i knew you were trouble

von ary
GeschichteDrama, Romanze / P16
Arthur Hamilton Florence Spencer Grayson Spencer Henry Harper Jasper Grant OC (Own Character)
10.01.2019
10.01.2019
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: p r o l o g :
I knew you were trouble when you walked in


name: I knew you were trouble
autor: ary
fandom: silber-trilogie

genre: silber meets gossip girl and says hi to pretty little liars (drama x friendship x romance x secrets & a bit of mystery x lots of lies)
website: https://arzayleacollins.wixsite.com/iknewyouweretrouble
ask.fm: https://ask.fm/arzayleacollins

kurzbeschreibung: Kyle Jolie Lewis kehrt nach acht Jahren im Ausland mit ihrer Familie nach London zurück. Und muss feststellen, dass sich hier einiges geändert hat. Ihr Lieblingsitaliener hat dicht gemacht, ihre Kindheitsfreunde haben sich zum größten Teil zerstritten und nicht nur das: Als eine Mitschülerin tot aufgefunden wird, wird Kyle klar, dass sich hinter der perfekten Maske von Hampstead tiefe, hässliche Abgründe befinden und vor allem sich schon immer befunden haben. Jeder hier hat anscheinend etwas zu verbergen und leider muss sie feststellen, dass einige auch über Leichen gehen würden um ihre Ziele zu erreichen. Dumm sich in so einer Zeit auch noch zu verlieben, aber das Herz macht eben was es will. Auch wenn Kyle weiß, dass er nur Ärger bedeutet, lässt sie sich drauf ein, denn wer kann so blauen Augen schon wiederstehen? || ff ohne Träume und Dämonen

disclaimer: Die Silber Welt gehört Kerstin Gier. Ich habe nur einige Charaktere dazu erfunden, alles andere gehört ihr. Ich schreibe nur zum Spaß und verdiene hiermit kein Geld.

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: vorwort :


Hallo ihr Lieben,
herzlich Willkommen bei meiner ersten Fanfiktion. Es freut mich sehr, dass ihr euch hierhin verirrt habt und bei meiner ersten Fanfiktion vorbeischaut. Falls euch das hier irgendwie bekannt vorkommt, ja ich war vor einiger Zeit schon mal hier angemeldet und hab schon mal etwas hochgeladen. Allerdings mit anderem Konzept. Das Ganze war nicht wirklich ausgefeilt und ich bin nie weiter als bis zum Prolog gekommen. Jetzt aber hatte ich eine neue Idee, hab das Konzept komplett überarbeitet. Den Prolog habe ich teilweise übernommen, genauso wie die Website. Beide wurden gründlich überarbeitet und angepasst.

Wie ihr in der Kurzbeschreibung bereits schon lesen konntet, handelt es sich um eine Geschichte OHNE Träume. Sorry. Dafür aber mit Mord und jeder Menge lügen und geheimnissen. Ich finde Silber hat Ähnlichkeiten mit Gossip Girl (anonyme Bloggerin, komplizierte Familienverhältnisse, dramatische Beziehungen etc.) und hab mir gedacht, fügt man dem noch eine Prise PLL hinzu, entsteht eine coole Geschichte. Es werden also Leute sterben, erschütternde Geheimnisse aufgedeckt und ganz viel gelogen. Natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz, sonst wäre es ja langweilig. Ich möchte aber auch gar nicht mehr verraten, lasst euch überraschen. Nur noch so viel: Zeitlich spielt die Story ca. ein Jahr nach Liv‘s Ankunft in London. Damit alles zusammen passt, hab ich ein bisschen das Alter der Silberfiguren verändert. Liv ist nur noch ein Jahr jünger als Florence, Grayson und Co. und befindet sich, genauso wie Kyle im 12. Schuljahr.

