“ Ciara nickte. „Im Normalfall schon. Aber meine Hornhaut ist mit kleinen Äderchen durchzogen. Das macht es so extrem schwierig und die Forschung ist da noch nicht weit genug. Wir schreiben schließlich das Jahr 1976 und nicht 2020.“ Mike musste schlucken. Nervös spielte er mit den Fingern an seinem Wasserglas. Ciara hörte dies und ihre Hände berührten nun seine Hände. „Mike, ich weiß, dass es dich über kurz oder lang zerstört hätte, dass du mir nicht helfen kannst. Also bin ich gegangen und habe gehofft, dass du mich deswegen so hassen würdest, dass du froh wärst, dass ich weg bin.“ Als ihre Finger seine Hände berührten, kam es ihm vor, als wenn ein Stromstoß durch seinen Körper fuhr. „Ich... ich weiß nicht, was ich sagen soll.“
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