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Dem Sieg so nah

von Arkia
OneshotFantasy, Sci-Fi / P12
Skeletor
13.01.2019
13.01.2019
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10.026
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13.01.2019 10.026
 
Titel: Dem Sieg so nah
Fandom: He-Man – Masters of the Universe
Bezug: Hörspiel, Folge 6 „Im Kerker Skeletors“
Rating: P 12
Genre: Fantasy, Sci-Fi
Länge: 9733 Wörter
Beta: nein
A/N: Das Kennen der Hörspielfolge ist für das Verständnis der Geschichte nicht notwendig, da ich alle relevanten Ereignisse in meine Story integriert habe.



Dem Sieg so nah


Skeletor, der Herr des Bösen, unterbrach die Comverbindung von seinem Stützpunkt Snake Mountain zur Fright Zone. Es war ihm nicht leicht gefallen, sich an seinen ehemaligen Lehrmeister zu wenden. Schließlich war dies ein Eingeständnis seiner Unfähigkeit gewesen, den Planeten hier zu unterwerfen.
Alle Versuche, selbst Herrscher über Eternia zu werden, waren bisher fehlgeschlagen, und dabei waren seine Pläne doch stets gut durchdacht gewesen. Die Roboterarmee des Magiers des Bösen beispielsweise hatte Castle Grayskull überrannt, dann hatte He-Man jedoch den Magier des Bösen besiegt und mit dem Magier waren auch die Roboter verschwunden. Und auch der Zwerg und sein Drache hatten Skeletor nicht zum erhofften Sieg verholfen, ebenso wenig wie die Höhle des Schreckens in den immergrünenden Wäldern es getan hatte. Immer wieder hatte He-Man dazwischengefunkt und ihm die Übernahme der Herrschaft vermasselt.
Genau das hatte Skeletor Hordak dann auch so berichtet. Der Anführer der Wilden Horde hatte es sich natürlich nicht nehmen lassen, sich über die Fehlschläge seines ehemaligen Schülers zu amüsieren. Hordaks Antwort darauf, was er denn nun tun solle, um sich eines Sieges über die Masters gewiss zu sein, war so einfach gewesen, dass sich Skeletor im Nachhinein darüber geärgert hatte, nicht eigenständig darauf gekommen zu sein.
Denn Hordak hatte es auf den Punkt gebracht, indem er gesagt hatte: „Dein Problem ist He-Man. Also musst du ihn beseitigen.“
Dem hatte Skeletor nur zustimmen können. „Aber wie?“, hatte er gefragt. „Er ist der Stärkste der Starken.“
„Du musst ihn isolieren“, hatte Hordak ihm daraufhin geraten.
Skeletor hatte nur durch die nicht vorhandene Nase ausgeschnaubt. „Und wie soll ich das bewerkstelligen, oh weiser Mentor?“, hatte er hämisch nachgehakt, so dass Hordak deutlich geworden war.
„Nicht in diesem Ton, wenn du Antworten von mir erwartest, Skeletor!“
„Verzeih mir, Hordak“, hatte Skeletor gezwungenermaßen entgegnet.
Auch wenn diese Zurechtweisung zunächst dazu geführt hatte, dass er sich in seiner Ehre gekränkt gefühlt hatte – immerhin hatte ihn Hordak so behandelt, als sei er noch immer der unwissendere Schüler –, so war dieses Gefühl recht schnell verflogen. Sein Ehrgefühl, das war, seit er die Comverbindung zur Fright Zone hergestellt hatte, eh schon nicht mehr sehr groß gewesen, also hatte er gekatzbuckelt.
„Nun, was rätst du mir, Hordak?“, hatte er also gespielt unterwürfig gefragt.
„Fordere He-Man zu einem Duell heraus und entledige dich dann seiner“, hatte Hordak ihm als letzten Rat mit auf den Weg gegeben.
Und nun grübelte Skeletor darüber, wie er diesen Ratschlag am besten in die Tat umsetzen konnte.

Plötzlich öffneten sich die Türen. Panthor, der bisher entspannt neben Skeletors Stuhl geruht hatte, sprang auf und fauchte die hereintretende Gestalt an.
„Ist schon gut, Panthor“, sagte Skeletor in Richtung seines Tieres und streichelte dem Panther leicht über das lilafarbene Fell des Rückens, während dieser den Neuankömmling immer noch mit wachen Augen musterte. „Vorsicht, liebste Evil-Lyn“, wandte sich Skeletor dann leicht amüsiert an seine ungebetene Besucherin, „wenn du so weitermachst, dann fühlt sich Panthor noch dazu genötigt, mich zu verteidigen und zerkratzt dir dein hübsches Gesicht.“
„Pah!“, spuckte Evil-Lyn aus. „Wenn mir das Viech zu nahe kommt, dann wird es meine Zauberkräfte zu spüren bekommen.“
„Und wenn das geschieht, dann wirst du die meinigen zu spüren bekommen; und wir wissen beide, wie das ausgehen würde“, entgegnete Skeletor ruhig, aber bestimmt. „Also: Was willst du?“, fragte er sie dann.
„Webstor schickt mich, um dir auszurichten, dass er nun damit beginnen kann, die Kerkerzellen in der Burg Drachenstein entsprechend deiner Wünsche zu präparieren.“
„Gut, gut. Nur schade, dass wir noch niemanden haben, der die Zellen dann auch bewohnt.“ Skeletor lachte. „Aber das wird sich vermutlich bald ändern.“ Er atmete laut aus. Als sie immer noch nicht ging, erkundigte er sich: „Sonst noch etwas?“
Evil-Lyn stemmte die Hände in die Hüften. „Ja, nach der letzten Niederlage habe ich diese ausführlich analysiert. Ich denke, ich habe jetzt eine Möglichkeit aufgetan, mit Hilfe derer wir die Herrschaft über Eternia gewinnen können.“
„Wir? Sagtest du gerade 'wir', Evil-Lyn?“, hakte Skeletor nach, erhob sich von seinem Stuhl und trat auf sie zu.
„'Du', ich meinte natürlich 'du'“, beeilte sie sich zu sagen, bevor sie fortfuhr: „Ich denke, dass...“
Skeletor, der inzwischen genau vor ihr stand, Panthor wie ein lautloser Schatten an seiner Seite, packte Evil-Lyn und zwang sie, ihm ins Gesicht zu sehen, indem er ihr Kinn mit Daumen und Zeigefinger umschloss.
„Ich habe deinen Verrat nicht vergessen, Evil-Lyn, und ich denke“, wiederholte er ihre zuvor gewählten Worte ganz bewusst, „dass deine zuerst geäußerten Worte sehr wohl der Wahrheit entsprachen. Und du die erste sich dir bietende Gelegenheit nutzen würdest, um sicherzustellen, dass du die Herrschaft über Eternia übernimmst, und nicht ich.“
Er ließ sie los und begab sich zur Tür, Panthor trottete hinter ihm her. Vor der Tür wandte er sich der Hexe abermals zu.
„Und deshalb, meine Liebe, bin ich an einem Plan, der deinem Geist entspringt, nicht im Geringsten interessiert.“
Offenbar konnte Evil-Lyn das eben Geschehene nicht fassen, und ebenso wenig die Tatsache, dass die Unterredung von Seiten Skeletors als beendet galt, denn sie rief: „Wohin willst du?“
Skeletor drehte sich erneut zu ihr um. „Ich wüsste zwar nicht, was dich das angeht, aber... Ich muss zu Beast Man. Er hat Panthor neues Futter besorgt, und das verträgt dieser nicht.“
Evil-Lyn stampfte mit dem Fuß auf. „Das ist 'mal wieder typisch! Für dieses verfluchte Viech würdest du alles tun. Und was tust du für mich?“
Zuerst war Skeletor versucht, zu erklären, dass er absolute Loyalität eben belohne, doch dann kam ihm ein Geistesblitz, so dass er hervorstieß: „Liebste Evil-Lyn, wenn ich nicht der wäre, der ich bin, würde ich dich jetzt für deine Worte küssen!“
Etwas wie Sehnsucht spiegelte sich anscheinend in ihren Augen, aber das nahm Skeletor fast gar nicht wahr, denn er eilte auf schnellstem Wege zu Beast Man. Evil-Lyns Worte hatten von ihr gänzlich unbeabsichtigt den Stein ins Rollen gebracht, der in einem Plan münden würde, um endgültig die Herrschaft über Eternia zu übernehmen. Wenn jemand bereit war, alles für jemand anderen zu tun, dann war das ein Schwachpunkt, den es auszunutzen galt.


