Zwei Leben

von Marimitti
GeschichteRomanze / P18 Slash
11.01.2019
18.04.2019
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Kapitel 2

„Sie können nächste Woche anfangen, wenn Sie möchten.“ hat Boris kurzerhand entschieden und Herr Ehrlinger schaute ihn mit total überraschten Augen an.
„Ist das wirklich ihr Ernst?“
„Ja, das ist es, aber nur unter einer Bedingung.“
´Ah, hab ich doch gewusst, dass es einen Haken gibt,´ dachte sich Tobias.
„Wenn die Probezeit gut läuft, werden wir uns Gedanken darüber machen, was es für Sie für alternative Aufgaben bei Ihren Möglichkeiten gibt, einverstanden?“
„Einverstanden“ und Tobias Ehrlinger strahlte.

Noch nie hat er so schnell eine Personalentscheidung getroffen. Sein Bauchgefühl hatte gesprochen, das Gespräch war so offen und ehrlich und der junge Mann hat hinter seiner schüchternen Haltung bestimmt ein hohes Motivationspotential, das konnte er irgendwo versteckt in seinen Augen erkennen. Er war sich sicher, dass es die richtige Entscheidung war und dass Herr Ehrlinger eine Bereicherung in diesem Unternehmen sein wird. Er erklärte ihm kurzerhand den weiteren Ablauf und brachte ihn anschließend in die Personalabteilung zur Erledigung der Vertragsangelegenheiten. Sie verabschiedeten sich.

Boris ging hoch motiviert zurück in sein Büro. Wie erwartet hatte er die geplanten Listen von seiner Sekretärin auf dem Tisch und er war zufrieden, als er sich die Auftragslage mit den Kalkulationen ansah. Was für ein erfolgreicher Tag. Sein Vater wird wieder sehr zufrieden mit ihm sein. Nun aber freute er sich auf das Wochenende, denn er würde gleich seine Tochter abholen und hatte mit ihr schon ein tolles Programm zusammengestellt.

In der darauffolgenden Woche kam sein Vater bei ihm vorbei und überzeugte sich nochmal persönlich von den gut laufenden Geschäften. Wie erwartet war er sehr zufrieden und überlegte, in welches seiner Unternehmen sein Sohn als nächstes einsteigen sollte, denn nicht alle seine Firmen hatten so fähige Geschäftsführer. Er ließ Boris spüren, dass er sehr stolz auf seinen Sohn war.

Die Arbeit von Herrn Ehrlinger wurde ebenfalls sehr zufriedenstellend erledigt. Boris und er begegneten sich im Laufe der nächsten Wochen gelegentlich und sprachen ein paar Worte miteinander. Herr Ehrlinger war sehr dankbar, dass er die Chance zu dieser Arbeit bekommen hat und trotz seines Handycaps und der Tatsache, dass die Aufgaben nicht annähernd so anspruchsvoll waren wie seine bisherigen Arbeiten, war er erfrischend in seiner Art und freute sich jedes Mal, wenn sie sich begegnen. Ja, es war immer häufiger ein Strahlen in seinen Augen zu sehen, genauso ein warmes, schüchternes Lächeln.

Nach 2 Monaten bat Herr Saalfeld Herrn Ehrlinger in sein Büro, der dann etwas ängstlich zu ihm kam. `Bitte sag jetzt nicht, dass ich die Probezeit nicht bestanden habe,` ging es ihm durch den Kopf und er spielte nervös mit seinen Fingern. „Schön, dass Sie direkt kommen konnten, Herr Ehrlinger und noch schöner, dass Sie sich so gut in unser Haus eingelebt haben.“ Die Worte beruhigten Tobias erstmal, trotzdem war er noch nervös und gespannt, was noch kommen wird. „Wie kommen Sie denn mit Ihrer Arbeit, den Arbeitszeiten, dem Team und insgesamt im Haus zurecht?“ fragte er erstmal. „Alles super! Die Leute sind echt nett, mit der Arbeit komme ich auch gut zurecht und der Arbeitsumfang und die Zeiten, das läuft auch viel besser als ich gedacht hatte. Ich komme wirklich sehr gut klar,“ erzählte er direkt in seiner motivierten Art und war erleichtert, dass dies hier wohl nur ein harmloses Feed-back Gespräch werden würde.

„Das ist sehr schön und freut mich zu hören! Wir sind auch sehr zufrieden. Erinnern Sie sich auch noch an unseren Deal?“ riss er ihn aus seinen Gedanken. „Äh, was meinen Sie?“ fragte Tobias. „Unser Deal, dass ich Sie mit Ihren Qualitäten nicht dauerhaft im Archiv lassen möchte.“
„Ja, klar,“ Tobias erinnerte sich. „Ich habe einen Vorschlag für Sie: Im August könnten Sie bei uns eine Umschulung anfangen. Sie haben eine gute Auffassungsgabe, sind motiviert und haben schon einen umfangreichen Wissensschatz, wie mir zu Ohren gekommen ist. Solche Leute können wir immer gut gebrauchen. Wir vergüten die Umschulung gut, damit sollten Ihnen also auch keine finanziellen Nachteile entstehen. Durch Ihre Berufserfahrung können Sie die Umschulung in 2 Jahren durchziehen und dann ein deutlich höheres Gehalt bekommen, als Sie es jemals als Helfer bekommen würden. Und sollten Sie während der Umschulung sich etwas dazu verdienen wollen und voraus gesetzt es wird Ihnen nicht zu viel, könnten Sie Samstag stundenweise im Archiv weiterarbeiten.“ Tobias war platt und wusste gar nicht recht was er antworten sollte. Ein Strahlen fiel zog sich über sein Gesicht, schon lange hat er nicht mehr gehört, dass ihm jemand so viel zutrauen würde. „Ja, das würde ich sehr gerne machen!“ platzte er schließlich heraus und bedankte sich überschwänglich bei Boris. Dabei kam er leicht ins Wanken. Schnell wurde er von Boris aufgefangen, indem er einem Arm um Tobias Rücken legte, was Tobias jedoch sehr peinlich war. Boris besänftigte ihn etwas mit einem lächelnden  „Hoppala“ aber sie verharrten noch eine ganze  Weile in dieser Position. Tobias wurde ernst und löste sich schließlich etwas verlegen. Auch Boris besann sich wieder auf ihr Gespräch.  „Das freut mich sehr und ich werde die Unterlagen fertigmachen lassen“, beendete Boris schließlich das Gespräch. Er blickte noch lange auf die Türe, durch die eben Herr Ehrlinger wieder gegangen war. Ein toller Mann, ging es ihm durch den Kopf und war von seiner inspirierenden Art sehr angetan. Doch dann schüttelte er sich schnell – ich habe alles im Griff, sagte er ernst zu sich selber und konzentrierte sich wieder auf seine Arbeit.
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