Eine Rose mit Dornen

GeschichteFantasy / P18
11.01.2019
16.03.2019
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EINE ROSE MIT DORNEN

1. Warum hast du das getan?
     
Rosalie starrte auf das schmerzverzerrte Gesicht des ca. zwanzigjährigen Mannes, der sich auf dem Bett vor ihr stöhnend herumwarf.
„Warum hast du das getan?“ fragte Carlisle leise.
Rosalie antwortete nicht, sondern starrte weiter auf das Bett. Ja, warum hatte sie das getan? Warum hatte sie ihn nicht ausgesaugt, wo er doch blutüberströmt und sterbend auf dem Waldboden lag?
>>Weil ich gerade das Blut eines ganzen Grizzly getrunken hatte?<<  versuchte sich Rosalie vor sich selbst zu rechtfertigen, aber sie wusste, dass das nicht stimmte. Ein Vampir konnte noch so viel Tierblut trinken, wenn er Menschenblut roch, war der brennende Durst wieder da, so als ob er wochenlang keinen Tropfen Blut zu sich genommen hätte.
„Er sah so hilflos aus“, versuchte sie eine Erklärung.
„Menschen sehen für uns immer hilflos aus“, widersprach Carlisle, „und sie sind es auch.“
„Er…, er erinnerte mich an den kleinen Jungen meiner Freundin Vera“, gestand Rosalie zögernd.
Carlisle sah zweifelnd auf den Mann auf dem Bett. Mit einem kleinen Jungen hatte dieser große muskelbepackte Mann sehr wenig gemein.
„Hoffentlich haben wir keinen Fehler gemacht“, meinte Carlisle, „er scheint ziemlich stark zu sein. Wenn er aufwacht und wütend darüber ist, was er nun ist, wird es schwer werden, ihm Einhalt zu bieten.“
„Wir werden es ihm erklären, ganz ruhig.“
„Wenn er uns die Gelegenheit dazu lässt“, schränkte Carlisle ein, er sah Rosalie an, „Rose, ich habe mir eigentlich geschworen, nach dir nie wieder jemand zu verwandeln. Ich wollte den Fehler, den ich mit deiner Verwandlung begangen habe, nicht nochmals wiederholen.“
Rosalie sah den jungen Mann unverwandt an, aber dann wandte sie ihren Kopf und sah Carlisle an.
„Carlisle, du hast keinen Fehler begangen als du mich gewandelt hast“, sagte sie, „ich bin auf Royce und seine tollen Freunde böse, die mir das angetan haben. Die mir die Chance auf ein normales Leben geraubt haben, ein Leben mit Familie, Kindern…“,
„Es tut mir leid“, murmelte Carlisle, „aber hätte ich dich da auf der Straße sterben lassen sollen? Ich konnte es nicht, ich konnte dich nicht deinem Schicksal überlassen.“
„Siehst du? Und ich konnte ihn nicht seinem Schicksal überlassen“, erwiderte Rosalie lächelnd.
Sie wischte zum wiederholten Mal die schweißnasse Stirn des dunkelhaarigen Mannes mit einem Tuch ab. Carlisle sah, wie sanft und vorsichtig sie das machte. Sollte dieser junge Mann in Rosalie etwas gerührt haben?
Carlisle wünschte es ihr von ganzem Herzen, vielleicht konnte sie so ihr Trauma überwinden, dass ihr das schreckliche Erlebnis der Vergewaltigungen bei ihr ausgelöst hatte. Dass sie ihre Vergewaltiger einen nach dem anderen umgebracht und es sogar genossen hatte, hatte sie befriedigt, aber die Erinnerung an die Tat nicht ausgelöscht. Sie sprach zwar nie darüber, versteckte sich hinter Oberflächlichem, beschäftigte sich hauptsächlich mit ihrem Aussehen, aber Edward konnte in ihren Gedanken sehen, dass sie sich noch immer damit herumquälte.

„Wie lange wird es noch dauern?“ fragte sie besorgt, ihr tat der Mann leid, denn sie wusste nur zu gut, welche Schmerzen er auszuhalten hatte. Sie selbst hatte während ihrer Verwandlung so laut geschrien, dass die drei Vampire, Carlisle, Esme und Edward, froh waren, weit weg von Menschen in den Bergen zu wohnen.
„Er ist groß und stark“, gab Carlisle zu bedenken, „und sein Herz wehrt sich nach Kräften, ich denke, es wird schon noch zwei Tage dauern.“
„Der Arme“, rutschte Rosalie ungewollt heraus.
„Du kannst ruhig gehen, momentan kannst du ihm nicht helfen“, meinte Carlisle, aber Rosalie schüttelte ihren Kopf.
„Ich bleibe.“ Sie zog sich einen Stuhl heran und setzte sich neben das Bett.
„Gut“, nickte Carlisle und verließ den Raum.