Wenige Tage später waren alle Vorkehrungen getroffen.
„Audio oder Video, beides geht nicht, dafür sind die Gemäuer zu alt. Ich habe bei dem Versuch, die Kabel zu verlegen, 30 meiner Spinnen verloren“, erklärte Webstor.
„Dann Video“, befahl Skeletor, „anhand der Mimik kann ich mir sein Geschreie schon vorstellen.“
Der Spinnenmensch nickte und tippte etwas in ein Speichergerät ein. Kurz darauf blickte er wieder zu ihm auf.
„Was ist mit Tri-Klops?“, erkundigte sich Skeletor.
„Er überwacht Castle Grayskull. Sobald der Prinz abfliegt, meldet er sich“, informierte Webstor, als einer der Computer durch Lichtsignal auch schon den Eingang einer Audiomitteilung verkündete, die Webstor sogleich annahm.
„Webstor“, erklang Tri-Klops' Stimme, „der Prinz steigt gerade in den Wind Raider.“
„Verfolge ihn!“, wies Webstor nach einem entsprechenden Nicken Skeletors an und unterbrach die Verbindung dann wieder.
Nun sah Webstor Skeletor fragend an. „Dann wollen wir keine Zeit verlieren“, erwiderte dieser und ging voran, in den Hangar von Snake Mountain, wo Beast Man schon auf ihn wartete – jedoch nicht nur dieser.
„Warum nimmst du ihn mit und nicht mich?!“, keifte Evil-Lyn. „Du hast doch gesagt, dass ich dich auf die Idee gebracht habe, und außerdem kannst du meine Zauberkräfte besser einsetzen als diesen hirnlosen Volltrottel!“
Skeletor wechselte mit Webstor einen Blick, der zu sagen schien: Weiber!
Er drehte sich zu ihr um. „Liebste Evil-Lyn, wenn ich deiner Fähigkeiten bedürfte, dann würde ich danach verlangen, aber diesen Bedarf habe ich zurzeit leider nicht und damit auch dir dies deutlich wird, frage ich dich nun: Sind deine 'Untergebenen' im Stande, eine mögliche Flucht unseres Ziels zu verhindern, sollten wir wider Erwarten nicht rechtzeitig eintreffen?“
„Äh, nein“, entgegnete sie angriffslustig, aber dennoch verwirrt.
„Bist du selbst in der Lage, die Laserkanone“, er nickte in Richtung der gewaltigen Waffe, „so lange so ruhig zu halten, dass ich genügend gezielte Schüsse auf ein sich sehr schnell fortbewegendes Flugobjekt abgeben kann?“
„Natürlich nicht, ich...“, setzte Evil-Lyn an, aber Skeletor unterbrach sie.
„Das dachte ich mir. Und das dürfte auch deine Frage zur Genüge beantworten, aber vielleicht muss ich auch noch deutlicher werden: Für diese Aufgabe reichen keine – oder besser gesagt – deine Zauberkräfte nicht.“
Evil-Lyn starrte ihn nur aus großen Augen an.
„Wir werden den Wind Raider, bevor er die Stadt Eternis erreicht, abschießen, und sollte es dem Prinzen gelingen, sich aus dem Wrack zu befreien, wird er nicht an den Tieren des Waldes vorbeikommen, dafür wird Beast Man Sorge tragen.“
Evil-Lyn schüttelte frustriert den Kopf.
Ohne sie noch eines weiteren Blickes zu würdigen, ging Skeletor zum Doom Buster. „Beast Man!“, rief er, als er bemerkte, dass er ihm nicht folgte.
„Ja, Herr, ich komme“, entgegnete dieser daraufhin und begab sich ebenfalls zum Fluggerät.


Es war schon fast zu einfach gewesen. Nur zwei Schuss aus der Laserkanone hatte es gebraucht, um den Wind Raider wenige Kilometer vor der Hauptstadt Eternias abstürzen zu lassen. Als Skeletor und Beast Man Prinz Adam und seine Begleitung in Empfang genommen hatten, hatten sie sich nicht gewehrt. Der Prinz hatte noch nicht einmal eine Waffe bei sich geführt, und im Gegensatz zu He-Mans Kampftiger Battle Cat, hatte Cringer, das Schmusetier des Prinzen, nur vor Angst gezittert und miauzend über die Ungerechtigkeit geklagt.
Und so saßen die beiden nun gut verschnürt und durch eine Injektion bewusstlos gemacht in einem der Räume von Burg Drachenstein. Evil-Lyn warf Skeletor einen missbilligenden Blick zu.
„Was denn, Evil-Lyn? Du warst es doch, die nach einer Aufgabe verlangt hat. Und diese ist es nun, die Gefangenen zu bewachen, bevor Webstor sie in ihr endgültiges Domizil geleitet, sobald er es entsprechend hergerichtet hat. Eine äußerst wichtige Aufgabe, wie ich anmerken möchte.“
„Die zwei Schwächlinge bewachen kann doch jeder Idiot“, zischte Evil-Lyn und warf einen bedeutungsvollen Blick auf Beast Man. „Wichtige Botschaften zu überbringen hingegen, erfordert ein gewisses Maß an Intelligenz.“
„Das ist korrekt“, bestätigte Skeletor, „und es erfordert auch ein gewisses Maß an Intelligenz, die zu überbringende Botschaft in geringfügigem Maße zu verändern, um sich selbst so einen Vorteil zu verschaffen. Und dass du das – solltest du die Gelegenheit dazu bekommen – nicht tun wirst, das glaube ich dir nicht, Evil-Lyn; und so ziehe ich denn die Dummheit eines absolut loyalen Gefolgsmanns der Intelligenz und äußerst fragwürdigen Loyalität einer Hexe in meinem Gefolge vor.“
Er wandte sich an Beast Man: „Also, mein treuer Knecht, welche Botschaft sollst du zum königlichen Palast von Eternis tragen?“
„Dass der Prinz hier ist“, kam es prompt von Beast Man.
„In unserer Gewalt, ja“, bestätigte Skeletor. „Und was noch?“
„Dass He-Man, also... He-Man...also, dass...“, stotterte Beast Man, bevor er beschämt entgegnete: „Ich habe es vergessen, Herr.“
Beast Man blickte verunsichert zu Skeletor hinüber. Dieser atmete tief durch.
„Dass He-Man sich zum Kampf stellen soll, und zwar hier in der Burg Drachenstein“, wiederholte er nicht zum ersten Male. „Was noch? Das ist das Wichtigste, vergiss es ja nicht!“
„Ich...ich weiß nicht mehr, Herr“, kam es fast zaghaft über Beast Mans Lippen.
„Bei allen Kräften des Bösen, Beast Man, soll ich dir von Webstor Gedächtnisspinnen einsetzen lassen, damit du die Aufgabe zu meiner Zufriedenheit ausführen kannst?!“, schrie Skeletor seinen Diener an.
Wie als hätte ihn ein Laserstahl getroffen, zuckte Beast Man bei den Worten zusammen. „Nein, nein, nein, Herr, bitte nicht!“, flehte er, bevor er sich zu konzentrieren schien und für seine Verhältnisse relativ schnell fortfuhr: „Ich... ich soll sagen, dass er stirbt, wenn es nicht geschieht.“
„Wenn was nicht geschieht, wer stirbt dann, Beast Man?“, drängte Skeletor ihn zur Genauigkeit.
„Wenn He-Man nicht zum Kampf kommt, dann stirbt Prinz Adam.“
„Na also, geht doch“, sagte Skeletor zufrieden. „Dann begib dich jetzt unverzüglich zum Königspalast von Eternis!“
„Ja, Herr“, damit wandte sich Beast Man zum Gehen und verließ den Raum.

Evil-Lyn warf Skeletor einen zweifelnden Blick zu, dann drehte sie ihre Zauberkugel in den Händen und begann, eine Formel zu murmeln.
„Evil-Lyn, was habe ich gesagt?“, fragte Skeletor scharf nach.
„Ach komm schon, ich hab' schon so lange nicht mehr. Nur ein ganz, ganz, ganz kleiner Schmerzzauber, bitte“, bettelte die Hexe.
„Mir scheint, dir ist die Bedeutung des Wortes 'unversehrt' nicht ganz geläufig“, belehrte Skeletor sie streng, „denn das schließt selbstverständlich auch den Einsatz eines noch so kleinen Schmerzzaubers aus.“ Evil-Lyn zog eine Flunsch. „Sie sollen geistig und körperlich ganz unversehrt sein, wenn sich eines von Beast Mans Schätzchen hier gleich um sie kümmert.“
„Was?“, rief Evil-Lyn. „Du lässt eines der Viecher von diesem Biest seinen Spaß mit ihnen haben und ich darf nicht einmal einen kleinen Schmerzzauber anwenden?!“
„Das hat schon seine Gründe: Ich brauche deine magischen Fähigkeiten zur Gänze, Evil-Lyn, denn in nicht einmal einer Stunde wirst du mir bei einem Schutzzauber zur Hand gehen!“ Evil-Lyns Augen wurden groß. „Gehe ich recht in der Annahme, dass du einen solchen schon länger nicht mehr gewirkt hast?“, fragte Skeletor nach. Die Hexe nickte kurz. „Dann sieh dir die Formel noch einmal an! Ich kann mir einen zweiten Versuch nicht erlauben“, erklärte der Hexenmeister des Schattenreichs.
„Was ist mit ihnen?“, erkundigte sich Evil-Lyn und blickte zu dem Prinzen und seinem grün-gelb getigerten, übergroßen Schmusekätzchen hinüber.
„Um die kümmere ich mich dann zusammen mit Webstor“, informierte Skeletor und machte eine Kopfbewegung zu der entsprechenden Person, die gerade den Raum betrat.


