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The Girl in the Box

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18
Evie Frye Jacob Frye OC (Own Character)
10.01.2019
09.08.2019
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10.01.2019 2.080
 
London, Oktober 1868.
Der eisige Wind fegte durch die Straßen, wehte den Leuten die Hüte vom Kopf und trieb manchen die Tränen in die Augen. An der Themse war es besonders schlimm. Selbst die Ratten brachten sich vor dem Sturm in Sicherheit.  Doch die Assassinen konnten sich leider nicht in irgendeinem  Loch verkriechen. Stattdessen mussten sie bei den Anlegeplätzen warten, dass ein bestimmtes Schiff mit einer bestimmten Lieferung anlegte. Und vor allem bei Jacob sorgte das für ein Stimmungstief.
"Wie lange müssen wir hier bitte noch warten?“, maulte er und kickte Kieselsteine davon.
Seine Zwillingsschwester, Evie, verdrehte die Augen.
"Kannst du nicht einmal ruhig und ohne zu meckern, den Auftrag mit mir erledigen?“
Jacob murmelte ein paar Flüche und zog sich seine Mütze tiefer ins Gesicht. Um von seiner Schwester wegzukommen, lief er ein paar Schritte in die Richtung eines, für diese Anlegestelle gewaltigen Schiffes aus Spanien, was gerade entladen wurde. Lustlos beobachtete er, wie die Arbeiter emsig eine Kiste nach der nächsten nach unten schleppten, oder auf einen kleinen Aufzug wuchteten, welcher dann die Kisten nach unten transportierte.
Eine der Kisten stand etwas abseits. Perfekt, um sich zu setzten. Jacob ließ sich auf das massive Holz plumpsen und fuhr wieder hoch, als die Kiste anfing zu klopfen. Ja, die Kiste gab klopfende Geräusche von sich. Jacob griff sich an den Kopf, dass konnte doch nicht wahr sein. Jetzt begann das Ding auch noch, zu fluchen. Der junge Mann entfernte sich lieber ein paar Schritte, und wollte dennoch gerade etwas zum Aufbrechen der Kiste suchen, als Evie kam und ihn mitschliff.
"Komm schon, das Schiff hat angelegt!“
"Aber, Evie…“ Sie überhörte seinen Protest, und Jacob blieb nichts übrig, als mit zu gehen und die Kiste fürs erste Kiste sein zu lassen.
Die Übergabe der Fracht kam ihm endlos lange vor. Immer wieder schielte er nach hinten zu dem spanischen Schiff, um nachzusehen, ob die merkwürdige Kiste noch da war. Doch brauchte er sich da eigentlich keine Sorgen zu machen; das Schiff war riesig, und die Männer hatten gerade mal die Hälfte der Fracht ausgeladen. Trotzdessen stieg die Nervösität, und als die Übergabe endlich vorüber war, flitzte Jacob sogleich zur Kiste zurück. Evie folgte ihm.
"Jacob, was in drei Teufelsnamen suchst du denn da??“
"Ein Brecheisen“, nuschelte dieser und zog ein schönes Exemplar unter einer Holzpallette hervor. "Perfekt.“
Rasch marschierte er zur Kiste zurück und setzte das Eisen an.
"Jacob, halt, was machst du denn da?!“
"Ruhig, Eve, ich muss mich konzentrieren!“
Doch Evie kam und entriss ihm das Brecheisen. "Du kannst doch nicht einfach so irgendwelche Kisten aufbrechen!“
"Aber, Evie, die Kiste hat geklopft. Und geflucht hat sie auch!“
Evie sah ihren Bruder streng an. „Bist du betrunken? Jacob, ich sagte dir doch, dass du nichts trinken sollst…“
"Nein, ernsthaft, Evie…“ Er verdrehte die Augen. "Die Kiste hat geklopft. Glaub mir.“
Kurz überlegte er, dann hatte er einen Einfall. "Pass auf…“
Unter dem kritischen Blick Evies, klopfte er einmal gegen das Holz. Erstmal passierte gar nichts, nur dass Evie immer genervter aussah. Doch dann gab es einen Schlag im inneren der Kiste, und Evie machte einen Satz zurück.
"Was zum??!“
"Siehst du, sag ich doch“, meinte Jacob mit seinem ich-habs-dir-doch-gesagt-Blick, und ergriff erneut das Brecheisen.
"Jacob, nicht, wer weiß, was das ist!“
Aber Jacob hatte schon angesetzt, und in weniger als einer Minute war die Kiste offen, und er trat, vorsichtshalber, ein paar Schritte zurück. Evie hielt den Atem an.
In der Kiste raschelte es, und das erste, was zum Vorschein kam, war eine Rumflasche, die aus der Kiste flog. Danach ergriff eine Hand den oberen Rand, und es erschien ein blonder Haarschopf. Dessen Besitzer zog sich stöhnend am Rand der Kiste nach oben, und selbst Jacob stockte der Atem. "Was zum“, flüsterte er, "da habe ich mich ja auf die richtige Kiste gesetzt.“
Evie schlug ihm sachte in die Seite, obwohl sie selbst den Mund nicht mehr zubekam.
