Was vorher war...

von Florinde
GeschichteFamilie, Freundschaft / P12
Albus Dumbledore OC (Own Character)
12.01.2019
24.10.2020
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24.10.2020 2.016
 
„Ich habe von der Sache mit deiner Nichte gehört“, sagte Harvey Ridgebit. „Ist es dir peinlich?“
Martius schaute seinen ehemaligen Kollegen für das Fach Pflege magischer Geschöpfe nicht an, sondern beobachtete Robert „Bob“ Ollerton, der für Dorian Modellbesen fliegen lies. „Nein“, antwortete er Harvey barsch.
Der verschränkte die Ellenbogen und hob sein fliehendes Kinn. „Ich habe dir das Drachenblut-Gesetz verziehen. Verzeih du mir doch diese lästige Sache.“
Martius verdrehte die Augen und ging zu Dorian, strich ihm über das frisch gewaschene Haar. „Ist William dann endlich so weit?“, fragte er Bob Ollerton.
„Ich frag ihn“, antwortete Bob und ging in ein Nebenzimmer. Die Besen fielen zu Boden. Enttäuscht sammelte Dorian die Besen auf und legte sie auf eine Werkbank. „Vater … wird es wehtun, wenn sie den Fluch von mir nehmen?“
„Nein“, antwortete Martius liebevoll, obwohl er es nicht wusste.
Bob kam zurück. „Bill hat alles aufgebaut. Ihr könnt jetzt kommen.“
Martius nahm die Hand seines Sohnes. Sie war nass vor Schweiß. Angstschweiß? Martius drückte die Hand und lächelte ihn ermutigend an. Dorian schluckte und hob dann sein Kinn. Sein weißes Gesicht drückte tapfere Entschlossenheit aus. Die Grübchen, die er von Diana geerbt hatte, schauten aus wie in Marmor gemeißelt. Sie betraten die hintere Werkstatt.
Bill hatte einige Hieroglyphen in den Boden geritzt. „Es soll doch alles gut gehen, oder?“, bemerkte er genervt, als er Martius' kritischen Blick sah. „Dorian, stell dich in den Kreis. In die Mitte. So ist richtig.“
Der Siebenjährige zitterte am ganzen Körper, sah Martius nun. Er stellte sich hinter seinen Sohn und legte eine Hand auf seine Schulter. „Ich-Ich- Ich sollte hier viel-l-l vielleicht allein stehen, Paps. Sonst geht noch was-as schief.“ Er schniefte, umklammerte aber etwas mit seiner Hand: Das Modell des Silberpfeils, das Bob ihm vor vier Jahren geschenkt hatte.
Martius trat zurück. Er verschränkte die Arme und beobachtete Bill Ollerton. Er umkeiste Dorian wie eine Löwin eine verwundete Gazelle. Martius fiel auf, dass Bill mit seinen Füßen bestimmten Schlieren auf dem Boden folgte und die Fußspitzen berührten die Hieroglyphen. „Recedo Malefactum. Finite Incantatem. Recedo Malefactum. Filum a te non exsecro. Umbrae non complebit. Recedo Malefactum. Te non exsecro. Finite Incantatem. Umbrae non compelebit Recedo Malefactum Doriani.“
Seit den ersten Worten war ein weißer Nebel aus dem Zauberstab hervorgekrochen. Der Nebel legte sich nun eng an Dorian. Sehr eng. Eng wie eine zweite Haut. Dorians Atmung wurde hektisch, dann schnappend. Dann drang der Nebel in ihn ein, durch die Poren. Dorian krümmte sich, aber er schien Luft zu kriegen. „Es- … in mir! Ich-“ Er begann zu würgen. Gleichzeitig zischte etwas in seinem Inneren auf eine zornige Art. Er beugte sich vor, als müsste er spucken. Sein Mund öffnete sich. Mit großer Geschwindigkeit flog etwas Weißes aus ihm heraus, in die Decke. Dorian torkelte rückwarts. Martius fing ihn auf. „Ist der Fluch weg?“, flüsterte er erschöpft.
„Ja“, antwortete Martius.

