Thieving

GeschichteAllgemein / P16
12.01.2019
12.01.2019
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Hey...ja, das hab ich vor einiger Zeit über die kinder/Cartoonserie Fillmore ! (lief früher mal auf superRtl o.o) geschrieben...vielleicht gefällts ja dem ein oder anderem...

LG
Nola Cavendish

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Sie hätte von Anfang an wissen müssen, dass es eine schlechte Idee war. Aber es war kein anderer dafür in Frage gekommen, also konnte sie Vallejo keinen Vorwurf machen. Zusammen mit dem pummeligen Jungen saß sie jetzt im Büro von Security Team vor dem Radio, das Tehama am Nachmittag mit ihren Walki Talkis verbunden hatte und hörten gespannt zu.
Vor etwa einer Woche hatten sie angefangen, Fillmore in diese kriminelle Bande einzuschleusen, die sich auf Diebstähle jeglicher Art spezialisiert hatte. Ingrid hatte von Anfang an ein mulmiges Bauchgefühl dabei gehabt, aber konnte nicht genau sagen wieso. Heute war das Aufnahmeritual und dann würden sie Fillmore verraten, wo sie all ihr Diebesgut versteckt hatten. Hoffentlich.

Schritte hallten durch das Radio und Stühlerücken war zu hören, als die Bande sich wohl an einen Tisch setzte. „Heute ist der Tag an dem wir unser neustes Mitglied Core in unserer Diebesgilde willkommen heißen.“, erhob der Anführer Seth Tensin die Stimme. Verhaltenes zustimmendes Murmeln war zu hören.

„Nun los, verrat uns endlich wo du den ganzen Kram versteckt hast.“, murmelte Vallejo neben Ingrid und nahm einen weiteren Schluck Kakao.

„Aber zuerst die allseits bekannte Abschlussprüfung !“, beendete Seth seine Ansprache und die Mitglieder der Bande jubelten.

„Abschlussprüfung ?“, wiederholte Vallejo und Ingrid war mit einem Schlag eiskalt geworden. Es war ja nicht so, als hätte Fillmore in seiner Undercoverrolle Core nicht schon einiges an Prüfungen abgelegt. Natürlich immer mit geheimer Hilfe des Security Teams, aber für die Bande musste es so ausgesehen haben, als hätte er schon eine Menge gestohlen. Warum also noch eine Abschlussprüfung ?

Fillmore musste wohl ähnlich zweifelnd geguckt haben, denn Seth lachte. „Keine Sorge, wir wollen nur sichergehen, dass du nicht vom Security Team bist. Wir wollen ja nicht so enden wie der Rotkäppchenclub.“, erklärte er. Fillmores Stimme klang etwas heiser, als er antwortete. „Was soll ich stehlen ?“ „Kannst du dich noch an die Glasvitrine erinnern, die ich dir gestern gezeigt habe ?“ „Da sind die Urkunden des Künstlerclubs drin.“, entgegnete Fillmore ruhig. „Ganz genau.“, murmelte Seth. „Ich wollte mir so eine schon immer mal an die Wand hängen. Ich an deiner Stelle würde übrigens aufpassen, Folsom hat neuerdings einen Alarm an alle Glasvitrinen installiert.“ Die Bande lachte und Ingrid und Vallejo konnten hören wie Fillmore den Raum verließ.

