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Black Fuel

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Jared Leto OC (Own Character) Shannon Leto Tomislav "Tomo" Milicevic
12.01.2019
11.08.2019
20
79.807
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10.06.2019 4.493
 
Chapter 17: Amnesia

Am nächsten Morgen hatte Lara den ersten Schock, dass Shannon sie am Vortag nicht erkannt hatte, etwas verdaut. Ihr Bruder Chris hatte ihr auch gut zugesprochen, dass diese Amnesie sicher nur vorübergehend war, und er Lara sicher bald wieder erkennen würde. Auch die Ärzte hatten ihr, Jared und Constance in einem kurzen Gespräch noch erklärt, dass es nichts Ungewöhnliches war, dass jemand nach so einem Unfall sein Kurzzeitgedächtnis verliert. Lara hatte noch kurz mit ihrem Bruder gefrühstückt und ihn versprechen lassen, dass er sich wieder Ruhe gönnte. Schließlich musste auch seine Herzmuskelentzündung noch ganz abheilen. Nachdem ihr Chris hoch und heilig versprochen hatte, mit Travis einen Männertag in der Wohnung zu verbringen (was auch immer das bedeuten sollte), hatte sie sich wieder auf den Weg ins Krankenhaus gemacht. Jared und Constance hatten auch wieder eine Nacht seit Ewigkeiten in Jared's Haus verbracht, nachdem die Ärzte ihnen tausend Mal versicherten mussten, dass Shannon jetzt über dem Berg war.

Lara war also heute die erste, die Shannon besuchen würde. Vor seiner Zimmertür war sie wieder etwas nervös und atmete noch einmal durch, ehe sie das Zimmer betrat. Vor Shannon's Krankenbett fand gerade die Visite statt und dann erblickte Lara ein ihr vertrautes Gesicht. Jeannine stand neben Shannon's Bett und hielt seine Hand, sie hatte Tränen in den Augen und ein Babybauch zeichnete sich unter ihrem Oberteil ab. Alle Blicke drehten sich zu ihr um, darunter auch Shannon. Sein Blick zeigte ihr, dass sie für ihn immer noch fremd war. Noch ehe Lara etwas sagen oder auch nur einen klaren Gedanken fassen konnte, hörte sie Jeannine's Stimme sagen: „Das ist die Betrügerin. Sagten Sie nicht, dass sie sich gestern als Shannon's Verlobte ausgegeben hatte? Bitte, verweisen Sie sie doch dem Krankenhaus! So eine Frechheit! Sich als die Verlobte von MEINEM Mann auszugeben! Was ist das denn hier für ein Krankenhaus?!“ Ein Arzt versuchte sofort Jeannine zu beruhigen und verlangte von ihr, dass sie sich doch auf den Stuhl niedersetzen sollte. Ein weiterer Arzt kam unterdessen auf Lara zu und bat sie, den Raum wieder zu verlassen. „Was? Warum? Ich bin doch gerade gekommen, um nach meinem Freund zu sehen...“, entfuhr es Lara. „Ihr Freund also? So so, also haben Sie uns doch angelogen. Bitte Miss, verlassen Sie diesen Raum!“, der Arzt packte sie etwas gröber am Oberarm und ging mit ihr aus Shannon's Zimmer.

