The good part

von lunalinn
OneshotDrama, Romanze / P12 Slash
Shouta Aizawa Toshinori Yagi
11.01.2019
24.06.2019
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Seitdem All Might seine letzten Kräfte im Kampf gegen All for One aufgebraucht hatte, merkte er nach und nach, wie viel schwieriger dies sein Leben machte. Nicht, dass dies sonderlich überraschend kam, schließlich war er Jahrzehnte das Symbol des Friedens gewesen. Er hatte ein Held werden wollen, solange er denken konnte und nachdem er Nana getroffen hatte, war ihm dies auch endlich möglich gewesen. Sie hatte ihm One for All vererbt und ihn trainiert…ihm die Werte beigebracht, die er verinnerlicht hatte. Er bereute sein Versagen, All for One damals nicht getötet zu haben und dass dieser Mistkerl sogar jetzt immer noch lebte, verursachte ihm Magenkrämpfe, die nicht von seiner Verletzung herrührten. Nicht nur jedenfalls. Was er nicht bereute, war, seine letzten Kräfte dafür geopfert zu haben, ihn zum zweiten Mal zu besiegen, sodass er nun zumindest weggesperrt war.
Dennoch…er war so lange All Might gewesen, dass es ihm schwer fiel, nur noch Yagi Toshinori zu sein. Wann immer er von einer Katastrophe hörte, bei der Menschen in Gefahr schwebten, wollte er aufspringen und losrennen. Mehr als einmal hatte sich sein Körper selbstständig gemacht, hatte dem Reflex nachgegeben, doch die Muskelform verpuffte jedes Mal in Sekunden, erinnerte ihn daran, dass All Mights Zeit vorbei war. Endgültig.
Er musste sich um die Ausbildung des jungen Midoriya und die der anderen Schüler kümmern, das war nun seine Aufgabe. Außerdem hatte er Aizawa das Versprechen gegeben, ein besserer Lehrer zu werden, sodass er sich dieses Buch zugelegt hatte. Obwohl der Titel „Sogar die größten Idioten können Lehrer werden“ recht banal war, fand er die Lektionen tatsächlich hilfreich.
Yagi seufzte leise, während er sich in seinem Stuhl zurücklehnte und gedankenverloren auf den Bildschirm seines Rechners starrte. Obwohl ein paar der anderen Lehrer durch das Büro wuselten und Present Mics Stimme wie immer alles übertönte, nahm er wenig davon wahr. Seine verlorenen Kräfte stellten nicht sein einziges Problem dar…und er wusste wirklich nicht, wie er sich verhalten sollte.

„Are you excited, everybody?!“

Er konnte sich ja nicht einmal erklären, wie er in dieser unangenehmen Situation gelandet war. Es hatte sich einfach so entwickelt, ohne dass er Einfluss darauf gehabt hätte. Anfangs hatte er es zu ignorieren versucht, doch seine schwitzigen Hände und das Herzrasen ließen sich nicht leugnen. Schon daran zu denken, machte ihn so nervös, dass er keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte. Dabei sollte er aus diesem Alter seit langem raus sein, nicht wahr? Schließlich war er ein erwachsener Mann und keiner der Teenager, die er unterrichtete.

„Morgen ist…Valentinstaaaaag!!“, trällerte Present Mic durch das Büro und formte mit seinen Fingern ein Herz. „Meine Fans werden mir sicher Unmengen von Honmei Schokolade schicken, yeaaaahhh!“
„Wie gut, dass du überhaupt keine hohen Erwartungen hast, Mic…“, bemerkte Midnight und rollte mit den Augen, während Snipe neben ihr zustimmend nickte.
„Ich bin halt popular, guys!“, erwiderte Mic grinsend und zuckte mit den Schultern.

Sein Privatleben war immer sehr knapp bemessen gewesen, sodass seine wenigen Beziehungen selbst in seinen jüngeren Jahren recht kurzlebig gewesen waren...mehr Affären. Dann war der Vorfall mit All for One passiert und nachdem er dem Tode knapp entronnen war, hatte er ganz andere Prioritäten gehabt. Niemand hatte von seinem Zustand erfahren dürfen, demnach hatte er auch niemanden mehr an sich rangelassen. Er war so versessen darauf gewesen, seine verbliebene Kraft für die Menschheit einzusetzen, dass er es nicht mal vermisst hatte. Es hatte ihm nicht gefehlt.

„Ich hätte auch gern Honmei Schokolade…“, seufzte Cementoss verträumt.
„Ich bekomme immer nur Giri Schokolade“, brummte Ectoplasm, woraufhin Midnight seine Schulter tätschelte.
„Tut mir leid, Jungs…“, erwiderte sie mit einem Zwinkern. „Aber ich weiß, wer ganz sicher wieder Honmei Schokolade bekommt~!“
Ihr Trällern hallte durch den Raum, während sie ihren Arm ausstreckte und auf die Person zeigte, die soeben hereinkam. Yagi blickte auf und direkt bekam er wieder dieses Herzrasen, das ihn schon seit ein paar Wochen in den Wahnsinn trieb. Midnights auserkorenes Opfer runzelte die Stirn, beäugte seine Kollegin misstrauisch.
„Oh, du brauchst gar nicht so zu tun, Eraser~“, flötete sie und wackelte mit den perfekt gezupften Augenbrauen. „Morgen ist Valentinstag~ und ich wette Ms. Joke schickt dir wieder selbstgemachte Smiley-Schokolade!“
Für einen Moment hielt Yagi die Luft an, beobachtete angespannt Aizawas Gesicht, welches sich jedoch rasch in eine finstere Grimasse verwandelte. Ihm schien die Aussicht auf Ms. Jokes Honmei Schokolade zu missfallen, was Yagi innerlich aufatmen ließ. Nicht, dass dies irgendwas an seinem Dilemma änderte…

