I don't want to love you

von Spirit
GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
09.01.2019
16.01.2019
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Nachdenklich stand ich vor meiner Haustür. Ich konnte nicht abstreiten, dass ich gerade nicht an den Vorfall von vorhin dachte. Wie sollte ich auch?
Ich seufzte. Wenigstens konnte der Tag heute nicht schlimmer werden, und ich würde auch nicht lange alleine sein. Seiko musste nur noch meinen Vater abholen. Den restlichen Tag würden wir gemeinsam mit meinen Hausaufgaben und Filme schauen verbringen.
Nun etwas enspannter schloss ich die Tür auf und betrat mein zu Hause. Man sah auf den ersten Blick, dass unsere Hausfrau ihre Aufgabe heute schon erledigt hatte.
*Das heißt also, dass ich erst einmal alleine bin...auch gut...*
Ich stellte meinen Rucksack im Flur ab, bevor ich in mein Zimmer ging. Es war schlichtes und aufgeräumtes Zimmer, dass weiß bemalt war und von einem weichen Teppich belegt wurde. Die Inneneinrichtung bestand bloß aus einem Schreibtisch, zwei Betten falls ich besuch hatte, einem Kleiderschrank und einem Bücherregal. Es war zwar nicht viel, aber dafür konnte man sich gut darin konzentrieren.
Ich öffnete mein Fenster um frische Luft rein zu lassen und legte mich mit aufgesetzten Kopfhörern in mein Bett. Mein Blick war auf die Wand gerichtet, während ich die Musik auf das Maximum stellte. Ich wusste nicht warum, aber wenn ich einmal über nichts nachdenken wollte, half mir die Musik immer dabei. Ich verfiel dann oftmals in einen melancholischen Zustand, aber dass war mir lieber als mir über unangenehme Gedanken sorgen zu machen. So wie jetzt eben.
Langsam aber sicher merkte ich, wie ich wieder völlig ruhig wurde. Es war für einen ganzen Moment so, als hätte es den Vorfall vorhin niemals gegeben. Ich lächelte leicht. Ja, so war es schon eindeutig besser.

Ich lag noch eine ganze halbe Stunde einfach so da, bis ich zwei Hände spürte, die mich leicht schüttelten.
*Das ist doch nicht etwa...?*
Panisch sprang ich auf und schlug die Hände weg, bis ich merkte, wer es überhaupt war. Sofort übermahnte mich das schlechte Gewissen.
"Tut mir leid. Ich hab gerade absolut nicht damit gerechnet." Ich lächelte Seiko verlegen an, während ich mich wieder in mein Bett setzte.
"Schon gut. Ich hätte mich nicht einfach an dich ran schleichen dürfen." Der Blondhaarige legte meinen Rucksack den er von unten mitgenommen hatte, neben den Tisch, bevor er schelmisch grinste.
"Ich hätte nicht gedacht, dass jemand wie du so leicht zu erschrecken ist." Er struppelte mir spielerisch durch die Haare, was mich dazu brachte, mein Kissen nach ihm zu werfen.
"Halt doch den Mund! Das war das erste und das letzte Mal, dass ich so ragiere! Übrigens, da du es endlich geschafft hast, mich zu duzen, bleiben wir doch dabei. Okay?"
Ich richtete meine Haare, während ich aus den Augenwinkeln beobachtete, wie Seiko erschrocken seinen Fehler bemerkte. Ich musste lachen. Seiko war mit 19 Jahren zwar zwei Jahre älter als ich, aber mit seinen blonden Lockenkopf und seinen großen, hellblauen Augen die einen unschuldigen Blick mit sich trugen, konnte man fast meinen, dass er jünger war als ich. Trotz seinem Aussehen, durfte man seine Stärke nicht unterschätzen.