„Aber – ich verstehe nicht. Was ist hier los?“, fragte Lara den Arzt, der sie ein Stück weiter auf einen Stuhl Platz nehmen ließ. Der Doc befahl einer Krankenschwester hinter dem Schalter, dass sie jemanden anrufen sollte, dann wandte er sich wieder an sie. „Miss Sanders, nicht wahr? Sie haben mich also gestern angelogen, als Sie behauptet haben, dass Sie die Verlobte von Mr. Leto sind?“, sein Tonfall war härter als am Vortag. Lara sah beschämt zu Boden: „Nein, ich bin nicht wirklich mit ihm verlobt. Aber wir sind seit fast einem halben Jahr zusammen und ich wollte einfach wissen, wie es ihm geht!“ Der Arzt seufzte: „Ich kann verstehen, wie es ihnen geht. Aber die Vorschriften sind streng und nur die engsten Familienmitglieder dürfen auf diese Station.“ „Aber warum ist dann Jeannine jetzt bei ihm?“, fragte Lara nun. „Ms. Burnaeva ist die wirkliche Verlobte von Mr. Leto. Sie hat uns ihren Verlobungsring mit Gravur gezeigt und uns auch mitgeteilt, dass sie in einigen Wochen das gemeinsame Kind zur Welt bringen wird“, erklärte der Arzt in einem ruhigen Ton. „Warum ist sie erst jetzt hier und nicht schon seit dem Tag, als Shannon eingeliefert wurde?“, fiel Lara ihm ins Wort. „Ms. Burnaeva musste sich um familiäre Angelegenheiten kümmern und war nicht im Lande. Eigentlich tut das hier gar nichts zur Sache. Im Gegensatz zu Ihrer Geschichte ist die von Ms Burnaeva überzeugend. Es tut mir Leid, ich muss Ihnen ein Verbot auf dieser Station erteilen. Machen Sie es gut“, erzählte der Doc. Lara wollte noch etwas sagen, doch da standen schon 2 große Security-Typen links und rechts neben ihr. Sie wusste, dass es keinen Sinn hatte, sich noch weiter zu erklären und begleitete die beiden Typen nach draußen.

Wie in Trance ließ sie sich ein Stück weiter auf einer Parkbank nieder. Was zur Hölle war denn jetzt los? Jeannine, die Verlobte von Shannon? Und SCHWANGER? Ihre Gedanken begannen sich zu drehen. „Lara! Was machst du denn hier? Willst du nicht rein zu Shannon?“, Constance kam den Gehweg vom Parkplatz entlang und hatte die Frau auf der Parkbank entdeckt. „Hey... ich... ähm... ich wurde eben rausgeworfen und darf keinen Schritt mehr auf die Station machen...“, erklärte Lara, immer noch leicht benommen. „Was? Wieso das denn?“, fragte Constance nach. „Sie haben herausgefunden, dass ich doch nicht die Verlobte von Shannon bin und deswegen wurde ich verwiesen“, fügte Lara hinzu. Jared sah seine Mum und Lara auf der Bank sitzen und kam lächelnd auf sie zu. Doch als er den besorgten Gesichtsausdruck von seiner Mum bemerkte, wurde er schneller und fing die letzten Gesprächsfetzen auf. „Wie sollten sie denn dahinter kommen? Weder ich noch Mum haben was gesagt...“, warf Jared ein und setzte sich auf die andere, freie Seite von Lara.

