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After War

GeschichteSci-Fi, Action / P18 / Gen
08.01.2019
10.06.2021
11
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10.06.2021 8.657
 
Langsam geht Hydroid an den Schränken vorbei und lässt seine linke Hand über sie streichen. Im Gang liegen eine Menge Corpus Leichen. Kameras und Lampen sind zerstört, Moas und Drohnen liegen in Einzelteilen neben den Humanoiden, welche Hydroid bei seinem Beutezug im Weg standen. Die wenigen Lampen, welche nicht zerstört wurden, flackern unablässig und hin und wieder zucken Blitze durch den wenig beleuchteten Raum. Es klickt. Ein Schrank hat sich geöffnet. Hydroid durchsucht seinen Inhalt, findet aber nichts Brauchbares, bis auf wenige Credits. Er dreht sich im Raum, um zu sehen, ob er einen Schrank oder eine Kiste übersehen hat. War dort etwas in der Ecke? Doch ein fernes Geräusch lenkt seine Aufmerksamkeit von der Ecke weg.

Am Ende des Ganges steht ein Corpus-Besatzungsmitglied und sieht das Chaos im Raum. Hydroid legt seine Sybaris an, zielt auf den Kopf und atmet ein. Für einen Moment wird alles still, kein Knistern oder Knacken ist zu hören. Das Licht geht aus und Hydroid zieht den Abzug. Wie in Zeitlupe hört er die Mechanik seines Gewehres arbeiten. Der Schlagbolzen schnellt nach vorne und trifft die im Lauf befindliche Kugel. Eine Explosion wird ausgelöst. Die sich ausdehnenden Gase drücken die Kugel nach draußen. Der Schlagbolzen wird zurückgezogen und das Magazin dreht sich mit der leeren Hülse weiter. Eine neue Kugel ist nun im Lauf platziert und der Schlagbolzen schnellt erneut vor. Eine zweite Kugel verlässt auf gleiche Weise wie die erste den Lauf, obgleich ihre Flugbahn, aufgrund des Rückstoßes der zuerst abgefeuerten Kugel, ein kleines Stück höher verläuft. Das Magazin dreht sich erneut weiter und der Schlagbolzen spannt sich, doch es wird kein weiterer Schuss abgegeben. Das Licht geht an und am anderen Ende des Ganges liegt ein toter Corpus, mit zwei Schusswunden im Kopf. Hydroid atmet aus und lauscht dem, in den Gängen, verhallenden Schuss.

Dann rennt er los. Mit Sicherheit weiß nun das gesamte Schiff, dass er hier ist. Durch mehrere Räume gelangt er, ohne auf jemanden zu stoßen. Vielleicht hat er doch Glück gehabt? Doch als er vor einer verschlossenen Tür steht, hört er von der anderen Seite Stimmengewirr. Sie scheinen sich zu formieren. Hydroid überlegt wie er am besten vorgeht, da öffnet sich die Tür. Sofort verwandelt er sich in eine Pfütze. Ein Corpus steht in der Tür und betrachtet diese merkwürdige Ansammlung an Wasser. Ein leichtes Leuchten geht von ihr aus und wirkt auf irgendeine besondere Weise anziehend auf ihn. Der Corpus kniet sich am Rande der Pfütze hin. Seine Kameraden sind derweilen mit der Positionierung der Moas beschäftigt und merken nicht wie ihr Kamerad seine Hand nach der Pfütze ausstreckt. Dieser wird in die unendlichen Tiefen gezogen, sobald seine Finger die Oberfläche berühren.

Wen Hydroid einmal in seinen Abgrund gezerrt hat, den lässt er von dort nicht mehr entkommen. Der gefangene Corpus findet sich in einer ihm fremden Schwärze wieder. Es scheint, als wäre alles Licht um ihn verschwunden. Der Raum, in dem er sich nun befindet, drückt auf ihn wie Wasser, mit dem Unterschied, dass er sich nur sehr schwerfällig darin bewegen kann. Der Corpus dreht sich um und entdeckt weit über sich ein kleines Fenster von dem Licht in das Dunkel dringt. Er sieht aus der Schwärze in den Raum wo seine Kameraden mittlerweile alle um die Pfütze herumstehen. Das Licht entfernt sich und obwohl der Corpus, als halbe Maschine, nicht zwingend Luft zum Atmen braucht, scheint sie ihm trotzdem allmählich auszugehen. In der Sekunde vor seinem Tod wird ihm alles schlagartig klar. Wo er war, was mit ihm geschieht und auch, dass es längst zu spät ist. Mit einem gewaltigen `Blub‘ schießt die Leiche an die Oberfläche der Pfütze.

Sämtliche Corpus, welche um die Pfütze herumstanden, erschrecken und weichen zurück. Aus dem Wasser der Pfütze blicken grausam starrende Augen auf sie und Fangarme, aus gebündeltem Wasser, stoßen aus den tiefen hervor. Einige wickeln sich um die Beine der Corpus, heben sie hoch in die Luft und schmettern sie mit einer Kraft auf den Boden das die Knochen und metallenen Bauteile in den Körpern zersplittern und das wenige vorhandene Fleisch zerfetzt wird. Andere durchstoßen die Körper und reißen Organe und Mechanik heraus. Wer nicht beim ersten Schlag starb, tat dies gewiss beim Zweiten oder Dritten. Nach wenigen Sekunden ziehen sich die Tentakel aus den leblosen Körpern und reißen dabei Unmengen an Bauteilen und Ressourcen, welche zur Fertigung dieser willenlosen Roboter und Cyborgs benutzt wurden, mit sich. Hydroid formt sich wieder in seine humanoide Gestalt und sammelt seine Beute ein.

Sein Blick fällt derweilen auf eine Ecke des Raumes, der nun leer vor ihm liegt. Nun ja, nicht gänzlich leer.  In der von ihm Nord-Westlich gelegenen Ecke steht eine Ayatan Skulptur, ein fein gefertigtes ‚Kunstobjekt‘ aus der Zeit der Orokin. Sie sind alle weiß mit goldenen Verzierungen und Kuhlen oder eher Öffnungen in welche man sogenannte ‚Ayatan Sterne‘ legen kann. Diese sind anscheinend eine Art Energiequelle für die Skulptur. Hydroid nimmt die Skulptur an sich und zieht, aus den scheinbar unendlichen Tiefen seines Mantels, nach einigem Suchen drei bläulich leuchtende Cyan-Sterne hervor. Diese steckt er in die dafür vorgesehenen Öffnungen und sofort beginnt die Skulptur sich zu bewegen. Ein Platz ist frei geblieben, für einen seltenen Ember-Stern.