Besucht doch mal die Website, dort findet ihr mehr Infos zu Kyle, ihrer Familie und den anderen Charakteren. Und falls ihr noch Fragen habt, schickt mir gerne eine Mail oder fragt auf ask. Natürlich würde ich mich auch über das ein oder andere Review freuen.
xoxo eure ary

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: welcome back in london :


Etwas fiel, gefolgt von lautem fluchen: „Diese verdammten Katzen. Immer liegen sie im Weg rum.“, mit einem Scheppern zu Boden. Sekunden später kamen zwei Katzen eine weiße und eine schwarze aus der Haustür gejagt. Während die schwarze Katze, welche auf den Namen Black Widow hörte, mit einem beleidigten Miau über die Straße und dann über die Mauer in den Nachbarsgarten verschwand, kam die weiße Katze auf mich zu gerannt und strich mir vorwurfsvoll mauzend um die Beine. Ich stellte die Kiste in der sich, der etwas undeutlichen Beschriftung nach zu urteilen, ‚Küchenutensilien‘ befanden wieder auf dem Boden ab und nahm meine Katze auf den Arm. Beruhigend strich ich ihr durch das schneeweiße Fell. „Alles gut Harley Quinn. Keine Sorge jetzt bist du in Sicherheit. Er hat es ganz bestimmt nicht so gemeint. Du bist nie im Weg.“, sprach ich auf sie ein. „Immer liegen diese Katzen im Weg herum!“ Mein Vater erschien in der Haustür und er sah nicht besonders glücklich aus. In der Hand hielt er eine Tasse, deren Henkel sich nicht mehr dort befand wo er sein sollte und einen zerbrochenen Teller. Demnach zu urteilen hatte sich in der Kiste, die er fallen gelassen hatte, als er über unsere Katzen gestolpert war, zerbrechliches Geschirr befunden. Harley Quinn zog den Kopf ein und sah ängstlich zu Dad herüber. „Hör auf damit Dad! Du machst den Katzen Angst. Guck wie verstört Harley Quinn aussieht.“, Jaymee stemmte die Hände in die Hüfte und sah vorwurfsvoll zu meinem Vater herüber. Sie hatte ihre langen, braunen Haare zu einem lockeren Zopf gebunden und war wie immer perfekt geschminkt. Sie trug eine Mom-Jeans mit vielen Löchern, welche ihr wirklich gut stand, dazu ein rosafarbenes Oberteil und weiß-rosa Adidas Sneakers. Sie sah aus als wäre sie auf dem Weg zu einem Date und nicht so als würde sie schon den ganzen Vormittag Kisten schleppen. Es war ein sonniger, für London sehr warmer Augusttag, weshalb wir alle ordentlich ins Schwitzen gekommen waren. Ich war mir sicher, dass mein dunkelblaues Top komplett durchnässt war, genauso wie meine Haare, die in einem sehr unordentlichen Dutt notdürftig auf meinem Kopf befestigt waren. Jaymee dagegen lief nicht einmal ein Schweißtropfen über die Stirn. Wahrscheinlich hatte sie ihren Körper darauf trainiert nicht zu schwitzen, damit das Makeup nicht verlief.

