Only idiots fall in love with men in trouble

GeschichteDrama, Romanze / P16
11.01.2019
02.08.2019
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2. The list of love

Zwei Stunden später fühle ich mich leicht betrunken und kichere in einer Tour mit Zoe über die Bedienung, die offensichtlich versucht bei meinem Bruder zu landen. Ehrlicherweise kann ich nicht mal sagen ob sie damit nicht doch noch Erfolg hat. Das hängt wohl ganz davon ab ob Noah noch einigermaßen laufen kann. Was ich echt schräg finde. Immerhin ist es mein großer Bruder, mit dem ich früher Baumhäuser gebaut und Regenwürmer gesammelt habe. Der kann keine unanständigen Sachen mit der Kellnerin machen. Das geht einfach nicht.
Jetzt stoße ich ihn in die Seite. „Lass mich mal raus. Ich muss aufs Klo.“
„Kannst du nicht warten?“
„Nein außer du willst die Sauerei aufwischen.“
„Weiber.“, murrt er nur und steht leicht wankend auf. Das mit dem netten Abend wird wohl doch nichts mehr. Ebenso unsicher rutsche ich von der Bank und halte mich kurz an der Lehne fest. Was zum einem am Alkohol und auch an meinen Schuhen liegt. Letztere tragen eindeutig mehr dazu bei wie ich feststelle als ich unsicher zum Klo stiefele. Auf dem Heimweg sollte ich die vielleicht ausziehen um nicht einen Unfall zu riskieren.
Zum Glück ist auf dem Klo nicht viel los und ich kann mir meine langen dunkelblonden Haare zu einem Zopf zusammen binden, denn es echt warm geworden hier drin. Ich zupfe noch mein Top zurecht und wanke wieder zu meinen Freunden zurück. Unterwegs stoße ich allerdings noch mit jemandem zusammen, was eine neue Herausforderung für meinen Gleichgewichtssinn ist. Geistesgegenwärtig kralle ich mich an dem Mann fest um nicht zu fallen. „Sorry.“
„Aufpassen hilft.“, brummt er und stellt mich wieder aufrecht hin. Seine warmen Hände gleiten von meiner Taille und ich sehe zum ersten Mal zu ihm auf. Ohne meine Schuhe ist er einen ganzen Kopf größer, trägt eine Sonnenbrille und hat die dunkelblonden Haare mit Gel zugekleistert. Und er passt genau in mein übliches Beuteschema. Was ein Zufall. Ok über das Gel in den Haaren kann man sich streiten aber sonst? Ganz eindeutig mein Typ.
Lächelnd trete ich einen kleinen Schritt zurück. „Danke.“
Er nickt mir nur kurz zu und will weiter. Ich stoppe ihn allerdings und halte ihn am Arm auf. „Was?“, fährt er mich unwirsch an.
Unbeeindruckt über seinen genervten Tonfall halte ich ihm meine Hand hin. „Ich bin Laney. Und du?“
Er betrachtet sie skeptisch und versenkt dann die Hände in seinen Hosentaschen. „Ich nicht.“
„Der ist gut.“, lache ich über seine trockene Antwort.
„Ich hab keine Zeit für Smalltalk und muss los.“
„Aber…“
Er unterbricht mich sauer. „Nichts aber. Geh wieder zurück und lass mich in Ruhe.“
„Du hast echt schlechte Laune.“
„Ich hab grad einfach besseres zu tun und jetzt entschuldige mich.“
„Bist du hier öfter?“, versuche ich es noch einmal, aber er geht schon von mir weg und ich kann nur noch seinen Rücken bewundern. Der auch nicht schlecht ist. „Dann halt nicht.“ Enttäuscht zucke ich mit den Schultern und gehe zu meinen Freunden zurück.

Noah lässt mich wieder auf meinen Platz und während ich an meinem Cocktail nippe, der erstaunlicherweise schon leerer geworden ist als ich auf dem Klo war, und bemerke ich wie mich Zoe stirnrunzelnd mustert.
„Ist was?“
„Das könnte ich dich fragen.“
Ich zucke mit den Schultern und denke an den Mann von eben. Echt mies, dass er mich hat stehen lassen. Der hat mir echt gefallen. „Alles ok.“
„Jetzt spucks schon aus.“, fordert sie ungeduldig und nun mustern mich auch Noah und Adam wachsam.
„Da war ein Mann und…“, beginne ich, werde aber von meinem Bruder unterbrochen, der mich entsetzt ansieht. „Du hast schon wieder jemand neues kennen gelernt?“
„Wow du machst deinem Bruder ja echt Konkurrenz.“, lacht Adam leise.