„Verdammt !“, fluchte Vallejo. „Wir haben keine Zeit mehr Tehama, Anza oder O´Farrel zur Hilfe zu holen.“ Er sah Ingrid einen Moment ernst an. Dann hob er sein Walki Talki „Mission abbrechen, Fillmore !“, aber Fillmore antwortete nicht. „Fillmore ! Abbrechen, hörst du mich !“ „Er hat es ausgestellt.“, erkannte Ingrid mit ausdrucksloser Stimme. „Er zieht es jetzt durch.“ Vallejo blieben die Worte im Hals stecken, als sie wie gebannt vor dem Radio saßen. Beide wussten, sie würden es nie vor Fillmore in den zweiten Stock schaffen. Mal ganz davon abgesehen, dass dann die Mission vollkommen im Eimer war.
Sie hörten ruhige Schritte, die einen Gang entlang gingen, das Geräusch einer Schere, das Klappern von Eisen auf Stahl und schließlich das fatale Klacken eines Schlosses. „Fillmore ! Abbrechen !“, schrie Vallejo nun beinahe, aber eine Antwort kam erst als er einige Schritte von der Vitrine entfernt war. „Nun mach dir mal nicht ins Hemd, Vallejo. Ich geb die blöden Urkunden ja zurück, wenn die Sache gelaufen ist.“ Ein spottender beinahe aufgeregter Unterton begleitete seine Stimme und Ingrid konnte beinahe schon Fillmores Grinsen vor sich sehen. Es hatte ihm unmissverständlich Spaß gemacht. „Darüber reden wir später noch.“, knurrte Vallejo wutentbracht, aber Fillmore schwieg nur. Ein leises Knacken zeigte ihnen, dass er die Sprachfunktion des Walki Talki wieder ausgestellt hatte.
„Dieser verfluchte !“, schnaubte Vallejo. „Der kann was erleben, wenn er wieder da ist. Wie soll ich sowas vor Folsom noch vertreten ?“ Er rieb sich über die Schläfe und vergrub das Gesicht in den Händen. Ingrid jedoch blieb still, hörte zu und beobachtete, so wie sie es immer tat. Und was sie jetzt gerade beobachtete, gefiel ihr gar nicht. Egal mit welchen Ausreden man das ganze schmücken konnte. Fillmore hatte gerade eine Straftat begangen und zu allem Überfluss hatte es ihm auch noch gefallen.

Fillmore war offenbar wieder in dem Raum und hatte die Urkunden auf dem Tisch platziert. Ein ehrfürchtiges Raunen ging durch den Raum. Seth lachte. „Na dann herzlich willkommen, Core !“ Sie hörte das Klirren von Gläsern. „Du bist jetzt ein vollwertiges Mitglied der Diebesgilde und das muss gefeiert werden.“ „Was ist das ?“, fragte Fillmore. „Schnaps von meinem Vater.“, meinte Seth und schenkte allen ein. „Wir trinken ihn immer bei ein zwei Runden Poker. Kannst du pokern ?“ „Ich habs ein paar Mal gemacht.“, gab Fillmore zu.

Die nächsten Minuten waren nicht sonderlich interessant.
„Ohhhhh eine Straße !“, rief einer der Jungen und jemand schmiss frustriert sein Kartenblatt auf den Tisch. „Du hast doch nicht wieder geschummelt Ben ?“ Besagter Ben lachte. „Wie könnte ich, Boss ?“

„Alles Gauner da.“, knurrte Vallejo. Er schien noch immer wütend auf Fillmore zu sein. Derweil wurde die Stimmung drüben immer ausgelassener, was mit Sicherheit dem Alkohol zuzuschreiben war.
„Un jetzt spielen wir n kleines Spiel !“, gröhlte Seth. „Ich bin genau zwei Mal bisher geflogen ! Wer s überbieten kann, kriegt n nächstes Glas !“

„Es klingt so, als hätten sie bereits genug.“, bemerkte Ingrid trocken. „Hoffentlich verplappert sich Fillmore nicht.“, murmelte Vallejo. „Wenn mein Vater zu viel getrunken hat, redet er auch von seinem Job, obwohl er eigentlich Schweigepflicht hat.“ Ingrid warf Vallejo einen fragenden Blick zu. „Er arbeitet bei der Polizei.“, erklärte er und Ingrid lachte. „Wie überaus passend.“

„Da kann isch leider nich mit haltn.“, meinte ein anderer, Ben, wenn Ingrid sich richtig erinnerte. „Bin n einmal geflogen !“ Er breitete die Arme aus und tat so als würde er fliegen. Nun zumindest konnte sich Ingrid ansonsten keinen Reim auf das Geräusch machen. „Nieman ? Wie enttäuschend, wasch is mit dir Core ?“ Fillmore schien sich nun sichtlich unwohl in seiner Haut zu fühlen. „Nur einmal.“, nuschelte er und Ingrid konnte sofort erkennen, dass auch er einiges an Alkohol getrunken hatte.

Ingrid sah Vallejo fragend an und er nickte. „Ja, er ist vorher von der „Rowling Middle School“ kurz „RMS“ geflogen.“, las er aus der Akte vor.

