Faint.

von YouLi
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
Draco Malfoy Ginevra Molly "Ginny" Weasley Marcus Flint Ronald "Ron" Weasley
12.01.2019
26.01.2019
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Die Stimmung am Weasley- Tisch war angespannt. Alle Familienmitglieder aßen schweigend ihr Mahl, nur Molly Weasley stand manchmal auf, schaute nach den übrigen Hähnchenschenkeln in der Küche und stellte Kleinigkeiten auf den Tisch, die sie vergessen hatte zu servieren. Aufgeregt wuselte sie zwischen den Stühlen umher und tat jedem etwas von dem Kartoffelsalat auf den Teller, wobei die Portion für die Männer natürlich doppelt so groß war.

„Vielen Dank, Mrs. Weasley“, sprach der Blondhaarige gedehnt und sah die rundliche Frau höflich an.
Jedes Mal, wenn Ron diese Stimme hörte, verrollte er innerlich seine Augen. Allerdings ließ er sich davon nichts anmerken.

„Ach, Draco mein Guter. Du isst viel zu wenig“, tadelte Weasleys Mutter sanft. „Kochst du zuhause nicht gut, Ginny?“, fragte ihre Mutter mit einem leichten Vorwurf in der Stimme und die Angesprochene senkte ihren Blick.
„Du kannst gerne öfter vorbeikommen, Liebes, und ich bring dir bei, wie man den saftigsten Braten zaubert.“ Ihre Mutter meinte es nur gut und lächelte sie herzlich an, doch die Zwillinge nutzten diese Vorlage für einen ihrer Scherze.

„Ist das nicht eher Malfoys Aufgabe?“, fragte George scheinheilig und Fred ergänzte mit einem dreckigen Grinsen.
„Den Braten in die Röhre zu zaubern?“

Auf Ginnys Gesicht hätte man jetzt Spiegeleier braten können und die Zwillinge brachen in tosendes Gelächter aus, Draco zwang sich zu einem aufgesetzten Grinsen und Ron hatte das Gefühl, ihm war der Appetit vergangen.
„Jungs!“, herrschte Mrs. Weasley die Zwillinge wütend an und versuchte die Stimmung zu retten, indem sie die kleinen Törtchen aus der Küche in das Esszimmer schweben ließ, die sich dann auf dem Tisch auftürmten.

„Sie muss nicht kochen. Die Hauselfen übernehmen das“, erklärte Malfoy von oben herab, mit seiner wie üblich gelangweilten Stimme. Als sich das Gelächter der Zwillinge gelegt hatte, hob der Blonde kurz seinen Kopf und blickte seinen Gegenüber an.
„Und wie kocht Ron?“, fragte er mit einer Spur kühlem Interesse - um das Thema von sich weg zu lenken. Auf jemand anderen. Er sah den Schwarzhaarigen am Tisch distanziert an. Dieser wischte sich mit der Serviette über den Mund und grinste.
„Gut.“ Ron war innerlich zusammengezuckt bei der Frage und verwünschte den Blonden, weil er es wagte nach etwas zu fragen, was ihn überhaupt nichts anging.

„Wir grillen. Machen Lagerfeuer, weil wir im Zelt unterwegs sind. Stimmt's?“
Als Ron plötzlich eine große Hand auf seiner Schulter spürte, zuckte er zusammen. Keinem war es aufgefallen.
Keinem, außer dem Schwarzhaarigen, der die Hand wieder zurückzog und versuchte, ein ausdrucksloses Gesicht beizubehalten.
Und Draco Malfoy, dessen grauen, scharfen Augen nichts entging. Für einen Moment hatte der Blonde das Gefühl, dass die Gabeln auf dem Tisch kurz bedrohlich zitterten. Aber das konnte auch genauso gut Einbildung gewesen sein. Ron schluckte und zwang sich zu einem Lächeln, das ihm aber in einer Sekunde wieder aus dem Gesicht gefegt werden würde.
„Wie waren die Flitterwochen?“
Der Kürbissaft, an dem er gerade genippt hatte, schoss Ron beinahe aus der Nase heraus und er musste husten. Heiße Tränen trieben ihm in die Augen, weil seine Lunge brannte. George klopfte ihm sanft auf den Rücken.
„Zu unserer Zufriedenheit“, war die knappe Antwort des Schwarzhaarigen und Ron rang nach Luft.