„Ich habe keine Zeit für so einen Schwachsinn“, murrte der Underground-Hero genervt.
„Wie kann man nur so kaltherzig sein, Eraseeeeer!“, krakeelte Mic, was ihm einen Todesblick seines Kollegen einbrachte.
Ein unverständliches Grummeln war alles, was man von Aizawa hörte, ehe sich dieser auf seinen Platz setzte und zu arbeiten begann. Jedenfalls hatte er das bestimmt vor, doch Midnight trat hinter ihn und stützte ihren Ellenbogen auf seiner Schulter ab, ein verschlagenes Grinsen auf den vollen Lippen.
„Komm schon~“, säuselte die Heldin. „Die meisten Männer würden sich um ein bisschen Aufmerksamkeit von hübschen Frauen reißen! Du musst sie ja nicht direkt heiraten, aber für ein bisschen Spaß-“
„Midnight!“, zischte Aizawa sie an, woraufhin sie leise lachte und abwehrend die Hände hob.
„Schon gut, schon gut…ich ärgere dich doch nur~“
„Hn.“
Yagi dagegen senkte den Kopf über das aufgeschlagene Buch auf seinem Tisch, um ja von niemandem angesehen zu werden. Zwar konzentrierten sich alle auf Aizawa, doch so, wie seine Wangen brannten, konnte sich das schnell ändern. Dieses Gespräch machte ihn fertig…und es versetzte ihm einen Stich.
Warum musste es auch ausgerechnet Aizawa sein, der solche Gefühle in ihm auslöste? Begonnen hatte es bei ihrem Treffen in der Bar…vielleicht auch früher, denn trotz ihrer anfänglichen Schwierigkeiten miteinander hatte ihn der andere Mann von ihrer ersten Begegnung an fasziniert. Aizawas Ehrlichkeit, so gnadenlos sie auch oftmals war, und seine versteckte Gutherzigkeit trafen einen Nerv bei ihm. Es war nicht leicht in Worte zu fassen, doch je öfter sie sich getroffen und unterhalten hatten, umso stärker war die Anziehung geworden, die der Underground-Hero auf ihn ausübte.
Auf seine eigene Art war Aizawa zudem ziemlich attraktiv, da konnte er noch so finster gucken oder gerade aus dem Schlafsack krabbeln. Manchmal ertappte Yagi sich dabei, wie er seine zerzauste Mähne oder seine Wange berühren wollte. Es war bisher selten vorgekommen, dass er auf diese Weise über einen Mann nachdachte, aber auch nicht das erste Mal. Aufgrund seiner geringen Freizeit hatte er sich damit nie genügend beschäftigt…es waren immer nur Frauen gewesen, mit denen er sich näher befasst hatte.
Und nun musste es Aizawa sein. Davon abgesehen, dass er nicht wusste, ob Aizawa Männer überhaupt auf diese Weise mochte, hätte er sich keine größere Herausforderung suchen können. Aizawa war eine ganze Ecke jünger und gesünder als er, er sah um einiges besser aus als er…und er war eben einfach Aizawa.

„Uhm…All Might?“
Inzwischen hatte er sich noch tiefer über das Buch gebeugt, die gesunde Hand in seinen blonden Haaren vergraben, sodass er zunächst gar nicht wahrnahm, dass ihn jemand ansprach. Als ihn eine Hand sachte an der Schulter antippte, schrak er so heftig hoch, dass er durch die Reaktion direkt einen Schwall Blut spuckte.
„Oh Gott! Es tut mir leid!“, vernahm er eine sehr bekannte Stimme hinter sich.
Während er sich keuchend über den Mund wischte, drehte er sich mitsamt des Stuhls herum, nur um in ein sommersprossiges Gesicht zu blicken. Hinter sich, auf der anderen Seite des Tisches, diskutierten Midnight und Mic schon wieder über den Valentinstag.
„Midoriya-shonen“, wandte er sich an den Jungen und lächelte schief. „Wie kann ich dir helfen?“
Sein angehender Nachfolger blickte ihn immer noch besorgt an, doch bei seiner Frage räusperte er sich verlegen, errötete leicht.
„Eh…ich wollte…können wir reden? Also…allein?“, stammelte er, wobei er an ihm vorbei sah, wo die Diskussion ihren Lauf nahm.
Yagi hatte nicht mal eine Ahnung, über was der Junge reden wollte, denn One for All war bestimmt kein Grund, rot zu werden. Nun, als sein Mentor würde er versuchen, ihm in allen Lagen zu helfen, weswegen er nickte.
„Sicher, folge mir.“
Er erhob sich, immerhin hatte er noch etwas Zeit bis zur nächsten Lehrstunde, da gerade Mittagspause war. Als er hinter Midoriya schon fast zur Tür raus war, warf er einen kurzen Blick über die Schulter und…bemerkte, dass Aizawa nicht auf seinen Monitor schaute. Er beachtete weder Midnight, noch Mic, die hinter ihm ausschweifend gestikulierten…er sah ihn an. Obwohl Yagi seinen Ausdruck nicht deuten konnte, wurde er schon wieder knallrot, sodass er sich hektisch wegdrehte und den Raum verließ. Oh Gott…er benahm sich tatsächlich wie ein Teenager in der Pubertät. Peinlich.