Ein Junge aus der Bande lachte. „Ey sei doch nich bescheidn, Core. Isch seh doch, dass du lügst !“ Seth stieg in das Lachen mit ein. „Elliot hat Rescht !“ „So wie imma, der durschaut alles !“, gröhlte Ben. Seth fixierte Fillmore. „Sach schon, wie oft hast de den Abgang gemacht !“ Er imitierte Bens Fliegegeste.
Fillmore hatte wohl die Hand gehoben und zeigte mit den Fingern eine Zahl an, denn es war still geworden. „Alta, du veraschst unsch doch !“, rief Ben, aber Elliot verneinte. „Nee, tut er nicht.“ Seths dröhnendes Lachen hallte durch den Raum und seine Antwort jagte Vallejo und Ingrid einen eiskalten Schauer über den Rücken.
„Fünfmal !“, er schnaubte. „Un du bis erst n der 7. Klasse, Core. Reschpekt.“ Er schenkte Fillmore wohl nocheinmal nach, aber sie hörten gar nicht mehr hin.

Vallejo hielt mit zitternden Händen die Akte in den Händen und starrte auf den eindeutigen Punkt bei vorherige Schulen, wo nur die RMS stand. „Das kann nicht sein !“, murmelte er und schluckte. „Das muss ein Fehler sein.“ Er atmete tief ein und aus und wandte sich an Ingrid, die genau so entsetzt aussah. „Nicht mal Folsom würde jemand aufnehmen, der vorher von fünf Schulen geflogen ist.“ Wie um sich selbst zu überzeugen, wiederholte er es noch einmal. „Ingrid, Fillmore kann unmöglich von fünf Schulen geflogen sein ! Das muss ein Fehler sein !“ Ingrid schluckte und als sie in Vallejos Gesicht sah, war ihr klar, dass sein ganzer Zorn verflogen war. In seinem Gesicht spiegelte sich nichts als Verzweiflung und Sorge wieder. Sofort wurde ihr klar, dass er Angst hatte, seinen Freund zu verlieren und dass es ihr ganz genau so ging. Und doch konnte sie Vallejo nicht anlügen. Es gab für Fillmore keinen Grund zu behaupten, er wäre fünfmal von vorherigen Schulen geflogen. Keinen, außer es war die Wahrheit.
Sie schluckte und legte Vallejo eine Hand auf die Schulter, der immer noch wie paralysiert auf die Akte starrte.

Auf der anderen Seite ging die Konversation derweil munter weiter.
„Ey na los, lasch ma n paar Geschischten springen, Core !“, rief Ben und Seth stimmte zu. „Jaaa warum bischt de von de letzten gefogen ?“ Ingrid konnte Fillmores Unbehaglichkeit beinahe durch die Leitung spüren und das war ja auch kein Wunder. Schließlich wusste er, dass sie mithörten. Und das Walki Talki konnte er jetzt wohl kaum vor den anderen ausschalten. „Un bloß keine Bescheidnheit !“, spottete Elliot und Fillmore schluckte.
„Die letzte war glaubich die „Manual P. S.“.“ Er sprach schnell und undeutlich, fast als wollte er so verhindern, dass Vallejo und Ingrid alles mitbekamen, aber sie verstanden trotzdem jedes Wort. „Ich wardamals wirklisch wüten auf diese dämliche Schulleiterin.“ „Ohhhh s fängt wahrlisch gut an !“, meinte Ben. „Ich hasche Schulleiterinnen.“, nuschelte Elliot.
„Sie hatte michmehrfach einen „Hoffnungslosen Fall“ genannt un mir absischtlich schlechte Noten gegeben. Also bin isch n ihr Büro eingebrochen un hab ihren kompletten Safe leer geräumt.“, erzählte Fillmore und Ingrid konnte nicht umhin eine gewisse Nervosität zu bemerken. Vallejo neben ihr war zu Eis erstarrt.
„Uhhhh schön schön !“, lallte Ben. „Un wasch war da drin ?“ „Ähhhh.“, Fillmore schien noch immer zu zögern. „Nur n paar Pokale un Medaillen, Akten, der – der übliche Kram.“ Seth grinste breit. „Nisch schelescht.“ „Ich hab d Pokale un Medaillen mit Hilfe von einem Kumpel n der Metall AG eingeschmolzen un als Falschmünzen in Umlauf gebracht. So haben s mich auch erwischt.“, beendete Fillmore die Geschichte. „Moment ma.“ meinte Seth erstaunt. „Die habn dich nich beim Einbruch n s Büro erwischt ?“ „Neee. Keinebeweise.“, antwortete Fillmore schnell und doch mit einer gewissen Genugtuung in der Stimme.

