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Verfolgt

von mops1980
OneshotAllgemein / P12
13.01.2019
13.01.2019
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„Oh, bitte nicht…“
Frank Thiel griff zu seinem Handy, das vor ihm auf dem Couchtisch lag und aus dem gerade die berühmte Melodie von Hans Albers ertönte.
Gerade erst hatten sie eine Mordermittlung mit einer Festnahme erfolgreich abgeschlossen. Konnten einem die Kriminellen in Münster nicht einmal etwas Ruhe gönnen?
„Ja, Thiel?“, meldete der Kommissar sich schließlich seufzend ohne auf das Display zu schauen.
„Thiel, sie müssen mir helfen.“
Frank Thiel verdrehte die Augen. Typisch Boerne, keine Begrüßung, sondern sofort mit der Tür ins Haus fallen.
„Ich wüsste nicht, warum…“
„Ich werde verfolgt.“ Der Professor ließ den Kommissar gar nicht erst aussprechen.
„Von wem?“ Jetzt war der Kommissar doch etwas besorgt.
„Von einem Sciurus vulgaris.“
„Was?“
„Sciurus vulgaris, mein lieber Thiel. Das war ja klar, dass sie den lateinischen Ausdruck für ein Eichhörnchen nicht kennen.“
„Boerne, sie wollen mir jetzt nicht allen Ernstes erzählen, dass sie von einem Eichhörnchen verfolgt werden?“
„Doch, seit eine Viertelstunde ist es mir jetzt schon dicht auf den Fersen.“
„Haben sie getrunken? Sie wollen mich verarschen, oder?“
„Mit Nichten, mein lieber Thiel. Helfen sie mir jetzt oder nicht?“
Frank Thiel stöhnte auf.
„Na gut. Wo sind sie?“
„Auf der Promenade.“
„Boerne, etwas genauer bitte. Die Promenade ist nicht gerade kurz.“
„Im Bereich zur Windthorststraße.“
„Ich bin so schnell wie möglich da.“ Damit legte Thiel auf und erhob sich seufzend von der Couch.
Aber wie kam er jetzt am schnellsten zu Boerne? Mit seinem Fahrrad würde er ewig brauchen. Es fiel ihm nur eine Person ein. Thiel suchte in seinen Kontakten auf dem Handy und fand schließlich die gewünschte Nummer.
Keine zehn Minuten später stieg er in den roten Wagen von Frau Haller, Boernes Assistentin. Er hätte natürlich auch seinen Vater anrufen können, aber der war auf irgendeinem Hippie-Treff.
Weitere zehn Minuten später kamen sie an der Windthorststraße an. Boerne saß auf einer Bank und schien ganz ruhig zu sein.
„Boerne?“, fragte Thiel vorsichtig, als sie bei der Bank ankamen.
„Psst, seien sie ruhig. Es ist vor Erschöpfung eingeschlafen.“, antwortete der Professor leise.
„Chef, alles in Ordnung?“ Inzwischen war auch Frau Haller bei der Bank angekommen.
„Alberich, was machen sie denn hier?“
„Irgendwie musste ich ja hierher kommen, Boerne.“ Kommissar Thiel rollte mit den Augen.
Irgendwie war das aber auch ein merkwürdiges Bild, was sich ihnen da bot.
Der Professor saß auf der Bank, vor ihm im Schoß in ein Taschentuch gewickelt lag tatsächlich ein kleines Eichhörnchen, das zu schlafen schien.
„Ich nehm ihnen das mal ab, Chef.“ Die kleinwüchsige Gerichtsmedizinerin nahm dem Professor das Bündel vom Schoß.
„Und was machen wir jetzt?“, fragte Thiel.
„Mein lieber Thiel, was macht man wohl mit einem Wildtier, das man findet?“, fragte Boerne ein wenig empört.
„Na, in diesem Fall hat das Tier wohl eher sie gefunden, Herr Professor.“,  warf Frau Haller ein.
„Alberich, sie haben völlig Recht.“, meinte Boerne, woraufhin ihn seine Assistentin und Frank Thiel erstaunt ansahen. „Vermutlich hat dieses Exemplar seine Mutter verloren. Eichhörnchen suchen sich dann Ersatz und das kann durchaus ein Mensch sein.“
„Das mag ja sein, aber trotzdem ist das keine Antwort auf meine Frage. Was machen wir jetzt mit dem Eichhörnchen? Sie können es ja wohl kaum mit nach Hause nehmen.“
„Natürlich nicht. Wir bringen es zur nächsten  Wildtier-Auffangstation. Da wird man sich um das Tier kümmern.“, antwortete der Professor.
„Wie wäre es, wenn wir ihm einen Namen geben?“, meinte Silke Haller.
„Alberich, man gibt Wildtieren doch keine Namen.“
„Doch, spätestens in der Auffangstation wird das eh passieren. Das hab ich schon oft gehört.“, erwiderte Boernes Assistentin.
„Na gut, wenn sie meinen. An was dachten sie?“
„Wie wäre es mit dem Namen seines Retters?“, schlug Thiel vor.
„Ja Herr Thiel, eine sehr gute Idee. Nennen wir ihn Karl-Friedrich.“, antworte Silke Haller lachend.
„Ich werde wohl gar nicht gefragt?“, fragte der Professor protestierend.
„Sie sind bereits überstimmt, Chef.“, kam die Antwort von einer grinsenden Frau Haller.
Boernes Blick sprach Bände – er war nicht einverstanden, gab sich aber geschlagen.
Etwa eine Stunde später war das Eichhörnchen Karl-Friedrich in der Auffangstation etwas außerhalb von Münster untergebracht. Dort wurde es aufgepäppelt und nach einigen Wochen in die Freiheit entlassen.

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Inspiriert von einer wahren Begebenheit, die sich im Sommer 2018 in Karlsruhe zugetragen hat und großes Medieninteresse hervorgerufen hat. Seit ich davon gelesen habe, bin ich das Plotbunny nicht mehr losgeworden. Zudem passte es auch noch zu meiner Bingo-Karte auf Livejournal.
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