Zwei Leben

von Marimitti
GeschichteRomanze / P18 Slash
11.01.2019
18.04.2019
23
24830
19
Alle Kapitel
133 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
Kapitel 3

Die Monate vergingen, die Geschäfte liefen weiterhin sehr gut. Ein kurzfristiger Einbruch konnte schnell wieder aufgefangen werden. Boris Vater hat weitere Unternehmen aufgekauft und war Workoholikmäßig schwer beschäftigt. Um Boris noch etwas mehr mit ins Imperium zu integrieren, übertrug er ihm bald ein weiteres Unternehmen mit der Co-Geschäftsführung, da der dortige Geschäftsführer dringend Unterstützung und ein paar Tipps brauchte. Boris fühlte sich richtig gut. Er hat es nun wirklich geschafft, sich seinem Vater zu beweisen. Früher kam er sich immer klein neben ihm vor. Jetzt bekam er aber zunehmend das Vertrauen von ihm, dass er ihn und seine Arbeit wirklich wertschätzte. Karrieremäßig konnte es nicht besser laufen.

Es war schlimm genug, dass Christoph ihm seit Jahren vorhält, dass er sich nicht genug um seine Ehefrau gekümmert hätte und dass er auch keinerlei Anstalten macht, eine Neue zu finden. Eine Frau an seiner Seite wäre wirklich wichtig für das Geschäft. Das macht doch einen erfolgreichen Mann erst aus. Christoph hatte eine ganz eigene Einstellung zum Familienleben. Er war seit über 40 Jahren mit seiner Frau zusammen. Anfangs hatte sie noch gearbeitet, doch nach Boris Geburt ist sie nie wieder eingestiegen. Mit dem Erfolg ihres Mannes war es auch bald nicht mehr nötig. Boris blieb ihr einziges Kind, allerdings reichte ja auch ein Stammhalter, der in Vaters Fußstapfen tritt. Nun war sie glücklich, solange Sie immer genug Aufmerksamkeiten von Christoph bekam, und ihre Anerkennung bei öffentlichen Auftritten und Gesellschaften hatte. Für Christoph war einzig wichtig, dass das Familienidyl aufrecht erhalten blieb. Jegliche Änderung von einem klassischen Familienleben existierte in Christophs Horizont nicht. Abweichungen konnten nur krank, absurd oder verboten sein. Boris konnte in dieser Hinsicht seine Eltern noch nie verstehen.  So könnte er nicht leben. Dann blieb er lieber allein.

Heute machte er sich etwas früher auf dem Weg nach Hause, zog sich kurz um und ging zum nahegelegenen Kino. Einfach mal wieder von einem lustigen Film amüsieren zu lassen, darauf freute er sich jetzt sehr. Als er den Saal mit Cola und Chips betrat, wurde er von Tobias angesprochen: „Herr Saalfeld, sind Sie auch ein Fan von Martin Löwix*?“ und Boris schaute in das strahlende Gesicht von Tobis und konnte gar nicht anders, als zurückzulächeln. „Ja, ich verzichte auf keinen seiner Filme.“ Im Saal wurde es schon dunkler „Wir sollten uns setzten, es geht schon gleich los“ fügte er noch hinzu. Etwas unschlüssig blieben Sie jedoch noch am Rand stehen, sollten Sie sich extra getrennt hinsetzten – Angestellter und Chef zusammen im Kino, kommt vielleicht nicht so gut. `Ach was`, dachte Boris, `ist doch nur ein Kino und wir haben uns ja wirklich zufällig getroffen`. „Sind Sie auch alleine hier? Sollen wir uns dann in diese Reihe setzten?“ frug er daher. „Ja sehr gerne.“ „Na, das ist es ja schön, dann können wir uns jetzt den Film zusammen anschauen.“

Nach dem Film haben die beiden zum Ausklang noch ein Bier zusammen getrunken, denn beide hatten das dringende Bedürfnis, sich nochmal köstlich über die Szenen zu amüsieren. Es war ein wunderbar erfrischender Abend, selten hat sich Boris so wohl gefühlt. Und auch Tobias war so voller Euphorie, was alleine schon die Anwesenheit von Boris ausmachte. Aber das konnte Tobias ihm ja nicht einfach so eingestehen. `Es sieht zwar so aus, als ob ihm der Abend auch sehr gefällt, aber sonst kann er keine Anzeichen für eine tiefere Verbundenheit finden.` dachte er sich noch und hielt sich zurück.

Die nächsten Tage war Boris übermäßig gut gelaunt und sah sehr gelöst aus. Als er schließlich darauf von seinem engsten Vertrauten angesprochen wurde, war er sehr irritiert und konnte das Gesagte erst nicht einordnen. Erst im Nachhinein musste er sich eingestehen, dass er sich tatsächlich verändert hat und er war sehr irritiert darüber. Schnell wurde ihm klar, dass er seine Selbstdisziplin dringend wieder zurückerlangen musste.

Er stürzte sich wiedermal voll in die Arbeit und hatte sich damit wieder voll im Griff. Die Wochen vergingen und er konnte sich weiterhin gut auf der Erfolgspur halten. Das war alles, was er wollte. So ist er groß geworden, so ist er erzogen worden. Das Lob und die Anerkennung seines erfolgreichen Vaters war das einzige was zählte und es war ihm eine große Befriedigung, dass er das alles schaffen konnte. Weiterhin genoss er aber natürlich auch jedes zweite Wochenende die Zeit mit seiner Tochter und die Liebe und Vertrautheit, die ihn mit ihr verband gab ihm so viel, dass er nicht in Worte fassen kann.

Eines Mittwochs bekam er einen Anruf seiner Ex-Frau, dass sie dringend zu ihrer verunfallten Mutter ins Krankenhaus müsste und sie keine Betreuung für Maja hat. Er muss das Kind mittags vom Kindergarten abholen und mindestens bis zum nächsten Tag betreuen, anders wüsste sie keine Lösung. "Gut, das bekomme er schon irgendwie hin", bestätigte Boris ihr, auch wenn er noch nicht genau wusste wie. Er holte Maja ab und nahm sie mit ins Büro, wo sie zunächst an einem Tisch etwas malen konnte. Er musste noch ein wichtiges Meeting mit Kunden vorbereiten, das er noch am Nachmittag halten musste.
______________________________________________________
* fiktiver Name
Review schreiben