Hydroid geht in die Mitte des Raumes und schaut sich nach weiteren Wegen um. Es ist ein großer Raum, mit einer leichten Erhebung in der Mitte, auf welche er steht. An den Seiten gehen in verschiedenen Richtungen Türen ab und es gibt zwei Treppen, welche zu einer Plattform an der Wand ringsum über ihm führen.  Die meisten Türen sind verschlossen, doch im oberen Gang könnte er weiterkommen. Er entschließt sich die Treppe hochzugehen und dem einzigen unverschlossenen Weg zu folgen. Auf seinem Streifzug begegnet er keinen weiteren Feind. Vor einer großen verschlossenen Tür bleibt er jedoch stehen. Die Tür hat rechts und links vom Durchgang zwei Terminals an der Wand angebracht in welche man, höchstwahrscheinlich gleichzeitig, die passenden Schlüssel stecken und anschließend den Mechanismus aktivieren muss. Da er keinen Schlüssel bei sich hat und auch sonst nicht weiterwusste, begibt er sich in einen Seitengang, der Hydroid zu einem Lagerraum führt.

In dem Raum waren viele Schränke und Kisten die Hydroid durchsuchen könnte und nur ein einziger Corpus-Tech, welcher an den Schränken werkelt, könnte ihm dabei Schwierigkeiten bereiten. Die Tech sind riesenhafte Cyborgs mit großer Kraft und immer einer schildgebenden Drohne in der Tasche. Auf einen offenen Kampf ist Hydroid gerade nicht aus, so schleicht er sich von hinten an den Tech heran.  Bevor dieser weiß, was gerade geschieht, stößt Hydroid dem Tech sein eigens geschmiedetes Rapier, ein sogenanntes Zaw, in den Rücken. Mühelos durchdringt die fein gearbeitete Klinge den Anzug und sticht wie eine Nadel in das darunter liegende Fleisch. Die Spitze des Rapiers gelangt ohne das Gewebe zu zerreißen durch die Bandscheiben der Wirbelsäule und durchbohrt das Herz des Corpus. Das Gift an der Klinge verbreitet sich rasant im Körper des Cyborgs und entfaltet seine lähmende Wirkung. Der Tech sackt leblos auf die Knie und Hydroid trennt den Kopf mit einem sauberen Hieb ab, um völlig sicherzugehen, dass der Tech nicht mehr aufsteht. Beim Durchsuchen des Corpus findet Hydroid einen der benötigten Schlüssel und was noch viel besser war, aus einem der Schränke fiel beim Öffnen ein Ember-Stern heraus. Hydroid steckt den Stern sofort in seine vor kurzem gefundene Skulptur. Die Bewegung wird, nun da alle Öffnungen belegt sind, sehr heftig und schnell. Dies ist ein gutes Zeichen für Hydroid, da die Skulptur nun einiges mehr Wert ist. Da kein Weg von seinem aktuellen Standpunkt aus weiterführt, kehrt er zur großen verschlossenen Tür zurück, von der er nun zumindest einen der zwei Schlüssel besitzt.



Rätselnd steht Hydroid vor der Tür und überlegt konzentriert wie er hindurch gelangen könnte. Das offensichtlichste war zugleich auch die schwerste Möglichkeit. Die Tür einfach zu öffnen. Selbst wenn er in Besitz beider Schlüssel wäre, würde es ihm unmöglich sein den Mechanismus an den Terminals gleichzeitig zu bedienen, um die Tür zu öffnen. Die andere Möglichkeit wäre zu versuchen sich als Wasser durch Ritzen, in der Tür oder zwischen Tür und Wand, hindurch zu quetschen und auf der anderen Seite wieder die humanoide Gestalt anzunehmen. Gedacht, getan, versagt. Eine gewaltige Woge an Wasser drückte sich mit immenser Kraft gegen die Tür und versuchte an den Rändern und etwaigen Ritzen hindurch zu gelangen. Vergebens, da diese Tür wohl leider zu gut konstruiert wurde als das auch nur ein Lufthauch sie durchdringen könne. Erschöpft nimmt Hydroid wieder seine normale Gestalt an und fängt erneut an angestrengt nachzudenken. Eine unsichtbare Hand schiebt sich in das innere seines Mantels und versucht offenbar mit äußerster Vorsicht etwas daraus zu entwenden. In Sekundenschnelle zieht Hydroid sein Zaw und hält es dem Dieb entgegen.

„Es ist ziemlich unklug einen Piraten zu bestehlen.“ Sagt er mit ernster und drohender Stimme.

„Noch habe ich nichts gestohlen.“ Erwidert eine ruhige Stimme aus dem nichts.

nur wenige Zentimeter vor der Spitze des Zaw erscheint eine Ivara. Hydroid mustert sie. In geduckter Haltung, die linke Hand immer noch in seiner Tasche, hockt Ivara vor ihm und rührt sich nicht.  Ihr Kopf sieht aus wie von einer Kapuze umhüllt, die ein Fleckenmuster aufweist. Das innere der Kapuze ist weiß, genauso wie ihre Beine. Während das äußere und der Oberkörper in tiefes Blau getaucht sind. Das Fleckenmuster, welches sich vor allem auf dem Oberkörper erstreckt ist ein etwas Helleres Blau mit gelber Umrandung. Am linken Arm trägt Ivara eine Art Halterung für Pfeile. Unter der Kapuze schaute Hydroid das gelb leuchtende Auge von Ivara ebenfalls an und betrachtet ihn aus der Nähe. Hydroid sieht im Groben aus wie der Kapitän eines Schiffes. Sein Kopf sieht aus als wäre ein dreieckiger Hut mit ihm verwachsen. Der Oberkörper ist von einem tiefblauen Mantel bedeckt, welcher Verzierungen in hellerem Blau und Metallbeschläge in kräftigem Gold aufweist. Unter dem Mantel erkennt man eine helle Hose welche in die dunkelgrauen Stiefel gesteckt ist.

