Man braucht viele Jahre , bis man versteht, wie kostbar Augenblicke sein können...

GeschichteRomanze, Angst / P12 Slash
11.01.2019
13.01.2019
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Nach langer Zeit möchte ich auch mal wieder an einem  Projekt teilnehmen.
Dein Blick
1.) lässt mich zweifeln
2.)  haut mich um
3.) macht den Tag besser
4.) lenkt mich ab
5.) macht mich stark“
6.) macht mich sprachlos
7.) jagt mir Angst ein
8.) lässt mich den Verstand verlieren (kann positiv oder negativ gemeint sein)
9.)  sagt mehr als tausend Worte
10.) trifft mich unvorbereitet
11.) schwächt mich
12.) wird sich wohl nie verändern
13.) verrät dich jedes Mal
14.) war noch nie so kalt
15.) berührt mich in der Seele


Dein Blick...
… lässt mich zweifeln
„Fannemel ...“, zögerlich streckte der Physiotherapeut die Hand nach dem blonden Athleten aus, aber ein einziger, kurzer Blick aus den sturmgrauen Augen ließ Lindinger auch wieder mitten in der Bewegung erstarren. Der hochgewachsene Physio presste die Lippen fest aufeinander und ließ, während Fanni mit mühsam beherrschter Miene und blitzenden Augen, an ihm vorbei in den Exitbereich stürmte, die hilfreich angebotene Hand auch langsam sinken.
Zwei Atemzüge ließ er dem Athleten Zeit, dann folgte er ihm langsam und betrachtete Fanni, der seine Ski achtlos an die Werbebanner gelehnt hatte und nun damit begann seine Sachen zu packen. Der kleine Athlet schien vollkommen vertieft in seine selbstgewählte Aufgabe zu sein und Tom konnte nun beobachten, wie Anders langsam jedes Teil sorgsam in die Tasche legte, so als ob dies momentan sein einziger Halt wäre. Dennoch konnte Tom das Zittern in den blassen, verkrampften Fingern sehen. Und auch die Anspannung in den schmalen Schultern, die entstehenden, sicher schmerzhaften Verspannungen, die Fanni in den späteren Stunden, den eh raen Schlaf rauben würden, waren für das sorgsam geschulte Auge des Physiotherapeuten nur zu deutlich zu erkennen und wieder zitterte seine Hand, wollte zugreifen, den Schmerz lindern … Plötzlich, ohne sich an einen einzigen Schritt zu erinnern, fand er sich hinter dem kleinen Norweger, der sich gerade, als würde der dicke, gefütterte Stoff seiner Teamjacke nicht nur ihn, sondern auch seine aufgewühlten Gefühle, seine Wut, seine Trauer und seine Verzweiflung, die er geradezu auszustrahlen schien, verbergen können, in seine Jacke hüllte, wieder.
Für einen Moment stand er reglos hinter Fannemel und meinte die Wärme, die der kleine Körper ausstrahlte deutlich fühlen zu können, trotzdem zögerte er noch immer. Aber Fanni wirkte vollkommen verlassen, die schmalen Schulter hingen kraftlos, als würde die Last des schlechten Sprungs und das Wissen, dass kein 'Q' hinter seinem Namen erscheinen würde, ihn der Fähigkeit des Fliegens berauben und das norwegische Küken mit aller Deutlichkeit durch die ungewohnte Schwerkraft an den Erdboden fesseln. Und, selbst unter der, eigentlich unnötigen, blauen Kapuze verborgen, meinte Tom erkennen zu können, dass auch die ganze Mimik gerade einfach nur noch verzweifelt und hilflos zu wirken schien. Nun doch endlich seinen Instinkten folgend und ohne weiter darüber nachzudenken, schlang er vorsichtig einen Arm um Fanni und zog den angespannten Athleten gegen seine breite Brust. Sein Akzent, den Alex schon lange abgelegt zu haben schien, klang noch immer mit, als er zum ersten Mal leise den Spitznamen des Athleten aussprach, „Küken ...“
Fanni drehte sich zu ihm.
Nein, wirbelte herum.
Plötzlich und voller Hast.
Stürmisches Silber.
Verhangenes Dunkelgrau.
Silbrige Flecken in der stetig wachsenden Dunkelheit.
Nur gebrochen vom geweiteten Schwarz der Pupille.
Es war ein lastender, schwerer Blick. Ein Blick voller Entsetzen und auch mit einer überlauten, dennoch stummen Anklage, der nun auf Tom ruhte. Es dauerte aber auch nur wenige Sekunden, nicht mal ein oder zwei Herzschläge, aber dennoch schien es für Tom eine schiere Ewigkeit zu sein.
Das dunkle, geschmolzene Silber des aufgewühlten Blickes schien den Physio förmlich an diesen Ort zu bannen, ihm die Fähigkeit sich zu bewegen zu rauben. Tom stolperte dann, nachdem die silbrigen Flecken von der seltsamen, grauen Dunkelheit in Fannis Blick verschluckt worden zu sein schienen und sich die ihm auferlegte Starre endlich gelöst hatten, einige Schritte und hob gleichzeitig in einer beinahe bittenden, fast schon beschwörenden Geste die Hände. „Fanni ...“, er wollte den Namen aussprechen, brachte aber keinen Laut über seine Lippen, sondern senkte nur geschlagen den Kopf.
Die Botschaft des Blickes war deutlich gewesen.
Er war nicht Lars.
Er war nicht erwünscht.
Er durfte nicht trösten.
Er durfte nicht anfassen.
Er war nicht Lars.
Und die Zweifel waren wieder da.
Genährt von einem silbernen Blick.
Sie schienen unter den dunkelgrauen Schatten stetig zu wachsen.
Gediehen in der unvertrauten, silbergrauen Dunkelheit der stummen Anklage, die auch nicht von Tom wich, als Fanni sich umdrehte und dann mit gesenktem Kopf den Exitbereich verließ.
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