Aneinander Vorbeigelebt

GeschichteDrama, Romanze / P12
11.01.2019
16.01.2019
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Ein kalter Wind wehte Tenten ins Gesicht und löste langsam einzelne Haare aus ihre Zöpfe.
„Neji“, rief sie ihm nach, versuchte aber möglichst leise zu sein, um die Leute in den Häusern nicht zu wecken. „Bitte geh nicht.“
Der Junge, der gerade noch vor ihr lief, blieb stehen, drehte sich zu ihr um und sah sie nur verständnislos an.
„Ich muss gehen und das weißt du“, sagte er ruhig, wollte eigentlich weiter, hielt aber inne und sah sie still an.
Tenten nickte. Natürlich wusste sie den Grund. Neji hatte seinem Team erklärt, dass er für eine Weile fortgehen wollte um seinen Platz in der Welt und ein Stück weit sich selbst zu finden.
Er wartete nicht weiter auf eine Antwort ihrerseits, drehte sich um und ging ein paar Schritte, hielt aber dann wieder inne.
Die beiden standen am Haupttor und es trennten ihn nur noch wenige Meter von der Welt außerhalb des Dorfes. Der Wald, der sich vor ihnen erstreckte war gleichzeitig vertraut und doch fremd.
Schweigend sah er gen Himmel und der Mond schien ihm ins Gesicht.

„Neji“, sagte Tenten erneut. „Ich will nicht, dass du gehst. Nicht nach allem was passiert ist. Wir sind doch ein Team.“
Er drehte seinen Kopf zu ihr und sah sie an. Er wirkte traurig, wahrscheinlich wäre es ihm lieber gewesen, wenn er ohne großen Abschied sich einfach weggeschlichen hätte. Wahrscheinlich wollte er deswegen mitten in der Nacht aufbrechen.
„Ich bin achtzehn, Tenten. Ich hab nicht vor, mein ganzen Leben hier zu bleiben. Ich werde wiederkommen, nur ich weiß nicht wann. Wenn du willst kannst du mitkommen“, sagte er ruhig und ernst. Sie bemerkte einen Hauch von einem Lächeln, auch wenn es nur für einen Bruchteil von Sekunden dort war.
„Ich kann nicht“, sagte sie zögernd. „Ich kann ihm das nicht auch noch antun. Nicht nachdem er seinen Freund verloren hat.“
„Wir sind nicht aus der Welt“, sagte er, drehte sich um und nahm ihre Hand. „Wir werden irgendwann wieder zurück kommen.“
„Nein“, sagte das Mädchen, riss sanft, aber bestimmt ihre Hand los und sah ihn traurig an. „Ich will nicht irgendwann zurückkommen und eine Fremde für ihn sein.“
„Liebst du ihn so sehr?“
Sie schwieg und sah zu Boden. Sie konnte es nicht verneinen, sie hatte für beide sehr starke Gefühle, die über eine Freundschaft hinaus gehen. Diese Frage war einfach unfair.
„Geh nicht. Du weißt gar nicht wie weh du Lee und mir damit tust.“
„Doch, dass weiß ich. Komm mit und wir vergessen alles für einen Moment.“
„Ich kann nicht“, flüsterte sie und sah in seine weißen vertrauten Augen.
Er strich über ihre Wange, küsste sie sanft, aber kurz auf die Lippen.
„Leb wohl und werde glücklich mit ihm“, hauchte er ihr ins Ohr, drehte sich um und rannte in den dunklen Wald hinein.
Tenten sah ihm traurig nach und ihr liefen still Tränen über die Wangen, ohne dass sie es bemerkte.
„Lebe wohl, Neji“, flüsterte sie in die kalte Nacht hinein...
 
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