So betrachteten sich die Beiden eine Weile, bis Hydroid die Stille durchbricht „Da ich keine Lust oder Zeit habe noch ewig hier so rum zu stehen schlage ich dir etwas vor.“  

„Ich bin ganz Ohr“

„Ich werde meine Waffe einstecken, du deine Hand aus meiner Tasche nehmen und dann wirst du mir erklären was das alles soll.“

„Nun gut, einverstanden.“ Beide machen einen Satz zurück und stehen sich nun offen und unbewaffnet gegenüber. „Ich beobachte dich schon seit einer Weile. Was suchst du hier? Dies ist ein simples Handelsschiff der Corpus ohne nennenswerte Ladung“, beginnt Ivara zu sprechen.

„Ich habe dich zuerst aufgefordert zu reden. Erzähle mir was von dir und dann erzähle ich was von mir. So geht das mit dem Smalltalk.“

„Wie sie wünschen ‚Herr Kapitän‘. Ivara der Name, ich bin im Auftrag eines Syndikats unterwegs. Dieses Schiff hat Navigationsinformationen über sämtliche Schiffe der Corpus in diesen Gewässern. Das Syndikat ist an den Flottenbewegungen und den Handelsruten interessiert und zahlt dafür sehr gut.  Nicht zu vergessen das ich auch einiges an Ansehen im Syndikat erhalten werde, sollte ich erfolgreich sein. Jetzt bist du an der Reihe.“

„Hydroid, Freibeuter und auf eigene Faust unterwegs. Du hast schon recht, offiziell ist keine wertvolle Ladung an Bord. Allerdings habe ich dank meiner Informanten erfahren, dass ein Artefakt mit diesem Schiff geheim durch den Grineer-Sektor geschleust werden soll. Jedoch fehlt davon zurzeit jede Spur. Du hast es nicht zufällig bereits gefunden?“

„Nein, da muss ich dich leider enttäuschen. Ich bin auch nicht weiter als bis zu dieser Tür gelangt. Als ich sah das du einen Schlüssel gefunden hast wollte ich dir diesen entwenden. Doch leider sind die Taschen in deinem Mantel überraschend groß, wie kommt das?“

Hydroid zwinkert und mit poetischer Stimme sagt er „Meine Taschen sind so tief wie die stürmische See. Was auch immer darin versinkt, es wird nie mehr an die Oberfläche gelangen.“ Dann steckt er die Hand in die Tasche und zieht den Schlüssel aus den tiefen seines Mantels hervor „Außer natürlich der Richtige greift danach.“, grinst Hydroid, Ivara an und fährt dann mit gewöhnlicher Stimmlage fort „Du hast also den Zweiten Schlüssel nehme ich an?“

„Sehr Richtig. Also stecken wir wohl in einer Zwickmühle.“

„Nicht ganz. Eine Hand wäscht die andere würde ich sagen.“ Hydroid lächelt und seine Augen beginnen zu funkeln, als wäre er einem Schatz ganz nahe.

Ivara indes weicht weiter zurück. „Wie meinst du das?“

„Ganz einfach. Wir öffnen die Tür. Wir suchen zusammen den Hauptcomputer. Du hackst besagten Computer und ziehst deine Informationen runter. Dann wirst du in den Logbüchern nach dem Standort des Artefaktes suchen. Sobald ich weiß wo ich es finde, trennen sich unsere Wege und wir werden uns hoffentlich nie wiedersehen.“  

Einige Zeit lang bewegt sich niemand, dann drehte sich Ivara zur Tür. Sie steckt ihren Schlüssel in eines der Terminals und erklärt: „Dies ist ein weit verbreiteter Sicherheitsmechanismus. Es werden zwei Schlüssel benötigt, sowie zwei Personen, welche gleichzeitig die Sperre aufheben.“

Hydroid geht zum anderen Terminal und steckt ebenfalls seinen Schlüssel hinein. „Auf eine gute Zusammenarbeit. Bei drei öffnen wir die Tür.“

„Ja. OK.“

Hydroid beginnt im Wechsel mit Ivara zu Zählen.

„Eins. Weißt du was dahinter ist?“

„Zwei. Nicht direkt aber ich rieche zumindest keine Feinde.“

„Riechst?“ Hydroid stockt und schaut sie an.

Ivara beginnt zu lächeln. „Ja, auch ich habe meine kleinen Tricks.“ Sie schaut zu Hydroid. Leise aber mit einem Hauch an Fröhlichkeit sagt sie „Drei“. Beide legen den Mechanismus an den Terminals um und die Tür fängt an zu arbeiten.



Sanft gleitet die Tür in die Wand hinein und gibt den Weg frei. Zu Hydroids Erstaunen, erwartet sie Tatsache keine Armee an Corpus und Moas, sondern nur ein leerer Gang.

„Netter Trick“

„Danke“

Ivara schreitet schnurstracks voran, doch Hydroid hält sie am Arm fest und zieht sie schnell zurück. Genervt schaut sie ihn an und löst sich aus seinem Griff.

„Nicht so ruppig. Was ist denn los?“, blafft sie ihn an, während sie sich das Handgelenkt reibt. Hydroid zieht sein Rapier und stich von unten in eine Kamera, welche direkt vor der Tür hängt und in den Gang blickt.

Er schaut sie ernst an „An den Türen befinden sich fast immer Kameras. Grundkurs der Diebeskunst Lektion I: Laufe niemals blindlings in einen Raum hinein.“

Ivara schaut sich vorsichtig die durchbohrten Überreste der Kamera an. „Ok, danke. Ich hab’s verstanden.“

Sie gehen den Gang entlang. Am anderen Ende befindet sich ebenfalls eine Kamera, doch diesmal zieht Ivara rechtzeitig ihren Bogen um sie auszuschalten. Sie kommen im unteren Teil eines zweistöckigen Raums durch die Tür. Der Raum ist verzweigt und führt in mehrere Richtungen weiter. Über den Beiden befindet sich ein weiter Gang, welcher aus dem Raum hinausführt.