Einer der Besprechungsräume war noch frei, sodass er diesen nutzte, um mit Midoriya unter vier Augen sprechen zu können. Wenigstens hatte er sich soweit im Griff, dass die Hitze aus seinen Wangen gewichen war, als er die Tür hinter ihnen schloss. Tief atmete er durch, setzte sich dann auf die mit grauem Stoff bezogene Couch, während der Junge ihm gegenüber auf einem der Sessel Platz nahm. Yagi faltete die Hände ineinander, stützte die Arme auf seine Knie, die in einer schlichten, schwarzen Hose steckten.
„So…worüber möchtest du sprechen?“, fragte er den Jungen, der stocksteif da saß und auf den Tisch zwischen ihnen sah.
War das, was ihm auf der Seele brannte, so eine große Sache? Musste er sich Sorgen machen? Hatte er etwas angestellt oder gab es Probleme mit One for All? Verletzt wirkte er glücklicherweise nicht, andererseits gab es Wunden, die man nicht sofort sah.
„Ich…also, es ist…ich weiß, dass das bestimmt total lächerlich rüberkommt, ich meine, ich sollte dich das nicht fragen, weil du hast damit ja nichts zu tun, aber ich weiß nicht, zu wem ich sonst gehen soll und ich hab mir gedacht, da du ja viel älter bist als ich und bestimmt einen Rat weißt und wenn ich-“
„Oi, jetzt warte doch mal!“, unterbrach Yagi das Gebrabbel, das er ja schon von dem Jungen kannte.
Er seufzte leise, schüttelte dann den Kopf und blickte ihn auffordernd an.
„So verstehe ich wirklich nichts…noch mal von vorn. Worum geht es?“
Midoriya schluckte merklich, straffte aber die Schultern, auch wenn er erneut errötete. Immerhin wich er ihm diesmal nicht aus, sah ihm in die Augen.
„Es ist wegen morgen...weil doch Valentinstag ist.“
Yagi blinzelte, glaubte, sich verhört zu haben; darum ging es? Das hatte er jetzt als Letztes erwartet…und er wusste auch nicht, wie er diesbezüglich helfen sollte. Allerdings schien Midoriya Mut gefasst zu haben, denn er sprach direkt weiter.
„Ich…mag jemanden sehr gern. Ein Mädchen…und ich hoffe, dass sie mich auch mag. Deswegen…was, wenn…ich morgen keine Honmei Schokolade bekomme…oder noch schlimmer, wenn sie sie jemand anderem schenkt? Ich meine…was würdest du tun?“
Yagi fragt sich, ob sich das Schicksal hier einen üblen Scherz mit ihm erlaubte; war es wirklich Zufall, dass Midoriya dasselbe Problem wie er selbst hatte? Nun, dasselbe vielleicht nicht, aber ein sehr ähnliches. Anscheinend fürchteten sie beide Zurückweisung…so viel dazu, er wäre älter und wüsste einen Rat. Natürlich hätte er einen, doch es kam ihm heuchlerisch vor, diesen an den Jungen weiterzugeben, wenn er selbst ihn nicht umsetzen würde. Innerlich haderte er mit sich, biss die Zähne zusammen, während er seine Antwort überdachte.
Nur weil er selbst feige war, konnte er dem Jungen nicht die Hoffnung nehmen. Midoriya war so jung und er würde noch viele Enttäuschungen erleben, das blieb auf seinem Weg nicht aus. Dennoch durfte er dadurch den Mut nicht verlieren. Gehörte das nicht auch zu seinem Job als Mentor? Ihn darin zu bestärken, nicht einfach aufzugeben? Er musste sich wirklich an seine eigenen Tipps halten…