Skeletors Augen leuchteten voller Genugtuung, als er eine der von Webstors Spinnen installierten Kameras nutzte, um noch näher an das Geschehen in der Zelle heranzuzoomen. Noch waren der Prinz und sein Schmusetiger relativ ruhig, aber bald, schon sehr bald würde die Panik obsiegen, und Skeletor wollte auch nicht einen einzigen Augenblick dieses Spektakels verpassen.
Der Prinz von Eternia saß immer noch auf der hölzernen Pritsche, während Cringer, der Tiger, schon begann auf und ab – und hier lachte Skeletor selbst über sein gedankliches Wortspiel – zu tigern. Es war erst wenige Minuten her, seit Skeletor ihnen die Installation von Webstor gezeigt hatte und die eine Zellenwand hatte im Bogen versinken lassen, so dass das Gitter zum Vorschein gekommen war – und mit ihm die von Beast Man eingefangene Riesenratte aus dem Teersumpf. Skeletor bewegte ein Steuerungsmodul und der Fokus der Kamera glitt vom Prinzen zum Gitter hinüber. Nanometer um Nanometer senkte es sich langsam. Prinz Adam würde noch eine gute Stunde bleiben, bis das Biest zu ihm in die Zelle kommen würde.
Die Tür vom Überwachungsraum glitt mit dem typischen Geräusch auf und Skeletor wandte seinen Blick vom Bildschirm zur Tür. Beast Man wartete gehorsam auf Skeletors Reaktion, dass er eintreten möge. Skeletor blickte seinen willigen Sklaven an und machte eine schon oft gebrauchte „Komm her!“-Geste.
Beast Man trat neben ihn. „Ich...ich habe die Botschaft überbracht, Herr.“
„Was haben König Randor und Königin Melara gesagt?“, fragte Skeletor nach.
„Herr?“ Es klang die pure Verwunderung aus Beast Mans Stimme.
„Die Eltern des Prinzen! Wie haben sie auf das Ultimatum reagiert?“
„Ich...ich weiß es nicht, Herr.“
„Wie? 'Du weißt es nicht', Beast Man? Hat das Königspaar die Nachricht, dass wir den Prinzen in Händen haben und ihn töten werden, einfach schulterzuckend zur Kenntnis genommen?“, erkundigte sich Skeletor ungläubig. Beast Man starrte Skeletor nur aus großen Augen an. „Ja, sag bloß, du hast die Botschaft nicht dem König und seiner Gemahlin überbracht?!“
„Nein, Herr...“
Skeletor stöhnte auf und fuhr sich mit seiner rechten Hand über die Kapuze über seinem blanken Totenschädel. „Haben sie dich nicht zu ihnen vorgelassen?“, hakte er ein wenig angespannt nach.
„Doch, die Wachen am Tor haben mich passieren lassen. Dann sind Man-at-Arms und Orko gekommen. Ich habe ihnen berichtet, was Ihr mir aufgetragen habt, Herr.“
Skeletor seufzte, teils aus Frustration, aber auch aus Erleichterung. Denn wenn der trottelige Zauberer vom Planeten Trollan und der Waffenmeister die Botschaft erhalten hatten, bestand die beste Chance, dass sie auch das Königspaar erreichen würde.
Beast Mans Blick ging offenbar von Skeletor zu dem Bildschirm, denn er flüsterte: „Sie...sie leidet, Herr.“ Skeletor warf Beast Man einen strengen Blick zu. Dieser fügte dennoch noch leiser hinzu: „Ihr habt mir versprochen, dass Ihr ihr kein Leid zufügen würdet.“
„Beast Man, sobald sich das Gitter gesenkt hat, wird sie nicht mehr leiden, denn dann wird die Riesenratte das erste Mal seit sehr langer Zeit wieder Nahrung zu sich nehmen können.“ Beast Man wirkte erleichtert und so fuhr Skeletor fort: „Aber eine gesättigte Ratte wäre wohl kaum ein probates Mittel gewesen, um dem Prinzen und seinem übergroßen Kater ein Ende zu bereiten.“
Beast Man schluckte. „Was ist, wenn He-Man vorher erscheint?“, hakte er nach.
So viel Intelligenz hätte Skeletor seinem Diener gar nicht zugetraut, also ließ er sich auch dazu herab, dessen Frage zu beantworten.
„Wenn He-Man erscheint, dann werde ich ihn vernichten und Prinz Adam und sein Tiger Cringer werden gefressen werden. So oder so... In weniger als einer Stunde werden sie nicht mehr auf dieser Welt weilen.“
Beast Man blickte äußerst verwirrt. „Aber Ihr sagtet doch, dass Prinz Adam nur stirbt, wenn He-Man nicht hier erscheint.“
Skeletor lachte daraufhin. Er lachte so sehr, dass er fast nicht mehr aufhören konnte zu lachen.
Schließlich beruhigte er sich doch und fragte schlicht: „Weißt du, wie man so etwas nennt, Beast Man?“ Dieser schüttelte den Kopf. „Eine Lüge.“
„Ihr habt gelogen, Herr?“, wiederholte Beast Man fassungslos.
„Ja, ich habe gelogen. Und nun mach dir keine Gedanken mehr darüber, sondern sei beruhigt, in dem Wissen, dass die Ratte in weniger als einer Stunde wieder etwas zu fressen haben und somit ihrem Leiden ein Ende bereitet werden wird.“

Nachdem Beast Man gegangen war, wandte sich Skeletor wieder dem Bildschirm zu. Was er sah, gefiel ihm.
Der Prinz umklammerte die Gitterstäbe der Seite der Zelle, die zum Gang wies und an der das Ungeheuer nicht auf ihn lauerte, und schrie aus Leibeskräften, entweder um Hilfe oder um Gnade, beides war gleichermaßen erquickend.
Skeletor wollte näher heranzoomen, um eventuell von den Lippen etwas ablesen zu können, als sich die Tür erneut öffnete. Dieses Mal jedoch wartete niemand, bis er hereingebeten wurde, ganz im Gegenteil, Tri-Klops stürmte atemlos in den Raum hinein. Skeletor musterte seinen Kundschafter, der augenscheinlich nicht in der Lage war, zu sprechen, intensiv.
„Ich nehme an, das bedeutet, dass etwas Wichtiges geschehen ist“, wandte er sich an ihn. Tri-Klops stützte sich mit den Händen auf seinen Oberschenkeln auf und versuchte, seinen Atem unter Kontrolle zu bringen. „Ist He-Man zur Absturzstelle vor der Hügelkette von Eternis gekommen?“, hakte Skeletor nach. Als sein Gegenüber immer noch in Schnappatmung verharrte und auch gestisch keinerlei Antwort gab, forderte Skeletor ungeduldig: „Jetzt antworte mir endlich, Tri-Klops!“
„Nein, nein...“, Tri-Klops japste immer noch atemlos, „...He-Man ist tot!“
Das ließ Skeletor augenblicklich innehalten, bevor er sich wieder fasste; und hätte er Augenbrauen besessen, so hätte er diese wohl in teils fragender, teils skeptischer Mimik gehoben.
Als Tri-Klops nichts weiter sagte, obsiegte das sich anbahnende Triumphgefühl trotz aller Skepsis und so platzte Skeletor heraus: „Hast du seine Leiche gefunden? Hast du sie hergebracht? Lass sie mich sehen!“
Tri-Klops hatte sich inzwischen so weit beruhigt, dass er wieder sprechen konnte. „Nein, ich...ich habe es nur gehört.“
Skeletor lehnte sich, sich selbst in Gedanken für sein Verhalten rügend, im Stuhl zurück. Auch wenn die Vorstellung sehr verlockend war, so hatte das Geschehen eben ihn eines Besseren belehrt, also übte er sich in Geduld, denn so lange er selbst He-Man nicht leblos gesehen hatte, hielt er seine Euphorie zurück.
„Ich habe dir aufgetragen, das Wrack des Wind Raiders zu bewachen. Was ist dann passiert?“, wollte Skeletor nun in nüchternem Ton wissen.
„Dann sind Man-at-Arms und Orko mit dem Road Ripper gekommen“, berichtete der Kundschafter des Bösen, jetzt wieder gänzlich Herr seines Atems. „Und dieser verdammte Trollaner hat mir mit einem seiner dämlichen Zaubersprüche die Hand verbrannt!“, rief Tri-Klops dann aufgebracht und hielt seinen rechten Arm hoch.
Skeletor erkannte die Wunde auf dem Unterarm ganz deutlich.
Verbrennungen von einem Laserstrahl.
„Er hat deine eigene Waffe gegen dich gerichtet?“, erkundigte sich Skeletor. Tri-Klops nickte und Skeletor lachte. „Du lässt dir von einem dilettantischen Wurm in Sachen Magie deine Waffe manipulieren?!“ Beschämt blickte Tri-Klops zu Boden. „Aber das ist noch nicht alles. Was noch?“, hakte Skeletor nach, nachdem er sich zur Genüge über das naive Verhalten seines Kundschafters amüsiert hatte.
„Ich habe gegen Man-at-Arms gekämpft, dann ist Zodac erschienen, der kosmische Magier.“
Als würde dies alles Weitere erklären, sah Tri-Klops von weiteren Ausführungen ab.
„Bei allen Höllen Eternias, Tri-Klops, ohne eine entsprechende Apparatur Webstors in deinem Gehirn bin ich nicht in der Lage, deine Gedanken zu lesen!“, fuhr Skeletor ihn daraufhin an.
Auch Tri-Klops zuckte bei der Erwähnung der Erfindung Webstors zusammen, wenn auch nicht ganz so sehr wie Beast Man bei der Nennung der Gedächtnisspinnen.
Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis er fortfuhr: „Zodac hat gesagt, dass He-Man tot ist, dass er nicht leben kann.“
„Und?“, fragte Skeletor ungeduldig nach.
„Wie 'und'?“, echote Tri-Klops verwirrt. Skeletor machte eine auffordernde Handbewegung. „Dann bin ich zu dir gekommen, um dir zu berichten, dass He-Man tot ist.“
Skeletor schüttelte leicht den Kopf. „Ich bin von Idioten umgeben“, murmelte er.
„Was sagtest du, Skeletor?“, erkundigte sich Tri-Klops.
„Du berichtest mir also von He-Mans Tod, weil Zodac das so gesagt hat?“, hakte Skeletor nach. Tri-Klops nickte. „Und es ist dir nicht im Mindesten in den Sinn gekommen, dass Zodac ein nur sehr zweifelhaftes Interesse daran hegen könnte, dir so etwas mitzuteilen?“
„Nein. Warum?“
„Dem letzten Ratschlag Zodacs folgend, haben wir, um Castle Grayskull zu erobern, den Magier des Bösen um Unterstützung gebeten. Und wo das geendet hat, weißt du ja aus eigener Erfahrung.“
„Du meinst, dass He-Man gar nicht tot ist?“, fragte Tri-Klops nach.
„Ich weiß nur, dass man auf die Worte des kosmischen Magiers nichts geben kann. Hast du das Ganze wenigstens mit deinem Comgerät aufgezeichnet?“
Tri-Klops schüttelte den Kopf. „Nein, Skeletor.“
„Was haben der Waffenmeister und der trottelige Trollaner getan?“, erkundigte sich Skeletor daraufhin.
„Ich weiß nicht. Ich bin ja sofort zu dir gekommen“, antwortete Tri-Klops.
Skeletor erhob sich aus seinem Stuhl und schüttelte abermals den Kopf. „Narren, allesamt!“, zischte er mehr zu sich selbst. „Wollen wir hoffen, dass das einzig weibliche Mitglied meiner Gefolgschaft immer noch mehr Grips im Kopf hat und die Zauberformel nun sicher beherrscht.“


