Aglionessby

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
Adam Parrish Blue Sargent Henry Cheng Noah Czerny Richard Campbell Gansey III Ronan Lynch
13.01.2019
03.03.2019
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Kapitel 1 Jane Sargent.

„Es reicht!“ Mit einem lauten Knall krachte der Stein in den umher stehenden Mülltonnen. Die leeren Behälter fielen krachend um. Eine streunende Katze fauchte erschrocken auf und verzog sich eiligst als der nächste Stein folgte. Tief seufzend ließ ich mich auf eine der Tonnen fallen. Mein fusseliger, schwarzer Bob traf die Hauswand. Ich saß im Hinterhof eines Diners. Neben mir an der Hauswand prangte das Graffiti einer riesigen Salamipizza. Frustriert schaute ich auf meine grüne Schürze hinab und rümpfte die Nase; sie stank nach altem Frittenfett, geschmolzenem Käse und Bier. Vor allem nach Bier.
Gerade hatte ich einem Kunden sein Getränk über den Kopf gegossen. Verdient, möchte man sagen. Schließlich hatte er mich an gegraben. Pah, wenn es nur das wäre. Er hatte mich einfach begrapscht. Er sollte sich eigentlich nicht wundern, warum ich reflexartig nach seinem Glas griff und es über seinen Kopf ausgoß. Aber er war verwundert. Sofort begann er zu brüllen das seine Frisur alleine ein Vermögen gekostet hatte. Von der Kleidung wollte er gar nicht erst anfangen. Ich persönlich fand zwar das seine Klamotten alleine schon verboten aussahen; im Übrigen ein unglaublich hässliches Paar Nike Sneaker, diese seltsame Art von Hosen die aussah als hätte man sein Geschäft darin verrichtet und eine deutlich zu große Collegejacke. Den steilen, dunkelbraunen Haaren, welche nun mehr schlecht als recht durch die Unmengen an Gel gehalten wurden, würdigte ich keines weiteren Blickes. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, die Miene des jungen Mannes verfinsterte sich noch mehr als möglich war. „Verfluchte Göre. Sei mal dankbar dass du hier arbeiten kannst. Eigentlich gehörst du hinter den Herd, zu den Kindern-“ Weiter kam er nicht, denn ich unterbrach ihn prompt mit einem Schlag auf die Wange.
Das war genau der Moment als der Geschäftsführer Donny mich vor die Tür setzte, damit ich mich abregen konnte. „‘Abregen‘. Na, schönen dank auch“, knurrte ich flüsternd, „Anstatt mich, hätte er lieber diesen Vollidioten rauswerfen sollen.“ Ich seufzte erneut und schaute hinauf in den Himmel. Er war sternenklar. Keine Wolke war zusehen und der Mond war eine einzige sanfte Sichel. „Der große Bär“, flüsterte ich und mein warmer Atem vermischte sich mit der kalten Märzluft. Mit jedem Sternzeichen, das ich aufzählte ging mein Atem leichter und ruhiger. „Löwe. Drache, Kepheus, Skorpion.“ Das Gekrächzte eines Raben lies mich zusammenzucken. Der Assvogel saß auf der Regenrinne und blickt mit seinen schwarzen Augen auf mich hinab. „Na du“, murmelte ich. Ich stand auf, drehte mich um und blickte dem Vogel genau in die Augen. Braun traf schwarz. Erneut zerriss der Rabe die Stille. „Kerah!“ Wenn ich einem Tier die Stirn bieten kann, dann doch auch diesen verdammten Ravenboys. Ich grinste, zwinkerte dem Vogel zu und ging wieder in den Diner.

„Beruhigt?“, fragte Donny mit verschränkten Armen. Ich zuckte die Schultern und drückte mich an ihm vorbei. Im Gehen schnappte ich mir ein Tablett, meinen Block plus Kugelschreiber und ein paar der Karten. Ich machte mich einfach wieder an die Arbeit, als wäre nie etwas gewesen. Der Ravenboy und seine Anhänger hatten Ninos bereits verlassen. Nur noch eine wütend aussehende Calina erinnerte an das ‚Malheure‘ mit dem Bier. Mit einem grimmigen Gesichtsausdruck rammte sie mir den Ellenbogen in die Seite. „Mach das nochmal und du fliegst.“
Es war keine Drohung, es war Realität. Ich brauchte diesen Job. Ich schluckte und setzte dann mein bestes Trinkgeld-Lächeln auf. Ohne etwas zu erwidern drehte ich auch Calina den Rücken zu.