Die blickte ihn aus traurigen Augen an: „Jeannine ist bei ihm. Sie hat einen Verlobungsring mit Gravur und ist schwanger von ihm... Entschuldigt mich, ich brauch kurz eine Minute.“ Lara stand auf und ging ein Stück weiter. Jared und Constance sahen sich geschockt an. Schließlich sprang Jared auf und lief Lara hinterher: „Lara, hey, bleib stehen. Was war das? Jeannine soll schwanger von Shannon sein? Meinem Bruder Shannon?“ Lara nickte: „Ich bin eben in die Visite geplatzt und wurde von einem Arzt rausgeschmissen, weil anscheinend sie die Verlobte ist. Und dabei hab ich auch gesehen, dass sie schwanger ist. Den Bauch kann sie nicht mehr verbergen.“ „Das muss doch alles ein Missverständnis sein. Die beiden haben sich doch schon lange nicht mehr gesehen. Es ist aus zwischen den beiden, ihr beide gehört zusammen! Das letzte Mal, dass er Jeannine gesehen hat, war...“, Jared stockte. Lara sah ihm nun wieder in die Augen, eine Träne bahnte sich ihren Weg über ihre Wange: „Vor etwa 6 Monaten in London? Ja, hab ich bei dem Streit im Camp mitbekommen. Sie haben die Nacht zusammen verbracht und naja, ihrem Bauch nach zu urteilen, kommt das ziemlich genau hin.“ Sie wollte sich wegdrehen und gehen, doch Jared hielt sie auf. „Jared, lass mich.“ „Aber, du kannst ihn doch nicht alleine lassen. Ihr liebt euch doch – er braucht dich“, wandte er ein und ließ sie nicht los. „Sag das nicht! Ich würde ihn niemals alleine lassen, aber was soll ich denn deiner Meinung nach machen, hm? Er erkennt mich immer noch nicht, Jeannine stand an seinem Bett und trägt sein Kind in sich. Auch wenn er sich wieder an uns erinnern würde, glaubst du ernsthaft, er würde sein Kind alleine lassen? Ich kenne ihn mittlerweile so gut um zu wissen, dass er unter keinen Umständen sein Kind verlassen würde – er hat sich immer eine intakte Familie gewünscht.“ Jared's Mund öffnete sich, doch er wusste nicht, was er noch sagen konnte. Er wusste, dass Lara Recht hatte – Shannon's größter Wunsch war immer eine kleine, intakte Familie gewesen und auch er wusste, dass er keinesfalls sein Kind im Stich lassen würde. Jared lockerte seinen Griff: „Wo willst du jetzt hin?“ Lara lächelte leicht: „Mach dir keinen Kopf wegen mir. Ich brauch noch etwas, um das ganze hier zu verdauen. Dann werde ich nach Hause gehen, ich hab schließlich noch einen Bruder, den ich gesund pflegen muss.“ Kurzerhand nahm Jared Lara in den Arm: „Es tut mir so Leid. Aber ich glaub die ganze Geschichte nicht. Wenn du was brauchst, meld dich, ja?“ Sie nickte, winkte noch kurz Constance zum Abschied – die immer noch geschockt auf der Parkbank saß – und ging die Straße weiter entlang.

Jared ging zurück zu seiner Mutter und ließ sich neben ihr nieder. „Was sagst du zu der ganzen Geschichte?“, fragte sie ihren Sohn. „Ich weiß nicht – irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht. Shannon hätte sich nie mit Jeannine verlobt! Und das Kind? Keine Ahnung. Lass uns mal rein gehen und uns den Verlobungsring zeigen, dann wissen wir hoffentlich mehr...“, sagte Jared. Constance nickte und so gingen sie ins Krankenhaus zu Shannon.

Die Visite war schon vorüber, Jeannine saß immer noch neben Shannon's Krankenbett und hielt seine Hand. Sie hatten sich gerade unterhalten und lachten beide. „Hey, Brüderchen! Mum – schön, dass ihr da seid! Seht nur, wer auch hier ist! Jeannine – meine Bald-Ehefrau!“, grinste Shannon. Die beiden sahen sich kurz an und begrüßten ihn nacheinander. „Das ist schön. Hey, Jeannine“, sagte Constance kurz und ließ sich dann neben ihrem Sohn auf dem Bett nieder. „Hey Jeanny! Wie geht es dir und deinem Kind?“, Jared setzte sein Schauspieltalent ein und begrüßte Jeannine mit einer kurzen Umarmung. Sie schien etwas irritiert, doch sie ließ sich auf das Spiel ein: „Unserem Sohn geht es sehr gut, danke. Er wächst und gedeiht – willst du das Ultraschallbild sehen?“ Jared nickte und nahm das Bild entgegen, welches sie ihm sogleich präsentierte. Er begutachtete es und zu seiner Enttäuschung schien es wirklich echt. „Süß. Und schon in der 22. Woche. Warum hast du uns die letzte Zeit nicht besucht?“, fragte Constance. Auch sie hatte bemerkt, dass das Bild echt war und wollte nun auch Infos von der angeblichen Verlobten von Shannon. „Ach, ihr wisst ja, wegen meines Jobs in Florida und dann die Sache mit meinem Dad... Eigentlich darf ich nicht mehr so weit fliegen, aber als es mir besser ging und ich das OK vom Doc bekommen hatte, bin ich schnellstmöglich in den Flieger gestiegen, um bei meinem Ehemann-in-spe zu sein. Ich bin so froh, dass du endlich aufgewacht bist, Schatz. Jag uns ja nie mehr so einen Schrecken ein!“, sagte Jeannine an Shannon gewandt, der ihr liebevoll über die Hand strich. „Genau – die Sache mit deinem Dad... was war das noch gleich?“, stellte Jared die Brünette weiterhin zur Rede. Sofort verfinsterte sich ihr Gesichtsausdruck: „Er hat jahrelang schon mit dem Krebs gekämpft und hat vor einigen Tagen den Kampf verloren. Ich musste mich noch um die Beerdigung kümmern und konnte deshalb erst heute hier sein...“ In Jeannine's Blick sammelten sich Tränen und sie wandte den Blick ab. Jared und Constance sahen sich an und sie verstanden sich, ohne ein Wort zu sagen >> Was für eine Show sie hier abzieht ist bemerkenswert.<< Die beiden stellten ihr weiterhin Fragen, doch Jeannine konnte immer alles exakt und logisch nachvollziehbar erklären. Jeannine zeigte ihnen auch bereitwillig den Verlobungsring mit der Gravur ihrer Initialen und ihrem damaligen Jahrestag, als sie zusammen kamen. Jared wusste das noch ganz genau; war es doch das Datum seines Geburtstag von vor 2 Jahren.