Midoriya zuckte zusammen, als Yagi ohne Vorwarnung aufsprang und mit einem „Poof“ in All Mights Gestalt wechselte. Die Muskeln sprengten den obersten Knopf seines weißen Hemds – woran er vorher nicht gedacht hatte –, doch er ignorierte dies. Mit seinem typischen Lächeln und in die Hüften gestemmten Händen sah er auf den Jungen runter, der ihn perplex anstarrte.
„Du darfst eines nie vergessen, Midoriya-shonen!“, sprach er in heroischem Ton. „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Selbst wenn du morgen keine Honmei Schokolade bekommst, muss das nicht heißen, dass dich das Mädchen nicht mag! Vielleicht ist sie schüchtern oder unsicher…doch wenn du nur abwartest, wirst du es nie herausfinden! Sei mutig und geh auf sie zu! Und selbst wenn sie jemand anderen mag, so ist das kein Grund, sich entmutigen zu lassen! Du bist noch so jung und alles steht dir offen! Du weißt mittlerweile, dass dich gerade negative Erfahrungen stärker machen können! Also scheue sie nicht! Du wirst daran wachsen!“
Yagi spannte den unverletzten Arm an und streckte ihn in die Höhe, ballte die Faust und lächelte ihn voller Zuversicht an – ehe sich die Form auch schon wieder auflöste. Schweigen herrschte im Raum, während er langsam die Hand sinken ließ und den Jungen musterte. Dieser starrte ihn immer noch an, doch dann fasste er sich allmählich. Hoffentlich waren seine Worte nicht zu verwirrend gewesen…
„Du hast Recht.“
Er erwiderte nichts darauf, sondern sah zu, wie Midoriya mit einem schiefen Lächeln aufstand. Hatte ihm sein Auftritt tatsächlich ein wenig die Angst nehmen können? Yagi wünschte, bei ihm selbst würde das ebenfalls so leicht gehen. Wobei…nein…bestimmt reichten seine großspurigen Phrasen nicht aus, um ihm alle Sorgen zu nehmen. Es lag in der Natur der Menschen, zu hinterfragen und zu zweifeln.
„Nur zu warten, wird mich nicht voranbringen. Das hat es nie…und vielleicht fällt es mir leichter, wenn ich daran zurückdenke. Also, was ich schon geschafft habe. Ich meine…mir wurde auch gesagt, ich könnte kein Held werden…bis ich dich getroffen habe, nicht wahr?“
Yagi konnte nicht anders, als mit Stolz erfüllt zu sein, und seine Miene hellte sich auf. Ja…der Junge hatte so vieles geschafft, obwohl keiner an ihn geglaubt hatte. Keiner außer ihm, weil er etwas in ihm gesehen hatte, das ihn an sich selbst erinnerte. Einen starken Willen, ein gutes Herz…warum nicht daran glauben, dass er auch diese Hürde nehmen konnte?
„Das ist die richtige Einstellung, Shonen“, stimmte er ihm zu und drückte kurz seine Schulter.
Der Junge rieb sich verlegen den Nacken, schaute wieder zu ihm auf.
„Danke für den Rat, All Might…ich fühle mich jetzt wirklich viel besser“, meinte er ehrlich und Yagi musste schmunzeln.
„Das freut mich.“
Vermutlich würde Midoriya trotzdem die Pumpe gehen, wenn er mit dem Mädchen sprach, in das er sich verguckt hatte. Er selbst musste ja nur an Aizawa denken, dass ihm angst und bange wurde. Dennoch, nun, wo er so eine große Klappe gehabt hatte, musste er ebenso danach handeln. Er musste ja nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen, aber bloß da zu sitzen und sich weiter quälen, nein, das war der falsche Weg.
„Die nächste Stunde fängt gleich an, ich sollte mich besser beeilen, bevor Aizawa-sensei wütend wird“, fiel es dem Jungen plötzlich ein und Yagi nickte zustimmend.
„Ja, geh nur“, pflichtete er ihm bei und ließ ihn los.
Einem wütenden Aizawa wollte er auch nicht gegenüberstehen. Keiner, der bei Verstand war, wollte dies.
„Bis später dann, All Might! Und danke noch mal!“
Yagi nickte nur, sah ihm nach, ehe er hörbar seufzte und sich den Nacken rieb. Aktiv werden, schön und gut, doch wie genau er vorgehen wollte, wusste er nicht. Valentinstag, fiel es ihm wieder ein und als er so darüber nachdachte, kam ihm eine Idee, die er bislang nicht in Betracht gezogen hatte, obwohl sie naheliegend war. Es war so einfach und trotzdem nicht zu offensichtlich, sodass er sich überforderte. Wenn er sich auf diese Weise vorwagte, würde er einen kleinen Schritt in die richtige Richtung machen…trotzdem es ein bisschen sehr kitschig war.
Aizawa hasste Kitsch zwar, doch es gab ein Detail in seiner Idee, bei dem er sicher war, dass es dem anderen gefallen würde. Seine Mundwinkel zuckten, als er sich auf den Weg zu seiner nächsten Klasse machte.


