Zwei Leben

von Marimitti
GeschichteRomanze / P18 Slash
11.01.2019
18.04.2019
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Kapitel 1

Gut, die Telefonate waren erledigt, die Sekretärin wird sich um die neuen Listen kümmern, die er dann hoffentlich in den nächsten 2 Stunden bekommt. Die Zahlen der letzten 3 Monate waren wieder überragend, und die neuen Listen mit den Erwartungen für das kommende Quartal werden wohl auch wieder sehr gut werden. Er hatte den Laden voll im Griff, auch wenn er sich zuvor nicht mit Sicherheitstechnik auskannte, hat er sich doch sehr da eingearbeitet. Sein Vater ist sehr stolz auf ihn und überlässt ihm die Geschäftsführung schon tatsächlich komplett alleine. Solange Christoph jedes Quartal seine Berichte und die Kontoauszüge bekommt und die solche Gewinne bestätigen ist alles in Ordnung. In der Anfangszeit hat er oft überlegt hinzuschmeißen, da sich sein Vater in alles eingemischt hat. Aber eine bessere berufliche Karriere hätte er nicht machen können, wenn er nicht in eine der Firmen seines Vaters getreten wäre. Immerhin möchte er das Imperium irgendwann mal übernehmen.

Sein Vater ist ein toller Mann, und ein harter Geschäftsmann, der sich alles von Grund auf ganz alleine aufgebaut hat. Das ist schon eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, aus welch ärmlichen Verhältnissen er kommt. Und das bewundert Boris sehr. Er selber ist vom Typ eher nicht so hart, und wahrscheinlich wäre er ohne die Hilfe seines Vaters noch lang nicht so weit in seiner Karriere, dass er jetzt mit Mitte 30 ein Unternehmen mit 65 Mitarbeitenden führt. Boris hat sich schnell sehr gut eingearbeitet, hat aber auch ein sehr tolles Team um sich herum. Es ist ihm wichtig, dass die Leute ihren Job gerne machen, daher ist ihm das Betriebsklima wichtig und er versucht immer alle zu motivieren ohne den Focus des Geschäftes  aus dem Blick zu lassen. Seit 10 Jahren war er nun in dieser Firma tätig und hat fantastische Projekte ans Land gezogen und hat sich damit auch vor seinem Vater bewiesen. Zuvor war er nach seinem Studium als quasi Praktikant bei seinem Vater mitgelaufen und hat in seine verschiedenen Firmen hereingeschaut. Sein Job ist sehr stressig, und er muss schon einen kühlen Kopf und einen guten Überblick über alle gewesenen, laufenden und kommenden Projekte haben. Aber es macht ihm viel Spaß und daher konnte er sich voll darauf einlassen.

Ein Privatleben hat er allerdings nicht wirklich. Vor 4 Jahren war seine kurze Ehe gescheitert, die gemeinsame 5-jährige Tochter lebt bei seiner Ex-Frau. Seine Tochter ist das größte Geschenk für Ihn, jeder Moment mit ihr zusammen bedeutet ihm alles. Er hätte nie gedacht, dass er ein solches Glück erfahren würde und dass ein Kind so tiefe Gefühle in ihm entfachen könnte. Jedes 2. Wochenende ist sie bei ihm und diese gemeinsame Zeit ist ihm mehr als heilig. Eine Partnerschaft kam für ihn seit der Ehe nicht mehr in Frage.

So, nun muss er aber schnell in den Besprechungsraum, es stehen einige Bewerbungsgespräche an, für die Stelle eines Helfers im Archiv. Er führt alle Bewerbungsgespräche selber durch und bisher hatte er auch ein recht gutes Gespür, welche Personen von der Qualifikation und von der Persönlichkeit am besten passt. Es wurde ein anstrengender Nachmittag. Auch wenn es nur um eine Helferstelle ging, war er sehr gewissenhaft und gründlich.

Um 16:45 Uhr kam der letzte Bewerber zur Tür herein. Er sah sehr sympathisch aus, auffällig war, dass er sein linkes Bein stark nachzog. Er setzte sich schüchtern auf dem ihm zugewiesenen Platz. Er hatte einen traurigen Blick, und dennoch spiegelte sich etwas in seinen Augen, dass ihn faszinierte.

„Sie sind Feuerwehrmann und haben bis letztes Jahr als dieser gearbeitet,“ begann Boris nach der Begrüßung.

„Ja, genau. Dann hatte ich einen Unfall und war monatelang im Krankenhaus und in der Reha und kann jetzt meinen Job leider nicht mehr ausführen.“ Es war ihm deutlich anzusehen, dass es ihm sehr schwer viel, diese Sätze auszusprechen. Die Augen wurden glasig. „Und jetzt muss ich etwas anderes machen um mein Geld zu verdienen, viel kann ich nicht mehr machen, aber was in der Stellenbeschreibung steht, sollte ich schaffen können,“ erwiderte Herr Ehrlinger.

Boris war sehr ergriffen sowohl von dem Schicksal wie auch darüber, mit wie vielen Emotionen Herr Ehrlinger diese paar Sätze gesagt hat, dass er sich erstmal sammeln musste, bevor er zum Standartplan der Vorstellungsgespräche zurückkehrte.

„Die Stelle soll 3 Monate lang mit 30 Stunden / Woche besetzt werden, damit einiges aufgearbeitet werden kann. Danach reichen 20 Stunden/ Woche. Später müsste ggf. weiter reduziert werden, wenn alles nach den Vorstellungen eingerichtet und organisiert ist. Meinen Sie wirklich, dass dieser Job in Ihrem Interesse ist? Sie sind doch noch jung, und haben noch eine Menge Arbeitsjahre vor sich. Sie haben einen tollen, verantwortungsvollen Beruf ausgeübt. Wie mir scheint, haben Sie eine große Leidenschaft darin gehabt. Gibt es nicht andere Aufgaben bei der Feuerwehr, die Sie ausüben können? Es kann doch nicht sein, dass Sie mit einer Teilzeitstelle im Archiv enden wollen.“

„Wissen Sie, meine Möglichkeiten sind sehr eingeschränkt. Bei der Feuerwehr haben sie mir einen Job in der Telefonzentrale angeboten. Das habe ich aber abgelehnt. Ich ertrage es nicht, die ganze Zeit die fitten Kollegen um mich herum, die aufregende Heldentaten erzählen. Dann mache ich lieber etwas ganz Anderes. Und dass ich gerade nicht Vollzeit arbeiten muss, ist mir eigentlich sehr recht, denn es wird eh schon sehr anstrengend sein, wieder in eine Arbeit einzusteigen. Aber nach der langen Krankheitsphase, brauche ich jetzt erstmal echt dringend Geld.“ Er schreckte etwas zurück, wollte er doch eigentlich gar nicht so ehrlich sein, zu seinem eventuellen neuen Chef in Spe. Nur fühlte er sich in der Gegenwart von Herrn Saalfeld so gut und er schaute ihn mit so offenen und ehrlichen Augen an, dass die Worte nur so aus seinem Mund purzelten.

„Ich verstehe,“ sprach Herr Saalfeld sehr bedacht. ´Oh Mist, warum habe ich nicht den Mund gehalten. Wer will schon so jemanden einstellen, der gerade heraus sagt, dass er eigentlich nur das Geld will.´ dachte sich Tobias und hätte sich am liebsten selbst geohrfeigt.
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