Es klang alles absolut nachvollziehbar, was Jeannine ihnen erzählte. Hätten die beiden nicht gewusst und gesehen, dass Lara und Shannon die letzten Monate zusammen waren; auch sie hätten ihr die Geschichte womöglich abgekauft. „Jetzt hört doch auf, meine Verlobte so auszuquetschen. Ist doch alles gut – ich werd wieder und in ein paar Wochen bist du Oma und du bist Onkel! Freut euch doch!“, mischte sich Shannon schließlich ein. Jeannine zuckte etwas zusammen und hielt sich den Bauch. Auch, wenn Constance dieser Frau nicht traute, musste sich der ganze Stress doch nicht auf das Baby auswirken. „Komm, Jeannine. Wir gehen kurz nach draußen und holen dir etwas zu trinken, komm“, Constance half der nickenden Frau auf und die beiden verließen den Raum.

„Es sieht fast so aus, als würdest du dich nicht freuen, Onkel zu werden“, sagte Shannon zu seinem Bruder. „Was? Nein, natürlich freue ich mich. Ich glaub die ganze Sache nun nicht wirklich. Shane, du kannst dich doch an die letzten Monate nicht erinnern – wie kannst du da glauben, dass das dein Kind ist? Und dass ihr verlobt seid? Du hast mir nie etwas davon gesagt! Und außerdem was ist mit Lara?“ Shannon seufzte: „Keine Ahnung, wer diese Lara ist. Jeannine kam heute mit Tränen in den Augen ins Zimmer und hat sich bei mir entschuldigt und mir versichert, dass das mein Kind ist. Ich weiß, wir hatten damals eine On-Off-Sache am Laufen, doch bei so was würde doch keine Frau lügen! Ich kann mich noch an die Nacht in London erinnern und naja, wenn das wirklich passiert ist? Das ist doch Schicksal oder nicht?“ Jared stand auf und sah aus dem Fenster; er wusste, dass Shannon damals eine Nacht mit seiner Ex verbracht hatte. Theoretisch war es möglich, der Zeitpunkt würde auch passen. Shannon fuhr fort: „Ehrlich gesagt war auch ich erstaunt über die Verlobung – an die kann ich mich nämlich nicht mehr erinnern. Aber du hast doch selbst die Gravur im Ring gesehen und ich glaube, die ist von mir.“ Jared musste an Lara denken und auch an ihre Worte – Shannon würde niemals sein Kind im Stich lassen. Wenn das wirklich Shannon's Baby war, würde er Jeannine niemals verlassen, allein des Kindes wegen. Jared seufze: „Tut mir Leid, Bro. Es kommt einfach alles so plötzlich; dein Unfall und dann die Nachricht von deinem Kind. Ich will wirklich nur das allerbeste für dich, das weißt du. Aber kannst du dich denn an gar nichts mehr in den letzten Wochen erinnern?“ „Du spielst auf diese Lara an oder? Keine Ahnung Jay, sie ist eine Fremde für mich. Aber an Jeannine kann ich mich erinnern... Was ist an dieser Lara denn so besonders?“, wollte Shannon wissen. Jared konnte nicht mehr antworten, da kam eine Krankenschwester ins Zimmer und bat Jared nach draußen; sie würde Shannon nun waschen.