Vallejo schien um Worte zu ringen. „Ingrid, wie – davon steht nichts, aber auch gar nichts in Fillmores Akte.“ Er war leichenblass geworden. „Wie – Wie soll ich das ignorieren. Er hat gerade mehrere Straftaten zugegeben. Ich müsste ihn eigentlich sofort verhaften.“ Ingrid ertrug diesen verzweifelten Blick Vallejos nicht mehr. Der Zwiespalt in dem er als Chef des Security Teams steckte, war zu eindeutig in seinem Gesicht abzulesen. „Wir – Wir sollten vorher mit ihm reden.“, fand Ingrid. „Vielleicht hat er sich das alles auch nur für seine Rolle ausgedacht.“ Man erkannte an ihrer Stimme, dass sie selber nicht daran glaubte, aber Vallejo nahm die Rettungsleine, die sie ihm zugeworfen hatte, dankbar an. „Ja.“, entgegnete er halbherzig. „Das wird es sein.“ Nervös knetete er seine Hände und beide wandten sich wieder dem Gespräch zu.

„Hast de das auch schon bei der Schreckschraube Folsom gemacht ?“, fragte Elliot. „Also n ihr Büro eingebrochen, mein isch ?“ Der Alkohol schien wohl nun auch bei Fillmore seine Wirkung zu zeigen, denn sämtliche Hemmungen waren verschwunden. Und es war genau wie Vallejo es beschrieben hatte, Fillmore konnte nicht aufhören zu erzählen. „Ja klar, isch glaub sogar gleich n meiner ersten Woche.“, antwortete er und lachte. „Wusstet ihr, dass sie sogar Stolperdrähte n ihrem Büro aufgeschannt hat ?“ „Woahhh, die is ja mega paranoid !“, rief Ben und Seth entgegenete. „Un das offenbar su Rescht !“ „Hat die nich sogar ihren Bodyguard ständisch vor der Tür stehen ?“, fragte Elliot. „Isch bin übers Fenster rein.“, erklärte Fillmore souverän und Seth lachte. „Is das nich im vierten Schtock ?“ „Mit Kletterausrüstung geht das wunerbar.“ „Du hast se echt nich mehr alle, Core !“, entgegnete Ben. „Losch dasch letzte Ma stoßen we auf user neues Mitglied Core an, das mit Sischerheit eine Bereischerung fü usere Diebesgilde is !“, rief Seth und sie hörten das gemeinschaftliche Klirren von Gläsern. „Ma im Ernst, Core. De Abschlussprüfun muss dir ja wie n Klacks vorgekommn sein.“, bemerkte Ben, der mit Abstand am meisten seiner Sprachfähigkeit verloren hatte. Fillmore lachte. „Ja, s war einfach.“ In seiner Stimme schwang eine Spur von Resignation mit, als er hinzufügte. „Zu einfach !“

„Ingrid, bitte sag mir das das ein Albtraum ist und ich wieder aufwache !“, sagte Vallejo schwer atmend. „Bitte sag mir, dass das alles nicht wahr ist !“ Aber Ingrid saß nur wie erstarrt vor dem Radio und konnte es nicht fassen. Sie hatte immer gewusst, dass Fillmore von Regeln nicht sonderlich viel hielt, aber das tat sie ja schließlich auch nicht. Und seine Vergangenheit als Krimineller war ja auch kein Geheimnis gewesen, also hatte sie das nie gestört. Nie hatte sie auch nur in Betracht gezogen, dass Fillmore mehr Verbrechen begangen hatte, als in seiner Akte standen. Nie hatte sie sich gefragt, warum er überhaupt angefangen hatte die Regeln zu brechen, wo er doch an sich einen ziemlich guten Gerechtigkeitssinn hatte. Und den entwickelte man schließlich nicht von heute auf morgen. Nun wusste sie, dass er im Gegensatz zu ihren Regelverstößen nicht, um zu rebellieren, sondern einfach nur wegen dem Nervenkitzel anfangen hatte, Regel zu brechen. Deswegen hatte es auch im Security Team so gut funktioniert. Die Verfolgungsjagd als einfacher Ersatz für den Nervenkitzel des Verbrechens. Im Nachhinein war sie so dumm gewesen.