„Ronald?“, Malfoy wandte sich jetzt direkt an ihn, sah ihn fragend an. Keuchend drückte Ron sich die Serviette auf die Lippen und legte sie dann zur Seite. Zum ersten Mal an diesem Tag blickte er in diese grauen Augen, in welchen er Neugierde brennen sehen konnte. Und irgendetwas Drängendes. Aus irgendeinem unvorstellbaren Grund wollte Draco Malfoy unbedingt wissen, wie Ronald Weasley seine Flitterwochen fand.
Diese Schlange sollte an ihrer Neugier ersticken! Nur weil sie beide jetzt am gleichen Tisch saßen und ein Teil derselben Familie waren, nutzte Malfoy den Vorwand, um sich insgeheim über ihn lustig zu machen. Ihn zu demütigen. Weil er mit einem Mann verheiratet war. Die Tränen wollten immer noch nicht verschwinden. Und Ron wusste, dass es nicht nur war, weil seine Lunge so brannte.
„Wenn …Marcus“, er stockte kurz, dieser Name ging ihm immer noch unheimlich schwer über die Lippen. Doch er musste sich zusammen reißen, um diese Situation nicht noch unangenehmer für alle Beteiligten zu machen. Deswegen setzte er wieder an, jedoch nicht minder verärgert.
„Wenn er schon sagt, dass sie gut waren, dann wird es ja wohl so gewesen sein. Oder?“, fauchte er jetzt und es schien den anderen am Tisch so, als ob er den Malfoy mit seinem Blick erdolchen wollte. Hass loderte in seinen Augen auf. Und ein bedrohliches Zittern erfasste seine Arme.
Konnte sich das boshafte Frettchen nicht ein einziges Mal zurückhalten? Jetzt, wo er mit seiner Schwester verheiratet war? Und er ihn seinen Schwager nennen musste?
Nein, natürlich war diese erniedrigende Schmach nicht genug. Er musste ihn vor seiner ganzen Familie und seinem ‘Ehemann‘ auch noch verhöhnen.
Sich auch noch darüber lustig machen, dass er – Ronald Weasley- vom Ministerium gezwungen worden ist, eine Ehe mit einem Reinblüter einzugehen. Um dessen Erbe weiterzuführen. Bevor diese reinblütige Familie auch noch aussterben würde, wie so viele zuvor auch.
Er konnte es nicht länger ertragen. Diese grauen Augen, die sich tief in seine bohrten, so als ob sie dort nach der Wahrheit suchten.
Mit einem Ruck erhob er sich. „Vielen Dank für die Gesellschaft“, sprach er anteilnahmslos, scheinbar wieder gefasst. „Wie immer kein Vergnügen.“
Laut fiel die Tür ins Schloss und Molly Weasley zuckte auf ihrem Stuhl zusammen. Fred und George wollten schon aufspringen, doch der gut gebaute Mann hatte sich bereits erhoben.
„Ich mache das“, seine Stimme gab den Zwillingen zu verstehen, dass er jetzt alleine zu ihrem Bruder gehen würde. Und nicht gestört werden wollte.
Ginny schwieg betreten. Arthur Weasley legte seine Stirn in tiefe Sorgenfalten und Molly versuchte immer wieder ein hilfloses Lächeln.
„Du musst ihn entschuldigen, Draco. Es ist doch noch so frisch.“ Aber ihre Worte drangen nicht bis zu dem Blondhaarigen durch. Seine Gedanken hatten sich schon längst verabschiedet. Mit dem Moment, als Weasley aus dem Raum gestürmt war.
Sie hingen ihm nach.
Genauso wie sein Blick, der ihm nach draußen aus dem Fenster folgte.
Er sah, wie Flint draußen zu ihm trat.
Der Schwarzhaarige war groß gewachsen und breit gebaut. In den letzten Jahren hatte er sich optisch gemacht, erinnerte seine Gestalt nicht mehr an einen Troll so wie damals in Hogwarts. Und auch die Zähne hatte er magisch richten lassen.
Doch auch wenn er besser aussah als damals, Malfoy mochte ihn weniger als früher. Neben seiner großen Gestalt ging der Rothaarige fast unter. Obwohl Weasley etwa so groß war wie er selbst -vielleicht sogar ein Stückchen größer, man konnte es nicht genau sagen, da der Rothaarige nie so aufrecht stand wie Draco - so sah er neben dem großen Jäger ungewohnt klein und schmal aus.
Er würde sich wohl nie an den Anblick der beiden zusammen gewöhnen.
Draco konnte sehen, wie Flint Ron zu sich ziehen wollte. Doch der Rothaarige wandte sich ab. Stur wie eh und je.
So wie Draco ihn einschätzte, würde sich Flint noch lange an ihm die Zähne ausbeißen. Kaputt beißen.
Ein kaum erkennbares Lächeln huschte über Dracos Gesicht.

Dieses Gesetz war eine Farce. Und es würde sie alle langsam kaputtmachen. Früher oder später.
Es gab diejenigen, die eine Maske der Gleichgültigkeit aufsetzten und dann die anderen, die nicht fähig waren, sich zu dem ganzen Theater noch eine Maske aufzuzwingen.
Weasley gehörte eindeutig zu den Letzteren.

Nachdem das frisch verheiratete Paar wieder eintrat, machten sich die Zwillinge über die Törtchen her und fingen eine rege Unterhaltung über Quidditch an.
Dieses Thema war immer gut. Besonders, da sie jetzt einige professionelle Spieler in der Familie hatten.
„Gegen wen spielt ihr nächstes Wochenende?“, fragte Marcus interessiert an Ginny gewandt und zum ersten Mal öffnete sie ihren Mund zum Sprechen.
„Ballycastle Bats.“ Sie lächelte mit einer Spur Stolz auf ihren Lippen und die Zwillinge pfiffen laut durch die Zähne.

