Alles gut- oder nicht ?

GeschichteAllgemein / P16
Newt Scamander Porpentina "Tina" Goldstein
13.01.2019
22.04.2019
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Newt gähnte und öffnete langsam seine Augen. Schnell warf er einen Blick auf die kleine Taschenuhr, die auf einem kleinen Tisch neben dem Bett lag und die er von seiner Frau geschenkt bekommen hatte. Mit den Worten „Damit du einmal pünktlich bist.“ und einem kleinen Grinsen hatte sie ihm das Päckchen überreicht. Sie hing an einer goldenen Schnur und auf die Vorderseite waren kleine Vögel eingraviert. Er liebte sie, obwohl er nur unter einem kleinen Protest Tinas Aussage hingenommen hatte. Von unten her waren Geräusche aus der Küche zu hören, wo seine Frau gerade das Frühstück zubereitete. Es war jetzt zehn Uhr 30. Viel zu spät dachte er, und war mit einem Satz aus dem Bett. In einer Stunde musste er schon zu einem wichtigen Termin im Ministerium.

Newt war wieder einmal nach langer Zeit mit einem befreundeten Verleger verabredet. Es lag schon etliche Jahre zurück, seitdem er sein Buch „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ herausgebracht hatte.

Newt zog ein weißes Hemd aus dem Schrank und mit einer schnellen Bewegung seines Zauberstabs durchsuchte er die Schublade nach einer passenden Fliege, während er versuchte seine Knöpfe mit einer Hand zu schließen. Als er einen Schwung mit dem Zauberstab machte, begann sich die Fliege elegant um seinen Hals zu binden. Nachdem er sich die Hose angezogen hatte und seine graue Weste zugeknöpft war, ging er zu einem Spiegel und versuchte mühselig seine verstrubbelten Haare einigermaßen an einen guten Platz zu bürsten und eilte die Treppe des Hauses nach unten. Als er in die Küche trat, war Tina gerade dabei mit der einen Hand in einer Pfanne zu rühren, während die andere mit dem Zauberstab durch die Luft schwang und so den Esstisch in der Mitte des Raumes deckte. Er stellte sich neben sie und streichelte ihr über den Rücken. „Das riecht aber gut.“ Sie lächelte und lehnte ihren Kopf an seinen.

Sie hatten sich in New York kennengelernt als sie ihm geholfen hatte ein paar entlaufene Tierwesen einzufangen. Zuerst dachten sie, dass sie für immer auf Wiedersehen sagen mussten. Doch er hatte während seines Aufenthaltes in Amerika Gefühle für sie entwickelt, doch hatte sich nicht getraut es ihr zu sagen, da er sehr schüchtern war und es sich nicht wirklich eingestehen wollte. Als er dann gegangen war, hatte er sie sehr vermisst. Doch es war nur komplizierter geworden. Viele Missverständnisse waren zwischen ihnen entstanden, doch letztendlich hatte er ihr seine Gefühle doch beichten können. Es war sehr viel Mut und Überwindung nötig gewesen, doch er hatte es wirklich geschafft.

Sie hatten zusammen viele Abenteuer bestritten, wobei seine Tierwesen eine auch nicht kleine Rolle gespielt hatten. Newts Gefühle für Tina hatten sich jedoch nie geändert. Deshalb hatte er mit viel Mühe vor ein paar Jahren um ihre Hand angehalten. Was auch ziemlich kompliziert war, weil er fast keine zusammenhängenden Sätze über die Lippen bringen konnte. Doch nach langen Versprechern hatte Tina zugestimmt. Ihre Schwester Queenie war gekommen und hatte trotz der Differenzen auch Jakob mitgebracht. Sie heirateten im Frühling in England in einem wunderschönen Garten unter einem Blumentor. Nach der Hochzeit hatte er sie zu dem alten Haus im Garten geführt, dass er extra für sie gekauft hatte. Es hatte Erkerfenster und Holzbalken, die sich an seinen Seitenwänden emporzogen.

Natürlich war Tinas Schwester traurig gewesen, da England ja so weit entfernt von Amerika liegt, doch Tina hatte ihr versprochen jeden Tag zu schreiben.