Hydroid deutet auf eine Ecke „Dort ist eine“ dann deutet er auf eine Tür „Dahinter ist immer ein Zwischenraum. In der Ecke links vom Eingang ist noch eine Kamera.“

Ivara wird unsichtbar und ihre Stimme dringt aus dem nichts „Ich mach schon.“

Kurz darauf durchbohrt ein Pfeil die erste Kamera. Hydroid beobachtet, wie sich die Tür öffnet und wieder schließt.

„Du kannst!“, ruft Ivara aus dem Raum.

Er folgt. Sie sitz auf ein paar Kisten, welche im Raum abgestellt wurden. Durch die Linse der Kamera ragt ein Pfeil.

Sie lächelt ihn an „Grundkurs der Spionage Lektion I: Lass dich nicht sehen.“

Hydroid nickt zustimmend und erwidert „Grundkurs der Diebeskunst Lektion II: Nicht schreien.“ Er lächelt.

Sie rutscht von den Kisten runter und schlägt ihn sacht gegen die Schulter „Ich bin nicht dämlich. Ich wusste, dass niemand in der Nähe ist.“

„Jaja, würd ich jetzt auch sagen“, lacht Hydroid.

Sie gehen weiter, durch die Zweite Tür in dem Nebenraum und gelangen in den nächsten langen Gang. Ivara beginnt ein Gespräch

„Soll ich fragen?“

„Was?“

„Die Kameras.“

Hydroid winkt ab „Nichts besonderes. Die Schiffe sind Modular gebaut. Sie unterscheiden sich aber die einzelnen Segmente werden immer wiederholt.“

Nach der nächsten Tür befinden sich die Beiden vor einer gesicherten Tür. Eine Schaltfläche ist daneben angebracht, sie erhellt den kleinen Raum, in orange-gelber Farbe.

„Ruhig jetzt“, flüstert Ivara, „Wir nähern uns einem der Server.“

„Woher weißt du das?“

Sie grinst ihn an und zeigt auf das Pult „Grundkurs der Spionage Lektion II: Ein gelb leuchtendes Sicherheitspult, steht immer vor einem der Serverräume.“

Hydroid betrachtet die Schaltfläche „Ok, hier bin ich raus. Hacken ist nichts für mich.“

Ivara schaut ihn ungläubig an „Nicht? Aber es ist doch ganz einfach. Hier“ Sie legt ihre Hand auf das Pult und zieht ein Kabel aus ihrem Unterarm. Dann beginnt sie auf der Schaltfläche herumzutippen, während Hydroid gespannt zusieht „Ich habe eine Software, die mir den Zugang durch Schwachstellen im System ermöglicht. Was wir hier sehen, sind variable Strom und Datenleitungen. Solange sie durchmischt sind, kann nur der richtige Schlüssel die Leitungen in die richtige Position bringen. Allerdings kann ich nun manuell auf das System zugreifen und es so überbrücken.“ In dem Moment öffnet sich bereits die Tür. Ivara schmunzelt „Grundkurs der Spionage Lektion III: Hacke immer wenn möglich.“

Der Raum hinter der Tür besitzt einen Rundgang, um eine kleine verglaste Zelle im Inneren. Nur eine Tür führt von dort aus in den Gang. Corpus patrouillieren durch die Gänge, Kameras hängen in den Ecken und Lichtschranken blockieren die schmaleren Segmente. Ivara drückt Hydroid schnell in eine Nische, in der sie sich beengt hinknien. Er hört einfach nur zu, während sie ihm die Situation schildert

„Dort in der Mitte befindet sich der Server.“ Sie deutet auf die gläserne Zelle. Dicke Kabel führen von einem klobigen Computer mit kleinem Monitor nach oben in die Decke. „Er ist nur von einem Eingang aus erreichbar, direkt entgegen zu diesem hier. Es gibt aber noch die Möglichkeit, durch Lüftungsschächte von oben in den Raum zu gelangen. Die Corpus haben verschiedene Sicherheitssysteme. Wenn wir auch nur eines auslösen, werden die Daten auf diesem Server gelöscht.“ Hydroid schaut um die Ecke und betrachtet Kameras, Lichtschranken und Corpus.

„Wie sollen wir daran vorbeikommen?“

„Wir? Gar nicht. Ich? Easy.“

„Und was soll ich dann machen?“

Sie zieht einen Pfeil aus der Halterung an ihrem Arm und rammt ihn direkt vor Hydroid in die Wand. „Magnetisch. Die halten fast überall. Sie verändern, wie das Licht hier gebrochen wird. Kurz gesagt, sind wir unsichtbar. Siehst du das?“ Ivara deutet auf einen winzig kleinen Countdown am Pfeilschaft „Wenn der auf null sinkt, endet die Wirkung. Dann ist der Akku leer. Du wirst jetzt all deine Aufmerksamkeit auf den nächsten Pfeil und auf die Corpus richten. Lass sie uns nicht entdecken.“

Hydroid nickt „Und du wirst wieder unsichtbar und gehst rein, verstehe.“

Ivara schüttelt den Kopf „Das dauert zu lange. Ich werde sie alle auf einmal Töten, damit die Leichen nicht auffallen.“

„Wie willst du…“  Doch Ivara schneidet ihm das Wort ab

„Egal, pass du einfach auf meinen Körper auf.“

Damit packt sie den nächsten Pfeil an die Wand, zieht ihren Bogen und feuert einen Pfeil ab. Zunächst scheint er in eine vollkommen falsche Richtung abgefeuert, doch dann macht der Pfeil eine 90° Wende und fliegt den Gang entlang. Den ersten Corpus durchbohrt er von Hinten den Schädel. Dann wieder eine Wende und in Kreisbahn einen halben Rückflug, mitten in die Kamera, welche in der Ecke versteckt ist. Anschließend durch die schmalen Gitter der Lichtschranke hindurch und in einen der Luftschächte hinein. In der gläsernen Zelle taucht der Pfeil von oben aus einem Loch in der Decke auf und dringt in den Kopf eines dort stehenden Corpus Soldaten ein. Aus der Brust bricht der Pfeil dann wieder heraus und führt seinen Weg fort. Durch den Lüftungsschacht zurück in den Gang und zur nächsten Kamera. Der letzte Corpus hat gerade die erste Leiche entdeckt. Er dreht sich um und rennt auf ein Pult an der Wand zu, da wird auch dieser vom Pfeil aufgespießt.

