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The Girl in the Box

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18
Evie Frye Jacob Frye OC (Own Character)
10.01.2019
09.08.2019
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21.01.2019 3.285
 
Und der nächste Morgen kam. Diesmal knallte keine Sonne in die Abteile; es regnete, und über beinahe ganz London lag dichter Nebel. Wenn man aus dem Fenster blickte, sah man nur manchmal ein paar Häuser, ansonsten ausschließlich die dicke Nebelsuppe. Aber man war eh gerade mit anderen Sachen beschäftigt. Lyanna und Henry saßen im Hauptabteil und Frühstückten bereits. Lyanna schmierte für Evie ein Brötchen mit, da diese gerade in Jacobs Abteil war, bei ihrem zweiten Versuch, den Jungen zu wecken. Nach fünf Minuten hörte man etwas platschen, und gleich darauf ein Gebrüll, welches nur von Jacob kommen konnte. Kurz darauf trat Evie ein, mit einem leeren Eimer in der Hand, und hinter ihr Jacob, der aussah wie ein begossener Pudel. Aus seinen Haaren tropfte Wasser auf den Holzboden, und er fauchte seine Schwester an. Evie interessierte das nicht die Bohne; gelassen setzte sie sich neben Lyanna und nahm dankend das fertig geschmierte Brötchen an. Lyanna platzte währenddessen fast vor unterdrücktem Lachen, und als ihr dann doch ein kleines Prusten entfloh, guckte Jacob sie wahrhaft böse an.
"Lustig, was? Aber wenn ich es bei dir machen würde, würdest du mir ein Messer an die Kehle setzten", knurrte er und schnappte sich ein Brötchen, um sich dann wieder in sein Abteil zu verziehen. Erst, als Lyanna hörte, wie er seine Tür schloss, lachte sie laut los.
Evie neben ihr kicherte mit, und auch Henry grinste.
Die beiden Frauen wurden erst wieder ernst, als Jacob erneut eintrat, jetzt hatte er halbwegs trockene Haare, und trug seine Tageskleidung.
Er wirkte immer noch recht sauer, und marschierte auch direkt und ohne zu stoppen, durch das Abteil zum Ausgang. Doch bevor er vom Zug springen konnte, rief Lyanna ihm nach.
"Jacob, warte kurz, bitte!"
Genervt wandte er sich um. "Was willst du?"
"Mitkommen." Lyanna klimperte mit den Wimpern, und hoffte, dass es zieht. Ihr war so verdammt langweilig, und es war noch nicht einmal um zehn.
"Willst du mich hier gerade veralbern?", fragte der Assassine ruppig, und riss die Tür auf. "Ganz sicher nicht. Geh zu Evie und lass mich in Ruhe!"
"Warum so abweisend?", flötete Lyanna, und er drehte sich weg und sprang ab. Doch so leicht ließ die junge Frau sich nicht abschütteln; sie sprang einfach hinterher, und folgte ihm. Jetzt würde er seine Abreibung bekommen, dafür, dass er sie gestern nicht geweckt hatte.
"Jaaacooob", säuselte sie mit Singsangstimme, und er knurrte unwirsch, bevor er sich ruckartig umdrehte.
"Was habe ich dir gesagt? Sieh ja zu, dass du wieder in den Zug kommst!"
"Aber der Zug ist fort. Genau wie mein Schiff damals!" Lyanna ließ ihre Stimme übertrieben klagend klingen, und machte ein betrübtes Gesicht. "Jetzt muss ich wohl mit dir mitkommen!"
Er knirschte mit den Zähnen, das war deutlich zu sehen. Da Lyanna jedoch recht hatte, und er sie ja jetzt nicht einfach stehen lassen konnte, blieb ihm nichts anderes übrig, als sie mitzunehmen.
"Schön. Aber wehe, du reizt mich, in irgendeiner Art und Weise!"
"Ich doch nicht, wo denkst du hin?" Lyanna lächelte, so süß sie nur konnte, und Jacob verdrehte die Augen, bevor er die Böschung hinab kletterte.