Martius saß in seinem Büro im Ministerium, vor dem Schreibtisch, auf einem neuen, sehr bequemen Stuhl. In seiner Nähe, aus dem Fenster ins Atrium hinabblickend, stand Gulliver. „Ich hatte gehofft, Helen hätte es dir gesagt.“
Martius schüttelte den Kopf. „Hat sie nicht, Gulliver. Aber ich bin mir sicher, dass du dir keine Sorgen machen musst...“
„Ich weiß, dass sie gut ist! Ich weiß, dass ihr nichts passieren wird. Außerdem ist Paris ja bei ihr. Aber unsere Mutter macht sich Gedanken. Und Vater- Er ist fuchsteufelswild. Sie hat sich wirklich nicht bei dir gemeldet?“
„Wirklich nicht. Und ich vertehe sie. Ich bin sogar froh, dass sie weggelaufen ist.“
„Ich weiß. Und ein Teil von mir stimmt dir zu, Onkel. Vater steckt im letzten Jahrhundert fest und es ist nicht in Ordnung, dass er sie mit irgenwem verheiraten wollte. Aber sie hätte doch nicht weglaufen müssen.“
„Was hatte sie denn für eine Wahl? Du konntest das Verlöbnis auflösen, sie gilt noch nicht als mündig. Tony hätte sie vor den Altar gezwungen, das weißt du. Ich mache mir auch Sorgen, Gulliver. Paris Shacklebolt scheint ein netter Kerl zu sein, aber ihn kenne ich eigentlich nicht... Helen muss ihren eigenen Weg gehen.“
„Ja. Ich weiß.“ Gulliver ging vom Fenster weg zur Tür. „Meldest du dich, wenn sie dich kontaktiert?“
„Gulliver … das weiß ich nicht. Aber ich versichere dir, dass ich mich nach ihrem Wohlergehen erkundigen werde.“
Gulliver lächelte traurig. „Das muss reichen.“ Dann ging er.
Martius erhob sich aus seinem Stuhl und ging zu einem Beistelltisch, auf dem sich Papier stapelte. Er nahm den obersten Bogen in die Hände. Ein Brief, aus Hogwarts.

Geehrter Vorsitzender der internationalen Bildung Selwyn,
als gewählter Vertreter des Elternbeirates möchte ich, Arcturus Black, Sie zur Schulkonferenz am 25. April einladen. Ihre Anwesenheit ist von Bedeutung, da wir auf Anraten des Elternbeirates das Wahlfach Dunkle Künste einführen möchten. Ihre Meinung wäre in der sicherlich kommenden Debatte eine Geschätzte-

Es klopfte. Froh über die Unterbrechung der Lektüre rief Martius: „Kommen Sie rein!“ Er legte den Brief zurück und schaute zur Tür. Dort stand ein junger, bartloser Mann mit schwarzen Haaren. Er wirkte unsicher. Martius lächelte warm. „Wie kann ich Ihnen helfen?“
„Sind Sie Martius Selwyn? Ein alter Freund meiner Mutter?“
„Ja, der bin ich. Wer ist denn Ihre Mutter?“
„Meine Mutter ist Belvina Burke.“
Martius zwang sich zu einem Lächeln. Das schwarze Haar, die Augenlider, die dreieckige Nase – natürlich war der Mann ein Nachkomme eines Blacks. Und es war ja nicht so, dass er nicht mit der Ankunft des jüngeren Sohnes von Belvina hätte rechnen müssen... „Dann sind Sie Reginald Burke, nicht? Setzen Sie sich doch!“ Er zeigte einladend auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch. Der Mann lachte laut und setzte sich.
„Nein, nein. Reginald ist mein kleiner Bruder. Ich bin Arkas. Woher wissen Sie von ihm?“
Mein kleiner Bär. Der kleine Arkas. Mein Sohn.
„Ist alles in Ordnung?“
Martius schüttelte den Kopf, dann nickte er. „Ja, natürlich. Ich... Nur... Wissen Sie, dass Arkas ein Sternbild ist? Ein Bär. Von einem antiken Gott an den Himmel versetzt.“
Sein Sohn nickte. „Ja, das ist eine alte Tradition der Familie meiner Mutter.“
„Den Blacks, ja, ich weiß.“
Der Junge – Jüngere – lächelte genant.