„Es ist…Valentine’s Day, friends!!!“
Schon früh am Morgen, bevor die erste Stunde begann, krakeelte Present Mic durch das Büro, machte dabei eine überschwängliche Drehung. Die laute Stimme ließ ein paar von ihnen stöhnen, andere schauten neugierig zu ihm herüber. Mic hatte sich am Vortag offensichtlich nicht zu früh gefreut, denn tatsächlich lagen auf seinem Tisch ein paar Päckchen, die nicht nach Standardware aussahen. Auf Yagis eigenem Platz fand sich ebenfalls eine Schachtel und als Midnight ihm zuzwinkerte, schenkte er ihr ein dankendes Lächeln. Giri-Schokolade. Dieselbe, die sie anscheinend all ihren männlichen Kollegen geschenkt hatte, wenn er sich so umschaute. Er hatte nicht damit gerechnet, doch die Geste freute ihn.
Aizawa konnte er nicht entdecken, doch es wunderte ihn nicht, schließlich kam es nicht selten vor, dass dieser in seinem Klassenzimmer schlief. Wahrscheinlich hatte er sich dort in seinem gelben Schlafsack eingerollt und würde sich erst in der Pause blicken lassen. Yagi kam das an diesem Tag mehr als gelegen.
Er sollte Recht behalten, denn erst nach den ersten beiden Stunden entdeckte er seinen müde aussehenden Kollegen an dessen Platz. Den Schlafsack, der ihn jedes Mal an eine übergroße Raupe erinnerte, hatte er über seinen Stuhl gehängt. Yagi versuchte, ihn nicht zu sehr anzustarren, doch die steile Falte zwischen seinen Brauen entging ihm nicht. Aizawas Mimik war schwer zu deuten, da er grimmig wie eh und je wirkte.
„Hey, hey!“, hörte er Midnight sagen, während er sich rasch setzte und den Blick auf seine Tastatur heftete. „Was seh ich da? Gleich zweimal Schokolade? Das ist neu.“
Auch Present Mic wurde daraufhin hellhörig und wuselte zu seinen beiden Freunden herüber, um sich selbst davon zu überzeugen.
„Was höre ich daaaa?! Really, Eraseeeer?! Explain! Now, buddy!”
„Ihr seid zu laut“, hörte er Aizawa murren. „Und ich hab keine Ahnung, von wem die ist.“
„Mach sie schon auf!“, beharrte Midnight aufgeregt. „Ich meine, die da ist in Smiley-Papier eingewickelt...das kennen wir ja schon, aber was ist mit der blauen?“
„Interessiert mich nicht.“
Autsch. Yagi senkte den Kopf noch etwas mehr über seinen Schreibtisch, bemüht, niemanden sehen zu lassen, dass ihm das Herz beinahe aus der Brust sprang. Natürlich hatte er in Erwägung gezogen, dass so etwas passieren konnte, aber…trotzdem…
„Aizawa Shouta, du machst jetzt die verdammte Schokolade auf! Ich platze gleich vor Neugierde!“
Hatte Midnight gerade mit ihrer Peitsche geknallt? Oh Gott…was hatte er heraufbeschworen? Aizawa würde ihn allein wegen diesem Aufruhr umbringen, denn mittlerweile hörte sicher das ganze Büro zu. Irgendwie hatte er so etwas bei seiner Aktion nicht bedacht.
„Sucht euch endlich ein Hobby, anstatt in anderer Leute Privatleben herumzuschnüffeln“, knurrte der Underground-Hero genervt.
„Wir schnüffeln bloß in deinem, buddy!“
„Das nennt man Interesse an seinen Mitmenschen, also stell dich nicht so an und mach es auf!“
Vermutlich sandte Aizawa gerade Todesblicke in die Richtung seiner Freunde, aber das Rascheln von Papier bedeutete wohl, dass er aufgab. Eine Weile sprach keiner der drei und Yagi starb innerlich tausend Tode. Plötzlich fand er seine Idee über alle Maßen peinlich und er hoffte, dass niemand seinen roten Kopf bemerkte.

„Sind das…“
„Yes!“
„Wow…da hat sich jemand Mühe gegeben.“
„Not perfect but…cute.“
„Immerhin kannst du anhand dessen sicher sein, dass sie selbstgemacht sind.“
„Indeed…ich meine, die Form ist wirklich etwas krüppelig…“
„Wie viele Leute wissen noch mal, dass du ein Kätzchen-Fan bist?“
„…“
Aizawas Schweigen fühlte sich wie Nadelstiche an und Yagi traute sich kaum zu atmen. Er würde hier noch draufgehen, wenn das so weiterging. Immerhin schien er sie nicht gleich wegzuschmeißen, sonst wären die Proteste der anderen beiden wohl schon laut geworden.
„Da steht jedenfalls nichts…“, murmelte Midnight nachdenklich, schnipste im nächsten Moment aber mit den Fingern. „Kann es sein, dass sie von den Wild Wild Pussycats ist?“
„Yeah…das ist möglich. Ich meine, es ist Kitty-Chocolate…“
„…“
Aizawa sagte immer noch nichts dazu, was Yagis Stresslevel weiter ansteigen ließ. An die Wild Wild Pussycats hatte er natürlich auch nicht gedacht. Wenn Aizawa nun glaubte, sie käme von Mandalay oder Pixie-Bob…und als Midnight genau diese Möglichkeit erwähnte, nahm Yagi seine Unterlagen und verließ das Büro. Die nächste Stunde fing sowieso bald an…und er musste dringend hier weg. Ohne einen Blick auf die drei zu werfen, schloss er die Tür hinter sich, atmete so heftig aus, dass er den Blutgeschmack in seinem Mund wahrnahm.
Er hatte es verbockt…und er konnte nur hoffen, dass es bei Midoriya besser gelaufen war als bei ihm. Was hatte er sich eigentlich davon versprochen? Irgendeine Art positive Reaktion vermutlich, die Aizawa angespornt hätte, mit ihm zu reden. Im Nachhinein war das nicht gut durchdacht gewesen…und wenn Aizawa jemals rausfand, dass die Schokolade in Katzenform von ihm war, würde er ihn vermutlich umbringen. Aizawa hasste jegliche Art von Aufmerksamkeit und nun wusste nahezu das komplette Kollegium von seinem besonderen Geschenk. Großartig…