Hydroid verfolgt das Spektakel, bis er hinter sich die Tür hört. Schnell kontrolliert er die Anzeige am Tarnpfeil, doch diese ist schon lange schwarz. Also dreht er sich zu Corpus und zieht seine Sybaris. In dem Moment, als er abdrücken will, fliegt der Pfeil an ihm vorbei und trifft den Gegner so hart, dass dieser nach hinten geworfen wird. Langsam lässt Hydroid die Waffe sinken und starrt auf die Leiche. Ivara schlägt von hinten auf seinen Rücken ein „Du solltest doch aufpassen.“

Total abgelenkt dreht Hydroid sich langsam um „Sorry, ich war so fasziniert von ...“

„Von mir?“, unterbricht ihn Ivara lachend.

Hydroid schüttelt sich und steckt die Waffe weg. Abweisend antwortet er „Red kein Stuss. Deine Fähigkeiten sind nur auf den ersten Blick interessant.“ Er lässt die empört starrende Ivara stehen und geht in den Raum mit dem Server.

Sie folgt kurz darauf und stößt ihn beiseite „Du Grobian machst noch was kaputt.“ Wieder steckt sie das Kabel an den Bildschirm und schiebt etwas darauf umher. Während der Arbeit murmelt sie unverständliches Zeug vor sich her „Das können nicht alle Daten sein, ich muss die anderen Server finden. Wo würde ein Corpus eine Karte vom Schiff speichern? Hier vielleicht?“

Hydroid stellt sich dicht hinter sie „Hast du was zu meinem Artefakt gefunden?“

Sie fuchtelt mit der Hand nach ihm „Rück mir nicht so auf die Pelle. Nein, noch nicht. Vielleicht finde ich was auf der Karte.“ Dann wird der Bildschirm schwarz. „Scheiße!“ Ivara schlägt kräftig gegen den Server „Die haben mich rausgeschmissen.“

Hydroid schaut sich um „Wissen sie, dass wir hier sind?“

„Nein, das ist nur das Sicherheitssystem.“ Sie zieht das Kabel ab. „Sobald es einen Fremdzugriff bemerkt, wird der Zugang zum Netzwerk abgebrochen und die lokalen Daten gelöscht. Das wichtige Zeug speichern sie eh auf mehreren solcher Server.“ Sie geht voran, den Gang zurück und wieder in den großen verzweigten Raum. „Wir müssen die anderen finden. Es gibt noch zwei weitere Server, dass konnte ich noch rauslesen. Was dein Ding betrifft, da habe ich nichts gesehen.“

Hydroid schaut sie skeptisch an „Hast du überhaupt danach gesucht?“

Sie fuchtelt mit ihren Armen umher „Klar doch, vertraust du mir nicht? Lass uns weitergehen.“



Sie schauen sich im Raum um. Zwei weitere Türen führen von hier aus tiefer in das Schiff hinein. Eine auf ihrer Ebene, die andere liegt etwas höher, auf einem Zwischenboden im Raum. Dieser ist über eine Rampe aus erreichbar.

Ivara blickt zu Hydroid „Nun, du Allwissender, welche Tür solls sein?“

Hydroid rollt mit den Augen „Wieso bin ich jetzt allwissend?“ und geht zur Tür auf ihrer Ebene.

Sie öffnet sich und die beiden Frames betreten einen weiteren Gang. Ihr Weg führt sie durch verschiedene Räume, ohne nennenswerte Besatzung. Die wenigen Corpus, auf welche sie treffen, werden entweder durch Ivara oder Hydroid kurzerhand getötet, während der Andere sich um die Kameras kümmert. Die Zwei landen schließlich in einer Sackgasse.

„Das war wohl nichts. Versuchen wir die Tür dort drüben“, sagt Ivara enttäuscht, als sie die verschlossenen Spinde sieht.

Hydroid geht dennoch hinein und legt seine Hände auf den ersten Spind „Nicht so hastig. Du musst die Türen nur richtig streicheln, damit sie sich öffnen“, erwidert er mit einem Schmunzeln in der Stimme. Der Spind wechselt von rot auf aus. Er ist defekt.

Ivara verschränkt die Arme und spottet „Haste wohl falsch gestreichelt.“ Hydroid fährt mit der Hand über den nächsten Spind. Wieder geht das Licht an der Tür aus. „Lass uns einfach gehen“, kommt es genervt von der Tür und Ivara ist dabei den Raum zu verlassen. Klick. Sie bleibt stehen und dreht sich um. Die Tür des dritten Spindes leuchtet grün.

Hydroid steht einladend davor „Willst du nicht sehen was drin ist?“

Ivara fängt an breit zu grinsen und kommt näher. Sie legt ihre Hand auf die Tür und ist kurz davor den Knopf zum Öffnen zu drücken.

„Du erstaunst mich. Hast wohl ein gutes Gefühl in deinen Händen“, sagt sie zu Hydroid.

Dieser stubtst sie kurz mit dem Arm an „Soll ich dich auch mal streicheln.“

„Hehe, vielleicht später“, scherzt sie und rupft den Spind auf. Eine Handvoll Credits liegen darin. Das lächeln weicht aus ihrem Gesicht und sie nimmt enttäuscht einen einzelnen der Chips „Das hätten wir uns auch sparen können.“

Hydroid greift jedoch freudig zu „Grundkurs der Diebeskunst Lektion III: Wer den Credit nicht ehrt ist das Platin nicht wert.“ Das Auge leicht rollend wendet Ivara sich ab.