Skeletor begab sich daraufhin in einen leeren, großen Saal, wo Evil-Lyn bereits auf ihn wartete. Sie wandte sich mit ihrer Zauberkugel in den Händen zu ihm um.
„Welche Stufe des Zaubers soll ich mit dir wirken?“, fragte sie. Er erklärte ihr die Einzelheiten. „Glaubst du wirklich, dass das notwendig ist?“, erkundigte sie sich dann.
Skeletor überlegte kurz, ob das nur eine Ausrede von Evil-Lyn war, da sie sich schlicht nicht in der Lage sah, den Zauber auf dieser Stufe zu wirken, oder ob sie seinen Plan unterschwellig in Frage stellen wollte.
Er blickte ihr in die Augen, aber sie hielt seinem Blick stand. „Der Waffenmeister und Orko haben den Wind Raider höchstwahrscheinlich zum Palast zurückgebracht und in ihm werden sie ein Stück aus dem Besitz des Prinzen finden. Du weißt, was das bedeutet.“
Evil-Lyn nickte leicht. „Dass sie einen Transportzauber wirken kann, um Prinz Adam aus dem Kerker direkt zum Palast zu befördern.“
Skeletor hielt es Evil-Lyn zu Gute, dass sie das Pronomen benutzte und nicht den Namen derjenigen aussprach, die die Macht über Eternia in ihren Händen hielt.
„Und genau deswegen müssen wir eine Barriere um die Burg Drachenstein errichten, so dass keine Magie hinein- oder hinausgelangt“, verdeutlichte Skeletor.
Evil-Lyn nickte erneut, während Skeletor nach seinem Widderstab griff. Die Hexe begann, die Formel zu murmeln und schon bildeten sich Blitze um die Kugel und zuckten kurz darauf zur Decke hinauf. Wenig später fiel Skeletor in den Vers mit ein, die Augen des Widderschädels begannen zu leuchten und das magische Licht breitete sich über den gesamten Raum aus und verschmolz mit dem von Evil-Lyn erzeugten.
Die Burg war groß und das bedeutete, dass auch das Wirken des Zaubers mehr von ihrer magischen Energie forderte, als es in Snake Mountain der Fall gewesen wäre, hätten sie den Prinzen in Skeletors Stützpunkt selbst untergebracht.
Als es fast vollbracht war, zog Skeletor sich mehr und mehr aus der Prozedur zurück, so dass der Großteil nun sprichwörtlich auf den Schultern Evil-Lyns allein ruhte, was sie sichtlich auszehrte. Als die letzte Formel gesprochen war, brach Evil-Lyn dann auch unter der Last, die die Magie, die sie die letzten Minuten quasi allein gewirkt hatte, sie gekostet hatte, zusammen. Um keinerlei Verdacht zu erregen, tat Skeletor so, als habe auch ihn das Wirken des Zaubers sehr mitgenommen. Skeletor stützte sich auf den Widderstab auf, als sei er ein gebrechlicher, alter Mann. Evil-Lyn war es inzwischen zumindest wieder gelungen, sich auf die Knie aufzurichten.
„Ich...ich...“, brachte sie mit merklich schwacher Stimme hervor, „ich muss meine Zauberkräfte wieder stärken.“
Auch Skeletor ließ seine Stimme atemlos klingen, als er ihr beipflichtete: „Das solltest du unbedingt tun, Evil-Lyn.“
Evil-Lyn warf daraufhin einen vielsagenden Blick in Richtung des Kerkers. „Wenn sie ihn nicht mit einem Zauber befreien können, dann...“, begann sie.
„...dann werden sie auf konventionelle Weise versuchen, den Prinzen zu holen“, beendete Skeletor ihren Satz und ergänzte dann: „Ich bin vorbereitet. Webstor und Tri-Klops haben die Verteidigungsanlagen der Burg bestmöglich ausgestattet. Es wird den Masters nicht einmal gelingen, die Brücke zu überqueren und an Trap Jaw vorbeizukommen.“
„Trap Jaw bewacht die Brücke?“, fragte Evil-Lyn immer noch mit zitternder Stimme. „Er ist dein Leibwächter, da sollte er ja wohl an deiner Seite sein, wenn He-Man kommt, um dich zum Duell zu fordern!“
Wenn..., dachte Skeletor bitter.
Denn er zweifelte inzwischen daran, dass He-Man erscheinen würde. Sonst war er immer gleich zur Stelle gewesen, aber selbst der herannahende Tod des Prinzen bewegte ihn jetzt offenbar nicht dazu, sich hierher zu begeben. Und der Zweifel in Skeletor fand neue Nahrung, als er an Tri-Klops' Worte dachte. War He-Man tot, so wie der kosmische Magier es gesagt hatte? Nein, nein, er durfte das Wesentliche nicht aus den Augen verlieren. Immerhin würde in weniger als einer halben Stunde zumindest Prinz Adam das Zeitliche gesegnet haben. Trauer würde sich über die Stadt Eternis senken und Trauer ließ die Wachsamkeit der Bewohner schwinden und machte somit angreifbar. Auch ohne das Erscheinen He-Mans würden seine Bemühungen nicht umsonst gewesen sein.
Da Skeletor nicht reagierte, wiederholte Evil-Lyn ihre Worte.
„Sehe ich so aus, als ob ich gerade einen Leibwächter an meiner Seite bräuchte, Evil-Lyn?“, hakte Skeletor rhetorisch nach, während er sich zu seiner vollen Größe aufrichtete und in der gewohnt autoritären Stimmlage, die keine Schwäche mehr erahnen ließ, sprach.
„Nein“, kam es immer noch hörbar geschwächt, aber dennoch skeptisch über Evil-Lyns Lippen, die sich inzwischen mit zitternden Händen an einem der Gesteine festhielt.
„Regenerier deine Kräfte“, riet Skeletor ihr unnötigerweise erneut, „und wenn du zurückkehrst, dann kannst du Prinz Adams abgenagte Knochen bewundern; und sollte Teela der zum Scheitern verurteilten Befreiungsaktion beiwohnen, so kannst du mit deiner Erzfeindin deinen Spaß in einer der Nachbarzellen haben.“
Die Augen der Hexe funkelten dämonisch bei der Aussicht darauf, bevor sie sich daran machte, den Raum zügig – oder zumindest so schnell es ihr in ihrem derzeitigen Zustand möglich war – zu verlassen und eine Quelle zur Regeneration ihrer magischen Kräfte aufzusuchen.
Ob Teela zur Burg Drachenstein kommen würde, war allerdings mehr als fraglich. Denn als Kommandantin der königlichen Garde war ihr Platz allzeit im Palast an der Seite der Königsfamilie. Andererseits konnte es auch nicht ausgeschlossen werden, dass sie es als ihre Pflicht ansah, das eingekerkerte Mitglied der königlichen Familie höchstselbst zu befreien.