Ich wuschelte eine Zeit lang zwischen den Tischen herum. Verteilte Eistee, nahm Bestellungen auf, servierte, putzte Tische. Es waren nicht viele Ravenboys im Laden und so fühlte ich mich sicher. Es war schon fast ruhig im Diner. Nur leise Gespräche waren zu hören. Nichts Wichtiges. Nur etwas über das Wetter, die Nachrichten, über das Kind der Schwester, dem Hund des Nachbarn. Im Hintergrund dudelte die Jukebox ein angenehmes Jazzlied. Die Arbeit war schon fast entspannend. Gerade als ich mir den Besen nahm um einige frei gewordene Plätze von Pommes zu befreien, bimmelte die Ladenglocke. Ich sah nicht auf. Ging in die Hocke um die Fritten auf die Schaufel zu kehren. Während ich zum Mülleimer lief kam mir eine freudestrahlende Calina entgegen. Ihr Lächeln war brillant. Kein Vergleich zu der Grimasse die sie bis vor Kurzem noch gezogen hatte. Gefühlt mit Scheuklappen stürmte sie an mir vorbei. Ich warf einen skeptischen Blick über die Schulter und entdeckte ein Grüppchen aus drei Jungen den Tisch besetzen, den ich gerade noch ausgefegt hatte. Ich musterte die sichtbaren Ravenboys aus dem Augenwinkel, während ich mich daran machte Gläser zu spülen und zu polieren. Der Junge rechts außen, ein hochgewachsener, blasser Kerl mit Armeeschnitt und Lederjacke über seinem blauen Sweater blickte Calina mit einem tödlichen Blick an und rieb sich eine gerade an der tief hängenden Lampe zugezogene Beule. Entweder hatte sie etwas gesagt oder er wartete einfach darauf nur um sich wie eine Python auf sie zu stürzen und sie zu killen. Der Schlange gegenüber saß ein junger Mann den man wohl in jedem Politikmagazin finden würde: Gebräunte Haut, hellbraune, leicht gewellte Haare und blitzende braune Augen. Das Gesicht war unglaublich eckig, obwohl es so jungenhaft wirkte. Er hob tadelnd den Finger und seine Rolex glitzerte im Lampenlicht. Doch ich riss meinen Blick sehr schnell von ihm los, als ich seinen Sitznachbarn sah. Und erkannte. Das war doch Adam. Adam Parrish. Mit diesem Jungen war ich zusammen zur Schule gegangen. Zur Mountain View High School um genau zu sein. Und jetzt saß er bei diesen Aglionby Schülern in den gleichen lächerlichen blauen Sweater und Chinos und grinste schief über einen Witz den der Armee-Typ riss. Einen Moment wusste ich nicht ob ich explodieren oder kotzen sollte. Ich merkte nicht einmal selbst dass ich sie die ganze Zeit während meiner Gedanken beobachtet hatte. Als Calina jedoch mit einem Block voller Bestellungen und einem breiten Grinsen zum Tresen zurück kam, sah Adam auf. Er winkte mir zu und lächelte. Ich schnaubte. Ob er es mitbekam oder nicht war mir egal. Keine zwei Sekunden darauf traf mich der Blick des Braunhaarigen. Seine haselnussbraunen Augen funkelten mich interessiert an. Er wandte sich Adam zu und flüsterte etwas. Vielleicht redete er auch laut. Ich wusste es nicht, bekam ich dank des Geräuschpegels im Diner sowieso nur so fünf Prozent der Gespräche mit. Jedenfalls schüttelte Adam auf die scheinbare Frage den Kopf. Der Braunhaarige erwiderte etwas, dann sah er wieder zu mir. Sein Lächeln erreichte mich. Schnell konzentrierte ich mich wieder auf die Gläser, sah jedoch aus dem Augenwinkel wie Adam ihm an den Arm boxte.

Endlich Feierabend. Ich zurrte mir meine Schürze ab und warf sie in den Wäschekorb mit den dreckigen Handtüchern. Calinas Schürze war darunter vergraben. Sie war schon vor einer halben Stunde gegangen. Wollte mit ihrem Freund ins Kino. Irgendeinen Horror-Splatter Film gucken. Bitte, wer es mag...