Am Gang saß Constance alleine auf einem der Stühle und Jared ging zu ihr. „Und? Was hast du rausgefunden?“, wollte er von seiner Mutter wissen. „Nun, sie klingt ehrlich, wenn es um das Kind geht. Sie hat mir noch ein paar Dinge über die letzten Wochen in ihrem Leben erzählt und es klingt alles so, als würde es stimmen“, erzählte Constance. „Aber er war die letzten Monate mit einer anderen Frau zusammen! Mit Lara! Und die beiden waren ein Herz und eine Seele!“, warf Jared ein und raufte sich die Haare. „Ich will nicht, dass diese Jeannine wieder alles durcheinander bringt. Das hat weder Shannon noch Lara verdient...“ Constance legte ihre Hand auf seine Schulter: „Aber das weiß ich doch, Schatz. Was sollen wir machen? Shannon erkennt Lara nicht, aber Jeannine schon. Und du weißt seine Einstellung dazu, wenn es wirklich sein Kind ist. Der Arzt hat gesagt, wir dürfen ihn die ersten Tage nicht zu viel zumuten. Wir müssen einfach Geduld haben, vielleicht kommt seine Erinnerung die nächsten Tage zurück und der ganze Spuk deckt sich irgendwie von alleine auf.“ Jared sah seiner Mutter in die Augen: „Ich hoffe, du hast Recht. Hauptsache, Shannon kommt wieder auf die Beine...“

Die nächsten Tage waren hart für Lara. Sie hatte ihren Freund, ihre Liebe verloren, das wurde ihr immer mehr bewusst. 2 Mal war sie mit Vickie und Shay ins Krankenhaus zu Shannon gefahren, als er endlich auf die normale Station verlegt worden war. Er sah sie immer noch an, wie eine Bekannte; nicht mehr mit diesem Blick, den er hatte, als er sie das letzte Mal geküsst hatte. Ihre Gedanken kreisten die letzten Wochen nur mehr darum, wie sie mit der ganzen Sache umgehen sollte. Eines Abends saß sie wieder auf ihrer Couch und sah gedankenverloren aus dem Fenster. „Er lässt dich einfach nicht los oder?“, Chris stand neben ihr und fläzte sich neben ihr auf die Couch. „Wie denn auch? Irgendwie ist das ganze immer noch so surreal, dass ich hoffe, jeden Moment aus diesem Alptraum aufzuwachen...“ Chris nickte: „Ich find es trotzdem immer noch krass, dass nicht mal Jared seinem eigenen Bruder sagen kann, dass du und Shannon ein Paar seid...“ „...waren“, verbesserte Lara. „Ach Lara...“, warf Chris ein, doch wurde wieder unterbrochen: „Was? Ich muss jetzt mal anfangen, auch mit dem Kapitel abzuschließen. Je mehr Tage vergehen, desto unwahrscheinlicher wird es, dass die letzten Monate an seinen Erinnerungen zurückkehrt – haben auch die Ärzte gesagt. Es tut weh – verdammt weh, doch er wird mit Jeannine eine Familie gründen.“ Chris schnaubte verächtlich: „Diese blöde Ziege. Ich will gar nicht wissen, welche Lügen die ihm noch alles aufgetischt hat, damit er sie sogar noch zu sich einziehen lässt. Die beiden sind doch gar nicht verlobt! DU warst mit ihm zusammen!“ „Glaubst du ernsthaft, wenn ich zu ihm gehe, dass er mir glaubt? Er hat sich an sie erinnert, nicht an mich. Sie hat einen Verlobungsring von ihm! Wer weiß, vielleicht hat sie den schon früher von ihm bekommen?!“, Lara war frustriert. Chris sah seine Schwester mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Sieh mich nicht so an. Kann doch sein, oder nicht? Wir haben nie wirklich viel über unsere Vergangenheit geredet und es war mir auch egal... Und wie du sagst, anscheinend hat sie mich als Geisteskranke dargestellt, die was von ihm will und nur auf eine Chance wartet. Hat mir Shay letztens erzählt...“, endete Lara. „Mann, das ist eine verdammt verzwickte Situation. Aber glaubst du ernsthaft, ich seh mir die ganze Sache weiter so an? Shannon liebt dich und solche Gefühle kann man doch nicht einfach so vergessen. Verdrängen ja, aber nicht vergessen! Ich hab doch damals beim Coachella schon gesehen, wie er dich ansieht...“, diskutierte Chris weiter mit ihr. Ihm wurmte es gewaltig, dass seine Schwester glaubte, in Shannon's Umfeld zu sein, ohne dass es sie auf Dauer zerbrach.


