Wahre Liebe findet immer ihren Weg

GeschichteAllgemein / P18 Slash
09.01.2019
19.02.2019
22
22145
10
Alle Kapitel
158 Reviews
Dieses Kapitel
7 Reviews
 
 
Frau Schneider

Zwei Tage später fuhren zwei sehr nervöse junge Männer zu dem Termin mit Frau Schneider vom Jugendamt ins Haus Sonnwald. Ihre Nerven waren bis zum Anschlag angespannt. „Mensch, ich habe ganz kalte Hände“, stöhnte Boris, „hoffentlich geht alles gut“. „Aber natürlich mein Schatz“, erwiderte Tobias. Aber auch er war nur äußerlich ruhig, „ das wird schon“.
Als sie in das Büro von Frau Martin traten, waren außer ihr auch noch Eileen und Frau Schneider anwesend. Boris und Tobias begrüßten zuerst Eileen und gaben dann Frau Schneider und Frau Martin die Hand. Tobias musterte Frau Schneider unauffällig und dachte bei sich: 'Na, die macht eigentlich einen ganz sympathischen Eindruck. Aber das kann auch täuschen'.
„So meine Herren“, sagte Frau Schneider und lächelte leicht, „Sie beide wollen also die Pflegschaft für unsere kleine Eileen beantragen“. „Ja,ja, das wollen sie“, rief Eileen aus, „und ich will das auch“. Das kam so drollig heraus, dass die Erwachsenen lachen mussten. Boris beugte sich zu ihr hinunter. „ Mein Schatz, das wissen wir doch alle. Aber lass jetzt mal die Frau Schneider reden, ja?“ „Gut Boris“. Als Frau Schneider sah, wie gefühlvoll Boris mit Eileen umging, gab sie ihm in Gedanken schon mal einen Pluspunkt. Sie setzten sich in die Besucherecke und Frau Schneider breitete einige Papiere vor sich aus. „Ich habe Ihnen hier mal aufgelistet, was alles für eine Pflegschaft notwendig ist. Bitte lesen Sie sich das gut durch und füllen Sie die Papiere aus. Außerdem brauche ich noch Gehaltsabrechnungen von Ihnen beiden, sowie polizeiliche Führungszeugnisse, eine Aufstellung Ihrer Vermögensverhältnisse und vor allen Dingen eine Schufa-Auskunft. Das wäre im Großen und Ganzen der Papierkram. Wir müssen auch noch einen Termin machen, damit ich Ihre Wohnung besichtigen kann. Ich muss mir ja ein Bild machen, wie das Kind untergebracht wird.
Mit Frau Martin und mit Eileen habe ich mich schon lange unterhalten und von dieser Seite bestehen keinerlei Bedenken für eine Zustimmung zur Pflegschaft. Und wenn ich Sie mir so ansehe meine Herren, von meiner Seite auch nicht. Aber zuerst müssen noch alle Unterlagen in Ordnung sein“. „Dann wäre da noch eine Sache“, warf Frau Martin ein, „wie sieht es mit der Schule aus? Bisher habe ich Eileen privat unterrichtet, ich war ja Lehrerin bevor ich hier das Heim übernommen habe. Aber jetzt muss sie ja eine öffentliche Schule besuchen“. Eileen verzog etwas das Gesicht, sagte aber nichts. „Da kümmere ich mich drum“, sagte Frau Schneider, „es muss ja eine Schule sein, die rollstuhltauglich ist. Vielleicht kann ich Ihnen dann schon was Näheres sagen, wenn ich zur Wohnungsbesichtigung komme. So, das wärs dann im Moment von meiner Seite. Herr Saalfeld, Herr Ehrlinger, ich melde mich bei Ihnen wegen dem Besichtigungstermin“. Sie reichte ihnen allen die Hand und verabschiedete sich dann. „Puh“, sagte Boris, „ich war in meinem ganzen Leben noch nie so nervös wie heute“. „Ich auch nicht, mein Schatz“, meinte Tobias, „aber es sieht doch ganz gut für uns aus, oder?