„We treffen s dann morgen m alten Wald hinta den Schortplätsen.“, verkündete Seth, dann schlug er Fillmore auf die Schulter. „We wollen doch unsrm Freund Core auch ma zeigen, was we alles geleistet haben, nich wahr ?“ Ben gröhlte und Elliot stimmte mit ein. „Direkt nach Schulsluss ?“, bohrte Fillmore unauffällig nach und die anderen stimmten zu.
„Na immerhin hat er seine Mission nicht komplett vergessen !“, knurrte Vallejo und hatte Mühe, nicht komplett auszuflippen.
In wenigen Minuten war die Diebesbande mitsamt Fillmores aus dem Raum verschwunden und hatte sich verabschiedet. Ein Knistern zeigte ihnen, das Fillmore die Sprachfunktion wieder aktiviert hatte.
Bevor Vallejo ihn durch das Walki Talki anschreien konnte, riss Ingrid ihm das Gerät aus der Hand. „Fillmore ?“, fragte sie vorsichtig. „Mmmh.“, antwortete Fillmore. „Erinnere misch bitte daran, nieee wieda so n Zeug zu trinken, schmeckt furchbar.“ Ingrid versuchte sich an einem Lachen, aber das blieb ihr im Hals stecken. „Bist du auf dem Weg nach oben ?“ „Schon da.“, nuschelte Fillmore und stolperte durch die Tür.
Innerhalb weniger Sekunden war klar, dass er kaum stehen konnte. Ingrid lief nach vorne und legte ihm einen Arm um die Schulter, bevor er fallen konnte. „Vallejo einen Stuhl !“, brachte sie hervor und Vallejo, der davor wie erstarrt da gestanden hatte, schob einen der Stuhle von den Schreibtischen in die Mitte des Raumes.
„Is das n Drehschtuhl ?“, wollte Fillmore wissen, als Ingrid ihn erfolgreich auf den Stuhl bugsiert hatte. „Nein.“, antwortete Ingrid und musste sich beherrschen bei Fillmores verwirrtem Anblick nicht zu lachen. Und das obwohl die Situation ganz und gar nicht lustig war. Vallejo war derweil hervorgetreten und schmiss die Akte vor Fillmores Füße. „Verflucht, ich hab dir gesagt, du sollst die Aktion abbrechen, Fillmore. Du hast vor meinen Augen diese Urkunden gestohlen.“, rief er wütend. Zu ihrer Überraschung grinste Fillmore. „Genau genommn hast du nich sugesehen, Vallejo.“ Vallejo biss vor Zorn die Zähne zusammen. „Verflucht, du bist auch ohne Alkohol schon frech genug !“ „Du wirst die Urkunden morgen zurück geben, verstanden ?“ Fillmore nickte und starrte zu Boden. Erst jetzt schien er die Akte zu bemerken. „Was is das ?“ Vallejo hob die Akte auf und wedelte damit vor Fillmores Nase herum. „Deine verfluchte Schulakte, Fillmore ! Obwohl da ja einiges zu fehlen scheint !“, Vallejos Stimme war immer lauter geworden und er redete sich sichtlich in Rage. Ingrid fasste ihn beim Arm, um ihn zu beruhigen. Sie wusste, dass Fillmore nicht auf lautes Gebrüll reagierte. Nein, ganz im Gegenteil. Meistens stachelte ihn das nur noch mehr auf. „Stop, Vallejo !“, warnte sie den Chef des Security Teams, aber der konnte sich nicht beherrschen. „Ist das alles wahr, was du da gesagt hast, Fillmore ?“ Fillmore sah für einen Moment resigniert zu Boden, dann grinste er. Es war das falscheste Grinsen, das Ingrid je auf seinem Gesicht gesehen hatte. „Wasch genau meinst de denn ?“ Das war mit Sicherheit nicht die Antwort gewesen, die sich Vallejo erhofft hatte, denn sein wütender Gesichtsausdruck fiel mit einem Mal in sich zusammen. Verzweiflung beherrschte seine ganze Haltung und seine Schultern sackten in sich zusammen. „Du bist vor der X von fünf Schulen geflogen, in das Büro von dieser einen Schulleiterin eingebrochen und hast Falschmünzen verteilt ?“, fragte er und fixierte Fillmore ungläubig aus seinen braunen Augen. Fillmore winkte ab. „Dasch tu doch nischt sur Sache. Andere Schule, schon langeeee her !“ Vallejo zog eine Grimasse. „Du hast Recht, es würde nichts zur Sache tun, wenn es in deiner Akte stehen würde.“ Wieder wedelte er mit der Akte vor Fillmores Gesicht herum, der nun langsam zu verstehen schien, worum es hier ging. „Sie hätte misch doch nie aufgenommn, Vallejo un isch wollte nich nochmal umziehn. Nich noch ma.“, meinte er ernst und Vallejo verschlug es die Sprache. „Du hast die Akte manipuliert, nicht wahr ?“, meinte Ingrid. „Du hast dein Vorstrafenregister und vier der Schulen von denen du geflogen bist, einfach rausgestrichen.“ Sie ging zu ihrem Partner hinüber und sah ihm tief in die Augen. „Deswegen bist du auch in deiner ersten Woche bei Folsom eingebrochen. Du musstest an deine Akte rankommen.“ Fillmore sah sie lange an, dann lächelte er. „Hunderd Punkte, Ingrid Third. Du bis eine klasse Detektivin.