*** Shannon POV ***
Shannon's Erinnerung kam nicht zurück. Die letzten Monate waren wie aus seinem Gedächtnis gelöscht. Als er endlich nach Hause durfte, stieg eine kleine Willkommens-Party und die gesamte Crew und seine Freunde waren anwesend. Darunter auch Lara, die für Shannon immer noch wie eine Fremde war. Diese Frau war aber doch noch ein paar Mal im Krankenhaus aufgetaucht, als seine Freunde ihn auf der normalen Station besuchen durften. Sie war nett, hilfsbereit und machte einen fröhlichen Eindruck, doch das war nur gespielt; irgendwoher wusste er das immer. Doch so wirklich mit ihr sprechen konnte er nie, da sich Jeannine immer irgendwie einmischte. Ach Jeannine, je mehr Zeit sie bei ihm verbrachte, desto mehr ging sie ihm auf die Nerven. Wäre sie nicht mit seinem Kind schwanger, hätte er sie vermutlich schon in den Wind geschossen. Sie fing an, ihn zu bevormunden und in seinem Namen zu antworten, wenn Ärzte etwas wissen wollten. Doch Shannon schluckte es immer herunter, zum Wohle des Kindes. Auf der Feier war Jeannine nach einer Weile so müde, dass sie sich in seinem Zimmer niederlegte.

Schließlich hielt Jared die Blicke von Lara zu Shannon nicht mehr aus – zu schlecht war sein Gewissen. Er hatte seinem Bruder nie erzählt, welche Rolle Lara wirklich in seinem Leben gespielt hatte. Er zog Shannon mit sich nach draußen. „Schöne Feier, Brüderchen. Danke dir. Was ist los?“, fragte Shannon sogleich. Es war ja klar, dass er Jared lesen konnte wie ein Buch. „Ich hab ein richtig, richtig schlechtes Gewissen. Ich finde, du solltest es wissen, auch wenn Lara meint, es tut nichts zur Sache.“ Shannon sah ihn weiter fragend an, und Jared fuhr fort: „Du warst mit Lara zusammen, vor dem Unfall. Sie hat sich damals nur als Verlobte ausgegeben, damit sie zu dir konnte. Ich weiß, dass Jeannine sie als Freak hinstellt, die sich auf dich eingeschossen hat, aber das stimmt nicht. Ihr ward ein Paar und du warst glücklich wie nie mit ihr...“ Shannon sah seinen Bruder mit offenen Mund an: „Was?“ „Mum und ich waren der Meinung, dass du dich sicher nach ein paar Tagen wieder an Lara und eure Zeit erinnern würdest, aber dem war leider nicht so. Ich finde trotzdem, dass du die Wahrheit über Lara erfahren solltest. Ich mag nicht, wie Jeannine über sie hinter deinem Rücken herzieht...“ Das war wahr – die Wut von Jeanny auf Lara hatte Shannon schon bald mitbekommen; sie hatte wirklich kein gutes Haar an ihr gelassen. Natürlich hatte er seiner Verlobten geglaubt, er hatte ja keine einzige Erinnerung an Lara. „Warum sagst du mir das gerade heute?“, wollte er wissen. „Ich hab's nicht mehr ausgehalten. Natürlich wäre es schön, wenn du dich jetzt erinnerst – aber das wird leider nicht so sein. Wie gesagt, ich will nicht, dass du ein falsches Bild von Lara hast. Sie ist ein wundervoller Mensch und auch eine gute Freundin von mir“, erläuterte Jared. Shannon legte seinen Arm auf Jared's Schulter: „Danke Bro.“ Er wusste nicht, was er sonst sagen sollte. Doch die beiden wurden auch gleich wieder von Tomo unterbrochen, der ihnen je ein Bier zusteckte.