“ „Ja, das würde ich auch sagen“, bemerkte Frau Martin, „Frau Schneider hat mir schon signalisiert, dass einer Pflegschaft nichts im Wege steht, wenn alle Papiere in Ordnung sind und auch bei der Wohnung alles klar ist“. „Dann füllt aber mal ganz schnell die Papiere aus“, sagte Eileen, „damit ich nicht mehr so lange warten muss. Nicht böse sein, Frau Martin, das geht nicht gegen Sie“. „Das weiß ich doch, mein Kind“, lächelte Frau Martin, „und ich freue mich sehr für Dich wenn es klappt“. „Boris, die Papiere musst aber Du ausfüllen“, sagte Tobi, „Du bist ja hier der Schreibtischhengst“. Eileen musste über diesen Ausdruck sehr lachen und die Erwachsenen stimmten ein. Frau Martin ließ Kaffee und Kuchen, sowie Kakao für Eileen bringen und sie verbrachten noch zwei nette Stunden miteinander.
Eine Woche später hatte sich Frau Schneider zur Wohnungsbesichtigung angekündigt. Boris und Tobias hatten sich an diesem Tag freigenommen. Sie gingen noch einmal mit Staubwedel und Wischlappen durch die Wohnung bis alles vor Sauberkeit glänzte. „So, jetzt kann sie kommen“, sagte Boris und drückte seinem Schatz noch schnell einen dicken Kuss auf die Lippen. Tobias wuschelte ihm zärtlich durch das blonde Haar. „Mensch, pass doch auf, Du bringst mir ja alles durcheinander, dabei habe ich eine Ewigkeit gebraucht, bis meine Frisur einigermaßen gesessen hat“. „Warum willst Du Frau Schneider noch beeindrucken, sie weiß doch eh schon, dass wir beide unverschämt gut aussehen“. Bevor Boris antworten konnte, klingelte es auch schon und Frau Schneider trat ein. Sie reichte den beiden die Hand. „So meine Herren, wollen wir erst den Papierkram erledigen“. Sie setzten sich an den Esstisch, auf dem Boris alle Unterlagen ausgebreitet hatte. Frau Schneider prüfte alles sorgfältig und lächelte dann. „Das ist ja alles perfekt ausgefüllt. Wenn das bei den anderen auch nur immer so wäre, hätte ich die halbe Arbeit. Also mit den Papieren ist alles in Ordnung. Nun möchte ich mich noch etwas umsehen“. Sie ging durch alle Zimmer und nickte immer wieder anerkennend. „Sehr schön“, sagte sie, „und jetzt möchte ich noch das Kinderzimmer sehen“. „Wirklich ein bezauberndes Mädchenzimmer, da wird sich Eileen bestimmt sehr wohlfühlen“. „Heißt das...?“ fragte Tobias und schaute Frau Schneider erwartungsvoll an. „Ja, Herr Ehrlinger, das heißt es. Sie kriegen die schriftliche Bestätigung noch zugeschickt, aber ich kann Ihnen jetzt schon versichern, dass Ihre Pflegschaft hundertprozentig sicher ist. Und das mit der Schule geht auch klar, sie ist sogar ganz in der Nähe Ihrer Wohnung und sie können Eileen dann morgens auf dem Weg zur Arbeit mitnehmen, sie kann aber auch mit dem Rollstuhl hinfahren, die Schule ist nur zwei Straßen entfernt. Das mit der Anmeldung werde ich noch übernehmen und sage Ihnen dann Bescheid“.
Als Frau Schneider sich verabschiedet hatte, standen Boris und Tobias einfach nur da und hielten sich an den Händen. „Tobi, jetzt sind wir wirklich Papas“, flüsterte Boris und ein paar Glückstränen liefen ihm über die Wange. „Ja mein Schatz, jetzt beginnt für uns ein ganz neues Leben“.
Review schreiben