Der restliche Tag zog sich wie zäher Kaugummi hin und Yagi war froh, dass er Aizawa zwischen den Stunden kaum zu Gesicht bekam. Solange er nicht wusste, wie er das mit der Schokolade grade biegen sollte, wollte er diesem nicht gegenübertreten. Er befürchtete, dass er es nur noch schlimmer machen würde, was hauptsächlich seiner Nervosität geschuldet wäre. Die vielen, mit kleinen Paketen bewaffneten Teenager machten es nicht besser, auch wenn er sich natürlich freute, als er Midoriya mit einer kleinen, rosafarbenen Schachtel auf dem Gang erblickte. Seinem strahlenden Lächeln nach zu urteilen, hatte sich der Junge umsonst Sorgen gemacht.
Yagi seufzte schwer, als er am späten Nachmittag seine Sachen zusammenpackte, um Feierabend zu machen. Zumindest das Wetter passte sich seiner deprimierten Stimmung an, denn es schüttete draußen wie aus Eimern, während der Himmel mit grauen Wolken bedeckt war. Nun gut, weit hatte er es ja nicht bis zur Lehrerunterkunft, von daher sollte er vielleicht einfach rennen. Andererseits würde er damit das Risiko eingehen, sich eine Erkältung einzufangen, was in seinem speziellen Fall gefährlich werden konnte. Zumindest wurde es allmählich ruhiger im Büro, die meisten Lehrkräfte hatten sich bereits verabschiedet, sodass er schließlich allein war.
Außer dem Prasseln des Regens gegen die Fensterscheiben war es erstaunlich still und nach kurzem Zögern lugte er über seinen Bildschirm. Aizawas Platz war ihm gegenüber, doch die Schokolade konnte er nicht mehr auf dem Tisch entdecken – weder seine, noch die von Ms. Joke. Hm…ob er sie weggeschmissen hatte? Wie lange Yagi am Abend damit beschäftigt gewesen war…schließlich aß er selten Süßes, vertrug zu viel davon nicht gut. Außerdem war sein rechter Arm noch immer nicht wieder vollständig zu gebrauchen.
Plötzlich knackte geräuschvoll das Türschloss, was ihn heftig zusammenzucken ließ. Er ließ sich sofort wieder auf seinen Stuhl fallen, kaum dass die Tür geöffnet wurde und Aizawa samt gelbem Schlafsack eintrat. Das musste ja passieren. Als er den Computer runterfuhr, wurde er sich erneut der schwitzigen Hände und dem Herzklopfen bewusst. Dass man das nicht abstellen konnte.
„Oi.“
Yagi hätte um ein Haar einen Schwall Blut gegen seinen Desktop gespuckt, als Aizawa plötzlich neben ihm stand. Er schluckte die eisenhaltige Flüssigkeit in seinem Mund herunter, was ein Gefühl von Übelkeit in ihm hervorrief. Ausdruckslos wurde er gemustert und Yagi versuchte krampfhaft zu lächeln.
„Hallo, Aizawa-kun“, erwiderte er bemüht freundlich.
Vermutlich sah ihm der andere die Nervosität dennoch an, so scharfsinnig wie er für gewöhnlich war. Der Jüngere lehnte sich gegen seinen Schreibtisch, sah ihn immer noch so prüfend an, dass sich Yagi unweigerlich ertappt fühlte. Er konnte es nicht wissen, oder? Sollte er es ihm vielleicht sagen? Gerade waren sie allein und wenn er all seinen Mut zusammennahm…

„Der Direktor meinte, ich soll dir die Unterlagen für das Provisional Hero License Exam vorbeibringen. Wir haben letztens darüber gesprochen.“
Yagi stockte in seinen wirren Gedanken und blickte verdutzt auf die Mappe, die ihm gereicht wurde. Stimmte ja, es war bald wieder soweit und diesmal würde die 1A teilnehmen. Dieses Examen war nicht gerade leicht, doch er glaubte an die Klasse. Sie würden es sicher schaffen, den Willen und die Fähigkeiten besaßen sie. Er nahm die Unterlagen entgegen, nickte dabei bedächtig.
„Ja, ich erinnere mich. Danke, Aizawa-kun.“
„Hn“, brummte der andere. „Wir werden uns in der verbleibenden Zeit darauf konzentrieren, ihnen eine neue Spezialtechnik beizubringen. Durch das Sport-Festival wissen die anderen Schulen zu gut über uns Bescheid.“
„Das ist wohl ganz sinnvoll. Ich verstehe“, erwiderte Yagi nachdenklich.
„Ich würde dir jedoch davon abraten, sie darauf zu stoßen.“
Fragend sah er den anderen an, neigte leicht den Kopf.
„Was meinst du?“
„Ich meine, dass es sie verunsichern könnte, wenn sie sich diesen Nachteil bewusst machen. Es ändert nichts an der Situation und wir haben bereits eine Gegenmaßnahme ausgearbeitet. Wenn sie Helden werden wollen, werden sie immer wieder in Bedrängnis kommen. Entweder können sie damit umgehen oder nicht“, führte Aizawa es weiter aus und nun verstand Yagi.
„Ich werde es für mich behalten, keine Sorge“, versprach er ernst, woraufhin Aizawa nickte.
„Gut“, erwiderte dieser ruhig. „Und im Übrigen war die Schokolade gar nicht mal so schlecht.“
„Nicht? Na, da bin ich aber – Moment! Was?!“
In Sekundenschnelle kehrten alle Ängste zurück, die er bis eben komplett hatte ausblenden können. Sein Gesicht färbte sich knallrot, während er Aizawa anstarrte, der bei seiner Reaktion eine Braue hob.
„Ich…ich meine…welche…welche Schokolade? Ich…weiß nicht, wovon-“
„Der Rückzieher kommt etwas zu spät.“
Yagi biss sich auf die Lippe, senkte den Blick auf die Mappe in seinen Händen, während er nach Worten suchte. Wenigstens wirkte Aizawa nicht wütend…und was hatte er noch gesagt? Sie war nicht schlecht? Also hatte er sie sogar gegessen…
„Woher wusstest du…?“, murmelte er und sah flüchtig zu ihm auf.
„Ich wusste es nicht“, erwiderte Aizawa und zuckte die Schultern. „Es war bloß naheliegend.“
„N-Naheliegend? Wieso…das?“, stammelte er und spürte seine Wangen brennen.
„Hn…du bist nicht sonderlich subtil, wenn du nervös bist“, antwortete der Underground-Hero. „Mich wundert es, dass weder Mic, noch Midnight etwas ahnen.“
„Uhm…entschuldige, wenn ich dich in…eine unangenehme Situation gebracht habe. Das…das wollte ich gewiss nicht…“
„Unangenehm war es tatsächlich“, murrte Aizawa. „Die beiden werden mir noch wochenlang deswegen in den Ohren liegen...“
„Eh…ja…“
Yagi krampfte seine Finger um die Mappe, welche schon leicht zerknittert aussah. Obwohl Aizawa normal mit ihm sprach, konnte er nicht einschätzen, woran er bei ihm war. Freute er sich über die Schokolade? War er…glücklich darüber, dass sie von ihm kam? Enttäuscht, dass nicht beispielsweise Mandalay sie geschickt hatte? Er fühlte sich wie ein zappelnder Fisch am Haken.