Das Innere des Hauses wurde kurze Zeit später von den beiden mit etwas Hilfe gestrichen und eingerichtet und der Keller zu einem riesigen, mehrstöckigen Zoo mit vielen Gehegen umgebaut worden. Er war in vier unterschiedliche Bereiche aufgeteilt. Die Trockenklimazone, wo vor allem Wüstentiere beheimatet waren, dann noch die Eiszonen, dort lebten die Tiere, die an Schnee gewöhnt waren. Die anderen zwei waren die Tropenzone und die „Übergangszone“. In den Tropen wohnten die Tierwesen die Newt von seinen Reisen mitgebracht hatte und die feucht-warmes Klima bevorzugten und in der Übergangszone lebten Tiere, die es weder zu warm noch zu kalt mochten und die Milde Europas liebten. Auch im Garten hatte er einige Tierwesen untergebracht. Jeden Morgen ging er hinunter, um nach allen seinen Tieren zu schauen, sie zu füttern, oder wenn nötig zu verarzten. Newt nahm sich viel Zeit für seine Tierwesen und das respektierte Tina auch, sie liebte ihn dafür und bewunderte ihn.

Sie hatten beide eine Arbeit beim Ministerium in London. Er hatte zwar keinen Schreibtisch-Job dort, doch er war Berater für Angelegenheiten mit magischen Tierwesen, aufgrund seines Wissens und natürlich seines Buches, was sehr erfolgreich war. Nebenbei verkaufte er auch selbsthergestellte Medikamente und Mittel an Bekannte. Tina war in eine Ermittlergruppe aufgenommen worden, da sich einer ihrer Freunde von MACUSA für sie gesprochen hatte. Zwar war sie nicht in einer der Top-Ermittlergruppen hier in England, doch das störte sie nicht. Auch da die zwei ihr erstes Kind erwarteten und ihr nicht mehr so viel Zeit für die Arbeit übrigblieb.

Er legte seinen Kopf auf ihre Schulter und fuhr ihr liebevoll über ihren gewölbten Bauch. „Wie geht es meinen zwei Lieblingen denn heute?“ Tina vergrub ihren Kopf in seinem Haar und gähnte. „Naja, der Kleine hat aus unerfindlichen Gründen heute früh angefangen zu treten und ich habe dafür weniger Schlaf bekommen.“ „Wieso hast du dich nicht nochmal hingelegt?“ „Ich wollte dich nicht stören und außerdem war ich ja wach und dachte mir, dass ich dann auch Frühstück machen kann.“ Sagte sie und rührte stur in der Pfanne. Newt schmunzelte, gab ihr einen Kuss und machte sich auf den Weg zu seinen Tierwesen.

Er ging auf die Kellertür zu und ging fröhlich die Treppe hinunter und auf die schmalhochgezogene Hütte zu. Überall lagen Geräte, Medikamente und Kräuter herum. Schnell öffnete er eine Schublade, worin die Gläser mit verschiedenfarbigen Tränken klirrten, als er darin herumstöberte. Bis er den schleimig grünen Trank fand und mit der anderen Hand einen großen Eimer mit gekühltem Fleisch griff und sich auf den Weg zu den Tieren machte. Newt stellte den Eimer ab und näherte sich vorsichtig einem großen wolfartigen Wesen mit einem riesigen buschigen silbergrauen Schweif. Er gehörte zu einer vom Aussterben bedrohten Tierart, die von Menschen getötet wurde. Die meisten hielten sie für gefährlich, nur weil sie in der Zeit der Geburt ihrer Jungen aggressiv gegenüber Menschen werden konnte. Mit seinem großen Gebiss konnte er ein ganzes Schaf mit einem Biss verschlingen. Doch er attackierte nicht, wenn man ihn nicht reizte. Langsam näherte er sich dem majestätischen Tier, das auf einem Felsen thronte und auf ihn hinabblickte. Newt hatte ihn aus einer Tierfalle befreit.  Seine Vorderpfote wurde dabei verletzt und Newt hatte entschieden ihn mitzunehmen, um ihn gesund zu pflegen und in Sicherheit zu bringen. Langsam begann der Wolf ihm zu vertrauen und ließ ihn an sich herankommen. Frank, wie er den Wolf nach seinem Donnervogel benannt hatte, der damals ganz New York gerettet hatte und den er sehr vermisste, ließ es sich gefallen, dass Newt ihn streichelte und dabei die grüne Flüssigkeit auf die verheilende Wunde träufelte und einen neuen Verband anlegte. Zur Belohnung bekam er ein Stück Fleisch aus dem Eimer, über das er sich sofort hermachte. Newt lächelte ihm noch einmal zu, bevor er sich umdrehte und seine morgendliche Tour fortsetzte. Er füllte eine verbeulte Gießkanne mit einem Schwenk seines Zauberstabs auf und ging zu einer Ecke, in der seine neu erworbenen Giftpflanzen standen, die mit nur einer Handvoll ihrer Stacheln Lähmungen oder schlimme Symptome verursachten. Trotz dieser Umstände konnte man sie auch für Medikamente gut gebrauchen, woran er im Moment forschte. Er goss alle der Pflanzen und überprüfte den Schutzzauber, damit kein Tier sich verletzen konnte. Der Schutzzauber war so angelegt, dass man nur hindurch kam, wenn man im Besitz eines Zauberstabs war. Das war praktisch, damit keine Tierwesen sich verletzen konnten und damit er schneller hinaus und hinein kam. Er verteilte ein wenig Heu in ein paar Gehegen und sah nach den Mondkälbern, bei denen eine kleine Erkältungswelle ausgebrochen war, danach warf er die restlichen Fleischstücke in das Graphorngehe und spurtete nach einem erschrockenen Blick auf seine Taschenuhr nach oben.