Shannon unterhielt sich den restlichen Abend mit seinen Freunden und hatte das erste Mal seit langem wieder richtig Spaß. Allmählich leerte sich auch die Halle, in der die Feier statt fand. Shannon war der letzte und machte das Licht aus, da fiel ihm auf, dass zur Treppe ins Studio nach unten noch Licht brannte. „Komisch – dachte, Jared wäre schon im Bett“, dachte Shannon und ging auf den Lichtstrahl zu. Doch im Studio fand er nicht Jared vor, sondern Lara, die auf dem Sofa saß und wie hypnotisiert auf sein Drumset starrte. Irgendwas an dieser Szene berührte sein Herz; er öffnete leise die Tür und ließ sich neben Lara nieder. Als die Couch neben ihr nachging, wurde Lara wieder aus ihrer Starre gerissen. „Oh ich ähm... ich wollte nur kurz...“, stammelte sie, als sie Shannon neben sich ausmachte. Shannon lächelte leicht: „Kein Ding. Die anderen sind bereits gegangen, da hab ich das Licht hier bemerkt.“ „Mhm, dann sollte ich wohl auch lieber gehen...“, Lara wollte aufstehen, doch Shannon hielt sie am Arm zurück. Ein wohliges Gefühl breitete sich in ihm aus, doch er zog seine Hand wieder zurück. „Jared hat mir vorhin etwas über dich erzählt...“, begann er. Lara sah ihn erstaunt an, und Shannon erzählte weiter: „Wir haben uns in den letzten Wochen vor meinen Unfall gut verstanden, ach... wir waren ein Paar?!“ Er schien unsicher, doch Lara nickte und sah zu Boden. „Ich weiß, dass du dich an nichts erinnern kannst...“, flüsterte sie. „Warum hast du mir nichts davon gesagt?“, wollte er nun wissen. „Ach Shannon, was willst du jetzt hören? Hätte es etwas verändert, wenn ich es dir gesagt hätte? Du kannst dich an rein gar nichts die letzten Monate erinnern, weder ans Camp, an Dinge mit deinem Bruder oder an uns. Wie hättest du reagiert, wenn ich dir gesagt hätte, dass wir fast 6 Monate zusammen waren?“ „6 Monate? Wir... wir waren so lange zusammen?“, er schien ein schlechtes Gewissen zu haben. Lara bejahte: „Und bevor du weiter fragst; ich kenne dich mittlerweile so gut, dass du dein Kind nicht im Stich lassen wirst. Darum hatte es keinen Sinn, dir davon zu erzählen. Du kannst dich doch nicht an unsere Zeit erinnern und Jeannine hätte mich als Lügnerin hingestellt, wenn sie das nicht schon längst getan hat...“ Shannon nickte leicht und sah Lara an. „Dachte ich mir doch. Ich hab euch alle viel zu lieb gewonnen, als das ich den Kontakt zu euch abbrechen würde. Ich hab gelernt, damit umzugehen, auch wenn es nicht leicht war...“, fügte sie leise hinzu. „Es tut mir so Leid – ich kann mir nur ansatzweise vorstellen, wie schwer das sein muss. Ich kann mich aber leider tatsächlich an gar nichts zwischen uns erinnern“, Shannon suchte ihren Blick, doch Lara blickte stur zu Boden. Sie konnte das jetzt nicht ertragen. „Tja, nun weißt du es also. Ich werde dann besser auch gehen. Gute Nacht“, schnellen Schrittes ging Lara nach draußen und verschwand.