Sie führen ihren Raubzug durch das Schiff fort und gelangen zur nächsten orange-gelben Sicherheitskonsole. Innerhalb kürzester Zeit hackt Ivara auch diese Tür „Wenn die zum Server führen, könnten die Corpus doch wenigstens die Sicherheitsstufe erhöhen. Die gelben Schaltpulte sind immer so simpel gesichert“, fügt sie hinzu, als die Beiden durch die Tür treten. Sie finden sich in einem Fahrstuhl wieder, der nur nach unten führt. Hydroid betätigt den großen Knopf in der Mitte. „Mal schauen, wo es uns hinführt.“

Sanft schließt sich die Tür und das Gestell setzt sich in Bewegung. Eine der Wände ist mit großen Fenstern versehen. Man erkennt einen tiefen Raum mit einem, nach oben geöffnetem, gläsernem Turm in der Mitte. Verschiedene Ebenen umringen ihn und innerhalb des Turms befinden sich Lichtschranken, welche sich hin und her bewegen. Ein paar wenige Corpus laufen auf den verschiedenen Ebenen entlang. Während Ivara sich die Szenerie einprägt, bemerkt Hydroid ein fehlendes Lüftungsgitter im Fahrstuhlschacht. Er packt Ivara am Mantel und mit einem Ruck sieht er sie vom Fenster weg, in den Lüftungsschacht hinein.

„Hey!“, blafft sie ihn an, doch er hält ihr sofort den Mund zu und bedeutet ihr leise zu sein. Vom anderen Ende des Schachtes ist ein Corpus zu hören. Sie versteht und bleibt ruhig.

Leise, mit leichtem lächeln, flüstert Hydroid ihr zu „Grundkurs der Diebeskunst Lektion IV: Erkenne Chancen.“

Die Beiden schleichen durch den engen Schacht und kommen auf einer der höheren Ebenen raus. Der Corpus-Soldat ist soeben an ihrem Ausgang vorbei. Hydroid nutzt die Gelegenheit und sticht ihm von Hinten sein Rapier in den Nacken. Sofort erschlafft der Körper, als das Rückenmark durchtrennt wird.

„Was jetzt?“, flüstert er Ivara zu.

„Ich kenne einen Weg. Bleib hier versteckt. Sollte sicher sein.“

Mit diesen Worten schießt sie einen Drahtpfeil in eine der oberen Ecken und klettert daran hoch. Von der Ecke aus Schießt sie einen weiteren Pfeil auf den Turm. Schon steht sie am Rand des Schachtes, der direkt nach unten führt. Am Boden des Turms kann sie den Server erkennen. Die Lichtschranken sausen von links nach rechts und zurück. Zum Glück gibt es vereinzelt, kleine Wartungsbrücken im Turm. Hydroid beobachtet wie Ivara am Rand steht und nach unten blickt. Sie schließt das Auge, streckt ihre Arme aus und springt. Hydroid Springt ebenso ans Glas, um zu sehen wie sie fällt. Ivara dreht in der Luft eine Pirouette und zieht die Arme und Beine an. Fast wie eine Kugel fällt sie nun in den Turm. Knapp an der ersten Lichtschranke vorbei. Sicher Landet sie auf der ersten Brücke, doch lässt sich sofort wieder runter gleiten und landet in einer Ecke. Die Muster und Bewegungen der Strahlen werden immer komplizierter. Ivara stößt sich gleich wieder ab und fliegt in hohen Bogen dicht an das Gitter über ihr, ohne es zu berühren. Dann segelt sie direkt nach unten. Gerade rechtzeitig bewegt sich der Lichtstrahl beiseite. Dann ist da schon der nächste und Ivara fällt immer noch. Plötzlich wird sie wieder in eine Ecke geschleudert, als hätte sie sich von der Luft selbst abgestoßen. Sobald der Weg frei ist lässt sie sich auf den Boden plumpsen und steht direkt vor dem Server. Hydroid steht der Schweiß auf der Stirn. „Diese Frau macht mich wahnsinnig“, murmelt er leise zu sich selbst.

Nachdem Ivara mit dem Server fertig ist, springt Hydroid von oben runter. Er landet mit seinem Rapier direkt auf einem Corpus und durchbohrt ihn. Die beiden Frames treffen sich am Fahrstuhl wieder. Hydroid drückt den Knopf nach oben

„Und?“, fragt Ivara „Wie sah es aus?“ Sie wirkt erschöpft.

Sie sah einfach fantastisch aus. Fabelhaft, wie sie an den Strahlen, nahezu vorbeigeflogen ist. Hydroid streicht sich mit der Hand kurz an der Nase lang und kommentiert abfällig „War ganz ok.“

Ivara reißt das Auge und den Mund weit auf „Boah! Bist du ein schlechter Lügner!“ Sie lacht herzhaft.

Die Fahrstuhltür öffnet sich und Hydroid schaut sich leicht verlegen um „Hier sind wir durch. Lass uns zurück, wo wir abgebogen sind.“

Damit sprinten sie zu ihrem Ausgangspunkt zurück. Diesmal geht’s die Rampe hoch, auf die Zwischenebene und durch die letzte Tür.



Wieder durchsuchen sie jeden einzelnen Raum und gelangen ungehindert an den Besatzungsmitgliedern vorbei. Im letzten Serverraum befinden sich mehrere, sich schnell bewegende, Lichtschranken. Vom Eingang aus sehen sie in einem kleinen Raum mit sehr großen Fenstern den Server. Ivara wirkt immer noch erschöpft „Das musst du übernehmen. Ich brauch ne Pause.“

Hydroid schaut sie ernsthaft an „Ich kann das nicht“

Sie lacht ihn kurz aus „Komm schon du großer Pirat. Das ist wirklich was Einfaches. Grundkurs der Spionagekunst Lektion IV: Sei stehts bereit, etwas Neues zu probieren.“

Widerwillig macht er sich auf den Weg. In einem günstigen Moment springt er an den Lichtschranken vorbei. Er stellt sich in eine Ausbuchtung, in der Wand und wartet. Die nächsten Strahlen wischen an ihn vorbei und es geht weiter. Von hinten kommen jedoch schon weitere und treiben Hydroid in Richtung der Tür zum Server. Gerade so schafft er es in die nächste Ausbuchtung. Nachdem die Lichtschranke wieder an ihm vorbei ist geht er zu Tür und steckt einen kleinen Chip in die Konsole daneben.