Unten angekommen, ging er rasch in eine der Nebengassen, wo ein paar seiner Jungs standen und ihn offenbar schon erwarteten. Ohne jegliche Scheu, lief Lyanna grinsend hinterher, und natürlich kamen sofort die Fragen, wer sie ist. Jacob seufzte.
"Das ist Lyanna..."
"Und ich gehöre seit vorgestern mit zu eurer Gang!", vollendete diese seinen Satz schnell.
Die Gesichter sahen überrascht aus, offenbar hielt Jacob es nicht für nötig, seiner Gang von neuen Mitgliedern zu erzählen. Mit hochgezogener Augenbraue sah Lyanna Jacob an, der ihrem Blick auswich. Alles klar.
"Verheimlichst du es deinen Leuten immer, wenn ihr neue Mitglieder habt? Oder ist das nur bei mir so?", wollte sie wissen, und es war ihr ziemlich egal, dass die anderen Männer zuschauten.
Jacob rieb sich mit einer Hand durchs Gesicht. "Lyanna..."
"Was? Ich möchte eine Antwort haben, Jacob Frye! Oder soll ich deine Jungs fragen?"
Diese schauten sich erst gegenseitig etwas betreten an, dann blickten sie zu ihrem Chef, der gerade tief durchatmete.
"Ich habe es vergessen", sagte er schließlich, und Lyanna schnaubte.
"Das ist jetzt nicht dein Ernst."
Weiter kam sie nicht, denn in diesem Augenblick kamen rotbekleidete Menschen um die Ecke.
"Verdammt", rief Jacob aus und zog seinen Kukri unter dem Mantel hervor. Die restlichen Rooks zogen ebenfalls Messer und ähnliches aus allen möglichen Taschen, während Lyanna ihre Waffen aus den Schuhen zog. Jacob drängte sie zurück. "Geh, Lyanna", raunte er, und sie schüttelte ungläubig den Kopf. "Im Leben nicht!"
Er versuchte noch, sie aus dem Schussfeld zu schubsen, doch es war bereits zu spät, und alle waren im Kampf verwickelt, einschließlich Lyanna. Sie kam gut zurecht, wurde schnell mit zwei Blightern gleichzeitig fertig, und selbst Jacob machte große Augen, als er ihre Kampfkünste sah. Doch musste sie zugeben, dass sie sich bei dem dicken Kerl übernommen hatte. Zwar konnte sie ihn schlussendlich, mit ungewollter Hilfe Jacobs, niederstrecken, aber das Messer, welches in ihrem Arm steckte, war alles andere als angenehm, und Lyanna fluchte, dass es noch drei Strassen weiter zu hören war. So etwas hatte sie, zugegeben, noch nie erleben müssen, und es trieb ihr zum ersten Mal die Tränen in die Augen.
"Lyanna, hör mir zu!" Jacob versuchte bestimmt zum dritten Mal, sie anzusprechen, doch der stechende Schmerz machte sie beinahe wahnsinnig, und ließ es nicht zu, ihm zuhören zu können.
Stattdessen packte sie den Griff des Messers, zog dieses mit einem Ruck aus ihrem Arm, und das Blut spritzte ihr und Jacob ins Gesicht.
"Verdammt, Lyanna! Ich wollte dir gerade noch sagen, zieh das Ding auf keinen Fall raus!"
Hektisch rupfte Jacob seinen Schal vom Hals, und band diesen fest um Lyannas Arm.
"Aua!", brüllte diese und schlug mit ihrem gesunden Arm nach ihm, doch er wich aus und hob sie hoch.
"Was wird das?"
"Ich bringe dich zum Arzt! Leute, Stellung halten!", kommandierte er seine Rooks noch, bevor er Lyanna zu einer Kutsche trug, und sie zu einem Arzt brachte, um ihre Wunde ordentlich versorgen zu lassen. Die gesamte Strecke lang gab es Protest von der jungen Frau.
"Ich will nicht zum Arzt, das geht schon!", maulte sie. Jacob zeigte ihr einen Vogel, sagte jedoch nichts weiter dazu, wissend, dass es bei Lyanna keinen Sinn machte. So gut kannte er sie da doch schon.
Angekommen, sah er sie direkt an. "Soll ich dich tragen, oder kommst du da jetzt freiwillig mit rein?"