„Ist ja nicht so, dass ich schon was mit ihm angefangen hätte.“ Leider. Nicht mal seinen Namen kenne ich.
„Was war jetzt mit dem?“, hakt Zoe nach.
„Er sah schon gut aus. Das Gel in seinen Haaren kann man vielleicht weglassen aber sonst?“, seufze ich. Er hatte echt was. Und er hat mir ganz eindeutig gefallen.
„Gel?“
„Ja Gel.“
Noah schüttelt nur den Kopf. „Das kann doch wieder nur so ein zwielichter Typ sein. Wahrscheinlich handelt der mit Drogen oder ähnlichem.“
„Woher willst du das wissen? Du hast ihn gar nicht gesehen.“ Und ich glaube nicht dass er das macht. So kam er mir nicht rüber. Ein bisschen schlecht gelaunt aber kein schlechter Kerl.
„Muss ich auch nicht. Bei dir kann man sich sicher sein, dass der Kerl den du toll findest ein Vorstrafenregister hat.“
Ich kneife die Augen zusammen. Man kann mein Liebesleben doch nicht über einen Kamm scheren. „Nicht alle meine Exfreunde waren kriminell. Patrick zum Beispiel nicht.“
„War das der, der dich mit noch zwei weiteren Freundinnen betrogen hat?“
Ich knirsche mit den Zähnen. „Ja, aber das ist nicht strafbar.“ Echt mies und hinterhältig, aber nicht illegal.
„Was die ganze Sache nicht besser macht.“, brummt er leise und Zoe ergreift wieder das Wort. „Also noch mal zurück zu dem Kerl eben. Was ist passiert?“
„Nicht viel. Wir sind vor dem Klo zusammen gestoßen und ich wollte mit ihm plaudern, aber er hat mir einen Korb gegeben.“
„Er hat dich abblitzen lassen?“, grinst Adam unverhohlen und versteckt sein Lachen hinter seinem Bier.
„Ja.“
„Wow.“
„Grins nicht so doof. Das ist dir bestimmt auch schon passiert.“
„Also mir noch nicht.“, erklärt Noah stolz und ich verdrehe dabei nur die Augen. „Was mich echt am weiblichen Verstand zweifeln lässt.“
„Ist dieser Mann noch hier?“
„Weiß nicht. Gesehen habe ich ihn auf jeden Fall nicht.“ Obwohl ich mich beim Herlaufen und eben unauffällig umgesehen habe. Also entweder ist er gegangen oder sitzt in einer für mich uneinsehbaren Ecke.
„Du willst doch nicht, dass Laney schon wieder auf so einen Typen reinfällt.“, unterbricht Adam und sieht seine Freundin schockiert an.
„Ohne ihn vorher gesehen zu haben sage ich nichts. Vielleicht ist er ja mal anders.“
Er  und Noah schnauben leise. „Das glaubst du doch selber nicht.“
„Kannst du ihn mal genauer beschreiben?“
Nur zu gerne hole ich mir sein Abbild in Gedanken zurück. „Ziemlich groß, muskulös, schwarze Jeans und Hemd, Sonnenbrille und blonde Haare. Und außerdem hatte er ein Lederarmband um und an seinem Unterarm konnte ich ein Tattoo entdecken.“
„Ok, Laney du vergisst den ganz schnell wieder.“, findet Zoe zu meinem Entsetzen sofort. „Wieso denn?“
„Weil er genau dein übliches Beuteschema ist.“
Ja und? Seinen Männergeschmack ändert man ja auch nicht von heute auf morgen. Und nur weil die anderen alle Mistkerle waren muss er das doch nicht sein.
„Und für mich hört es sich jetzt schon so an als ob er in der Mafia ist.“, seufzt Noah und ich muss mich einfach rechtfertigen. „Wenn er mir aber gefällt. Und außerdem kann man vom Äußeren nicht auf den Charakter schließen und ob jemand kriminell ist schon gleich gar nicht.“
„Aber die Sonnenbrille, das Gel und das Tattoo sprechen da eine andere Sprache.“
„Mich störts nicht.“
„Welcher Vollidiot trägt in einer abgedunkelten Bar eine Sonnenbrille wenn es schon nach 11 ist?“
„Das finde ich auch etwas merkwürdig.“, schließt sich Adam seiner Meinung an.