Ein junges Mädchen, keine Achtzehn, kletterte ächzend aus der Kiste und hielt sich schmerzhaft den Kopf. Sie hatte unglaubliche Augenringe, war blass und die Haare waren total verfilzt, doch trotz allem konnte man hier von einer kleinen Schönheit sprechen. Bei Jacob konnte man förmlich sehen, wie sich in seinen Augen kleine Herzen bildeten. Evie hätte ihm am liebsten eine Schelle auf den Hinterkopf gegeben.
Das Mädchen hatte sich unterdessen vollends aus der Kiste gewuchtet, und sah sich stöhnend um. Evie trat vorsichtig vor. "Geht es dir gut?“
Die Kleine sah sie etwas ungläubig an. Dann griff sie sich an den Kopf. "Man, bin ich froh, Englisch gelernt zu haben. Und nein, mir geht es gar nicht gut, aber das sieht man ja bestimmt auch, oder? Könntest du, Pardon, könnten Sie mir vielleicht sagen, wo ich hier gelandet bin?“
Jetzt war es Evie, die ungläubig guckte. Sie blinzelte etwas verwirrt, dann sagte sie knapp. "In London.“
Jacob grinste. "Huu, da war sie wohl etwas frech zu dir, was Eve?“
"Halt den Mund, Jacob“, knurrte diese und fügte noch hinzu: "Wenn du es besser kannst, rede du doch mit ihr!“
"Bitte!“  Er trat vor und das erste, was er das Mädchen fragte, war, wie zum Teufel sie in diese Kiste gekommen sei.
Die Antwort war recht traurig. "Ich war betrunken, und wollte dort mein Ausnüchterungsschläfchen halten. Wenn man betrunken ist, erscheint das wie eine gute Idee. Aber jetzt, wenn ich mich so umsehe… Nein, einfach nein. Die Bruderschaft wird mich umbringen“, murmelte sie noch, was Jacob sowie Evie aufhören ließ.
"Die Bruderschaft?“, fragten beide gleichzeitig, und das Mädchen nickte langsam.
"Sagt bloß, ihr kennt die Bruderschaft.“
"Nun ja“, Jacob räusperte sich, "wir gehören dazu. Jacob und Evie Frye. Ich weiß nicht, ob Sie schon von uns gehört haben.“
Sie nickte. "Doch. Auch in Spanien spricht man über euch, und findet das alles unglaublich, was ihr da leistet.“ Dann seufzte sie. „Ich kann meine restliche Ausbildung jetzt allerdings an den Nagel hängen.“
"Ach, lass den Kopf nicht hängen, das wird schon wieder. Wie ist übrigens dein Name?“, wollte Evie wissen.
"Lyanna“, antwortete sie, „und, nein, das wird nicht wieder. Ich hatte schon zwei Verwarnungen.“
"Ja. Das ist dann natürlich was anderes", warf Jacob ein und streckte sich.
"Jo. Nun ja, ich muss  ersteinmal sehen, wie ich heimlich zurück aufs Schiff komme... oh nein, bitte nicht."
Während die drei miteinander gesprochen hatten, waren die Arbeiter endlich damit fertig geworden, das Schiff zu entladen. Lyanna drehte sich gerade rechtzeitig um , um zuzusehen, wie das Schiff ablegte.
"Nein!", kreischte sie, und wollte in die Themse springen, um hinterherzuschwimmen. Doch Jacob hielt sie fest.
"Was denkst du, was du da machst?"
"Ähm, meinem Schiff hinterherschwimmen? Lass mich los, ich will und muss nach Hause!"
Doch er tippte sich gegen die Stirn. "Du bist des Wahnsinns. Durch die Strömung schaffst du es nie, vor allem nicht bei dem Sturm. Du könntest draufgehen dabei!"
Lyanna sah ihn erbost an. "Das muss dich ja nicht interessieren, oder? Fakt ist, ich muss nach Spanien zurück, also muss ich auf dieses Schiff!" Sie schüttelte den Zeigefinger in Richtung des sich immer weiter entfernenden Schiffes. "Also, lassen Sie mich gefälligst los, Jacob Frye!"
"Ruhig, Mädchen. Schrei mich hier nicht so an. Du kannst später immer noch nach Spanien zurück, von mir aus auch wieder in genau dieser Kiste. Aber dieses Schiff wird es nicht sein. Und jetzt ist es eh zu spät."
Lyanna warf einen leicht panischen Blick nach hinten, und musste einsehen, dass Jacob Recht hatte. Jetzt war das Schiff viel zu weit weg, als das sie hinterher schwimmen konnte. Wütend entriss sie ihren Arm aus seinem Griff. "Wirklich, vielen herzlichen Dank!", schnauzte sie und ließ sich auf einem Poller nieder.
"Was soll ich jetzt nur tun?", murmelte sie leise und zu sich selbst. "Ich bin in London, mein Schiff ist fort, keine Ahnung wann das nächste kommt..."