"Sag mal, was hast du da an den Händen?" Verwundert blickte ich auf meine Handgelenke, wo eindeutig Abdrücke zu sehen waren. Doch bevor ich mich erklären konnte, hatte Seiko schon einer meiner Hände in seine genommen, um sie unter die Lupe zu nehmen. Ich ließ ihn machen, sie weg zu ziehen würde wahrscheinlich nur weh tun.
"Das ist nichts. Ich hab bloß meine Armbänder zu eng zugemacht. Nichts worüber du dir sorgen machen müsstest." Ich setzte ein Lächeln auf und schnippte ihn mit meiner freien Hand gegen die Stirn, wodurch er losließ und mir ins Gesicht sah.
"Ach wirklich? Ich habe gar nicht bemerkt, dass du Armbänder getragen hast." Er runzelte die Stirn, bevor er sich von mir abwandte, und meinen Rucksack durchwühlte.
"Naja, egal. Wir sollten uns erst einmal um die Hausaufgaben kümmern. Danach können wir uns was anschauen, wenn du willst." Schnell nickte ich. Ich war erleichtert, dass er das Thema von sich aus gewechselt hatte. Somit musste ich ihn nicht noch länger belügen.
Aber besser eine einfache Lüge, als zu sagen, dass der Perversling mir einen Kuss aufgedrungen hat.
Und schon wieder waren meine Gedanken bei dem Typen. Es konnte nicht sein, dass so ein Teufel sich so in mein Gehirn eingefressen hatte.
*Auch wenn er verdammt gut küssen kann...*
Warte...was dachte ich da gerade?
Ich schüttelte über mich selbst den Kopf. Das konnte doch echt nicht sein.
"Tojo?...Erde an Tojo!...Hallo!?!"
Ich schreckte von meinen Gedanken auf und sah verwirrt zu Seiko.
"Ja? Wolltest du was?"
Er seufzte, bevor er ein blaues Heft vor mir herum wedelte.
"Ich hab gefragt, ob Betriebswirtschaft das Einzige ist, was du heute auf hast."
Verlegen kratzte ich mich am Hinterkopf, bevor ich nickte und mich auf meinem Stuhl niederließ.
"Entschuldigung Seiko. Ich hab nur gerade auch etwas anderes im Kopf." Murmelte ich, während ich die Seite aufschlug, um die Aufgabe zu beginnen. Es war zum Glück nur eine Tabelle zu erstellen, wo man Zahlen aus einer anderen Tabelle abschreiben und das Endergebnis berechnen musste. Also nicht besonders schwierig.
"Wenn du willst, kannst du schon einmal alles für später her richten. Ich komme damit schon klar." Sagte ich an Seiko gewandt, bevor ich mich gänzlich auf die Aufgabe konzentrierte. Erst als ich fertig war, erlaubte ich mir, mich zurück zu lehnen.
Für das es so leicht ist, hat es heute ganz schon lange gedauert.
Überlegte ich, während ich das Ende des Bleistiftes im Mund hatte und mit meinen Fingern drehte. Ja, das war eine schlechte Angewohnheit von mir, aber da ich es nie selbst bemerkt hatte, wann ich es machte, konnte ich es mir auch nicht abgewöhnen. Zu meinen eigenen Missfallen.
Ich legte das Heft beiseite und schrieb Seiko das ich fertig war.
Kurz darauf war der 19-Jährige auch schon wieder bei mir, um sich die Aufgabe anzusehen.
"Das ist Falsch." Ich zog ihm das Heft aus der Hand, um selbst nach zu sehen.
"Das kann nicht sein. Wo denn bitte?" Fragte ich gereizt, worauf der Ältere hin auf eine Zahl der Tabelle zeigte.
"Du hast diese Zahl falsch abgeschrieben, wodurch die ganze Berechnung falsch ist." Ich stöhnte genervt auf. Das konnte doch nicht wahr sein. Ich makierte die Stelle mit einem Bleistift und sprang aus dem Stuhl.