Shannon ging grüblerisch in Richtung seines Schlafzimmers und hatte ganz vergessen, dass doch Jeannine in seinem Bett lag. Er stand im Türrahmen und betrachtete die schlafende Frau im Lichtstreifen, der auf sie fiel. Es fühlte sich nicht richtig an, jetzt zu ihr unter die Decke zu krabbeln, darum beschloss er, auf der Couch zu schlafen. Doch an Schlaf war nicht zu denken, zu viele Gedanken waren in seinem Kopf. „6 Monate... 6 verdammte Monate hatte ich mit Lara verbracht und ich hab keine einzig verfickte Erinnerung! Das geht doch nicht... man kann seine Gefühle doch nicht vergessen oder? Verdrängen – ja, aber ganz und gar vergessen? Jared hatte behauptet, wir waren ein glückliches Paar. Jay ist mein Bruder, er hatte schon viele Beziehungen miterlebt, und nur in wenigen hatte ich mich wohl gefühlt. Das konnte doch nicht sein!“, Shannon raufte sich die Haare und schmiss die Decke von sich. Er stand auf, an Schlaf war jetzt nicht ehr zu denken. Jeannine war schwanger - von ihm! Egal, er würde bald Vater werden und er würde für sein Kind da sein! Aber der Blick von Lara eben, als sie gegangen war... Hatte sein Gehirn die falschen Erinnerungen gelöscht? Ach, das war doch alles zum Durchdrehen!

Er fegte mit einem Wischen die Kommode neben ihm leer, Bücher, Fotoalben, CDs, Drumsticks, Caps und noch einige andere Dinge flogen im hohen Bogen auf den Boden. „Ah, Fuck...“, er knipste die kleine Lampe neben seinem Lesesessel an und schob die ganzen Sachen unachtsam zusammen. Er hob ein paar Dinge auf und stellte sie wieder auf die Kommode. Als er die Bücher und ein paar Fotobücher nach oben nahm, vielen ein paar Fotos heraus. Einige verirrten sich unter die Kommode und Shannon hatte Mühe, sie wieder am Boden hervor zu bekommen. Endlich geschafft, lehnte er sich mit dem Rücken an die Kommode und warf einen Blick auf die paar Fotos. Auf einigen waren er, Jared, Tomo, Stevie und Jaimie mit Shay, Vickie und auch Lara. Sie schienen alle glücklich und hatten eine Menge Spaß. Auf einem Foto war der Schriftzug „Camp Mars“ über dem Eingang angebracht und Shannon konnte die Fotos nun zuordnen. Lara hatte die Fotos gemacht, wie sie gerade dabei waren, die Überdachung für den Black Fuel-Stand zu machen, damit die Mitarbeiter unter dem Stand von der Sonne geschützt waren. Tomo und Stevie hatten irgendwie gestritten und wären beinahe vom Dach gefallen. Auf einem anderen bogen sich Tomo und Jaimie vor Lachen und er selber hatte einen schmerzerfüllten Gesichtsausdruck. Klar, er hatte sich ein paar Sekunden zuvor mit dem Hammer auf die Finger geschlagen. Ein Gruppenfoto gab es auch – es entstand, als die Arbeiten endlich abgeschlossen waren und am nächsten Tag offiziell das Camp Mars eröffnet wurde. Alle standen aufgereiht unter dem Camp Mars-Schriftzug und Shannon sah durch die fröhlichen Gesichter von Shay, Vickie, Tomo, Jared, seiner Mum und noch einigen anderen Mitarbeitern des Camps. Dann fiel sein Blick auf sich selbst und Lara, der er einen Kuss auf die Wange drückte und sie über beide Ohren strahlte. Dann realisierte er, was eben passiert war. Er blickte erneut die Bilder durch und plötzlich stürzten die Erinnerungen regelrecht auf hin ein: an den Ausflug mit Lara nach Santa Barbara, an die erste gemeinsame Nacht mit ihr, der Streit mit Jeannine am nächsten Morgen.

Ohne noch weiter nachzudenken, schnappte er sich seinen Schlüssel der Maschine und fuhr durch das Tor in Richtung Downtown, L.A.
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