Dad schnaubte verächtlich. „Die armen Katzen jaja. Was ist mit eurem armen Vater? Ich hätte mir beinahe das Genick gebrochen.“, er machte eine dramatische Pause und hielt den zerbrochenen Teller hoch, „die ganze Kiste ist hinüber. Alles zerbrochen. Wie oft hab ich euch schon gesagt, dass eure Katzen sich nicht mitten in den Weg legen sollen?“ Jetzt sah auch ich ärgerlich zu meinem Vater. Er konnte ja auch die Augen auf machen und überhaupt was konnten wir schon dazu. Katzen waren unabhängige Wesen, die sich eben hinlegten, wo es ihnen passte. „Woher sollen die Katzen denn wissen, dass sie dort nicht liegen dürfen?“, fragte ich und Harley Quinn maunzte bestätigend, „außerdem ist es doch nicht ihre Schuld, dass sie etwas verwirrt sind. Sie wurden schließlich einfach so aus ihrem Zuhause gerissen, 24h in ein Flugzeug gesetzt und vor einem unbekannten Haus in einer unbekannten Gegend abgesetzt, was jetzt ihr neues Zuhause sein soll!“ Etwas leiser fügte ich hinzu, sodass es nur Jaymee mitbekam: „Genauso wie wir.“ Obwohl mein Vater es nicht gehört haben konnte schien er zu wissen worauf ich hinaus wollte. Er seufzte laut und bat dann: „Fang doch jetzt bitte nicht schon wieder an Kyle.“ Nach kurzem Schweigen setzte er hinzu: „Ich habe es dir schon so oft versucht zu erklären. Der Umzug ist gut für uns. Ich konnte so ein gutes Angebot nicht ablehnen, weißt du wie schwer es ist in diese Firma reinzukommen? Und du kannst hier eine der besten Schulen des Landes besuchen, auf der du einen besseren Abschluss als in Sydney machen kannst. Und überhaupt seid ihr hier doch nicht fremd hier, es ist schließlich eure Heimat.“ Jetzt war ich an der Reihe zu seufzen, neben mir verdrehte Jaymee die Augen. Diese Rede hatte mein Vater uns schon mehr als einmal gehalten. Fehlte nur noch dass er ein „Es ist nur zu eurem Besten.“ hinzufügte. Als würde er dadurch alles besser machen. Als wäre ich nicht eines Tages von der Schule nach Hause gekommen und hatte erfahren müssen, dass wir zurück nach London ziehen würden. Er hatte uns nicht mal gefragt. Ich hatte Freunde in Sydney. Ein Leben. Das ich verdammt nochmal sehr gemocht hatte. Es half auch nicht, dass er immer wieder betonte das London unsere Heimat sei und wir uns sicher ganz schnell wieder einleben würden. Wir hatten London vor acht Jahren verlassen und ich konnte nicht behaupten, dass meine Erinnerungen an London durchweg positiv waren.

Nach der Trennung unserer Eltern hatte Dad unsere Sachen gepackt und sich von seiner Firma ans andere Ende der Welt versetzten lassen. Wortwörtlich. Ohne uns zu fragen natürlich. Damals konnte ich das ja noch verstehen, wer fragte schon eine 9 und 11 Jährige nach ihren Meinungen aber jetzt? Wir waren keine Kinder mehr. Ich würde mein vorletztes Schuljahr beginnen und Jaymee würde in weniger als einem Monat offiziell Studentin an der UCL sein. Wir waren also schon lang keine kleinen Mädchen mehr. Leider verstand Dad das nicht so wirklich und zog es vor wichtige Entscheidungen über unsere Köpfe hinweg zu entscheiden. „Dafür seid ihr einfach noch zu jung. Das könnt ihr noch nicht verstehen.“ pflegte er stets zu sagen. Dad hatte vor kurzem ein Jobangebot von einer großen Firma aus London erhalten, was zwar mit mehr Gehalt aber eben auch mit dem Umzug nach London verbunden war. Aber da Dad England (aus welchen Gründen auch immer) sowieso vermisst hatte und mehr Geld immer gut war, hatte er freudig zu gesagt. Natürlich konnte ich verstehen, dass es eine einmalige Chance war, aber hätte das nicht zwei Jahre warten können bis ich mit der Schule fertig war? Denn jetzt musste ich nicht nur 16 000 km weit weg von meinem geliebten Strand und meinen Freunden ziehen, sondern mich auf einer neuen Schule einleben. Dad konnte sich gar nicht vorstellen wie anstrengend High School Schüler sein konnten und wie schwer es war die Neue zu sein. Wenigsten startete das neue Schuljahr in London im September und nicht wie in Australien im Februar, so dass ich wenigstens nicht mitten im Schuljahr anfangen musste.

„Komm schon Kyle. Jaymee. Jetzt zieht doch bitte nicht solche Gesichter.“, Dad hatte das zerbrochene Geschirr zur Seite gelegt und war auf uns zugekommen. Harley Quinn fauchte, wand sich aus meinem Arm und verschwand ebenfalls im Nachbarsgarten. „Ich kann verstehen, dass es nicht einfach ist, aber gebt London eine Chance ja?“, er sah uns bittend an. Das schlechte Gewissen stand im nun deutlich ins Gesicht geschrieben. Ich wusste, dass er es nur gut meinte und das Beste für uns wollte. Aber ich war es einfach satt wie ein kleines Kind behandelt zu werden. Seit unsere Eltern sich getrennt hatten, überbeschütze Dad Jaymee und mich ständig. Er hielt uns aus allen schwierigen Entscheidungen heraus, wollte nicht dass wir etwas von Problemen mitbekamen oder uns um irgendetwas Sorgen machen mussten. Dass er ein besonders schlechtes Gewissen hatte merkte man immer dann, wenn er uns ohne Grund Geschenke machte. Weshalb es uns auch nicht überraschte,  als brandneue IPhones einen Tag nachdem Dad verkündet hatte, dass wir umziehen würden, auf uns warteten. Ich seufzte einmal tief und setzte ein Lächeln auf. Jaymee und ich hatten es aufgegeben mit Dad über das Thema zu diskutieren und waren zu einer anderen Taktig übergegangen: Lächeln und Nicken, denn alles andere brachte sowieso nichts.