Lyanna biss sich auf die Lippen. Von Jacob da rein getragen zu werden, würde unendlich peinlich sein, und so stand sie energisch auf.
"Ich laufe selber", knurrte sie, musste es jedoch über sich ergehen lassen, dass Jacob sie noch von der Kutsche hob.
Beim Laufen merkte sie, wie die Wunde zu pochen begann, und auch wenn sie es vor Jacob nicht zu gab, war sie recht froh, dass beim Arzt kein weiterer Mensch war, und sie sofort behandelt wurde. Natürlich, als die Wunde desinfiziert wurde, gab es nochmal wildes Gefluche, doch nachdem der Arzt fertig mit nähen war, merkte sie schon, wie der Schmerz ein wenig nachließ. Jacob bezahlte den Mann, und führte Lyanna hinaus.
Beim Hinausgehen hörte sie den Arzt leise sagen: "So ein junges Mädchen, aber sich prügeln."
Lyanna wollte sich noch umdrehen und ihm die Meinung sagen, doch Jacob zog sie mit sich.

Die beiden waren schon drei Strassen weiter, Jacob hielt Lyanna noch immer fest.
"Jacob, du kannst mich jetzt loslassen. Bitte!"
Er seufzte leise, ließ sie jedoch los.
"Hast du Angst, dass ich abhaue, oder was?", fragte sie, und er antwortete recht knapp: "Wäre nichts neues."
"Haha."
"Das war nicht lustig gemeint!" Jacob blickte sie ernst an, und sie verdrehte die Augen.
"Wo sollte ich denn hin? Und warum machst du dir überhaupt Sorgen darum... Oh mein Gott. Eine Kneipe." Lyanna strahlte und trat sofort den Weg dorthin an.
"Lyanna, Stop!"
Sie drehte sich missmutig um, und zog eine Schnute. "Bist du eigentlich generell gegen Spaß?"
Jacob kratzte sich, nachdenklich blickend, am Kinn, bevor er antwortete.
"Es geht mir darum, dass es gerade mal Mittags ist. Aber hör zu, ich mache dir einen Vorschlag. Wir gehen heute Abend in eine Kneipe, okay? Allerdings nicht in diese. Ich habe meine Stammkneipe, da würde ich dich mit hinnehmen."
"Versprichst du es mir?", fragte Lyanna etwas misstrauisch, und er nickte.
"Ich schwöre es!"
"Hand drauf!"
Sie hielt ihm fordernd ihre Hand hin, und Jacob schlug ein.
"Und wehe, du vergisst es wieder!", meinte Lyanna noch, bevor sie sich umdrehte und den Weg zum Bahnhof antrat.


Im Zugversteck angekommen, berichtete sie Evie ganz begeistert von dem geplanten Ausflug. Diese war allerdings ersteinmal an dem Verband interessiert, der Lyannas Arm zierte.
"Ach, das geht schon, mach dir keine Sorgen."
Evie hob eine Braue. „Willst du mir trotzdem erzählen, was passiert ist?“
„Nein.“ Lyanna ließ sich auf den Sessel fallen und presste die Lippen zusammen, offenbar war es ihr peinlich, dass sie verletzt wurde.
Jacob trat vor. „Ihr wurde ein Messer in den Arm gesteckt.“
„Jacob, sei still!“ Lyanna warf dem Assassinen einen wütenden Blick zu. Das gibt’s doch jetzt nicht. Wenn sie nicht möchte, dass es erzählt wird, kann er das dann nicht einfach akzeptieren??
Er zuckte nur mit den Schultern, und verschwand, während Lyanna das nächstbeste Teil packte und ihm hinterher warf. Zum Glück war es nur ein Kissen. Evie sammelte es auf und legte es aufs Sofa, bevor sie sich Lyanna zuwandte.
„Lyanna, das ist doch nicht schlimm. Was denkst du, wie oft Jacob schon was abbekommen hat, bei solchen Kämpfen.“
Als Antwort kam nur ein Hmm, und sie klopfte Lyanna auf die gesunde Schulter.
„Kopf hoch, Kleine. Jetzt essen wir erst mal was, danach wird es dir sicher besser gehen.“
„Jo, hört sich gut an.“ Ihr Magen knurrte bereits, seit sie bei diesem Arzt war.
