Man braucht viele Jahre , bis man versteht, wie kostbar Augenblicke sein können...

GeschichteRomanze, Angst / P12 Slash
Anders Fannemel Andreas Stjernen
11.01.2019
16.02.2019
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Ein Blick sagt mehr als tausend Worte

Ståle Sandbech/Anders Fannemel

... sagt mehr als tausend Worte
Ståle hatte sich in Anders' Augen verliebt.
Es mochte lächerlich klingen, aber es war so.
Es hieß, Fanni hätte blaue Augen, ebenso wie sein Zwilling, wie Rasmus, wie Eline und wie seine Mutter und sein Vater. Wie die ganze Familie.
Blaue Augen.
Aber, das war nicht so, wie Ståle nur zu gut wusste. Zumindest nicht immer und der Snowboarder hatte viele Stunden damit zugebracht die ganze Farbpalette der Augen seines Daunenfeins kennen zu lernen und zu erforschen. Und, nicht nur das. Er hatte auch gelernt, die Stimmung des Kükens anhand seiner Augenfarbe zu erahnen.

Kaltes Eisblau verhieß, dass es nicht Fanni war.
Nein, das kalte Eisblau gehörte zu Anders Fannemel und bedeutete, dass Anders seine wahren Gefühle verbarg und sie unter einem Eispanzer zu verstecken versuchte. Eisblau war eine der Farben, die Ståle am wenigsten mochte, aber in letzter Zeit musste er sie viel zu häufig sehen.
Er sah Anders Fannemel, nicht Fanni und auch nicht sein Daunenfein, nach den misslungen Sprüngen, wenn er sich am liebsten verkriechen und seinen Frust herausschreien oder seiner Verzweiflung freien Lauf lassen würde. Es hatte Zeiten gegeben, da hatte Ståle die Augen des Skispringers nur in dieser kalten Nuance gekannt, aber diese waren schon lange vorbei … Aber dennoch erinnerte ihn dieses Eisblau ihn an ihre erste Begegnung und ließ ihn erschaudern.

Silbergrau.
Es war nicht langweilig, sondern die Farbe, wenn aus Anders oder auch aus Fanni sein Daunenfein wurde. Es war eine Farbnuance, die nur er zu sehen bekam, die nur für ihn bestimmt war. Er sah sie, wenn sie zusammen auf der Couch lagen und sein Daunenfein sich müde an ihn kuschelte. Wenn das Daunenfein ihn morgens verschlafen ansah und unwillig das Gesicht verzog, weil es alleine gelassen wurde oder keinen Kaffee bekam. Es war die Farbe, die er sah, wenn sein Daunenfein auf seinem Schoss lag und er mit den weichen, blonden Strähnen spielte.
Es war die Farbe der Ruhe und ihrer Liebe.

Getaucht in dunkles Grau waren Fannis Augen wunderschön.
Diese Farbe gehörte in das Dämmerlicht ihres Schlafzimmers, wenn sie atemlos und eng umschlungen im Zwielicht unter den zerwühlten Decken lagen. Wenn er den kleinen, drahtigen Körper neben sich fühlte, wenn Haut an Haut rieb und Fanni in dem Moment, wenn er im Ozean ihres Orgasmus zu ertrinken drohte, blicklos die Augen aufriss.
Ståle liebte diese Momente, die geteilte Intimität und das tiefe, dämmrige Grau, das ihm versprach, das es kein Geheimnis zwischen ihnen gab. Er liebte sein Daunenfein, vertraute ihm bedingungslos und wusste, dass es auch ihm vertraute.

Blau grau hingegen war gefürchtet.
Blau grau versprach Spaß.
Es bedeutete, dass Anders gute Laune hatte und außerdem zu Streichen aufgelegt schien. Blau grau war die Farbe, die Anders an Tom gebunden hatte und die Farbe, die erst das ganze Team -und mittlerweile auch der Snowboarder zu fürchten gelernt hatte.
Zusammengenähte Ärmel und Hosenbeine.
Am Boden festgeklebte Badelatschen, die Daniel mit der fragwürdigen Eleganz einer Giraffe hatten tanzen und dann mit einem Aufschrei auf das Bett hatte sinken lassen.
Gelockerte Nähte in den Anzüge, sodass sie bei der ersten kleinen Bewegung in Einzelteilen vom Körper gefallen waren und enthüllt hatten, dass Stjernen Herzchenboxershorts getragen hatte.
Lebensmittelfarbe im Duschgel, die den gestrengen Sportchef in grelles slowenisches Grün gefärbt hatte. Und ihn bei seinem folgenden Wutausbruch dann wie Hulk hatte aussehen lassen.
Und noch so viele andere Streiche mehr, hatten in den vergangenen Jahren das Team immer vorsichtiger werden und die Flucht ergreifen lassen, während Tom seinen Fanni, der einzige Fanni, der zu ihm gehörte, in eine Ecke gezogen hatte, wo die beiden Athleten dann wie die pubertäre Teenies über ihren gelungenen Streich gekichert hatten.

Am wenigsten mochte Ståle aber das harsche, dunkle Grau, das beinahe schon Schwarz zu sein schien. Es wirkte noch kälter als das Eisblau und jeder Blick, mit dem er bedacht wurde, stach wie tausend Nadeln in Ståles Herz. Meist war er allerdings auch Schuld, wenn sich einmal das verhasste Dunkelgrau zeigte.
Ein falsches Wort, eine falsche Geste …
Und Ståle bereute es beinahe sofort.
Er hasste das dunkle Grau.
Es brachte auch Angst mit sich.
Angst, dass er sein Daunenfein verlieren würde.
Dass es genug von ihm hätte.

„Ståle?“, das Skypebild war etwas undeutlich und es war dunkel im Zimmer, aber dennoch meinte der Snowboarder das Eisblau in Fannis Augen sehen und fuhr sich seufzend durch die Haare, „Alles in Ordnung?“ „Hn.“, die einsilbige Antwort verriet schon alles, aber Ståle kannte Anders Fannemel ebenso gut, wie sein Daunenfein. Anders Fannemel war nicht sein Daunenfein, sie waren vollkommen verschieden, aber dennoch konnte Ståle sehen, mit welcher Mühe er die Tränen zurückhielt. Sie schimmerten in seinen Augen und färbten das verhasste Eisblau noch heller, während sein ganzer Kiefer sich bockig versteifte und herrisch gereckt wurde, als Anders um seine Beherrschung kämpfte. „Schon gut.“, Ståle lächelte, berührte mit seiner Hand kurz seine Lippen und streckte sie dann nach Fannis Bild aus, „Weißt du, dass ich dich liebe?“
Die Farbe veränderte sich.
Das Eisblau wurde dunkler.
Silberner.
Ståle lächelte und endlich schien auch die Anspannung aus Fannis Gestalt zu weichen, als die blassen Lippen sich nun zu einem Lächeln verzogen, „Ich wünschte, du wärst hier ...“
Silbergrau.
Sein geliebtes Daunenfein.
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