Skeletor kehrte in den Überwachungsraum zurück. Was er auf dem Bildschirm, der die Aufzeichnungen aus Prinz Adams Zelle übertrug, sah, bescherte ihm augenblicklich ein Gefühlshoch.
Der schwächliche Prinz und sein ängstlicher Tiger versuchten doch wirklich und wahrhaftig, das Senken des Gitters aufzuhalten, indem sie einen Stein unter das Gitter klemmten. Es funktionierte auch – vorläufig. Aber man musste beileibe kein Experte auf dem Gebiet der Physik sein, um zu erkennen, dass der Widerstand des Steins bei Weitem nicht ausreichte, um dem Druck des sich senkenden Gitters lange standzuhalten. Skeletor zoomte die Gesichter seiner Gefangenen näher heran und genoss den Moment, als die Zuversicht aus den Mienen weggewischt und durch Todesangst ersetzt wurde, nachdem der Stein zerbrochen war und das Gitter nun unaufhaltsam weiter im Boden versank.
„Skeletor!“
Offenbar war Skeletor so in der Betrachtung seiner temporären Gäste versunken gewesen, dass er das Hereintreten von Tri-Klops, Beast Man und Webstor nicht bemerkt hatte.
„Was ist?“, wollte er wissen.
„Sie kommen“, erklärte Webstor.
„Wer genau?“
„Man-at-Arms, Orko, Man-E-Faces und Ram Man“, führte Tri-Klops aus, „ich habe sie mit meinem Radarauge hinter dem Bergrücken erspäht.“
Kein He-Man, schoss es Skeletor sofort durch den Kopf.
Der Trollaner war das geringste Problem. Der Waffenmeister und seine restliche Gefolgschaft hingegen stellten schon eher eine Gefahr dar. Von Man-E-Faces wusste man nicht, wer sich wirklich hinter der Rüstung verbarg, ein Mensch, ein Roboter oder ein Monster, und er war wie Man-at-Arms ein fähiger Ingenieur und Erfinder. Ram Mans Schädel war zwar nicht mit übermäßigem geistigen Reichtum gefüllt, doch ihm hielt kein Material Eternias stand, bestand er doch aus Stahl.
„Auf den Schirm!“, befahl Skeletor und sogleich betätigte Tri-Klops einen Schalter und neben der Übertragung aus der Zelle wurde auf einem weiteren Bildschirm der Bereich vor der Brücke, die zur Burg Drachenstein führte, angezeigt.
Ja, da kamen sie, die drei Männer zu Fuß und der Trollaner schwebte wie gewöhnlich gut einen halben Meter über dem Boden. Die Masters befanden sich jetzt genau am Brückenkopf, als sie plötzlich zur Seite hechteten, denn Trap Jaw hatte, ohne eine Warnung abzugeben, das Feuer auf sie eröffnet und beschoss sie mit den Kugeln aus seinem Maschinengewehr, mit dem er seinen rechten Arm ersetzt hatte. Dennoch dauerte es nur kurze Zeit, bis Ram Man wieder aus der Deckung hervorkam. Er erhob sich in die Lüfte; und wenn jetzt nichts geschehen würde, wäre Trap Jaw dazu verdammt, eine schmerzhafte intime Bekanntschaft mit dem Stahlschädel Ram Mans zu machen.
Skeletor nickte Beast Man zu und dieser konzentrierte sich augenblicklich. Skeletor fokussierte erneut den Bildschirm mit dem Außenbereich der Burg.
Orko, Man-at-Arms und Man-E-Faces verließen ebenfalls die Deckung und versuchten zunächst erfolgreich, weiter vorzudringen, doch dann bemerkte Skeletor das erste Tentakel, das sich aus den Sümpfen erhob, diesem folgten weitere Gliedmaßen, die unter anderem zu den Riesenratten und den übergroßen, giftigen Kröten gehörten, und ganz zum Schluss schlängelten sich auch einige der Teersumpfvipern an Land.
„Gut gemacht, Beast Man“, murmelte Skeletor.
Während sich die drei Männer mit allem, was sie hatten, gegen die Ungeheuer aus den Teersümpfen zur Wehr setzten, versuchte Orko offenbar vergeblich, einen Zauber zu wirken, und so blieb dem Trollaner nichts anderes übrig, als höher zu schweben, so dass die Bestien ihn nicht mehr erreichen konnten.
Die Zeichen stehen auf Sieg!
Skeletor warf einen Blick neben den Schirm, der die Bilder aus Prinz Adams Zelle übertrug, der dort ablaufende Countdown hatte das letzte Viertel soeben erreicht.
Weniger als 15 Minuten.
„Öffne einen Kanal!“, trug Skeletor Tri-Klops auf und dieser gehorchte umgehend.
Nachdem Skeletor die Masters über die Comverbindung hatte wissen lassen, dass sie genau in seine Falle getappt waren, somit ihrer aller Ende bevorstand, und sie zudem zur Hölle gewünscht hatte, lehnte sich Skeletor bequem im Stuhl zurück.
Doch dann passierte es: Ram Man hatte sich erneut in die Lüfte erhoben und steuerte direkt auf Trap Jaw zu, trieb ihn über die Brücke zurück, bis dieser schließlich schreiend in die Tiefe stürzte.
Nun, zumindest seinen Stahlkiefer kann er sich nicht gebrochen haben.
Aber Skeletor war dennoch erleichtert, als Beast Man ihm gestisch zu verstehen gab, dass er dafür gesorgt hatte, dass die Ungeheuer aus den Teersümpfen seinen Leibwächter aufgefangen hatten. Und jetzt konnte sich Beast Man auch wieder vollständig darauf konzentrieren, die Tiere mit Hilfe seiner mentalen Verbindung zu kontrollieren.
Skeletors Augenmerk lag inzwischen erneut auf dem Countdownzähler.
Zehn Minuten.
Er ließ den Blick wieder zum anderen Bildschirm mit dem Video aus der Zelle wandern.
Herrlich!
Die Riesenratte schob bereits gierig den Kopf über das Gitter. In einer Ecke der Zelle konnte Skeletor eine Pfütze erkennen, die vermutlich vom Cringer stammte, der sich nun zitternd auf dem Boden kauernd, die Vorderpfoten vor die Augen hielt. Prinz Adam saß verkrampft auf der Pritsche. Auch ihm schien die Stimmung auf die Blase zu schlagen, und da er wohl nicht tun wollte, was sein Schmusetier schon getan hatte, presste er die Schenkel zusammen. Skeletor wusste nicht, was ihm mehr Befriedigung bescheren würde: Wenn der Prinz von der Befreiungsaktion nichts mitbekam und in totaler Hoffnungslosigkeit, dass niemand gekommen war, um ihn zu befreien, sein Leben ließ, oder wenn er, sofern er hier drinnen in der Lage war, den Kampflärm zu hören, erneut Hoffnung schöpfte, bevor diese von der Ratte buchstäblich mit ihm selbst und seinem Kater verschlungen werden würde.
„Skeletor!“
Die alarmierte Stimme Webstors ließ ihn seinen Blick sofort zum anderen Bildschirm wenden. Und dort sah er, dass Webstor mit seiner akustischen Reaktion nicht übertrieben hatte, denn den Masters war es gelungen, die Hälfte der Brücke zu überqueren.
Skeletor warf Beast Man einen eindringlichen Blick zu.
„Um noch mehr zu kontrollieren, muss ich näher heran“, erklärte dieser und etwas Erschöpfung klang schon in seiner Stimme mit.
„Tri-Klops, Beast Man, ihr kommt mit mir!“, entschied Skeletor. „Webstor, du überwachst hier alles!“
Sieben Minuten.
Skeletor wies mit seinem rechten Zeigefinger zum Bildschirm mit der Zelle des Prinzen. „Und zeichne gefälligst den Tod des Prinzen auf, wo ich ihn schon nicht mitansehen kann!“
„In Ordnung“, bestätigte Webstor und leitete die Aufzeichnungsfrequenz der Kamera ein.

Als die Kämpfer des Bösen in Richtung des Tores gingen, kam ihnen Panthor entgegen, in einem respektvollen Abstand hinter diesem folgte Evil-Lyn.
„Ich musste ihm einen Maulkorb anhexen, damit ich ihn satteln konnte“, kommentierte sie abfällig und hielt Beast Man und Tri-Klops jeweils ein Gefäß mit einer dunklen, zähen Flüssigkeit hin.
„Was ist das?“, fragte Beast Man furchtsam, wohl von der Erinnerung an das Mal, bei dem er zuletzt, um einen von Skeletors Plänen in die Tat umzusetzen, von einer ihm unbekannten Flüssigkeit hatte trinken müssen, übermannt.
„Ein Stärkungstrank“, erklärte Evil-Lyn.
„Mir geht's prächtig“, entgegnete Tri-Klops und hob abwehrend die Hand.
„Für Trap Jaw“, präzisierte die Hexe.
Tri-Klops nahm die Phiole an sich, während Beast Man das Gefäß immer noch verängstigt anstarrte, bis schließlich auch er es in die Hand nahm – mehr aber auch nicht.
„Trink!“, befahl Skeletor, während er sich in den Sattel auf Panthors Rücken schwang.
Beast Man gehorchte. Der Trank entfaltete seine Wirkung umgehend, denn voller Elan entrollte Beast Man kurz darauf seine Elektronenpeitsche.
„Du musst dich noch ausruhen“, sagte Skeletor zu Evil-Lyn, als sie sich daran machte, ihre Zauberkugel an ihrem Kampfstab zu befestigen, während Tri-Klops sein Schwert zog.
Die Hexe wollte anscheinend den Mund zum Protest öffnen und so erklärte Skeletor: „Du bist noch zu schwach. Unterstütze Webstor!“
Ohne ein weiteres Wort, jedoch frustriert den Kopf schüttelnd, ging Evil-Lyn zum Überwachungsraum.
Zwar war Webstor sehr viel intelligenter als der Rest von Skeletors Gefolgschaft, doch Evil-Lyn war die Intelligenteste von allen, nicht nur deshalb hatte er sie vor ihrem Verrat zu seiner Stellvertreterin ernannt; und Skeletor wollte absolut sicher gehen, dass er die Bilder mit dem Tod des Prinzen zu sehen bekam.
Skeletor warf einen entschlossenen Blick auf Tri-Klops an seiner rechten und Beast Man an seiner linken Seite. „Lasst es uns zu Ende bringen!“, rief er, zog seine zwei Schwerter aus den Halterungen an Panthors Sattel und trabte auf dessen Rücken voran zum Ausgang der Burg, während hinter ihm die Kampfschreie der beiden anderen ertönten.
Bevor sie jedoch nach draußen traten, kam ihnen Trap Jaw entgegen. Tri-Klops hielt ihm die Phiole mit dem Stärkungstrank hin, die Trap Jaw ebenfalls leerte, bevor er seinen rechten Arm, den er immer noch in ein Maschinengewehr verwandelt hatte, mit neuer Munition bestückte.