„Gut. Jacob, Essen!“, brüllte Evie, und keine halbe Minute später kam dieser mit hungrigen Blick ins Abteil gestürmt.
„Und Henry?“, wollte Lyanna wissen, während Evie das Essen auftischte.
„Der kommt später. Soweit ich weiß, ist er noch in seinem Laden.“
„Oh, okay.“
Jacob war schon am Futtern, während Lyanna auf Evie wartete, was sie zugegebenermaßen, in Spanien nicht gemacht hatte. „Anpassungsfähig“, dachte sie grinsend, bevor sie ebenfalls zu essen begann.
Das Essen war unglaublich Lecker. Abgesehen von den Zimtschnecken war es tatsächlich das Beste, was Lyanna in den letzten Wochen gegessen hatte. In der spanischen Bruderschaft gab es immer nur denselben Fraß, was ihr natürlich irgendwann zum Halse raushing. Da war das englische Gericht hier jetzt eine willkommene Abwechslung. Es schmeckte so gut, dass Lyanna unbewusst schlang, und damit schneller als die Zwillinge fertig war.
„Wow“, meinte Evie, „sonst ist Jacob immer der schnellste.“
„Es war aber auch köstlich.“ Lyanna legte die Hände auf dem Bauch ab und lehnte sich im Sessel zurück.
„Was machen wir jetzt eigentlich, bis es Abends ist? Jacob?“
Jacob sah von seinem, beinahe geleertem Teller auf.
„Keine Ahnung.“
„Also, hier rumgammeln möchte ich jedenfalls nicht!“
Er seufzte. „Wie wäre es, wenn du etwas mit Evie machst? Dann kann ich mich noch ein bisschen ausruhen…“
Lyanna drehte sich zu Evie. Diese blickte schon recht nachdenklich drein.
„Wir könnten…“
„Wir könnten meine Haare schneiden!“, fiel Lyanna ihr ins Wort. Die jetzige Länge ging ihr einfach so sehr auf den Kranz. Evie nickte. „Ja, das kann ich dir machen!“
„Super!“
„Aber nicht zu kurz. Oder?“ Jacob sah sie skeptisch an, und sie verdrehte die Augen.
„Oh, Jacob. Für dich, lasse ich mir eine Glatze schneiden!“
Lyanna lachte über seinen entsetzten Gesichtsausdruck, und ging dann in ihr Abteil, um sich umzuziehen.



Abends, stand Jacob vor Lyannas Abteil und wartete ein wenig ungeduldig auf das Mädchen.
Er hatte sie seit dem Mittagessen nicht mehr zu Gesicht bekommen, und war gespannt, wie sie nun aussehen würde.
Endlich öffnete sich die Abteiltür, und ihm stockte, wie schon am Anfang, als er sie das erste Mal sah, der Atem.
Lyanna trug ihre, jetzt nur noch bis knapp über die Brust fallenden Haare offen, nur ein paar Strähnen hatte sie geflochten und hochgesteckt, was ihrem Aussehen etwas leicht rebellisches verlieh. Evie hatte ihr wieder ein Kleid geliehen; dunkelgrün, mit weißer Spitze an Ärmeln und Saum, und mit roten Schleifen. Der Ausschnitt war ein wenig tiefer als bei den anderen Kleidern. Jacob riss sich zusammen, als er wieder mal zu schmachten begann, und hielt ihr einen Arm hin.
„Wollen wir?“
Lyanna grinste. „Übertreib es nicht, Jacob!“, sagte sie, hakte sich jedoch bei ihm ein, und beide stiegen aus dem Zug.
Der junge Mann führte seine Begleitung aus dem Bahnhof hinaus, über eine breite Straße, und dann in eine der Seitengassen, wo auch schon Jacobs Stammkneipe war. Schon bevor die Kneipe erreicht wurde, konnte man die fröhliche Musik hören. Jacob hielt Lyanna die Tür auf.
„Bittesehr, die Dame!“
„Vielen Dank“, meinte sie gespielt vornehm, und schaute sich dann neugierig um.