“ Ihr Herz zog sich krampfhaft zusammen und es war als wäre sie mit kaltem Wasser übergossen worden. Vallejo hatte wie erstarrt zugesehen. „Das reicht.“, murmelte er. „Ich – Ich kann das nicht ignorieren. Es tut mir Leid, Fillmore, aber du bist hiermit wegen Aktenfälschung, Einbruchs und Diebstahls im Namen des Security Teams verhaftet.“ Seine Hände zitterten, als er die Handschellen aus seiner Tasche holte. Ingrid wusste, es war nur eine logische Konsequenz von allem was passiert war. Sie wusste, Vallejo hatte keine Wahl, aber dieses kalte Gefühl in ihrer Brust ließ einfach nicht nach. Und als sie in Fillmores ausdrucksloses Gesicht sah mit dem er die Trauer und Bitterkeit zu überspielen versuchte, konnte sie einfach nicht anders.
Mit großen Schritten trat sie zwischen Vallejo und Fillmore und breitete beide Arme aus. „Tu nichts, was du später bereuen würdest, Vallejo bitte !“, rief sie verzweifelt. „Ingrid, das ist ein Dieb, ein Verbrecher ! Geh zur Seite !“ Sie musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, dass Fillmore das verdammt hart getroffen haben musste. „Nein ! Das ist Fillmore, Vallejo ! Der Fillmore mit dem wir letzte Woche alle gemeinsam Karten gespielt haben, hörst du !“, sie atmete schwer. „Es hat sich rein gar nichts verändert !“ Ein Klappern und das Reißen von Stoff ließ sie erstarren. Vallejo hatte inne gehalten und Ingrid wirbelte herum nur um zu sehen, wie Fillmore aufgestanden war. Zu seinen Füßen lag der Ausweis, die Marke und ein orangener Gurt. Vallejo schien augenblicklich zu bereuen, was er getan hatte. Er hob abwehrend die Arme. „Fillmore, ich – das war nicht so -“ „Doch, Vallejo. Du hascht es genauso gemeint wie dus gesagt hast und weischt du was, du hast Recht.“, Fillmore schwankte leicht, aber fing sich wieder. Er versuchte sich an einem Grinsen bei dem Ingrid beinahe schlecht wurde. „Notorischer Dieb. Hat Wayne imma gesagt, bevor isch zum Team gekommn bin.“ Er seufzte. „Ich hab wirklisch versucht aufzuhörn und s hat fas geklappt.“ Seine Stimme versagte ihm. „Fast.“ Wieder schwankte er und wäre mit Sicherheit gefallen, wenn er nicht von Ingrid aufgefangen worden wäre. „Isch bin ein schlechter Mensch, oder Ingrid ?“, murmelte Fillmore. „Ich hab im ganzen letzten Jahr Verbrecher gejagt un gefangen, dabei hätte isch mir eigentlich selbst d Handschellen anlegen solln.“ Er lachte. „Was für eine Ironie.“ Ingrid nahm all ihren Mut zusammen. „Du weißt, dass das eine Lüge ist, Fillmore. Du hast ein ganzes Jahr damit aufgehört und du schaffst es auch noch weiter. Du wolltest und hast dich bereits geändert, hörst du ?“ „Glaubst du das wirklich, Ingrid ?“, nuschelte Fillmore und sank auf den Boden. „Es war sooo einfach, diese blöden Urkunden zu stehlen. Zu einfach. Viel zu einfach.“ Ingrid schluckte und sah prüfend zu Vallejo hinüber, aber der hatte sich seitdem nicht gerührt. Die Handschellen baumelten lose in seiner Hand hin und her und schienen Fillmores Blick wie magisch anzuziehen. „Was wenn es nochmal passiert ?“, murmelte er. Ingrid nahm Fillmore bei der Hand und zog ihn wieder auf die Füße. „Das lasse ich nicht zu.“, sie sah erst Fillmore und dann Vallejo entschlossen an. „Ich lasse nicht zu, dass du nochmal etwas stiehlst, hörst du Fillmore ? Du bist ein viel zu guter Mensch, um wieder in dieses Loch zurückzufallen.“ Und Ingrid meinte jedes Wort genau so wie sie es sagte. Jedes einzelne Wort. Sie kannte keinen Menschen, der aufrichtiger, gerechter und selbstloser als Fillmore war. Sicher, er mochte auf den ersten Blick nicht so wirken, aber Fillmore war die Gerechtigkeit in Person. Er bestrafte jedes Verbrechen und machte da auch vor seinen eigenen nicht halt. Vielleicht sogar ganz besonders vor seinen eigenen. Er hasste Vorurteile und hatte keine Probleme damit, seine Meinung zu sagen. Ganz egal, ob das nun Vallejo oder Principal Folsom war. Mit einem warmen Gefühl dachte sie an den Moment zurück, wo sie sich das erste Mal getroffen hatten. Alle hatten geglaubt, dass es sie gewesen war, die die Stinkbombe geworfen hatte. Alle hatten es einfach so hingenommen, nur Fillmore nicht. Zusammen mit ihm hatte sie ihre Unschuld bewiesen und er hatte ihr schließlich einen Platz im Security Team angeboten. Wenn Fillmore ein schlechter Mensch war, dann wollte sie nie wieder gut sein.