Martius besann sich. Fasziniert betrachtete er das kurze, aber lockige Haar und die kleine Nase. Wenn Arkas so schaute, ähnelte er dem kleinen Jungen. Ungeduldig, weil er nicht den versprochenen Zitronendrop bekam. „Wollen Sie einen Tee?“
„Gerne. Haben Sie Zitrone?“
Wie damals! Martius brachte Wasser auf einem anderen Beistelltisch zum Kochen und legte einen Teebeutel in die Tasse. Er musste jetzt... Im Juli musste er 22 geworden sein. Ach was für verlorene Jahre! Was er jetzt wohl machte? Nein, das konnte Marti ihn jetzt nicht fragen. „Hier, dein Tee. Dann bist du – Sie -“
„Dutzen Sie mich ruhig. Ich habe gehört, dass Sie und meine Mutter noch zu Hogwartszeiten einander sehr verbunden waren.“
Wäre es nur schon zu Hogwartszeiten gewesen! … Hieß das, sein Sohn wusste nicht, dass Belvina und Herbert schon damals verlobt gewesen waren? Oder spielte er auf die Begebenheit in der Bibliothek an? Vor so vielen Jahren... „Arkas... ich bin Martius. Deine Mutter und ich sind uns tatsächlich nah gewesen. Ich nehme dann an, dass du nicht hier bist, weil du nach Hogwarts willst? - Natürlich nicht, für Hogwarts bist du ja mittlerweile zu alt... “ Wie gerne hätte ich deine Schullaufbahn verfolgt...
„Mein Vater hat mich gebeten herzukommen, wenn ich ehrlich bin. Hast du ihn je getroffen?“
Sein Kopf lag leicht schräg und betonte im durch das Atrium fallende Licht seine blacksche Blässe. Er ähnelte so sehr Belvina, allein schon die Stimme... „Nicht wirklich, Arkas. Wie geht es denn Belvina? Ich habe wirklich lange nichts mehr von ihr gehört.“
„Sie genießt ein sehr ländliches Leben mit Hauselfen, die ihr Vieles abnehmen. Sie gibt Bälle im Sommer und führt Salons im Winter. Manchmal organisiert sie Wochenenden auf dem Land für … die obere Schicht.“
Klingt wie eine Frau aus dem 19. Jahrhundert. „Sie ist glücklich?“
„Ja, ich denke. Sie hat große Freude daran, einen Ehepartner für meine Schwester zu finden.“
„Wie geht es Ursula?“, fragte Martius sofort und dachte an das kleine Mädchen auf seinem Schoss mit dem weichen Haar.
„Sie scheinen meiner Mutter ein wirklich guter Freund gewesen zu sein. Sie wissen noch so viel.“ Arkas lächelte. Er wirkte froh und entzückt. Er nippte am abgekühlten Tee. Ein wenig erinnerte er an Dorian... „Meine Schwester Ursula ist ein wunderschönes Mädchen, eine junge Dame, eine Lady … Ich habe eine Fotografie von ihr dabei … Einen Augenblick ….“ Er griff in eine Tasche seines modernen Jacketts und holte eine stoffene Geldbörse hervor. Er schob zwei Finger hinein und zog ein Bild von der Größe einer Briefmarke hervor. Er legte es auf den Tisch vor sich und tippte es elegant mit seinem Zauberstab an. Es wuchs zu einer ansehnlicheren Größe heran. In schwarzweiß sah Martius vier Menschen: einen glatzköpfigen Mann in der Mitte, stehend. Er war sicherlich Herbert. Neben Herbert saß Belvina. Sie hatte zugenommen, ihr Haar schien nicht mehr zu gänzen und ihre Nase wirkte unförmig. Das Kleid, welches sie trug, war zu jugendlich für das Alter, in dem sie nun war. Martius hing wirklich nicht mehr an ihr. Auf der anderen Seite von Herbert stand in einem Matrosenanzug ein Jugendlicher mit Brille und einem runden Gesicht. Gewiss Reginald. Direkt vor Herbert, eine seiner Hände lag auf ihrer Schulter, saß Ursula. Martius starrte das Mädchen ungläubig an. Ihre strahlend hellen Augen waren auf einen Punkt hinter der Kamera gerichtet. Ihre Füße waren ineinander verschränkt, als müsse sie sich davon abhhalten, aufzuspringen. Aber das war es nicht, was Martius entsetzte. Ursula Burke war sein Ebenbild. Abgesehen von den Augen, die kamen offensichtlich aus der dumbledorschen Familie.