„Okay Dad, wir geben London eine Chance. Versprochen.“, Jaymees Lächeln fiel etwas gequält aus und ich war mir sicher meins sah auch nicht viel überzeugender aus. Da hatten wir eindeutig noch Übungsbedarf. Dad sah auch nicht gerade überzeugt von Jaymee zu mir. Ich nickte: „Und immerhin sind wir ja nicht ganz fremd hier und alleine sind wir auch nicht. Grandma D und Tante Rachel sind ja hier. Und Holly!“ Holly Alaska Hathaway war meine beste Freundin seit der ersten Klasse. Als sie vor 8 Jahren erfahren hatte, dass ich nach Sydney ziehen würde hatte sie sich eine Woche lang in ihrem Zimmer eingeschlossen. Erst als sie ihren Eltern das Versprechen abgerungen hatte mich jedes Jahr in den Sommerferien besuchen zu dürfen, war sie wieder rausgekommen. Sie war ein Grund warum leben in London vielleicht doch nicht so schlimm werden würde. Der andere waren Tante Rachel, die jüngere Schwester meines Dads, ihre Familie und Grandma D. Sie hatten uns ebenfalls mindestens einmal im Jahr besucht, aber sie nun wieder nur einige Straßen von uns entfernt zu wissen tat gut. „Ja, endlich werden wir den kleinen Collin kennen lernen. Ich kann es gar nicht erwarten ihn zu knuddeln“, sagte Jaymee, diesmal ehrlich erfreut. Collin war Tante Rachels 10 Monate alter Sohn und da Rachel sich den langen Flug mit einem kleinen Baby nicht antun wollte, hatten wir ihn noch nicht kennengelernt. Auch ich freute mich schon sehr auf den Kleinen. Auf Bildern sah er auf jeden Fall zum Anbeißen aus. Dad sah zwar immer noch nicht ganz überzeugt aus, gab sich aber offensichtlich damit zufrieden, dass Jaymee und ich zu mindestens dazu bereit waren, allem hier eine Chance zu geben. Er schenkte uns ein aufmunterndes Lächeln, griff nach einer der hunderten Kisten die sich im Umzugswagen stapelten und lief damit  zurück zum Haus. Ich sah im Kopfschüttelnd nach. Er war wirklich ein hoffnungsloser Fall.  Jaymee grinste mir zu: „Na komm Schwesterchen, wir schaffen das schon. Haben wir bis jetzt immer!“ Sie hielt mir ihren kleinen Finger hin und ich harkte meinen bei ihr ein: „Wir beide gegen den Rest der Welt.“ Sie warf mir einen Luftkuss zu und machte sich ebenfalls auf den Weg zum Haus. Ich seufzte zum bestimmt hundertsten Mal an diesem Tag, dann bückte ich mich um die Kiste welche ich zuvor abgestellt hatte wieder auf zu heben.