Rosalie wischte wieder gedankenverloren über die Stirn des Mannes. Ihre Gedanken gingen zurück zu dem Augenblick, als sie auf ihn aufmerksam wurde. Eigentlich war sie nicht auf ihn aufmerksam geworden, sondern auf das laute Brummen eines Bären, das ihre verschärften Vampirsinne gehört hatten. Sie hatte geschnuppert und sofort erkannt, dass der Bär bluten musste, denn der Geruch nach seinem Blut schwängerte die Luft und nicht nur Bärenblut, nein da war auch ein anderer Geruch…, Menschenblut!
Ihre Kehle loderte sofort hoch auf und ohne weiter nachzudenken, raste sie in die Richtung, wo der Geruch herkam. Sie hatte zwar noch nie Menschenblut getrunken, selbst das Blut von Royce und seinen Kumpanen nicht, aber im Augenblick war sie eines Gedankens gar nicht fähig, sie wollte Blut!
Als sie eine Lichtung erreichte, blieb sie abrupt stehen. Vor ihren Augen spielte sich Unmögliches ab. Ein Mann kämpfte mit einem riesigen Bären, es schien ein Ringkampf zu sein und beide bluteten aus vielen Wunden. Der Mann war zwar stark, aber der Bär war stärker und Rosalie erkannte sofort, dass dieser den Mann gleich töten würde. Ohne zu überlegen sprang sie den Bären an und schlug ihre Zähne in seinen Nacken. Wild schlug der Bär um sich und verletzte den Mann mit seinen Tatzen noch mehr. Aber es half ihm nichts und einige Augenblicke später sank er tot zu Boden.
Rosalie wischte sich das Bärenblut vom Mund und sah nach dem Mann. Auch er war zu Boden gesunken und sie sah mit einem Blick, dass er nicht mehr lang zu leben hatte. Also, wenn er ohnehin sterben würde, konnte sie genauso gut von seinem Blut trinken. Carlisle würde zwar enttäuscht sein, wenn sie mit roten Augen nach Hause kommen würde, aber in seiner Güte würde er ihr verzeihen. Carlisle verzieh immer, er war durch und durch ein guter Mensch, äh, Vampir. Fast hätte Rosalie darüber gekichert, aber sie wollte jetzt anderes zu tun.
Sie beugte sich zu dem Mann runter, um ihm ihre Zähne in den Hals zu rammen, aber da öffnete er seine Augen und sah sie an. Seine Augen waren so blau wie der Sommerhimmel über den Wipfeln der Bäume und Rosalie erstarrte in der Bewegung.
„Wer bist du“ fragte er, aber gleich darauf stöhnte er, „mein Gott, der Bär, ich bin tot!“
Er hustete und Blut rann ihm aus dem Mundwinkel.
„Du musst ein Engel sein“, flüsterte er, die Stimme versagte ihm, aber er versuchte ein Lächeln, Grübchen tauchten auf seinen Wangen auf und in Rosalie rührte sich etwas, ein neues Gefühl durchströmte sie, Mitleid und noch etwas, was Rosalie aber nicht einordnen konnte.
„Du bist nicht tot“, sagte sie, „und du wirst auch nicht sterben.“
Ohne weiter nachzudenken hob sie ihn hoch und raste mit ihm in Richtung des Hauses, das sie und die anderen Vampire momentan bewohnten.

Und nun saß sie neben dem Bett, auf dem sich der Mann mit den blauen Augen und den Grübchen in den Wangen stöhnend hin und her warf und fragte sich, was für ein Teufel sie geritten hatte, ihn retten zu wollen. Sie, Rosalie, rettete einen fremden Mann, einen Mann! Wo sie sich doch geschworen hatte, nie wieder einen Mann an sich heranzulassen. Bewundern durften die Männer sie, oja, das sollten sie sogar, aber bitte aus der Ferne!
Sie war einerseits auf Edward böse gewesen, als sie erkennen musste, dass er sie zwar ganz hübsch fand, aber sie partout nicht anhimmeln wollte, andererseits war sie froh darüber, denn sie wohnten in einem Haushalt und da hätte sie ihm nicht ausweichen können, wenn er mehr gewollt hätte und ihn wahrscheinlich getötet. Das wiederum hätte Carlisle mehr als wehgetan, denn Edward war nach 300 Jahren Einsamkeit sein erster Gefährte gewesen.
Nun würde bald noch ein Mann in ihrem Haushalt leben und nicht nur das, das Gesetz verlangte, dass sich der Vampir, der einen Menschen verwandelt hatte, auch um diesen kümmern musste, ihm durch die Neugeborenen Zeit helfen musste. Nun hatte Carlisle ihn zwar verwandelt, aber auf ihren Wunsch und somit wird er auch von ihr verlangen, dass sie sich um den neuen Vampir zu kümmern hatte.
Das würde sie auch tun, aber wehe, er kommt ihr zu nahe, dann wird sie ihm schon zeigen, wozu der Vampir Rosalie fähig ist!

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Ich hoffe, ihr seid nicht zu enttäuscht, dass es diesmal keine Volturi Geschichte ist, aber diese Geschichte hat sich so massiv vorgedrängt, sie musste ganz einfach raus!
Auch diese ist bereit fertig geschrieben, so wird es keine Probleme mit dem posten geben, allerdings werde ich es nicht schaffen, so oft wie bisher zu posten, aber ich werde versuchen, zumindest einmal in der Woche etwas hochzuladen.
Ich hoffe, ihr habt auch an dieser Geschichte eure Freude
Eure Wolfsfalle

Und noch etwas..., Marcus und seine Familie fangen auch schon wieder zu drängeln an, dauert aber noch etwas, ist erst im Kopf...
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