Als sie beinahe das Tor passiert hatten, erklang ein Signal. Skeletor grinste in sich hinein, Evil-Lyn war schon immer eine Meisterin der psychologischen Kriegsführung gewesen; und wie durch diesen akustischen Reiz bestärkt, stürzten sie sich mit allem, was sie hatten, ins Kampfgeschehen. Offenbar versuchten die Masters dennoch, ihren Angriff weiter fortzusetzen. Beast Man schwang seine Peitsche und umschlang damit den einen Fuß Ram Mans, so dass er ihn zu Boden zog, wo sich Tri-Klops auf ihn stürzen sollte, aber Ram Man gelang es wie durch ein Wunder, seinen Fuß aus der Schlinge der Peitsche zu befreien.
Skeletor konnte ein hämisches Lachen nicht unterdrücken, als er sah, wer ihm selbst als Kontrahent gegenüberstand. Es war Orko, der mit zitternder Stimme einen Zauberspruch vor sich hin piepste.
„Oh Orko aus dem Zauberland reiche mir deine helfende Hand, Skeletor und seine Monster, sie soll...“
Weiter kam der Trollaner nicht, denn Panthor bekam ihn mit seinen Reißzähnen an seinem roten Mäntelchen zu fassen und zog ihn abwärts. Ob der Zauber andernfalls, wenn er denn beendet worden wäre, von Erfolg gekrönt gewesen wäre, war außerdem sehr fraglich, schließlich war Orko nicht das, was man einen erfolgreichen Magier nennen konnte. Der Trollaner wehrte sich nach Leibeskräften gegen Panthor, dennoch zog dieser ihn immer weiter zu Boden. Doch dann riss der Stoff des Mäntelchens und Orko schwebte unter dem protestierenden Brüllen Panthors zu Man-at-Arms und Man-E-Faces zurück.
„Beast Man“, rief Skeletor, als er bemerkte, dass die Masters offenbar versuchten, sich zum Rückzug bereit zu machen, „schneide ihnen den Fluchtweg ab!“
Beast Man reagierte sofort und eine weitere Welle von Ungeheuern erhob sich aus dem Teersumpf und bezog hinter Man-at-Arms, Man-E-Faces, Ram Man und Orko auf der Brücke Stellung, so dass es kein Entkommen mehr gab.
Hier würde es nun enden, und auch ohne den Tod He-Mans wäre die Verteidigung von Eternis mit dem Tod aller hier anwesenden Kämpfer schon einmal erheblich geschwächt. Hinzu käme noch die Trauer um die Gefallenen und die Geisel, speziell für Teela würde der Tod eines Mitgliedes der königlichen Familie nur schwer zu verwinden sein, und so dürfte sie ihre Aufgabe als Kommandantin der königlichen Wachen in naher Zukunft auch nicht mit der gebotenen Sorgfalt ausführen können. Es wäre somit dann ein Leichtes, den Planeten endlich zu erobern.
Während er so in seinen Zukunftsplänen versunken war, bemerkte Skeletor, dass Ram Man auf die Burg Drachenstein zuflog, er hielt etwas in der Hand, aber aufgrund seiner zunehmend schnelleren Geschwindigkeit konnte Skeletor nicht ausmachen, um was es sich handelte. Dieser Narr, dachte er wirklich, er könne die Mauern der Burg dadurch zum Einsturz bringen? Wie dem auch war, seine Abwesenheit verschaffte Skeletor und seinen Schergen jetzt ein Kräfteverhältnis von zwei zu eins, zählte man den trotteligen Zauberer vom Planeten Trollan nicht mit, und das tat Skeletor natürlich nicht.

~ ~ ~ ~ ~


„Was war das?“
Webstor sah Evil-Lyn an. „Was ist? Ich habe nichts gehört“, entgegnete er und wandte seinen Blick wieder zum Bildschirm mit der Kerkerzelle.
In wenigen Sekunden würde das Spektakel beginnen, und die leuchtende Lampe am Rekorder zeigte an, dass es für alle Zeiten festgehalten werden würde.
Ein Donnern ließ Webstor zusammenzucken.
„Da ist wer in der Burg“, sagte Evil-Lyn überzeugt und ging in Richtung Tür.
„Möglicherweise hat Panthor ja doch ein wenig Angst vor den Riesenratten bekommen“, witzelte Webstor.
„Jetzt komm!“, Evil-Lyn machte eine auffordernde Handbewegung, „die Aufzeichnung brauchst du nicht zu überwachen. Denn wenn ich Skeletor später erzähle, dass wir versagt haben und sich jemand hier eingeschlichen hat, weil du dich nicht von dem Bildschirm trennen konntest, dann mögen dir alle bösen Geister Eternias gnädig sein.“
Webstor warf einen letzten Blick auf das Schaltpult und begab sich dann mit Evil-Lyn in den Gang hinaus. Es war ruhig, beinahe totenstill.
„Vielleicht hast du dir das nur eingebildet“, kommentierte Webstor, obwohl er es doch auch gehört hatte.
Die beiden wollten gerade in den Überwachungsraum zurückkehren, da geschah es: Da war wieder dieses Geräusch, ein Heulen und Zischen.
„Ram Man“, sagte Evil-Lyn verwirrt.
Und plötzlich donnerte der Verbündete He-Mans auch schon an ihnen vorbei, ohne dass sie ihn hätten aufhalten können.
„Das ergibt doch keinen Sinn“, tat Webstor seine Meinung kund, „warum sollte er zuerst hier hinein und dann wieder hinaus fliegen?“
Evil-Lyn gefror in ihrer Bewegung. „Eine Bombe...“, wisperte sie, nur um dann lauter und energischer hinzuzufügen: „Los! Wir müssen sie entschärfen.“
Gehorsam bestätigte Webstor mit einem Tippen auf den Beutel an seinem Gürtel, dass er alle benötigten Instrumente bei sich trug, als Evil-Lyn ihm einen fragenden Blick zuwarf.
„Warum sollte Ram Man hier eine Bombe platzieren?“, fragte er weiter, während sie in Richtung des Kerkers gingen.
„Wahrscheinlich sollte er Prinz Adam befreien und die Bombe dann als Ablenkungsmanöver zünden. Da der Prinz von Eternia nicht mehr ist, hat er es eben so getan.“

Sie waren beim Eingang zu den Kerkerzellen angelangt, als Webstor plötzlich innehielt. Er spürte die Vibration ganz deutlich. Etwas kam auf sie zu, und es war keine Bombe. Er sah sie, bevor er Evil-Lyns erstauntes „Bei allen Höllen Eternias, He-Man!“ hörte. He-Man ritt wie im Rausch auf dem Rücken seines Kampftigers Battle Cat auf sie zu.
Webstors erster Instinkt war es, zur Seite zu springen, aber Evil-Lyn umklammerte entschlossen ihren Kampfstab. Offenbar sah sie hier die sich ihr bietende, einmalige Gelegenheit, um das Vertrauen Skeletors zurückzugewinnen und wieder ihren Platz als Zweite in der Kommandokette einzunehmen. Er konnte sie wohl schlecht im Stich lassen, wollte er den Zorn Skeletors nicht auf sich ziehen.
Also kontrollierte er mit einem schnellen Blick, ob der Kanister auf seinem Rücken noch mit genügend Fädenflüssigkeit gefüllt war. Doch da war es auch schon zu spät, denn Webstor zielte zu schnell und nicht genau genug, so dass He-Man den auf ihn zuschießenden Spinnenfaden mit Hilfe seines Zauberschwertes abblockte und auf ihn selbst zurückwarf. Webstor wurde somit von der Gewalt seines eigenen Geschosses zu Boden geschleudert. He-Man hob kurz darauf erneut sein Schwert. Dieses Mal wehrte er einen von Evil-Lyns Zauberblitzen ab, da sie augenscheinlich länger als sonst gebraucht hatte, um ihre Magie zu aktivieren. Evil-Lyn konnte, vom Schwert He-Mans in Schach gehalten, offenbar nur zusehen, wie Battle Cat ihr mit dem Maul den Stab entwand, sie dann mit seinen enormen Pranken zu Boden riss, um sie schließlich unter seinem Gewicht zu begraben.
„Gib auf, Evil-Lyn!“, verlangte He-Man mit donnernder Stimme vom Rücken seines Tieres; und wie um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, stimmte Battle Cat ein ohrenbetäubendes Gebrüll, das dem von Panthor in nichts nachstand, an. Webstor konnte hören, wie Evil-Lyn ein leises „Nein, niemals!“ hervorstieß. Aber sie war nicht töricht und auch wenn sie die Worte He-Mans wohl kaum zur Einsicht verleiteten, so taten es die Reißzähne des Tigers, die sich keine fünf Zentimeter von ihrer Kehle entfernt befanden, offensichtlich schon.
Und so wandte sich Battle Cat, nachdem Evil-Lyn ihren Widerstand aufgegeben hatte, auch schon von ihr ab und blickte angriffslustig in Richtung von Webstor. Eines war Webstor klar: Er allein würde gegen den besten Kämpfer Eternias, der zudem von seinem Kampftiger unterstützt wurde, nicht die geringste Chance haben, und so tat er das einzig Richtige: Er trat die Flucht an, die Flucht nach oben, um genau zu sein, und zog sich an einem seiner Spinnenfäden in die oberen Regionen des Gemäuers zurück. Zumindest so lange, bis er sich sicher sein konnte, dass von He-Man und Battle Cat keinerlei Gefahr mehr ausging, was nicht lange dauerte, denn He-Man galoppierte auf dem Kampftiger geradewegs in Richtung des Ausganges.
Also seilte sich Webstor wieder ab und hielt der immer noch am Boden liegenden Evil-Lyn ganz gentlemanlike die Hand entgegen, um ihr aufzuhelfen.
„Lass das!“, zischte sie und schlug seine Hand weg. Als sie sich unter großer Mühe aufrichtete, fuhr sie ihn an: „Wenn du nicht so ein elender Feigling gewesen wärst, Webstor, hätte ich He-Man besiegen können!“
„Das glaubst du doch selbst nicht“, entgegnete Webstor und hielt ihr trotz ihrer harschen Worte den Kampfstab, aus dessen Halterung sich die Zauberkugel gelöst hatte, hin, „auch wir beide gemeinsam hätten ihn nicht besiegen können.“
Immer noch sichtlich über ihren Fehlschlag verärgert, hob Evil-Lyn ihre Zauberkugel vom Boden auf. „Los, zurück zum Überwachungsraum!“, damit stapfte Evil-Lyn missmutig in Richtung desselbigen. Webstor folgte ihr in einigem Abstand.