„Ihr seid echte Spielverderber.“ Beleidigt lehne ich mich zurück. „Und was regt ihr euch überhaupt so auf? Schon vergessen, dass er mir einen Korb gegeben hat?“
„Zum Glück.“
„Komm schon Laney. Du musst mal einen richtigen Mann kennen lernen.“, ermuntert mich Zoe und schmiegt sich enger an Adam. Äh… nein. Adam ist ja nett und als Freund auch super, aber ich würde nie, nie auf den Gedanken komme mit ihm was anzufangen. Ganz einfach weil er nicht mein Typ ist.
„Was war an dem falsch?“
„Und vor allem musst du mal einen treffen, in den du dich auch wirklich verliebst. Nicht so wie deine Exfreunde.“, mischt er sich auch noch ein und ich kneife meine Augen zu Schlitzen. „Ich war verliebt.“
„Und deswegen schaust du schon… wie lange bist du jetzt Single?“
„Zwei Tage.“
„Du schaust also zwei Tage nach der Trennung von Brad anderen Männern hinterher. Normale Leute haben Liebeskummer, aber das habe ich bei dir noch nie erlebt.“
„Was nicht heißt, dass ich nicht verliebt war.“ Um mit jemandem zusammen zu sein muss man ihn ja schließlich mögen. Und das habe ich. Der Sex war auch toll und ich habe gerne mit ihnen Zeit verbracht. Ich muss also verliebt gewesen sein, oder nicht?
„Doch. Genau das heißt das.“, wiederspricht er mir aber gleich und ich murre: „Du hast doch keine Ahnung.“
„Zufällig sitzt meine Freundin neben mir, die ich liebe und wenn sie sich von mir trennen würde, was ich nebenbei gesagt nicht hoffe, dann wäre ich ziemlich schlecht drauf. Ziemlich schlecht. Am Tiefpunkt sozusagen.“ Er betrachtet mich eingehend und stellt dann fest: „Du wirkst dagegen wie immer.“
„Hast du jetzt fertig analysiert?“, fahre ich ihn an. Ich war verliebt und er soll mir da nichts anderes einreden. Vielleicht nehmen mich die Trennungen wirklich nicht so mit, aber dass kann ja auch nur an mir liegen und wie ich die ganze Sache verarbeite. Liebeskummer hört sich für mich echt furchtbar und an und ist eine Sache, die ich nicht gebrauchen kann. Lieber kaufe ich mir Schuhe und das Thema ist erledigt. Fühlt sich besser an und für mein Aussehen tue ich auch noch was.
„Ich finde Adam hat Recht.“
„Zoe!“, zische ich und habe alle Hoffnungen verloren, dass meine Freundin noch zu mir hält. Dafür ist sie doch schließlich da oder nicht?
„Ist doch war. Du beklagst dich war immer nach einer Trennung bei mir und lässt Dampf ab, aber geweint oder am Boden zerstört warst du nie. Deine einzige Sorge war immer, dass sie dich in ihre Scheiße mit reinziehen.“ Ist ja auch völlig natürlich. Schließlich will ich nicht im Knast landen.
„Der Fall ist damit klar. Du warst noch nie verliebt.“
Finster sehe ich zu Noah und schubse ihn leicht. „Halt du dich da bloß raus. Du bist noch schlimmer.“
„Und deswegen verlässt du mal dein übliches Beuteschema und lässt dich auf einen ganz normalen Mann ein. Egal wen. Solange er nur nicht Polizeibekannt und ein Casanova ist. Und dann schauen wir mal ob du dich in ihn verliebst.“, schlägt Zoe vor.
„Was für Mum und Dad eine riesen Freude wäre. So kriegen sie vielleicht doch noch Enkel.“
„Du bist älter also musst du auch zuerst dafür sorgen.“
„Wer sagt das?“
„Das ist einfach so.“ Hallo? Das weiß doch jeder. Der ältere darf immer alles zuerst also darf er auch als erstes die Enkel nach Hause bringen.
Wenig überzeugt nippt er nur an seinem Bier. „Ahja.“
„Du bist also dabei?“, lenkt Zoe zu unserem Thema zurück und ich seufze. „Ich weiß nicht. Wenn er mir nicht gefällt dann macht das doch keinen Sinn. Verlieben tue ich mich doch dann erst Recht nicht.“
„Sag niemals nie. Ich finde wir können es ja mal probieren.“
„Ich bin eher dafür, dass ich noch mal den Mann von eben suche und…“
„Nein!“, rufen alle drei bestimmend und selbst die Leute am Nachbartisch sehen zu uns rüber.