„Woher wusstest du das mit den Katzen?“
„Huh? Ach so…das…“
Er sah verwirrt auf, ehe er die Frage verstand und zu einer Antwort ansetzte. Ein wenig lehnte er sich in seinem Stuhl zurück, rieb sich den Nacken.
„Hin und wieder schaffen es doch einige der Katzen auf den Campus…und na ja…ich hab gesehen, wie du eine von ihnen gefüttert hast. Du hast dabei…gelächelt. Und…nun, du lächelst nicht gerade oft, also dachte ich…dass du Katzen wohl sehr gern haben musst. Und die Schokolade…es war halt eine Idee…“
Aizawa blickte ihn still an, milde Verwunderung in seinem sonst so stoischen Blick. Ein paar Sekunden schwiegen sie beide, wobei es Yagi schwer fiel, dem anderen nicht wieder auszuweichen. Dieser stieß ein tiefes Seufzen aus, fuhr sich kurz durch die zausen Haare.
„Du hast dir wirklich viele Gedanken deswegen gemacht, was?“
Yagi presste die schmalen Lippen aufeinander, rang sich ein Nicken ab; er ahnte ja nicht, wie viele…
„Das wäre nicht nötig gewesen“, brummte Aizawa, woraufhin der Blonde die Schultern hängen ließ.
Meinte er damit, dass seine Mühe umsonst war? Er wollte fragen, aber die Aussicht auf eine negative Antwort hemmte ihm. Sollte Aizawa nicht dasselbe Interesse an ihm haben, konnte er da nichts machen…
„Du hättest einfach was sagen können“, fuhr der andere fort. „Wir gehen seit Wochen abends was trinken...allein. Ich hätte dir nicht den Kopf abgerissen – selbst, wenn ich abgeneigt wäre.“
Yagi brauchte ein paar Sekunden, um den letzten Satz zu realisieren und er schaute mit geweiteten Augen zu ihm hoch.
„…du…bist nicht abgeneigt?“, wiederholte er fast schon ungläubig.
„Nein.“
„Oh…“
Mehr bekam er zunächst nicht raus, obwohl sein Herz fast aus seiner Brust springen zu schien und ihm die Mappe beinahe aus den Fingern rutschte.
„Das…ich dachte nicht…dass…ich wusste nicht, dass…“
„Ja“, beendete Aizawa sein Gestammel, doch Yagi entging das amüsierte Zucken um seine Mundwinkel nicht. „Das war offensichtlich.“
Verlegen und vermutlich mit tomatenrotem Kopf erwiderte der Blonde den Blick, auch wenn er nicht wusste, was er genau sagen sollte. Es war schwer, die richtigen Worte zu finden…auch wenn er bei seinen Phrasen selten ein Problem damit gehabt hatte. Das hier war etwas ganz anderes…jedoch kam er gar nicht mehr dazu, sich zu äußern, denn Aizawa löste sich von seinem Tisch, an dem er bis eben gelehnt hatte.
„Wo wir das geklärt hätten, sollten wir hier verschwinden, bevor uns noch jemand einschließt.“
Yagi blickte perplex seinen Rücken an, rührte sich zuerst nicht, ehe er die Mappe in seine Tasche packte und sich erhob. Verunsichert sah er dabei zu, wie Aizawa sich seinen Schlafsack unter den Arm klemmte und sich zum Gehen wandte. Irgendwie fühlte er sich etwas…belämmert, wie er dort stand; er hatte sich Aizawas Worte doch nicht eingebildet, oder?