In der kleinen Umkleide neben der Küche warf ich mir einen Schlag Wasser ins Gesicht. Anschließend blickte ich in den Spiegel. Mein Gesicht konnte man mit einen einzigen Wort beschreiben: müde. Braune, fast schwarze Iris blickte mich aus tiefen Augenlidern an. Den blassen Teint hatte ich von meiner Mutter, ebenso die schwarzen Haare. Die Sturheit davon jedoch von meinem Vater. Und auch meine Sommersprossen und Muttermale. Warum ich jedoch im Gegensatz zu Anderen weder in die Höhe noch in die Breite wuchs, konnte mir wohl niemand erklären. Mit einem müden Seufzen griff ich nach meiner Patchwork-Jacke und verließ den Diner durch die Hintertür.
Es war bereits zehn Uhr und sogar noch dunkler und kälter als vorher. Selbst die Raben waren verschwunden. Meine Finger zitterten als ich versuchte mein Fahrrad aufzuschließen. Es dauerte ein Weilchen bis das rostige Schloss nachgab. Ich packte die Griffe und wollte gerade aufsteigen, da sah ich jemanden im Schein der Straßenlaterne auf mich zukommen. Leicht panisch hielt ich inne als die Person die Stimme erhob: „Hallo?“ Ich zwang mich mein Lächeln hinunterzuschlucken als ich den jungen Mann erkannte. Doch irgendwie schaffte es dieses Lächeln in meine Stimme. „Hey, Adam.“ Er hob den Kopf und im Kreis der Lampe funkelten seine blauen Augen ebenso sehr wie seine weißen Zähne. Doch ebenso sah ich wieder den blauen Sweater mit dem Raben und somit kam die Wut zurück. Meine Hände verfestigten sich um den Lenker und ich schob mein Rad zur Laterne. Er blickte mich dabei an. Sein Lächeln war perfekt, so wie die Kleidung und die lässige Art wie er dastand. Doch ich sah noch immer die Furche zwischen seinen Augenbrauen, die Schwielen an seinen Händen, den Staub auf seinen Schuhen. Er war noch immer der Junge, der seinen Vater fürchtete. Das ungewünschte Kind, das versuchte es immer allen Recht zu machen. Die Schatten unter seinen Augen deuteten auf zu viele schlaflose Nächte hin. Und doch lächelte er. „Bist du glücklich?“ Ich wusste nicht warum ich genau das als Erstes fragte. Im Nachhinein kam es mir unheimlich taktlos vor. Er zuckte die Schultern. „Denke schon.“ In der Nähe ertönte ein Hupen. Adam hob den Kopf. In einer Seitengasse sprangen die Lichter eines Chevrolets an. Skeptisch beäugte ich die orangene Lackierung. „Die von gerade?“, fragte ich, dabei ließ ich das Auto nicht aus den Augen. „Meine Freunde. Ja“, bestätigte Adam. Seine Schuhe schabten über den Bürgersteig. „Ich muss los.“ Er trat an mir vorbei, doch ich hielt ihn am Ärmel fest. „Warum?“ Er wirkte verwirrt. „‚Warum‘ was?“ „Warum gehst du dort hin? Weißt du nicht mehr, wie wir über sie geredet haben? Und jetzt bist du einer von ihnen. Warum?“ So langsam wurde ich wütend. Adam hingegen blieb ruhig. „Ich möchte meine Chancen nutzten. Ich möchte aufs College. Ich will hier raus, Jane.“ Das verstand ich. Ja, das verstand ich sogar sehr gut. Ich kannte seine Situation. Und doch... und doch war ich wütend. Traurig. Warum ließ er mich hier allein? Hatte ich eine solche Chance nicht auch verdient? Nur weil ich ein Mädchen war? Ein dicker Kloß kroch meine Kehle hoch. Mit Mühe konnte ich ihn hinunter drücken. Dennoch konnte ich nicht verhindern dass meine Augen feucht wurden. Meine Hand, die ihn noch immer fest hielt, wurde schwer. Wieder umfasste ich meinen Lenker. Ich klammerte mich quasi daran. So fest das meine Fingerknöchel weiß wurden. „Viel Glück, Adam“, lächelte ich aufmunternd. Und er wusste dass es gespielt war. Sein Lächeln wirkte traurig. „Es tut mir leid, Jane.“
„Und mir erst...“ Damit stieg ich auf mein Fahrrad und fuhr mit festem Pedalen-Tritt an dem Camaro vorbei in Richtung Fox-Way.