"Das nächste kommt erst in etwas mehr als einem Monat, das war das letzte Frachtschiff aus Spanien für Oktober. Deswegen war es so groß", meinte Evie, und lief langsam zu Lyanna.
Diese sah sie mit großen Augen an. "Im Ernst? Na toll. Und wo soll ich jetzt hin? Ich habe hier doch nichts. Vorallem, kein Dach über dem Kopf!"
"Du könntest bei uns wohnen", kam es von Jacob, der sich an die Mauer gelehnt hatte. Lyanna warf ihm einen recht bösen Blick zu, und er grinste.
"Ach komm. Sei nicht böse, ich hab es gut gemeint. Außerdem, ich kann dir auch n paar Assassinensachen beibringen."
Jetzt sah sie erst ihn, dann Evie etwas zweifelnd an. Evie nickte langsam, doch so ganz überzeugt wirkte sie nicht.
Sie stand auf. "Fein. Ich komme mit. Aber keine Spielchen!" Sie sah Jacob direkt an, und er machte ein unschuldiges Gesicht. "Was denkst du denn von mir?"
Doch sie reckte das Näschen in die Luft und ging Evie hinterher, die schon mal voraus gegangen war.
Jacob stemmte die Hände in die Seiten und schüttelte, breit grinsend, den Kopf. "Was für eine Frau",meinte er zu sich selbst, bevor er den beiden Damen hinterher flitzte.


"Ein Zug?"
Lyanna sah sich erstaunt um. Sie hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit.
"Das ist ja einzigartig, und vorallem ein superkreatives Versteck. Wie seid ihr darauf gekommen?"
"Wir haben diesen Zug bei einem Bandenkrieg gewonnen. Der Anführer hat doch tatsächlich seinen Zug als Gewinn gesetzt, sozusagen", erzählte Jacob und ließ sich gleich darauf auf seine Couch fallen.
Lyanna durchstöberte währenddessen die Schränke, zumindest die, die offenstanden.
Da kullerte ihr eine Scotchflasche entgegen. "Scotch? Wie schmeckt das?", wollte sie wissen und drückte Jacob, der gerade die Augen geschlossen hatte, die Flasche in die Hand. Ächzend setzte er sich wieder auf. "Woher hast du die?"
Sie zeigte auf den Schrank, der vor Sachen, vorallem Kleidung, schon überquoll, und Jacob lachte leise. "Na Hoppla. Aber schön, die Flasche hab ich gesucht."
"Ja, gut. Und wie schmeckt das jetzt?"
"Der hier, schmeckt eher herb, aber trotzdem noch leicht süß. Möchtest du probieren?"
Die junge Frau überlegte. Alkohol zur Verdauung, dass sie jetzt ersteinmal in London leben würde, wäre gar nicht mal schlecht. Also nickte sie. "Jo, warum nicht."
"Fein." Jacob erhob sich und holte zwei Gläser, von denen er Lyanna eines in die Hand gab. Kurz darauf hielten beide ein Glas mit Goldfarbenem Scotch in der Hand, und überlegten, worauf man anstoßen könnte, schließlich gehört sich das so. Schlussendlich meinte Jacob, sie sollten darauf anstoßen, dass Lyanna die Schiffsfahrt in der Kiste überlebt hat, was beide dann auch taten.
Lyanna nippte vorsichtig am Glas, während Jacob einen kräftigen Schluck nahm.
"Hmm", positiv überrascht nahm sie einen zweiten, diesmal größeren Schluck, "der schmeckt echt lecker! Obgleich ich eigentlich eher für Rum bin."
Sogleich nahm sie einen dritten Schluck. Jacob lehnte sich zurück. "Freut mich, dass es dir schmeckt."
Sie betrachtend, trank er langsam sein Glas aus. Nachdem Evie ihr die Haare entfiltzt hatte, und Lyanna sich gewaschen und umgezogen hatte, kam ihre Schönheit nun sehr deutlich hervor. Die Haare waren ein etwas dunkleres Blond, und fielen ihr in sanften Wellen bis zur Taille. Die großen, grünen Augen waren von dichten, dunklen Wimpern umrahmt. Und das Kleid, was sie von Evie bekommen hatte, stand ihr ausgezeichnet. Ein braunes, mit roten Schleifen versehenes Kleid, mit nicht zuvielen Rüschen. Es betonte ihre sehr weibliche Figur unglaublich gut. Jacob merkte, wie er zu schmachten began. Lyannas Blick verriet, dass sie es ebenfalls bemerkte, doch sie fand es offenbar nicht ganz so toll. Ihr Blick war recht Empört.
"Was tun sie denn da? Hören Sie gefälligst auf, mich so anzustarren!"
Jacob senkte den Blick zu seinem Glas und murmelte eine Entschuldingung.
Lyanna stand auf. "Hören Sie, Jacob Frye, ich bin nicht in Stimmung, mich hier von Ihnen angaffen zu lassen. Auch bin ich nicht auf der Suche nach einer Affäre oder sonstigem, vor allem, nicht mit Ihnen!"
Damit leerte sie ihr Scotchglas und verschwand ins angrenzende Abteil, welches Evie ihr zugesprochen hatte.
 
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