Als hätte der Underground-Hero seine Gedanken gehört, blieb dieser plötzlich stehen.
„Ah…“, kam es von ihm und im nächsten Moment spürte Yagi, wie ihn die verstärkten Bandagen umwickelten.
Ein kräftiger Ruck und er wurde durch den Raum gezogen, befand sich innerhalb von Sekunden direkt vor dem anderen Pro-Hero, der sich zu ihm herumgedreht hatte. Das erschrockene Keuchen blieb ihm im Halse stecken, als Aizawa ihn an seinem Kinn packte und zu sich herunterzog. Im nächsten Moment schien sein Herz zu explodieren und er war heilfroh, dass er dennoch kein Blut spuckte. Er war fast dankbar, dass ihn Aizawas Capture Weapon gerade stehen ließ – seine Knie fühlten sich wie Butter an. Mit aufgerissenen, blauen Augen starrte er Aizawa an, der seinen Blick ruhig erwiderte, während er ihm die Lippen aufdrückte. Sie waren rau, ein bisschen spröde und dennoch angenehm. Mehr als angenehm…und…bildete sich Yagi das ein oder konnte er noch etwas von der Schokolade schmecken? Die dunklen, zausen Haare kitzelten seine Nase, er spürte die Bartstoppeln des anderen an seiner Haut…und ja, es war ein unvergleichlich schönes Gefühl. Eines, das ihn leise gegen Aizawas Lippen seufzen und die Lider senken ließ.
Als ihn der andere losließ und sich von ihm löste, zogen sich auch die Bandagen zurück, wickelten sich wieder wie ein Schal um seinen Hals. Yagi taumelte, fühlte sich benommen, als hätte er gerade Alkohol getrunken.
„Das hatte ich vergessen“, riss ihn Aizawas monotone Stimme aus seinem Zustand, ließ ihn blinzeln.
„Uhm…“
Er sah dem anderen dabei zu, wie dieser sich den gelben Schlafsack über die Schulter hängte, und ihn auffordernd anblickte. Ach ja…sie hatten gehen wollen. Einschluss und so…ob sein Kopf wohl so rot glühte, wie es sich anfühlte? Vermutlich, denn er bemerkte bei dem anderen wieder dieses Zucken um die Mundwinkel.
„Ich-“, begann er, wurde aber von der Tür unterbrochen, die in diesem Moment aufschwang.
„Nanu? Ich dachte, es seien schon alle weg? Das trifft sich ja dann sehr gut!“, plapperte der Direktor los, wobei sein weißer Mäuseschwanz hin und her wippte.
All Might schmeckte schon wieder Blut in seinem Mund, starrte Nezu entgeistert an. Dieser ahnte ja nicht mal, wobei er sie beide um ein Haar erwischt hätte...auch wenn man zumindest Aizawa rein gar nichts ansah. Dieser blickte mit müdem Blick zum Direktor, der schnurstracks auf Yagi zukam und ihn vollschwatzte.
„Ich wollte mit dir noch über das Examen sprechen, All Might. Es wird auch nicht lange dauern, komm, setz dich…oh, ist dir übrigens aufgefallen, wie mein Fell glänzt? Ich habe da dieses neue Shampoo…“
Aizawa hob eine Braue, ehe er einmal mit der Hand wedelte, damit signalisierte, dass er verschwinden würde. Nun, wenn Yagi ehrlich war, wäre auch er liebend gern gegangen…wie sollte er denn jetzt über das Examen nachdenken? In seinem Kopf spielte sich immer noch der unerwartete Kuss ab, sodass er Aizawa verträumt hinterher sah, bis sich die Tür schloss und er mit Nezu allein war.
Der Mäuserich redete weiter über sein glänzendes Fell, bemerkte anscheinend nicht mal, dass Yagi mit den Gedanken ganz woanders war. Gott…was für ein Tag. Irgendwie fühlte er sich nach wie vor überfordert. Überfordert und…glücklich? Vielleicht…und das war ein wirklich gutes Gefühl, an das er sich gewöhnen könnte. Scheinbar war seine Idee mit der Schokolade doch nicht so übel gewesen, schließlich hatte Aizawa sie gegessen. Er hatte sich gefreut, nicht wahr? Trotz der ungewollten Aufmerksamkeit seiner Freunde…und er hatte ihn sogar geküsst.
Yagi lächelte in sich hinein, während er dem Vortrag über seidiges Fell nur mit halbem Ohr zuhörte. Definitiv eine erfolgreiche Mission…

…und als er einen Monat später eine kleine, in Zeitungspapier eingewickelte Schachtel mit weißer Schokolade auf seinem Tisch vorfand, konnte er nicht anders, als breit zu grinsen. So viel dazu, es wäre nicht nötig gewesen.


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Und Teil 2...mit noch mehr Wörtern und...Fluff.
Ich bekomme wirklich nicht genug davon. ♥
Anfangs hatte ich nur 2 Ideen...Valentinstag und Kätzchenschokolade...und daraus formte sich der OS.
Ich bin immer noch der Meinung, dass Aizawa jede übertriebene Romantik ausbremst - und dafür bin ich ihm echt dankbar. :D
Present Mic und Midnight haben mir diesmal auch viel Spaß gemacht...so sehr sie Aizawa auch nerven. ;)
Danke geht auch hier wieder an LSiomha, die gebetat und mich unterstützt hat.
Freue mich übrigens über jeden Kommi! :D

LG
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