Vallejo steckte schweigend die Handschellen ein und seufzte geräuschvoll. Dann kratzte er sich am Kopf und lächelte leicht. „Naja, was Folsom nicht weiß, macht sie nicht heiß, nicht wahr ?“ Ingrid grinste, aber Fillmore starrte Vallejo irritiert und ungläubig an. „Du verlierst deinen Posten, wenn das rauskommt.“, meinte er. Vallejo zuckte mit den Schultern. „Tja ich schätze mir ist heute etwas klar geworden.“, sagte er und sah Fillmore direkt aus seinen braunen Augen an. „Ich verlier lieber einen dummen Posten, als einen guten Freund.“ Er hielt Fillmore die Hand hin und als die beiden einschlugen, fühlte Ingrid wie eine Welle der Erleichterung sie überschwemmte. „Außerdem hast du deine Mission mit Bravur erledigt.“, meinte Vallejo. „Nicht mal ich hätte erkannt, dass du spionierst. Die hatten keine Chance.“ Fillmore lachte. „Dann lassen wir se morgen mal auffliegen, nich wahr ?“ Ingrid nickte. „Morgen direkt nach Schulschluss im alten Wald hinter den Sportplätzen.“, wiederholte sie Seths Worte. „Die werden Augen machen.“, gluckste Vallejo und Fillmore grinste, bevor er wieder zu schwanken begann. „Es dreht sich imma noch alles.“, murmelte er und ließ sich wieder auf den Boden sinken. Ingrid lachte. „Tja. Fillmore, ich fürchte das könnte am Schnaps liegen.“ Fillmore warf ihr einen genervten Blick zu, aber Ingrid lachte nur. „Ich glaub das hier gehört dir.“, meinte Vallejo, bückte sich und hielt Fillmore den Gurt, den Ausweis und die Marke hin. Fillmore sah auf. „Bist du dir sicher ?“ Vallejo grinste. „Ja, sehr sicher sogar.“ Fillmore schluckte und fixierte den Chef des Security Teams. „Danke, Vallejo. Für alles.“. Vallejos erwiderte den Blick. „Keine Ursache.“