Der Barraum war ein wenig dreckig, aber um einiges sauberer als in den Kneipen, in denen sie bisher war. Menschen saßen in kleinen Grüppchen an den runden Holztischen oder an der Bar, andere wieder tanzten ausgelassen zur Musik. Jacob schob Lyanna zu einem der hinteren Tische, und bat sie, Platz zu nehmen.
„Was möchtest du trinken, Kleine?“
„Rum!“, kam es, wie aus der Pistole geschossen, und Jacob verschwand in Richtung Tresen. Gleich darauf kam er wieder, mit einem Krug und einem Glas in den Händen. Lyanna schnupperte an seinem Krug.
„Was ist das?“, wollte sie wissen.
„Das ist Ale“, sagte Jacob. „Möchtest du probieren?“
„Ja, gern.“ Sie nahm einen Schluck, und wiegte den Kopf. „Schmeckt gar nicht übel. Davon möchte ich dann auch einen Krug, bitte.“
„Trink erstmal deinen Rum!“
Die beiden stießen einfach auf den Abend an, da ihnen nichts besseres einfiel. Lyanna leerte ihren Rum recht zügig. „Der aus deinem Barabteil war aber besser!“
Jacob hob eine Augenbraue. „Ich hatte Rum dort? Wusste ich gar nicht…“
Lyanna schaute etwas fassungslos, bevor sie antwortete. „Du hast noch nie welchen getrunken, oder?“
Er schüttelte nur den Kopf, und sie legte, gespielt verzweifelt, den Kopf auf dem Tisch ab.
„Dann wird das heute dein erstes Mal sein. Ich habe schließlich auch dein Ale probiert!“
Rasch stand sie auf und holte neuen Rum, wovon sie Jacob ein Glas vor die Nase schob.
Genau wie Jack schnupperte er zunächst, und auch er fand das Getränk schlussendlich gut.
„Aber nicht so gut wie Scotch! Ach, Lyanna? Wie fändest du ein kleines Wettsaufen?“
Lyanna lachte auf. „Ernsthaft jetzt? Gegen dich, gewinne ich locker!“
„Das werden wir ja sehen! Ale und Scotch, von mir aus auch Rum, und immer abwechselnd!“
„Gut, akzeptiert! Und wer am Ende noch stehen kann, gewinnt?“
„Ganz genau!“ Jacob grinste, und schlug mit Lyanna ein, bevor er wieder zum Tresen ging und zwei Krüge Ale, sowie Scotch und Rum holte. Lyanna betrachtete nachdenklich den Krug.
„Was bekomme ich, wenn ich das Zeug auf ex trinke?“
„Öhm. Wie wäre es mit drei Zimtschnecken?“
„Haha. Wie wäre es mit deinem Hut?“, fragte sie frech, doch Jacob schüttelte energisch den Kopf. Bei seinem Hut hörte der Spaß offenbar auf.
„Schon gut. Vier Zimtschnecken.“
„Okay!“ Er lehnte sich zurück, mit leicht amüsiertem Gesicht, während Lyanna den Krug ansetzte.
Ohne zwischendurch Luft zu holen, trank sie das ganze Ale mit einem Mal, und rülpste sehr undamenhaft, als sie den Krug mit einem Knall abstellte.
„Pardon!“ Schnell griff sie das Glas mit dem Rum, und kippte von diesem einen großen Schluck nach, bevor sie lauthals über Jacobs Gesicht lachte. Sie lachte so sehr, dass ihr eine Träne die Wange hinablief.
„Und jetzt, versuche du es!“
Jacob schaute ein wenig kritisch, wollte sich jedoch nicht von einem Mädchen unterbuttern lassen. Und so setzte er ebenfalls seinen Krug an, und schnappte reichlich nach Luft, als er ihn wieder absetzte.
„Vergiss den Scotch nicht!“
Er stöhnte leise, trank jedoch einen Schluck Scotch.
„Super. Und vergiss morgen meine Zimtschnecken nicht!“
Er schaute sie an. „Was bekomme ich eigentlich dafür?“
Lyanna stand auf. „Das klären wir später“, sagte sie schnell, und holte neue Getränke.