Es war wirklich in schöner Tag und für einen Moment schloss ich die Augen und genoss die Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Wer weiß wann wir hier nochmal so einen Tag bekommen würden, dass musste man ausnutzen. Sowieso fielen mir viele deutlich bessere Dinge ein, die man mit diesem Tag anstellen konnte als Umziehen und Kisten schleppen. Glücklicherweise war das Haus, das uns freundlicherweise von Dads neuer Firma zur Verfügung gestellt worden war, bereits komplett möbliert, so dass wir nicht noch Möbel tragen und aufstellen mussten. Bei Dads Handwerkstalent wäre es sowieso niemals gut gegangen. Trotzdem gab es bei einer 6-köpfigen Familie eine Menge Kisten, weshalb ich mir nicht mal sicher war, ob wir heute mit dem schleppen überhaupt fertig wurden. Wenn wir uns weiterhin so viel mit rumstehen aufhalten würden, sicherlich nicht. Ich lief den gepflasterten Weg der zum Haus führte entlang, stieg die wenigen Treppen vorm Haus hoch und trat schließlich in das Haus, was von nun an mein Zuhause sein würde. Auch wenn ich es nicht zu geben wollte, es war ein tolles Haus, das musste man Dads neuer Firma lassen. Dad würde von nun an nicht nur mehr Geld bekommen, sondern bekam ebenfalls Haus und Auto gestellt. Ansonsten wären wir sicher nicht in so ein Haus gezogen, denn obwohl Dad und Beck beide gut verdienen, so ein Haus hätten sie sich nicht leisten können. Vor allem nicht mitten in Hampstead, zwischen Hyde Park und Innenstadt.

Jaymee und ich hatten die großen Zimmer im Untergeschoss inklusive Bad und begehbarem Kleiderschrank bekommen, wo wir ungestört waren und uns niemand hören würde, wenn wir nachts bzw. früh morgens nach Hause kamen. Alles war hell und freundlich eingerichtet, es gab viele Fenster, eine riesige Küche, eine Couch auf der locker unsere gesamte Familie (incl. Katzen) Platz hatte und einen großzügigen Garten, in dem Brooklyn Platz zum Fußballspielen hatte. Alles in allem also ein richtiger Jackpot und trotzdem vermisste ich unsere Haus in Sydney jetzt schon. Es war vielleicht nicht so groß und schon gar nicht so chic eingerichtet gewesen, aber dafür hatte es sich nur wenige Minuten vom Coogee Beach entfernt befunden. Ich liebte den Strand und konnte mir gar nicht vorstellen von nun an mehrere Stunden fahren zu müssen um ans Wasser zu gelangen. „Ah Kyle gut das du kommst.“, riss mich Beck, Dads neue Frau, aus meinen Gedanken. Sie war auf mich zugekommen und nahm mir erfreut die Kiste aus der Hand. „Die hatte ich gesucht. Ich brauche eine große Schüssel für den Salat.“

Dad und Beck hatten sich kurz nach unserem Umzug nach Sydney auf einer Veranstaltung von Dads damaliger Firma kennengelernt. Beck war damals gerade fertig mit ihrem Eventmanagement Studium gewesen und hatte die Party organisiert. Es war Liebe auf den ersten Blick gewesen und es hatte keine 10 Monate gedauert, bis Beck bei uns eingezogen war. Es war wieder eine „Dad hat ein schlechtes Gewissen, weil er uns etwas nicht gesagt hatte, deshalb gibt es Geschenke“- Situation gewesen und wir hatten die beiden Katzen bekommen. Ein Geschenk das Dad sicherlich bereute, denn die beiden lagen vorzugsweise dort, wo sie im Weg waren. Würden sie nicht so wichtig für uns sein, hätte er sie sicher schon lange ausgesetzt. Nach Becks Einzug hatte sich vieles im Hause Lewis verändert. Dad war so fröhlich wie schon lange nicht mehr, weshalb Jaymee und ich wirklich versuchten uns ebenfalls zu freuen. Jedoch dauerte es lange bis wir wirklich warm mit ihr wurden. Immerhin hatten sich unsere Eltern zu dem Zeitpunkt gerade erst getrennt gehabt und wir vermissten Mum immer noch brennend. Hinzukam, dass Beck geschlagene 13 Jahre jünger als unser Vater ist, weshalb sie auf keinen Fall eine Mutter für uns darstellte. Und eine Mum hätten wir damals sehr gebrauchen können. Doch irgendwann hatten wir uns daran gewöhnt, dass Beck nun ein Teil unserer Familie war und langsam angefangen sie zu mögen. Beck war immer sehr geduldig mit uns gewesen. Dabei hatte sich vor allem von Jaymee einiges anhören müssen. Heute konnte ich mir gar nicht mehr vorstellen, dass ich sie mal nicht gemocht hatte und konnte gut verstehen warum Dad sich in sie verliebt hatte. Sie war nicht nur wirklich hübsch mit ihren klaren grünen Augen und feinen Gesichtszügen, sondern dazu noch intelligent, charismatisch und humorvoll. Das typische australische Surfer Girl. Sie war locker, nahm nicht alles so Ernst und erlaubte deutlich mehr als Dad, was Jaymee und ich begeistert herausgefunden hatten. Es war Beck gewesen, die uns unseren ersten Alkohol gekauft hatte, uns auf Partys gelassen hatte und uns nicht bei Dad verraten hatte, wenn wir nachts kotzend auf dem Klo hingen, weil die Party zu gut gewesen war. Beck hatte immer ein offenes Ohr für unsere Probleme und spielte nicht selten Vermittlerin zwischen uns und Dad. Kurz gesagt man musste sie einfach mögen. Genauso wie Brooklyn und Apryl. Natürlich waren wir anfangs nicht begeistert gewesen kleine Geschwister zu bekommen, doch mit der Zeit hatten wir uns dran gewöhnt und uns sogar gefreut, als Beck schließlich mit Apryl schwanger war. Sowohl Jaymee als auch ich vergötterten die Kleinen und behaupteten von uns wirklich gute große Schwestern zu sein.