"Ihr verliert”, meinte Marcus daraufhin und lehnte sich selbstbewusst zurück.
„Das werden wir noch sehen“, antwortete Ginny und in ihren Ton hatte sich etwas Herausforderndes gemischt.
„Wir haben letzten Monat gegen sie gespielt. Keine Chance. Haushoch verloren. Ich hatte das Gefühl ihr Hüter hatte zehn Arme, so schnell war der. Keinen einzigen Quaffel hat er reingelassen.“
Die Zwillinge lachten und auch Dracos Mundwinkel zuckten kurz in die Höhe. Jedoch sah es eher mechanisch aus.
„Ihr Falmouth Falcons seid ja auch nur gut im Schädelspalten und nicht im Tore machen“, war ihre schnippische Antwort.

Marcus grinste hämisch. „Da sieht man wieder, wie zart besaitet die Frauenmannschaft ist.“
Die Zwillinge stimmten dem früheren Slytherin- Kapitän zu und die Wortgefechte gingen weiter. Nur Ron und Draco hielten sich heraus. Bis Ginny den Blonden erwähnte.
„Übrigens, vielleicht steigt Draco nächste Saison auch in eine Mannschaft ein.“
„Wirklich?“, fragten die Zwillinge begeistert wie aus einem Mund und Draco nickte leicht zur Antwort.

„Montrose Magpies“, verkündete Ginny jetzt aufmerksamkeitsheischend und Ron hatte das Gefühl, ihm würde schlecht bei dem Anblick. Anscheinend hatte Malfoys prahlerisches Gehabe schon auf seine kleine Schwester abgefärbt.
Draco beachtete die anderen nicht weiter, sondern wollte selbst eine Frage stellen. An Ron gewandt.
„Und gegen wen spielen die Chudley-“ Doch er wurde jäh von Ron unterbrochen, dessen Frage schneller war.
„Und wie ist es so, im Malfoy Anwesen zu leben, Ginny?“ Obwohl es eine scheinbar harmlos gestellte Frage war, hörte sich Rons Ton leicht angriffslustig an. Sie wandte sich ihrem Bruder zu und versuchte zu lächeln.

„Man muss sich umgewöhnen“, meinte sie ehrlich. Doch Ron ließ nicht nach.
„Also ich könnte mich nie an ein Haus gewöhnen, in dem Hermine gefoltert wurde.“
Seine Mutter stieß einen erschrockenen Laut aus und Malfoy verengte seine Augen.
„Und in welchem Du-weißt-schon-wer gehaust und wahllos Leute umgebracht hat.“ Die Salatschüssel fiel aus Mrs. Weasleys Händen und ging mit einem lauten Bersten zu Bruch.
„Ronald, es reicht. Findest du nicht?“ Marcus‘ Stimme war ruhig, aber so bestimmt, dass Ron es nicht noch einmal wagte, ein Wort zu sagen.

Draco schüttelte innerlich seinen Kopf. Weasley war mal wieder der absolute Stimmungskiller. Insgeheim wusste er, dass das die Rache für seine Frage nach den Flitterwochen war. Merlin sei Dank gab es noch die Zwillinge, die die Stimmung mit einem Scherz auflockerten, während Ginny sich -mit gekränkten Tränen in den Augen- erhob, um ihrer Mutter in der Küche zu helfen.

Nachdem alles abgeräumt war, machten sie sich zum Gehen bereit. Marcus Flint schüttelte höflich die Hand von Mr. Weasley und die Zwillinge warfen sich Ron um den Hals und flehten ihn theatralisch an, nicht zu gehen.
„So stellen die sich bei mir aber nie an“, maulte Ginny an Draco gewandt, doch dieser hörte ihr nicht zu. Stattdessen trat er auf den Rothaarigen zu und hielt ihm die Hand hin. „Weasley.“

Ron blickte auf die ausgestreckte Hand herab und machte keinerlei Anstalten sie zu nehmen. Fred und George grinsten Draco vielsagend an. „Vielleicht reagiert er ja auf seinen neuen Namen.“
Ron sah so aus, als ob er kurz vor einer Ohnmacht stand. So wie er jetzt aussah, genauso fühlte Draco sich innerlich.

Ronald Flint.
Nie würde ihm der Name über die Lippen kommen.
„Danke, aber ich bleibe bei Weasley. Die Macht der Gewohnheit“, meinte der Blonde nur höflich. Und der Ohnmachtsausdruck auf Rons Gesicht wich allmählich einem wütenden Blick.
Nachdem Malfoy seine abgewiesene Hand wieder zurückgezogen hatte, nickte er seinem ehemaligen Mannschaftskapitän zum Abschied zu.
Mit Ginny zusammen ging er nun aus der Tür und drehte seinen Kopf noch einmal zurück.
Ron anblickend sagte er mit einer Spur Häme in der Stimme. „Vielen Dank für die Gesellschaft. Wie jedes Mal - unerträglich.“
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