„Und die trinken wir normal.“, meinte sie, als sie wiederkam, sich setzte und schließlich Jacob zuprostete, welcher schon etwas betrunken aussah.
Zugegeben, sie fühlte sich ebenfalls schon etwas duselig. Aber man kann ja auch nichts anderes erwarten, wenn man das Zeug so in sich rein kippt.
Nach Runde Vier begannen die Wände, sich zu bewegen. Bei Runde Sechs machte Jacob schlapp.
„L-lass ma versuchen, ob wir noch stehen könn´“, nuschelte er, und stemmte sich mit Mühe hoch.
Lyanna, die schon die ganze Zeit über ihn kicherte, nickte und stand ebenfalls auf.
Bei ihr klappte es doch etwas besser. „Ha! Ich hab gewonnen!“
„Verdammt.“ Jacob ließ sich wieder auf den Stuhl fallen, und Lyanna begriff, dass sie ihn nun bis zum Zug schleifen durfte.
„Nee, hoch mit dir!“ Sie ergriff seine Hände, und zog daran. Da kam der Wirt.
„Kann man helfen?“
Lyanna zeigte auf Jacob. „Ich muss den zum Zug bringen…“
„Lass nur, ich mach das.“ Der Wirt half Jacob hoch, und legte dessen Arm über seine Schulter um ihn zu stützen. So begab man sich aus der Kneipe. „Jetzt verstehe ich, warum das seine Stammkneipe ist“, murmelte Lyanna, während sie hinterhertorkelte. Zum Glück war es ja nicht weit.
Nach zehn, sehr anstrengenden Minuten waren sie beim Zug angekommen. Der Wirt brachte Jacob noch in sein Abteil, und Lyanna bedankte sich, bevor er wieder aufbrach.
Dann betrachtete sie Jacob, der schon auf seiner Couch lag.
„So hässlich ist er ja jetzt nicht“, dachte sie und breitete die Decke über ihm aus, gerade da, als er die Augen wieder aufschlug.
„Komm her“, flüsterte er, und sie schüttelte den Kopf. „Sicherlich nicht.“
„Bitte? Dafür, dass ich den Krug auf ex ausgetrunken habe.“
Lyanna stöhnte; das musste ja so kommen.
„Du bekommst auch fünf Zimtschnecken.“
„Du bist kuschelbedürftig, wenn du trinkst, oder?“
Jacob nickte, und sie stöhnte abermals.
„Sieben Zimtschnecken!“
„Okay, es reicht!“ Lyanna sah ihn zweifelnd an. „Versprich mir, dass du nichts versuchst! Sonst hacke ich dir beide Hände ab. Und dein Würstchen dazu!“
Kurz lachte Jacob auf, dann wurde sein Blick wieder ernst. „Ich schwöre es“, flüsterte er, während er einen Arm nach ihr ausstreckte.
Sie seufzte, zog jedoch ihre Stiefel aus und legte sich neben Jacob, der sich sofort an sie drückte.
„Hey!“ Lyanna schob ihn wieder ein Stück von sich weg, und zog dann einen Teil der Decke über sich.
Gerade jetzt, überkam sie die Wirkung des Alkohols so richtig, und sie wurde sofort schlapp und schläfrig. Sie spürte Jacobs Hände an ihrer Hüfte, und versuchte kraftlos, diese wegzuschlagen.
„Hör auf, ich töte dich“, lallte sie.
Seine vom Bart kratzige Wange war an ihrer, sein Atem kitzelte ihre Haut. Lyanna wollte ihn schlagen, doch ihr fehlte die Kraft dazu.
„Lyanna“, hauchte er, und die junge Frau hielt den Atem an, als er ihrem Gesicht mit dem seinem so verdammt nahe kam. „Bitte. Nur ein Kuss.“
„Du bist des Wahnsinns, Jacob Frye.“
„Ich weiß. Bitte.“
Das war nicht richtig. Es war verdammt falsch, und Lyanna wusste, dass sie bitterlich bereuen würde. Doch der Alkohol machte sie willenlos, und so zuckte sie nur mit den Schultern.
„Morgen töte ich dich“, versprach sie ihm jedoch noch, bevor sie es zuließ, dass Jacob seine Lippen auf ihre drückte.
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