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Die Wörter kamen einfach so aus meinem Herzen, doch für meine Stimme waren sie nicht geschaffen

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
13.01.2019
19.09.2019
6
4.797
 
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13.01.2019 832
 
Hallo Natalie mein kleiner Engel,

ich habe dir soviel zu sagen, doch weiß ich, dass diese Worte nicht ausreichen werden dir alles zu vermitteln. Natalie, kannst du dich noch daran erinnern, wie wir uns kennengelernt haben? Damals in der Grundschule? Wie süß und brav wir doch waren.  Ich weiß noch, dass ich damals nicht der selbstbewusste Mensch war, wie ich heute bin. Ich hab mich gefreut, als ich mich getraut habe mit dir zu sprechen und wir uns dann so gut verstanden haben. Weißt du, es ist schön Freunde zu finden. Es ist schön dich gefunden zu haben und seit über zehn Jahren hält dieses Band nun schon an. Ich sitze hier und blicke mit Freuden auf diese Zeit zurück, weil wir uns nicht vergessen haben, weil wir uns nicht gegenseitig aufgegeben haben, trotz der verschiedenen Lebenswege. Zeit ist für mich stets das wichtigste Gut geblieben was wir Menschen haben und daraus resultiert meine Dankbarkeit. Ich möchte dir danken mein kleiner Engel, ich möchte dir danken, dafür das du so stark bist und trotz deiner ganzen Probleme und Sorgen dich nicht aufgegeben hast und weiterlebst. Ich möchte dir für deinen Beistand danken. Wie oft bin ich zu dir gekommen, nur um zu Reden und für einen kleinen Augenblick das Licht der Welt in deinen Augen zu sehen, denn sie gaben mir Hoffnung. Hoffnung strahlte aus deinem Herzen, so rein und kostbar wie es sie nur geben kann. Wunderschön. Ich möchte dir für deine Bewirtung danken. Eine bessere Gastgeberin als dich hatte ich noch nie zuvor. Ich möchte dir für den schönsten Geburtstagskuchen danken, den ich je bekommen habe. Das war für mich bis jetzt das schönste Geschenk was du mir machen konntest. Die Arbeit und die Zeit wo du in dieses köstliche Kunstwerk gesteckt hast sind so unfassbar wertvoll für mich, dass es mich schon ein kleines bisschen kränkt, dass du diese Zeit an mich verschwendet hast. Ja ich schreibe hier bewusst verschwendet. Natalie, ich weiß mehr  über dich, als du vielleicht denken magst. Ich sah in deine Augen und sah einst die Hoffnung in deinem geplagten Herzen. Diese Hoffnung machte mir Mut und übertrug sich auf mich, doch nun sehe ich Finsternis in deinem Blick. Es mag nur ein kleiner schwarzer Schein sein, der sich über deine Seele legt, doch es macht mir Sorgen. Ich weiß was dich plagt, welche Gedanken du hast. Ich spüre dein inneres Ungleichgewicht. Es ist schlimmer geworden. Ein seelischer Dualismus. Die Welt, sowie du sie verstehst, trifft auf die reale Welt, mit ihren ganzen Hürden und Plagen. Nie hast du gelernt damit umzugehen und warum? Weil es dir niemand gezeigt hat? Nein, weil es dir niemand zeigen wollte. Es schmerzt so etwas zu sehen. Du wurdest in die Eigenständigkeit geworfen, wie ein zu schwacher Welpe, der im Wald entweder den Tod finden sollte oder leben lernen sollte. Wo sind deine Eltern? Hast du dir diese Frage schonmal gestellt? Hast du dir mal dieses Gedankenbild, des einsamen Welpen erschaffen? Ich habe es. Ich sah dich dort, umgeben von Dunkelheit und Stille. Ich sitze hier und denke an diesen Kuchen. Diese Farben. Natalie, das waren einst deine Farben. Du warst der Regenbogen an jenem Tag. Diese Farben sind nun aber erloschen. Das Rot deiner Liebe wurde dir gewaltsam aus deinem Herzen gerissen, von einem Jungen, der nie zum Mann werden mag. Das Gelb deiner inneren Sonne ist bedeckt von dem Schwarz der Depression. Das Grün deiner Spielwiese ist ergraut, weil dir die Kraft zum rumtollen fehlt. Das Blau deines Himmels wird nicht mehr heller, weil der Tag in dir verschwand.
Ich gebe mir die Schuld für einen Teil deines Kummers. Ich weiß, dass du das vielleicht anders sehen magst, aber ich bin mir sicher, wäre ich aufmerksamer gewesen, dann würdest du jetzt nicht zur Therapie gehen müssen. Nicht schon wieder. Doch es ist nicht die Zeit dafür dem Vergangenen nachzusehen und mir Vorwürfe zu machen. Ich lebe jetzt mit dir zusammen Seite an Seite. Ich bin nun schlauer als damals und habe erkannt, was ich tun kann und wie ich es tun kann. Ich werde dich stark machen Natalie. Du wirst das lernen, was dir deine Eltern nicht gezeigt haben und wenn wir fertig damit sind, dann schließe wir die Augen und atmen den Duft der Hoffnung ein. Wir werden die Farben wieder sehen. Du wirst wieder strahlen und das heller, als jeder Stern am Horizont. Wir werden reden, lachen, streiten und Wege bestreiten, zu denen sehr viel Mut gehört. Ich möchte dich ein paar Sachen lehren, dir zeigen, was andere dir nicht zeigen wollen. Es ist Arbeit, aber sie ist es mir alle mal wert. Und warum? Weil wir beide das Band der Freundschaft geknüpft haben und noch nicht die Zeit angebrochen ist, um es zu trennen. Natalie ich wünsche dir von Herzen das Beste. Du hast es verdient und ich glaube so sehr an dich. Ich weiß, du wirst mich nicht enttäuschen, egal wie das alles ausgehen mag.


Mit lieben Grüßen
Deine beste Freundin
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