Sehr weit kamen sie allerdings nicht, denn plötzlich blieb Evil-Lyn stehen.
„Was ist?“, wiederholte Webstor die Worte, die er schon im Überwachungsraum an Evil-Lyn gerichtet hatte.
Sie reagierte nicht, aber eine Antwort bekam Webstor dennoch, denn keine zwei Sekunden später fiel ein kleinerer Stein des Gemäuers auf seinen rechten Stiefel, und dann noch einer und noch einer.
„Die Burg stürzt ein!“, rief Evil-Lyn panisch und da schlug auch schon der erste große Felsbrocken neben ihnen auf dem Boden auf.
„Komm her!“, schrie Webstor. „In deinem geschwächten Zustand kannst du dich nicht ausreichend schützen!“, schob er eindringlich hinterher, als sie keinerlei Anstalten machte, seiner Aufforderung Folge zu leisten.
Offenbar sah Evil-Lyn ein, dass er Recht hatte, und so kam sie zu Webstor hinüber und presste sich widerwillig an ihn, während er seinen Kanister mit der Spinnenfädenflüssigkeit nachfüllte. Er konnte nur hoffen, dass es ihm gelingen würde, einen ausreichend stabilen Kokon um sie beide zu spinnen, bevor die herabstürzenden Mauern der Burg Evil-Lyn und ihn endgültig unter sich begraben würden.

~ ~ ~ ~ ~


Obwohl sich Skeletor gerade in einem Gefecht mit Ram Man befand, der aus unerfindlichen Gründen wieder aus der Burg Drachenstein herausgekommen war, obgleich diese immer noch stand – natürlich tat sie das –, drehte sich Panthor plötzlich um 180 Grad um die eigene Achse und setzte zu einem Sprung an. Bevor Skeletor sein Reittier zügeln konnte, hörte er ein Gebrüll, das es mit dem von Panthor aufnehmen konnte, und das wiederum konnte nur einer sein. Skeletor hob seine Schwerter in einer Abwehrgeste, und das tat er keine Sekunde zu früh, denn schon kollidierten diese mit dem Zauberschwert He-Mans.
Nach einigen erbitterten Schlagabtauschen, die ihm mehr und mehr zusetzten, so dass er seine Untergebenen zu vollstem Einsatz anspornte, denn eine nur zu bekannte Stimme in seinem Hinterkopf flüsterte Skeletor unablässig zu, wie das hier ausgehen würde, machte er sich erneut zum Angriff auf He-Man und seinen Kampftiger bereit.
Du wirst verlieren, wisperte eine hämische Stimme in seinem Kopf erneut.
Aber nein, dieses Mal nicht!
Somit zog er den Laserstrahler unter seiner Rüstung hervor und schoss damit auf He-Man. Doch der Kampftiger wich den Schüssen geschickt aus; und auch als Skeletor auf Automatik schaltete, und so mehrere Schüsse in einer schnellen Abfolge abgeben konnte, blockte He-Man jeden einzelnen von ihnen mit seinem Zauberschwert ab. Also wandte sich Skeletor anderen Gegnern zu. Mindestens einer dieser verdammten Masters würde das hier nicht überleben, dafür würde er schon Sorge tragen; und so feuerte Skeletor auf den erstbesten Kämpfer, der ihm vor den Strahler kam, und das war Man-E-Faces, der gerade sein Robotergesicht trug. Er wich zunächst geschickt aus, doch dann, als Skeletor eine Salve, die ihn mit Sicherheit töten würde, abgab, hob er eine Apparatur auf. Und diese Apparatur sorgte dafür, dass die Laserstrahlen reflektiert wurden und so trafen sie mitten in das Herz von Burg Drachenstein. Da Skeletor die Waffe auf Automatikmodus gestellt hatte, konnte er die Schüsse nicht schnell genug stoppen, und immer mehr Laserstrahlen wurden auf die Burg zurückgespiegelt. So dauerte es nicht lange, bis kritische Stützpfeiler des Bauwerks zerstört worden waren. Die Burg Drachenstein stürzte ein.
„Rückzug!“, schrie Skeletor und so folgten ihm seine Gefolgsmänner in einer unkoordinierten Flucht, während ihnen auf ihrem Wege Teile der einst so mächtigen Festung entgegenkamen.


Es verging keine halbe Stunde, bis Tri-Klops alle verbliebenen Gefolgsleute zum Stützpunkt Snake Mountain zurückgebracht hatte. Skeletor verließ ohne Anweisungen an seine Männer den Hangar und verbot selbst Panthor, ihn in seine Gemächer zu begleiten.
Wie hatte das nur passieren können? Er hatte sich doch alles genauestens überlegt und geplant. Die kleine Stimme, die ihm unablässig zuflüsterte, dass er im Grunde doch schon geahnt hatte, wie es enden würde, versuchte er zu ignorieren, aber das gelang ihm nicht ganz. Voller Wut schoss Skeletor einen Strahl aus seinem Widderstab ab, was zur Folge hatte, dass kleine Gesteinsbrocken vor ihm auf den Boden rieselten.
Er erstarrte.
Genauso musste es auch Webstor und Evil-Lyn ergangen sein, bevor die Trümmer von Burg Drachenstein sie erschlagen und ihre Leichen unter sich begraben hatten. Und genau das machte es schlimmer als die anderen Niederlagen gegen die Masters zuvor. Zwar hatte Skeletor bisher immer verloren, aber nie hatte es Verluste in seiner Gefolgschaft zu beklagen gegeben.
Und du trägst die Schuld daran, sprach die gehässige Stimme in seinem Kopf und legte so den Finger in die eh schon schmerzhaft pochende Wunde.
Nein, der verdammte Laserspiegel der Masters trägt die Schuld daran, Man-E-Faces hätte jetzt tot sein sollen, nicht Webstor und Evil-Lyn.
Ausgerechnet Webstor und Evil-Lyn, die mit Abstand klügsten Köpfe seiner Truppe – ihn selbst natürlich einmal ausgenommen. Und das war ja noch nicht alles: Mit Webstor hatte er einen seiner fähigsten Wissenschaftler verloren und mit Evil-Lyn seine Stellvertreterin, seine ehemalige Stellvertreterin. Eine kleine Stimme in seinem Kopf, die verdächtig nach seinem Bruder, König Randor, klang, flüsterte ihm auch noch etwas anderes zu, das er ebenfalls mit Evil-Lyn verloren hatte. Und vielleicht war es dadurch, dass sich die Trauer seiner bemächtigte; und in diese Trauer um den Verlust mischte sich die Hilflosigkeit, die Verzweiflung und letzten Endes der Zorn.
Am liebsten würde Skeletor jetzt Hordak in der Fright Zone kontaktieren und ihm mitteilen, dass sein Rat in einer Katastrophe geendet hatte. Aber andererseits würde Hordak ihn sofort durchschauen, wenn er nicht rational, sondern emotional handelte, und das könnte er einfach nicht ertragen. Denn da es Hordak immer noch wurmte, dass Skeletor sein eigener Herr war, und er selbst sich zumindest einer Person, nämlich Horde Prime, unterzuordnen hatte, so würde Hordak die erkannte Schwäche Skeletors gnadenlos ausnutzen, um seine vermeintliche Überlegenheit diesbezüglich gegenüber seinem ehemaligen Schüler zu demonstrieren, und das musste Skeletor jetzt wirklich nicht über sich ergehen lassen.
Die Nacht verbrachte der Herr des Bösen nicht schlafend, nein, er verbrachte sie damit, einen Racheplan, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen würde, zu schmieden. Irgendwann übermannte ihn doch noch die Erschöpfung und er glitt in einen zunächst traumlosen Schlaf.
„Skeletor...“, kam es verführerisch von einer nur allzu bekannten Stimme an sein Ohr und er spürte ihre Hand auf seiner Brust.
„Skeletor!“
Der Klang der Stimme wurde zu einem Stöhnen, welches wider Erwarten nicht von Lust, sondern von Angst und Verzweiflung geprägt war.
„SKELETOR!“
Aus diesem einen Wort hörte er die schiere Pein heraus und schreckte als Reaktion darauf aus dem Schlaf hoch.

~ ~ ~ ~ ~


Webstor kam wieder zu Bewusstsein. Wie lange er so verharrt hatte, konnte er nicht sagen, an ihn gepresst lag immer noch Evil-Lyn, die ebenfalls bewusstlos war. Webstor kontrollierte zunächst seine Ausrüstung, das Ergebnis war ernüchternd. Vorsichtig schnitt Webstor den Kokon auf und hustete, da er augenblicklich Staub einatmete. Umsichtig streckte er eine Hand durch den Schlitz und tastete die äußeren Gegebenheiten ab. Über ihnen befand sich ein Gesteinsbrocken, den er alleine nicht würde anheben können. Webstor zog seine Hand zurück und tätschelte nicht gerade sanft Evil-Lyns Wange.
„He, he, wach auf!“
Als diese immer noch nicht reagierte, fand sich Webstor schon damit ab, dass er sie eventuell sogar beatmen müsse, doch in genau diesem einen Augenblick öffnete Evil-Lyn ihre Augen; und ihrem Blick nach zu urteilen, erinnerte sie sich noch genauso gut daran, was geschehen war, wie Webstor selbst es tat. Er erklärte ihr die Situation.
„Ich werde dich mit meiner Magie unterstützen“, murmelte sie. Als Webstor sie daraufhin zweifelnd musterte, fügte sie etwas energischer hinzu: „Meine physischen Kräfte werden dir noch viel weniger eine Hilfe sein.“
Und so begann sie auch sofort, die Zauberformel zu sprechen, nachdem Webstor den Kokon weiter geöffnet hatte und sich mit aller ihm zur Verfügung stehenden Kraft gegen den Felsbrocken, der die kleine Kammer, in der sie sich befanden, nach oben hin verschlossen hatte, stemmte. Fast glaubte Webstor schon, dass sein Versuch, den Gesteinsbrocken zu bewegen, zum Scheitern verurteilt war, doch dann gelang es ihm doch noch, ihn wegzuschieben und Webstor erblickte den nachtblauen Himmel.
„Endlich, wir haben es geschafft“, sagte er erleichtert und drehte sich wieder zu Evil-Lyn um, als diese nichts darauf entgegnete.
Der Grund hierfür war simpel: Sie hatte erneut das Bewusstsein verloren. Also würde Webstor Evil-Lyn wohl oder übel tragen müssen, und da war es doch einfacher, wenn er sie handlich verschnürte. Deshalb spann Webstor eine leichte Hülle um ihren Körper und den Kampfstab und schwang sie sich anschließend über die Schulter, bevor er die immer noch rauchenden Trümmer, die vor kurzem noch die Burg Drachenstein gewesen waren, erklomm. Es war keine Seele zu sehen, als er dem Trümmerhaufen entstieg. Webstor warf einen Blick auf seinen Kompass, dem einzigen Gerät, das noch funktionierte. Mit Evil-Lyn als unfreiwilligem Gepäckstück würde er – auch wenn er seine Spinnenkräfte einsetzte – wohl mehrere Tage brauchen, um Snake Mountain zu erreichen.