„Na komm, auf in die Küche. Lunch Time.“, Beck zwinkerte mir zu und steuerte den Weg zur Küche an. Ich folgte ihr. Die Küche war wie bereits erwähnt riesig und in Weiß gehalten. In der Mitte stand eine Kochinsel an der auf einem Hocker meine kleine Schwester Apryl saß und malte. Konzentriert hatte sie ihre Zunge zwischen die Zähne geschoben und beäugte ihre Kunstwerke kritisch. Sie war 4 Jahre alt, liebte Pferde, Teepartys und Feen. Sie hatte ihre Malbücher über die ganze Insel verteilt, genauso wie ihre Wachsmalstifte. Einige rollten sogar über die weißen Fliesen. Ich grinste, das Chaos Gen hatte sie eindeutig von Dad, welcher es ebenfalls auch an mich vererbt hatte. Ich ließ alles überall liegen, verlegte oft Sachen und brauchte Stunden bis ich etwas fand. Jaymee und ganz besonders Beck, welche ein totaler Ordnungsfanatiker war, trieb das öfters mal zur Weißglut. Auch jetzt sah Beck nicht besonders glücklich darüber aus, drückte aber anscheinend aufgrund der Umzugssituation ein Auge zu. Allgemein war es hier noch etwas chaotisch. Dad hatte nicht mal die Kiste mit dem zerbrochenen Geschirr weggeräumt. Plötzlich kam ein Fußball in die Küche geflogen, prallte mit einem dumpfen Knall gegen die Arbeitsplatte und verfehlte nur knapp die Porzellanschüssel die Beck gerade aus der Kiste genommen und vorsichtig ausgewickelt hatte. „Und das war ein Tooooooor! England gewinnt das Finaleeeeeeee!!!“ Mein sechsjähriger Bruder Brooklyn kam in die Küche geschliddert, sprang in die Höhe um dann in typischer Cristiano Ronaldo Position zu jubeln. Brooklyn war sich eindeutig sicher, dass er mindestens der neue CR7 war und hatte nichts als Fußball im Kopf. Er spielte immer und überall und dass er nächsten Monat in die Schule kam interessierte ihn nur wenig. Für Schule habe er keine Zeit, hatte er uns erklärt, er müsse trainieren.