Von Hinten hört er noch Ivara rufen „Nicht durch die Tür! Da ist ne Kamera!“

Doch zu spät. Die Tür öffnet sich und die Kamera erfasst ihn. Ein Alarm geht los und aus der Decke fallen Moas und Drohnen hinunter. Ivara stößt Hydroid beiseite und springt zum Server „Du die Moas!“, brüllt sie ihn noch an. Hydroid zieht seine Sybaris und verteilt Blei in der Robotik. Laut hallen die Schüsse im Raum, doch keiner kommt von außen nachgelaufen. Nachdem alle Moas zu Altmetall verarbeitet wurden geht Hydroid zu Ivara „Hast du was gefunden?“

„Bin noch dabei“, erwidert sie hastig, während sie wild auf die Tastatur hämmert. Dann geht der Server aus.

„Nur gute Neuigkeiten“, sagt Hydroid zu ihr.

Ivara nickt, sichtlich erschöpft „Ich habe was ich brauche.“

Sarkastisch hakt Hydroid nach „Schön für dich. Wirklich toll, dass du fertig bist. Was ist jetzt mit meinem Artefakt?“

Ivara schaut ihn an „Da wollte wirklich jemand, dass es nicht gefunden wird. Habe ein paar verschlossene Türen geöffnet. Wir sollten jetzt zu einem Raum kommen, der in der Nähe vom Reaktor liegt. Scheint so gebaut, dass er beim Fall einer Zerstörung auch wirklich hinüber ist. Was immer da drin ist, es ist wichtig.“

„Ich könnt dich Küssen. Du bist spitze“, grinst Hydroid sie an.

Ivara lächelt „Danke, ich verzichte.“ Hydroid lauscht, ob sich Gegner nähern. Nichts zu hören. Ivara geht gelassen voraus „Der Alarm von diesen Räumen ist nicht mit dem generellen Alarm gekoppelt. Wir können beruhigt weiter gehen. Komm, ich kenn den Weg.“ Leicht verdutzt folgt Hydroid ihr.

Sie führt ihn durch Wege, die zuvor auf jeden Fall noch nicht geöffnet waren. Nach kurzer Zeit gelangen sie zu einem kleinen Raum. Der Raum wirkt leer, bis auf eine kleine Steuerkonsole an der Wand. Auffällig ist nur das ungleichmäßige Kreismuster auf dem Boden.

Hydroid freut sich „Das ist ein Tresorraum. Die Kreise auf dem Boden sind die Einzelnen Fächer. Würde mich nicht wundern, wenn wir nur Eines öffnen können und der Rest dann verschlossen wird. Bereite dich auch darauf vor, dass es einen Alarm gibt.“

„Super. Und woher wissen wir welches Fach wir öffnen müssen?“

„Überlass das mir“, winkt Hydroid ab und geht zur Konsole. Er zieht einen Chip hervor und steckt ihn in eine Anschlussbuchse an der Steuerung.

„Wirklich?“, lacht Ivara „Ein Dechiffrierer?“

Hydroid antwortet leicht gereizt „Kann halt nicht jeder so leicht hacken wie du.“ Dann erhebt sich eine der Säulen aus dem Boden. Auf einer leuchtenden Fläche liegt ein kleiner blauer Glaswürfel.

Ivara blickt das Ding unverständlich an „Das ist es? Sieht nicht sehr wertvoll aus. Was ist das?“

Hydroid packt den Würfel ein und versteckt ihn im Inneren seines Mantels. „Das?“, fragt er kurz „Ach das. Das ist Nichts. Nicht so wichtig. Wir sollten verschwinden.“ Da geht auch schon der Alarm los. Aus der Ferne hört man das Getrampel von dutzenden Stiefeln und das metallene Klappern von Moa-Beinen.

Ivara schaut zu Hydroid „Und wie lösen sie für gewöhnlich dieses Problem, Herr Kapitän?“

„Wir müssen zum Reaktor“, erklärt er noch, dann ergießt sich eine gewaltige Welle durch die Tür. In seiner Wasserform rast Hydroid den Gang entlang und reißt viele der Corpus mit sich. Heftig werden sie gegen eine Wand geschleudert und unter dem Wasserdruck zerquetscht. Ivara rennt sofort hinterher und biegt dann in einen Seitengang ab.

„Hier lang“, ruft sie zu Hydroid, der ihr in humanoider Gestallt folgt.

Sie flüchten in einem Zickzackkurs durch das Schiff. In einer Ecke finden sie etwas Ruhe, für eine kurze Pause. Hydroid steht schmiere, während sich Ivara an einem Terminal zu schaffen macht „Diese Heimlichtuerei ist eigentlich nicht so meins. Die sind immer noch hinter uns her oder?“

„Nicht mehr lange.“ Hydroid hört das Piepen, der Eingabe auf dem Terminal über den Alarm hinweg, kurz darauf verstummt dieser. Ivara geht wieder voran „Wir sind fast beim Reaktor“, erklärt sie Hydroid und winkt ihn zu sich ran. Nach einigen Biegungen erreichen sie tatsächlich den großen Reaktorraum.



Die wenigen Corpus, welche den Reaktor überwachen, erschießt Hydroid kurzerhand. Anschließend stürmt Ivara sofort in den Raum hinein und auf ein großes Steuerpult zu. Hastig beginnt sie darauf herumzutippen. Hydroid kommt gemächlich näher, während sie mit ihm redet.

„Wenn wir die Kühlung lahm legen muss der Reaktor herunterfahren. Dann können wir ihn entweder mit einem der Kühlungs-Kanister oder dem normalen Treibstoff wieder hochfahren. So verwandeln wir das Schiff entweder in ein eisiges Gefängnis oder in eine brodelnde Hölle. So oder so wird dieses Schiff für eine ganze Weile außer Gefecht gesetzt sein.“

Hydroid geht an ihr vorbei und auf den Reaktor zu. Vor dem gewaltigen Panzer, der den Kern des Reaktors schützt, bleibt er stehen. Eine weitere, kleine Steuerkonsole leuchtet mit grünlichem Licht. Er steckt zuversichtlich einen Dechiffrierer in eine der Buchsen und öffnet kurzerhand den Schutzpanzer. Es kommt ein kugelartiges Gebilde, mit mehreren sechseckigen, abstehenden, leuchtenden Kammern zum Vorschein. Tief greift Hydroid in seinen Mantel und holt nach etwas suchen ein paar Castanas hervor. Langsam geht er um den Turm herum und wirft ein paar der Castanas an die Kammern mit leuchtender Flüssigkeit. Ivara bemerkt was er macht.