Tina wartete schon am Tisch auf ihn. Er küsste sie auf den Kopf und setzte sich ihr gegenüber. „Du gehst heute zum Verleger oder?“ fragte sie ihn während dem Essen „Ja eine Besprechung für das neue Buch.“ „Das ist toll.“ sagte sie knapp. Er schaute skeptisch zu ihr. „Was ist los Tina? Ich weiß doch, dass irgendwas nicht stimmt. Und sag jetzt nicht das nichts wäre.“ Sie seufzte „Ja du hast recht. Es ist nur so… Ich … ich vermisse die Arbeit … ich meine ich hätte es auch nicht gedacht aber ohne dich zu Hause bleiben ist auch langweilig.“ „Ich dachte wir hatten darüber geredet.“ Sagte er schmunzelnd „Ich will einfach nicht das du dich überanstrengst.“ „Ja, aber könnte ich dir nicht bei der Arbeit behilflich sein.“ Er rang kurz mit sich und sagte  dann „ Na gut , du kannst nach Stella schauen und die mit Medikamenten getränkte Körner den Mondkälbern geben, die habe ich schon vorbereitet und sie stehen neben der Hütte .Aber…“ „ Danke!“ unterbrach in seine Frau , fiel im freudig um den Hals und gab ihm einen schnellen Kuss auf die Wange . „Aber du musst es langsam angehen. Ich habe dir ja gezeigt was du tust, wenn das Kleine von Stella auf die Welt kommt. Und geh nicht in die Ecke der neuen Pflanzen.“ Stella war ein Leugrottaweibchen, ein hirschartiges Wesen, das ein riesiges Maul besaß, einen prächtigen Bart und schwanger war. Sie grinste und antwortete „ Ja ich weiß .“ „Wenn etwas ist, benachrichtige mich sofort. Verstanden?“ fragte er und lehnte seine Stirn gegen ihre. „Ja das werde ich. Aber jetzt musst du wirklich los.“ sagte sie lächelnd. Verwundert schaute er auf seine Taschenuhr und sprang auf.

Als er fast aus der Tür war, drehte er sich noch mal um, und holte unter dem belustigten Blick seiner Frau, die gerade aufgestanden war seinen Mantel und eilte wieder zu Tür. Plötzlich rief Tina halb lachend hinter ihm her. „Dein Koffer mit den Papieren, Newt!“ Schnell drehte er sich noch einmal um und sie reichte ihm seinen braunen Lederkoffer. „Was würde ich nur ohne dich machen.“ sagte er leise und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Newt drehte sich auf der Stelle um und rief noch über die Schulter „Bis später Liebling.“ und war verschwunden. Er zog seinen Mantel hoch und apparierte. Tina schaute ihm, schmunzelnd über seine Vergesslichkeit, nach und lehnte sich etwas schwerfällig und erschöpft gegen den Türrahmen. Sie hätte nie gedacht, was so eine kleine Wölbung ausmachen konnte. Nachdenklich streichelte sie über ihren Bauch, auf dem man immer wieder winzige Füße spüren konnte, die dagegentraten. Nachdem sie sich um den Abwasch gekümmert hatte und etwas Zeitung gelesen hatte, sperrte sie die Kellertür auf und machte sich auf den Weg nach unten.
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