Der Fox Way 300 war ein kleines, blaues Haus. Die Gegend war von Bäumen gesäumt. Birken, Kastanien, Eichen, Ahorn, Erlen. Mein Lieblingsbaum jedoch war die Buche. Und meine Lieblingsbuche stand bei uns im Hintergarten. Das etwas zu lange Gras war feucht und glitzerte im Licht des Hauses. Irgendjemand hatte die Lichterkette auf der Veranda angeschaltet. Ihr bunter Schein spiegelte sich in den Windgläsern wieder die leise im Wind klimperten. Normalerweise entzündete meine Mom in klaren Nächten immer die Kerzen in den Gläsern und setzte sich dann auf die Treppe und sah in die Sterne. Meist setzte ich mich dann dazu und sie begann die Bilder des Himmels zu deuten, während ich Joghurt löffelte. Nun aber war niemand auf der Treppe auszumachen.
Somit hüpfte ich von Trittstein zu Trittstein. Ich benahm mich nie wirklich kindisch. Das hatte ich schon vor vier Jahren abgelegt. Aber diese Blöße erlaubte ich mir. Schließlich war ich hier Zuhause und noch dazu konnte mich Keiner sehen. Als ich meine Lieblingsbuche erreichte lehnte ich meine Hand und meine Stirn gegen den Stamm. Die raue, starke Rinde unter meiner Haut, das Rauschen als der Wind sanft durch die Blätter fuhr, die Wurzeln die ich trotz der Schuhe unter mich spürte, der mild-würzige Geruch des feuchten Mooses in meiner Nase; dies alles beruhigte mich mehr als alles was Seelenklempner, Ärzte oder sogar meine Mutter mir verschreiben konnten. Ich brauchte keine Musik, kein Meer, keine Meditation. Alles was ich brauchte war dieser Baum. Allein hier in diesem Garten zu stehen und diese Buche zu sehen war wie eine Adrenalin-Spritze für mich. Ich fühlte mich geheilt, beruhigt, getröstet. Manchmal wünschte ich, ich könnte mit diesem Baum tauschen. Wie es wohl wäre ein Baum zu sein? Seine Wurzeln und Äste auszustrecken und das Pulsieren der Natur zu spüren? So viel zu sehen was passiert? Es zwar nicht ändern zu können, aber zuzusehen wie sich etwas entwickelte? Egal ob gut oder schlecht? Weisheit in sich zu tragen, aber nicht abgeben zu können, nicht abgeben zu müssen? Still zu sein, und doch so laut? Trost zu spenden, ohne zu sprechen; weit mehr zu trösten als durch Worte möglich war? Ja, manchmal wollte ich einfach schweigen, Dinge geschehen lassen und einfach sein ohne sein zu müssen. Und doch wollte ich so viel, so viel was unmöglich erschien. So viel sehen, so viel schmecken, so viel riechen, so viel fühlen, so viel hören. Mehr noch, mehr als möglich war.
Die Unruhe in mir machte mich schier wahnsinnig.
Mein Herz klopfte so laut, das ich das Gefühl hatte es würde mir bis in den Hals steigen. Dort bildete sich ein Knoten. Ich schluckte, doch der Kloß verschwand nicht. Schlimmer noch, er wurde größer. Wieder wurden meine Augen feucht. Wut und Trauer und Enttäuschung. All die widerlichen Gefühle die ich versuchte zu unterdrücken zwängten sich mit aller Gewalt an die Oberfläche. Ich biss die Zähne zusammen, kniff die Augen zu. „Verflucht...“
Kraftlos sank ich an dem Stamm hinab auf die Knie. Die Stirn noch immer an der Rinde. Meine Finger bohrten sich in feuchtes Moos und Erde. „Was soll ich machen? Es ist so ungerecht...“
Ich dachte an Adam, der fröhlich mit den anderen Raven-Boys lachte. Warum musste er auch ausgerechnet zu dieser Schule gehen? Diese private Jungenschule? So konnte ich ihm doch nicht folgen... Gut, ich wollte ihm auch nicht folgen. Das einzige was ich wollte waren die gleichen Chancen. Warum war mir das nicht möglich? Nur weil ich ein Mädchen war? Ich blickte auf meine Brüste. Machten die mich wirklich zu etwas was man in Watte einpacken musste? Nur deshalb? War ich vielleicht schwächer, dümmer, fauler; nur weil ich kein Mann war? Wütend schüttelte ich den Kopf.