„Sie ist klug, aber leider ein ziemlicher Wildfang. Sie liebt Pferde. Vater hat einige Aethons angeschafft, in der Hoffnung, sie so zu besseren schulischen Leistungen anzuspornen.“
Martius schaute auf, seinem Sohn in die Augen. Er schaute in seine eigenen Augen. Martius schluckte. „Arkas, weißt du, was in dem Brief stand, den ich deiner Mutter schrieb?“
„Du hast nur Andeutungen gemacht, oder?“ Arkas zog die Stirn in Falten, als wäre er Honoria, der der Kartoffelbrei missfiel. „Dem Ministerium würden schlimme Zeiten bevorstehen; etwa so vom Inhalt?“
„Ja. Arkas, ich bin mit dir ehrlich: Ich habe von einem Acolyt Grindelwalds erfahren, dass er das neuseeländische Ministerium übernehmen will.“
Arkas' Miene war besorgt. „Du musst dich in große Gefahr begeben haben. Aber meine Mutter hat dich immer als mutig beschrieben.“
Martius spürte, wie er errötete. „Ich war nicht mutig, ich bin nur ein schlechter Duellant und geriet in Gefangenschaft.“
Arkas Burke grinste stolz. „Und dann hast du einen Acolyten ausgehorcht! Wer war es? Vielleicht kann ich helfen, ihn festzunehmen.“
„Es war … Wer es war, ist nicht wichtig.“
„Spioniert er etwa jetzt noch für dich?“, fragte Arkas überrascht.
Martius lachte. „Nein.“ Sein Sohn war so klug! „Arkas, ich möchte das Ministerium warnen. Wirst du mir helfen? Kennst du jemanden im Ministerium?“
Sein Sohn schürzte die Lippen und lehnte sich im Stuhl zurück. Er sprach langsam. „Ich arbeite im Ministerium, wie der Zufall es will. Mein Onkel Regy verfügte, bevor er starb, dass man mich dort annehmen und ausbilden sollte.“ Er schmunzelte und machte mit zwei Fingern eine Geste, die beschrieb, dass Reginald Burke sehr reich gewesen sein musste. „Martius, bitte verstehe mich nicht falsch. Du bist mir sehr sympathisch. Du kommst mir so bekannt und vertraut vor, dass ich meiner Mutter nicht glaube, dich nie getroffen zu haben. Die Sache ist: Ich kenne dich seit fünf Minuten.“ Arkas lachte bärenhaft und schüttelte den schmalen Kopf. „Ich bin sehr zwiegespalten.“ Er biss sich auf die korallenrote Unterlippe. „Ich möchte natürlich auch nicht ohne Not mein Ministerium in Alarmbereitschaft versetzen. Wie sicher ist die Aussage deines Informanten? Traust du ihr? Es könnte eine Falle sein.“
„Ist es nicht“, erwiderte Martius im Brustton der Überzeugung. „Ich kenne diesen Acolyten ein wenig und er vertraute mir in diesem Augenblick. Außerdem hat niemand mit meiner Flucht gerechnet. Grindelwald versuchte, mich auf seine Seite zu ziehen.“
Der Jüngere faltete die Hände wie zum Gebet, lehnte sich vor, legte die Fingerspitzen an die dreieckige Nase und überlegte. „Standhafter Selwyn, die Auroren von Neuseeland müssen gewarnt werden. Martius, ich schreibe ihnen noch heute einen Brief.“
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