Nach drei Stunden Marsch, die ihn an den Rand der Erschöpfung brachten, kletterte Webstor auf einen hohen Baum, denn er verspürte nicht die geringste Lust darauf, als Nachtmahl für eine der Bestien aus den Teersümpfen oder den immergrünenden Wäldern zu enden.
Ein heller Aufschrei weckte ihn wenig später aus seinem Sekundenschlaf. „Bei allen Höllen Eternias, Webstor, verdammt, lass mich 'raus!“
Webstor blinzelte verschlafen, bevor er sich unter dem Gekeife von Evil-Lyn daran machte, sie aus ihrer Transporthülse zu befreien.
„Ohne das“, er deutete auf den Kokon, der immer noch neben ihr ruhte, „wäre ich noch sehr viel langsamer vorangekommen.“
„Wir müssen Skeletor verständigen!“, erklärte Evil-Lyn trotz ihres schwächlichen Zustandes voller Tatendrang.
„Viel Erfolg!“, wünschte Webstor mit einem ironischen Ton in der Stimme, „meine Technik hat jedenfalls ihren Geist komplett aufgegeben.“
Evil-Lyn kontrollierte die ihrige und hob den Blick zu Webstor. Ihre Augen schienen zu sagen: „Meine auch.“
Evil-Lyn überlegte angestrengt. „Aber sie werden uns suchen, ganz bestimmt sogar.“
„Meinst du, ja?“, erkundigte sich Webstor zweifelnd. „Du weißt doch, was Skeletor bei Hordak über Ressourcenmanagement gelernt hat.“
„Ich werde Skeletor morgen mit Hilfe meiner Zauberkräfte kontaktieren“, erklärte Evil-Lyn erschöpft.
Da ich es heute nicht mehr schaffe, weil ich zu entkräftet bin, fügte sie nicht hinzu, aber das war auch nicht notwendig.
Am nächsten Morgen verlor Evil-Lyn nach dem Wirken des Kontaktzaubers abermals das Bewusstsein, so sehr hatte sogar dieser kleine Zauber sie ausgezehrt, aber wenigstens hatte es funktioniert. Und so dauerte es nicht einmal eine halbe Stunde, bis Tri-Klops auf dem Roton erschien, um sie nach Hause zu bringen.


In Snake Mountain war Webstor überrascht, dass auch Skeletor höchstselbst sie empfing.
„Es ist gut, dich zurückzuhaben“, sagte Skeletor und legte Webstor seine klauenartige Hand auf die Schulter.
Tri-Klops lachte. „Tja, so schnell wird man die Spinne halt nicht los.“ Er klopfte Webstor dabei kameradschaftlich auf den Rücken.
Als Webstor wenig später die innige Umarmung von Trap Jaw löste, war er erstaunt, welche Worte Skeletor an Evil-Lyn richtete.
„Ich danke allen bösen Kräften des Universums dafür, dass du größtenteils unversehrt zurückgekehrt bist, liebste Evil-Lyn.“
Und im Gegensatz zu sonst schwang jetzt nicht ein einziger Hauch Spott oder ein leichtes Amüsement in seiner Stimme mit, so wie es für gewöhnlich der Fall war, wenn er diesen Spitznamen für sie gebrauchte. Ja, Webstor glaubte sogar, in seiner Stimmlage eine Art Zuneigung erkennen zu können.
Aber nein, das konnte schlicht nicht sein, da gingen sicherlich die Roboterpferde mit ihm durch. Obwohl... immerhin hatte die Gerüchteküche hier nicht nur in letzter Zeit ordentlich gebrodelt. Es liefen sogar Wetten unter den Kämpfern des Bösen, warum Evil-Lyn die Stellvertreterin Skeletors geworden und dann des Amtes wieder enthoben worden war. Die einen behaupteten steif und fest, dass sie diesen Posten nur ihrem weiblichen Körper zu verdanken hatte, und die Enthebung der Tatsache, dass sie diesen nicht mehr den Wünschen Skeletors entsprechend einzusetzen wusste. Die anderen – zu denen auch Webstor selbst zählte – waren davon überzeugt, dass es Evil-Lyns Fähigkeiten in Magie, Strategie und Kriegskunst waren, die ihr die Stellung eingebracht hatten, ebenso wie ihre Fehler in diesen Bereichen dazu beigetragen hatten, sie wieder zu verlieren. So wie Skeletor jetzt seinen Arm um Evil-Lyns Schultern legte, war Webstor mehr und mehr davon überzeugt, dass die Wahrheit irgendwo zwischen diesen beiden Theorien lag.
„Nun, meine Liebe“, wandte sich Skeletor an seine vermutlich erneut zukünftige Stellvertreterin und seine Stimme klang dabei wieder vollkommen ernst und dennoch irgendwie weich, „wie war das mit diesem Plan, den du bezüglich einer erfolgreichen Eroberung dieses Planeten ausgeklügelt hast, nachdem du unsere vorletzte Niederlage so genau analysiert hast?“

~ ~ ~ ~ ~


Zodac, der kosmische Magier, näherte sich den kläglichen Resten Gesteins, die bis vor kurzem noch Bestandteile der Festung Skeletors gewesen waren. Die Ungeheuer aus den Teersümpfen hatten sich wieder in ihr finsteres Nass verzogen, aber auch ansonsten hätte er sie nicht zu fürchten brauchen. Die Rauchschwaden hatten sich gelichtet.
Auf dem Weg hierher hatte Zodac Webstor, der die in einen Kokon eingesponnene Evil-Lyn über seiner Schulter getragen hatte, gesehen. Zodac hatte ihn gescant, aber nicht das gefunden, wonach er gesucht hatte, und das hatte ihn zuversichtlich gestimmt.
An den Trümmern angekommen, verschaffte sich Zodac einen Überblick über die geografischen Gegebenheiten, bevor er gezielt in die Gesteinsbrocken hineinstieg. Genau hier musste sich bis vor kurzem noch der Überwachungsraum befunden haben. Zodac begann, in den Trümmern zu wühlen, und schaffte mit seinen Händen Stein um Stein aus dem Weg, bis schließlich die technische Ausstattung zum Vorschein kam.
Er suchte weiter. Es war nicht einfach, aber letzten Endes fand er den Rekorder. Er funktionierte immer noch und so schloss er ihn an einen kleinen mitgebrachten Bildschirm an, spulte die Videoaufzeichnung bis zu einer ganz bestimmten Stelle vor und spielte sie dann ab.
Es war fast so weit, jeden Augenblick konnte die Ratte zu Prinz Adam in die Zelle kommen. Doch dann kam Ram Man angelaufen, in der Hand eine Zodac nur allzu bekannte Waffe, und befreite den Prinzen und seinen Haustiger Cringer. Kurz darauf, Ram Man hatte das Zauberschwert inzwischen dem ganz klar in der Kampfkunst unerfahrenen Prinzen überreicht, verschwand Ram Man wieder. Tier und Herrchen wechselten einige belanglose Worte, wie Zodac anhand der Lippenbewegungen erkennen konnte, und dann hob Prinz Adam das Zauberschwert und sprach die Zodac schon geläufigen Worte.
„Bei der Macht von Grayskull ich habe die Zauberkraft!“
Das Schwert begann daraufhin zu leuchten und ein weißes Licht hüllte die Gestalt Prinz Adams ein, und dann verwandelte sich der schwächliche Prinz in He-Man, den heroischen Verteidiger des Planeten Eternia. Der blonde Hüne richtete das Schwert sogleich auf Cringer und dieser wurde ebenso in weißes Licht getaucht und transformierte sich vom ängstlichen Schmusekater in den furchtlosen Kampftiger Battle Cat. Der Tiger brüllte und ließ He-Man aufsitzen, dann verschwanden beide auch schon aus dem Bild der Kamera.
Für die Geschehnisse und den Lauf der Planeten des Universums war es zunächst besser, wenn Skeletor diese Aufzeichnung nicht in die Hände fiel; und so zerstörte Zodac sie mit seiner Laserpistole und trat anschließend nochmals mit seinen kosmischen Stiefeln darauf, um ganz sicher zu gehen, dass der Inhalt des Bandes wirklich vernichtet worden war.
Dann verließ er den Ort des Geschehens. Wenn Skeletor doch wüsste, wie nah er dem Sieg und somit der Herrschaft über Eternia gekommen war. Vielleicht würde Zodac es ihn eines Tages wissen lassen. Beim Gedanken daran kräuselten sich Zodacs Lippen zum Anflug eines Lächelns, während ihn die dunklen Baumwipfel der immergrünenden Wälder verschluckten.
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