„Verdammt Brooklyn. Wie oft soll ich dir das noch sagen: Kein Fußball im Haus.“, Beck sah ihren Sohn vorwurfsvoll an und nahm den Fußball an sich. „Hey!“, protestierte Brooklyn und verschränkte beleidigt die Arme vor der Brust, „ich muss aber weiter trainieren.“ „Das kannst du auch. Nach dem Essen. Draußen.“, Beck klemmte sich den Ball unter den Arm, „und jetzt husch, husch Hände waschen damit wir essen können. Das gilt auch für dich Apryl.“ Während Apryl sich brav vom Hocker hob und ins Bad lief, verdrehte Brooklyn die Augen und grummelte etwas unverständliches, folgte seiner Schwester dann aber artig ins Badezimmer. Dad sah ihm kopfschüttelnd hinterher. „Und ich dachte Kyle und Jaymee wären anstrengend gewesen.“ „Hey“, empörten Jaymee und ich uns gleichzeitig. „Wir waren überhaupt nicht anstrengend. Wir haben immer auf dich gehört.“, meinte ich gespielt beleidigt und Jaymee fügte hinzu: „Genau und wir haben nieeee Blödsinn angestellt.“ „Jaja klar. Ihr habt euch auch nie auf dem Schulhof geprügelt oder den Nachbarn Streiche gespielt.“, Dad fiel es sichtlich schwer nicht zu grinsen. „Nö nie!“, stimmte ich ihm zu und lachte, „wir waren absolute Traumkinder. Sind wir doch immer noch oder Dad?“ Der verdrehte nur die Augen und wuschelte uns beiden einmal durch die Haare, was ich mit einem Lachen und Jaymee mit einem Aufschrei „Dad meine Haare“ quittierte. „Na darauf trinke ich“, lachte Beck und holte eine Flasche Sekt aus dem Kühlschrank, „habe ich heute Morgen schon mal kalt gestellt.“ Was hatte ich gesagt, Beck musste man einfach mögen.

Schnell war die Flasche geöffnet und der Sekt in vier Wassergläser, Sektgläser waren leider noch irgendwo in den Tiefen der Kisten verstaut, verteilt. Brooklyn und Apryl, welche vom Händewaschen zurückgekehrt waren bekamen ein Glas Cranberrysaft. „Auf unser neues Zuhause.“, Dad hob sein Glas. „Auf London und darauf, dass ich alles über euch verrückte Briten lernen werde.“, Beck hob ihr Glas und spreizte dabei ganz königlich ihren kleinen Finger ab, „und natürlich auf die Queen.“ Beck war äußerst fasziniert von uns Briten, auch wenn sie diese für total bekloppt hielt und wollte unbedingt mal die Queen treffen. Keiner von uns hatte es bis jetzt übers Herz gebracht ihr zu sagen, dass kein Normalsterblicher Brite die Queen jemals einfach so getroffen hatte. „Auf die Familie und darauf, dass sie immer für einen da ist. Auch wenn sie manchmal Dinge ohne einen entscheidet.“, an der Stelle warf ich einen vorwurfsvollen Blick Richtung Dad, welcher auf einmal ganz interessiert auf die Tapete starrte. „Das ist doch alles langweilig.“, unterbrach uns Brooklyn. Er hob nun ebenfalls sein Glas und sagte feierlich: „Auf Cristiano Ronaldo, den besten Fußballspieler der Welt. Und Batman, den coolsten Superhelden!“ Dann nahm er einen kräftigen Schluck von seinem Saft. „Und auf Tinker Bell.“, meldetet sich jetzt auch Apryl mit ihrem hohen Stimmchen zu Wort, „ich will auf Tinker Bell trinken.“ Dad, Beck, Jaymee und ich sahen uns an und brachen in Gelächter aus. Die beiden waren einfach eine Nummer für sich. „Okay, trinken wir auf Batman und Tinker Bell.“, widerholte Jaymee. Es klirrte leise als unsere Gläser aneinanderstießen. Zum ersten Mal seit Dad uns von dem Umzug erzählt hatte, verspürt ich nicht mehr nur Wut in mir. Natürlich war ich immer noch nicht begeistert, doch hier in der Küche mit einem Glas Sekt in der Hand wurde mir klar, dass es mit diesem Haufen, der sich meine Familie nannte, wenigstens nie langweilig werden würde. Hätte ich damals jedoch gewusst, in was ich schon bald hingezogen werden würde, hätte ich wahrscheinlich sofort meine Koffer wieder gepackt und wäre ins nächste Flugzeug gestiegen. Doch so lächelte ich nur weiter vor mich hin und nahm nichts ahnend noch einen kräftigen Schluck von meinem Sekt.
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