Ich war so in Gedanken vertief das ich regelrecht zusammenzuckte, als es über mir krächzte. Ich riss den Kopf nach oben und sah auf dem untersten Ast einen Vogel sitzen. Einen Raben. Er saß so tief dass wir fast auf Augenhöhe waren. Seine schwarzen Augen betrachteten mich. Fast so als würde er mich mustern. Ich lächelte schwach. „Bist du der Rabe vom Nino‘s?“ Der Vogel krächzte erneut. Ob das eine Antwort sein sollte oder nicht konnte ich nicht sagen, denn das Tier begann im nächsten Moment an der Rinde herumzuhacken. Wütend sprang ich auf. Der Rabe blickte nur kurz auf, pickte dann aber weiter. „Hey. Hör auf damit.“ Nun schlug der Vogel mit den Flügeln. Kerah! „Du darfst ihn nicht verletzen. Das ist mein Baum.“ Um meine Aussage zu bekräftigen legte ich die Hände auf den Stamm. „Du kannst gerne bleiben, aber wenn du meinem Baum schadest werde ich dich verscheuchen.“ Der Rabe legte den Kopf schief. Dann tapste er zum Stamm. Dort setzte er sich hin und plusterte die Federn auf. Als er nun den Schnabel in sein Gefieder steckte, wusste ich das er heute bis auf schlafen nichts mehr machen würde. Vielleicht hatte er mich ja auch verstanden. Wer weiß... Vielleicht, aber nur vielleicht, hatte dieser Vogel auch eine ähnliche Ausstrahlung auf mich wie die Buche, denn meine Wut war verraucht. Mit einem sanften Lächeln blickte ich auf den nun kaum sichtbaren Fellball. War dieser Vogel mein Glücksbringer? Er hatte mir irgendwie den Mut gegeben mich den Ravenboys zu stellen. Vielleicht konnte er mir auch den Mut dazu geben... Mein Lächeln wandelte sich zu einem breiten Grinsen. Ich ging auf die Veranda zu. Und grinste noch immer als ich die Treppe hinaufstieg und durch die offene Terrassentür ging...
„Guten Abend, Jane.“
Erschrocken zuckte ich zusammen und drehte mich um. In dem Licht der Lichterkette erkannte ich einen hell-blonden Haarschopf. Die Haarmasse spiegelte sämtliche Farben der bunten Glühbirnen auf. Und wenn ich von Haarmasse redete, dann meinte ich das auch, denn Persephone bestand aus mindestens einem Drittel aus Haaren. Ihre zierliche Statur, die piepsige Stimme und das puppenhafte Aussehen sorgten nicht unbedingt dafür dass sie größer wirkte. Jedoch war sie so viel mehr. So präsent. Vielleicht wurde man ja so wenn man seinen Platz, seine Bestimmung, in seinem Leben, dieser Welt, gefunden hatte. Auch wenn dieser Platz auf einem Perserteppich in Mitten von Mahjongg-Steinen war.
„Hallo“, brachte ich hervor, doch sie musste nicht einmal aufsehen um zu bemerken dass ich mich erschrocken hatte. „Es tut mir leid.“ Sie packte zwei Steine zur Seite, dann zwei weitere. Bei den nächsten beiden behielt sie einen in der Hand. Sie drehte den Stein in ihren Händen und sah dann auf. Ihre Augen schienen das Licht zu schlucken wie ein schwarzes Loch, doch lächelte sie so lieb und süß wie immer. Sie hielt den Stein zwischen Daumen und Mittelfinger, sodass ich ihn sehen konnte. Auf dem Stein war ein schwarzer Vogel. „‘Schwarze Schwingen, schwarze Worte‘? Nicht doch.“ Unbeschwert lächelnd schüttelte sie den Kopf. „Raben warnen nur. Vor Veränderung.“ Nun wurde ihr Lächeln verschwörerisch. „Rede mit Calla ...und viel Glück, Jane.“


***
Ich probiere mich mal wieder an einer etwas längeren Geschichte. Ich werde sie so gut es geht an die original Geschichte halten, doch auch etwas umändern. In der Theorie ist es eine "She's the man- Voll mein Typ"- Parodie, doch mit den Charakter der 'The Raven Cycle' - Serie. Wer also beides kennt und mag ist hier gut aufgehoben und kann sich getrost auf eine humor- und phantasievolle Geschichte einstellen.^^
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