„Ein einfaches Nein hätte auch gereicht.“, brumme ich und bin nicht sehr erfreut. Ich hätte ihn wirklich gesucht und ein zweites Mal wäre ich bestimmt auch nicht abgeblitzt.
„Du suchst den Kerl nicht. Der dealt mit Drogen.“, bestimmt Noah in dem Tonfall den er immer drauf hatte wenn er auf mich aufpassen sollte.
„Was du gar nicht weißt.“
„Du dir aber einreden sollst.“
Zoe lächelt glücklich. „Ok also ich finde wir haben einen Plan.“
„Einen Plan?“
„Ganz genau. Das Ziel ist es, dass du dich verliebst und zwar so richtig. Keine Schwärmerei oder Affäre.“ Sie macht eine bedeutungsschwangere Pause. „Die richtig große Liebe. Den Einen.“
Ich setze mich aufrecht hin und sehe sie flehend an. „Können wir nicht eine Nummer kleiner anfangen? Muss es gleich der Kerl zum heiraten und Kinder kriegen sein?“
„Ja muss es. Ich will dass du glücklich bist.“
„Aber…“
Sie ignoriert mich holt einen Stift aus ihrer Handtasche und zieht eine Serviette zu sich. „Folgende Kriterien müssen erfüllt werden: Keine Vorstrafen oder aktuelle Strafverfahren.“
„Am Besten hat er noch nicht einmal ein Knöllchen gehabt.“, wirft Adam lachend ein. Sie notiert das und Noah macht den nächsten Vorschlag. „Tattoos, Piercings, Sonnenbrillen und sonstiger diverser Schmuck sind verboten. Ebenso Gel in den Haaren.“
„Er hat einen anständigen Job. Ob jetzt Gärtner, Anwalt oder Arzt ist egal. Hauptsache er kann seine Miete bezahlen und muss dich nicht immer anpumpen oder dein Auto klauen.“, setzt Zoe hinzu ebenso den Punkt von Adam. „Kein Weiberheld. Sobald er anfängt anderen hinterher zu sehen, schießt du ihn ab.“
„Er hat ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern und Kumpels. Ist nett, fürsorglich, kümmert sich um dich, vertraut dir alles an und zieht dich seinen Freunden vor. Schließlich soll die Freundin das wichtigste im Leben sein.“
Noah fällt auch noch etwas ein. „Wegen mir kann er auch Sport machen. Aber die brutalen Sportarten wie Boxen sind auch gestrichen. Motorrad fahren setzen wir auch mal auf die Liste. Man sieht ja wo das mit Brad hingeführt hat.“
„Und er sollte auf jeden Fall keins deiner üblichen Anzeichen aufweisen oder Geheimnisse vor dir haben. Sobald du eins entdeckst rennst du weg. Verstanden?“
Entsetzt habe ich ihren Vorschlägen gelauscht. Das ist ja nun wirklich so gar nicht mein Fall. Ich trinke meinen Cocktail in einem Schluck leer. „Na super. Ich muss mich auf einen Langweiler einlassen.“
„Musst du nicht. Es gibt viele interessante Männer.“
„Die mich aber nicht interessieren.“
„Ab heute tun sie das.“
„Deal?“
Alle drei sehen mich erwartungsvoll an und ich seufze. „Schön ich probiere es. Aber wenn es nicht klappt, dann seid ihr schuld. Und ich such mir meine Freunde wieder selber aus.“ Und mit großer Wahrscheinlichkeit wird es eh nicht funktionieren. Schließlich hat die Liebe keine Kriterien zum Abhaken.
„Ich finde es super. Und wenn Laney glücklich verliebt ist, dann ist Noah an der Reihe.“
„Oh nein.“, streitet der auch gleich ab.
„Doch.“
Ich bekomme die Serviette mit den Stichpunkten feierlich überreicht und Zoe meint: „Gut Laney. Sieh dich mal um. Vielleicht fällt dir ja schon jemand ins Auge.“
„Nur nicht der Kerl vom Klo.“, wirft Adam unnötigerweise ein.
„Ja doch.“ Ich habs ja verstanden.
„Und?“, fragt sie neugierig nachdem ich mir ein paar Minuten Zeit gelassen habe um die Männer in der Bar zu mustern.
„Hm… den einen finde ich ganz süß. Der da an der Bar sitzt und mit der Barkeeperin plaudert.“
„Der mit der Lederjacke?“
Ich nicke und zeige auf einen anderen. „Oder der da hinten. Der sieht echt gut aus und so geheimnisvoll.“ Genau mein Ding.
„Ich fürchte wir haben noch einen langen Weg vor uns.“
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