"Das korrigiere ich morgen. Da gehe ich sowieso nicht in die Schule. Lass uns jetzt einfach einen Film anschauen, ja?" Ich lächelte breit, bevor ich ihn mit in das nebenliegende Zimmer zog, und dann den Film anschaltete, den Seiko vorbereitet hatte. Immer wieder griff ich nebenbei in die Chipsschüssel, um etwas davon zu naschen. Der Film an sich war nicht schlecht, auch wenn das Ende irgendwie traurig war. Der Hauptcharakter, der im Film immer und immer wieder betrogen und belogen worden war, starb schlussendlich um die Welt zu retten.

Als wir alles aufgegessen hatten und der Film zuende war, redeten Seiko und ich noch eine Weile über dies und das, bis es Zeit für ihn war zu gehen.
"Vergiss nicht, morgen brauchst du mich nicht abholen. Also genieße deinen freien Tag." Rief ich ihn noch zum Abschied zu, worauf er mir lächelnd zuwinkte und weg fuhr.
Ich sammelte währenddessen das dreckige Geschirr ein, und räumte es in den Geschirrspüler. Jetzt, wo ich wieder mit meinen Gedanken alleine war, musste ich an den Kuss denken. Ich brauchte schläunigst eine Idee, wie ich damit umgehen konnte, und gleichzeitig die Kontrolle zurück gewann. Denn wenn ich wegen so etwas sogar an einer leichten Hausaufgabe scheiterte, sollte ich schläunigst etwas unternehmen.

"Na, immer noch wach, Tojo?"
Ich drehte mich um und sah, wie sich mein Vater an der Kaffeemaschine bediente.
"Ich hab dich gar nicht kommen hören." Sagte ich ehrlich überrascht, bevor ich mir selbst eine Tasse Tee machte und mich an den Tisch setzte.
"So Gedankenversunken wie du warst, wäre es auch ein Wunder, wenn du mich bemerkt hättest."
Mein Vater schmunzelte, ehe er sich etwas Zucker in den Kaffee leerte und sich zu mir setzte. Eine Weile sagte keiner was. Er beschäftigte sich mit seinem Firmenhandy, während ich wieder in Gedanken versank und an meinem Tee nippte.
"Sag mal Dad..."
Durchbrach ich dann doch die Stille, worauf mein Vater fragend eine Augenbraue in die Höhe zog.
"Was macht man, wenn man von jemanden einfach so geküsst wird?" Es war peinlich das zu fragen, aber irgendwie war mir die Frage dann doch über die Lippen gekommen.
"Ich schätze man küsst zurück."
Antwortete er ohne umschweife. Ich seufzte. Das war ja klar.
"Das meine ich nicht. Was macht man wenn man UNGEWOLLT geküsst wurde?..." Ich hatte meinen Kopf die ganze Zeit nach unten gebeugt um ihn bei der Frage nicht ansehen zu müssen, doch nun war ich doch neugierig auf seine Reaktion. Er runzelte die Stirn, bevor er seinen Kopf auf seine rechte Hand stützte.
"Schwierig. Was hast du denn mit den ganzen Mädchen gemacht, als du sie hier her gebracht hast?" Mein Gesicht färbte sich augenblicklich rot. Dabei hatte ich doch immer beachtet, dass mein Vater ja nichts davon mitbekam.
"Ähm...ich habe ihnen gesagt, dass es nichts ernstes war, und hab sie dann wie vorher behandelt. Mit den Meisten verstehe ich mich heute noch gut." Antwortete ich dann ehrlich. Aber konnte man das mit der Situation von Chiko und mir vergleichen?
*Mir bleibt vorerst wohl keine andere Wahl...vielleicht war es auch einfach nur einmalig...*
Sagte ich mir, bevor ich aufstand und meine Tasse weg räumte.
"Danke Dad, ich gehe dann mal ins Bett. Gute Nacht."
"Gute Nacht mein Sohn."
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