„Was genau tust du da?“, fragt sie entgeistert.

Hydroid antwortet in leicht ermahnenden Ton „Deine Idee ist an sich ganz nett aber dauert einfach zu lange. Ich werde die Injektoren zerstören. Damit wird unkontrolliert viel Treibstoff in den Kern gespritzt. Dadurch überhitzt der Reaktor und wird sich entweder abschalten oder explodieren. Je nachdem, ob die Sicherheitsmechanismen funktionieren oder nicht. So oder so sollten wir schnellstens von hier verschwinden.“ Er kommt auf Ivara zu und holt einen kleinen Auslöser aus seiner Tasche hervor. „Drück auf den Knopf. Das wird lustig“, zwinkert Hydroid ihr zu, während er ihr den Zünder entgegenhält.

Ivara zögert, teils verlegen, teils skeptisch aber dennoch angestachelt. Sie greift nach dem Auslöser und betätigt den Knopf. Sofort explodieren die Castanas mit einer gewaltigen elektrischen Entladung und die Injektionskammern werden zerfetzt. Die Reste tropfen langsam zu Boden und ein breites Grinsen ziert Ivara ihr Gesicht. Hydroid klopft ihr sanft auf die Schulter „Hast du schön gemacht“, sagt er liebevoll, dann geht wieder der Alarm los. Hydroid klatscht in die Hände und holt Ivara damit aus ihren Gedanken „So, dann sollten wir jetzt lieber abhauen.“



Nun geht alles ganz schnell. Ungeachtet der Kameras rennen die Beiden durch das Schiff. Corpus oder Moas, die sich ihnen in den Weg stellen, fegt Hydroid mit einer gewaltigen Welle davon oder durchlöchert Ivara mit ihren Pfeilen. Sie springen an Wänden entlang oder Treppen hinauf. Die langsamen Fahrstühle werden nur dann genutzt, wenn es keinen anderen Weg gibt. Schließlich erreichen sie endlich das gigantische Deck. Blauer Himmel und strahlende Sonne nehmen die beiden Warframe in Empfang. Kurz geblendet, als sie aus dem dunklen Inneren des Schiffes treten, gewöhnen sich Ivara und Hydroid nur langsam an das Licht. Soweit das Auge reicht, ist nur Wasser zu sehen. Ivara blickt erstaunt auf das Meer hinaus. Soweit entfernt vom Land war sie noch nie. Nachdem er sich kurz orientiert hat, geht Hydroid steuerbord an die Reling.

„Hier liegt mein Schiff an.“

Ivara blickt nach unten. Ein kleiner Kahn mit einem Kranarm an Deck liegt etwa dreißig Meter unter ihnen. „Das soll ein Scherz sein, oder?“, fragt sie skeptisch.

„Beleidige nie das Schiff eines Seemanns“, erwidert Hydroid leicht gereizt.

Ivara schießt einen Seilpfeil auf den Kahn und ein Drahtseil spannt sich zwischen der Reling und dem Deck des Kahns. Daran rutschen sie und Hydroid gekonnt hinunter. Mehrere Harpunen befestigen den Kahn am Schiff.

„An der Kanone ist ein kleiner Knopf. Wenn du den drückst, kannst du die Harpune einholen“, erläutert Hydroid, während er es an der ersten Kanone vormacht.

Ivara geht zur nächsten und drückt auf den Knopf. Sie hört, wie die Widerhaken sich einfahren und bemerkt, dass das Seil sich etwas lockert. Leicht wackelnd und am Seil zerrend schafft sie es die Harpune aus dem Rumpf zu lösen und zu sich ran zuziehen. Natürlich wirkt das alles etwas ungeschickt. Was Ivara selbst bewusst wird, als sie sieht, wie Hydroid die restlichen drei Harpunen löst, während sie selbst noch mit ihrer einen beschäftigt ist. Er lässt Wasser zwischen Schiff und Kahn aufschwappen und so entfernen sie sich voneinander. Erst jetzt bemerkt Ivara die unglaubliche Größe des Corpus-Schiffes. Es ragt gut dreißig Meter in die Höhe und muss auf der gesamten Länge mehrere hunderte Meter messen.

Hydroid steht am Rand seines Kahns und wirkt hoch konzentriert. Ivara beabsichtigt gerade ihn anzusprechen, als unzählige Tentakel aus den Tiefen des Meeres schießen. Sie umklammern das gewaltige Schiff und drücken es zusammen. Für Hydroid scheint es extrem anstrengend zu sein. Mit ohrenbetäubendem Krach zerbricht der mächtige Rumpf. Die Tentakel ziehen sich immer weiter zusammen und zerren das Wrack langsam in die Tiefe. Wenige Augenblicke später lässt nur noch das aufgewühlte Wasser erahnen, was soeben geschehen ist. Erschöpft wendet sich Hydroid ab, während die Wogen sich langsam glätten. Ivara steht staunend da und sagt nichts. Er bemerkt ihren fragenden Blick.

„Jedes Schiff der Corpus ist eine potenzielle Gefahr. Durch ihre modulare Bauweise können sie einfach schwere Waffen befestigen und so wird aus jedem Transporter ein Kriegsschiff. Dieses Risiko möchte ich nicht eingehen.“

Weiterhin staunend nickt Ivara zustimmend „Darum ging es nicht aber gut zu wissen.“

Hydroid lacht herzhaft „Komm mit unter Deck. Zur Feier des Tages werde ich mal kochen.“

Jetzt erst schaut sich Ivara auf dem kleinen Kahn um. In der Mitte ragt ein Kranarm auf, dessen Haken über einer Luke mit abnehmbaren Metallplatten schwebt. Die zugehörige Bedienkonsole steht dicht an einer kleinen Kabine. Diese besteht nur aus drei Wände und einem Dach aus Blech. Im Inneren sieht man ein großes Steuerpult mit verschiedenen Hebeln und einem alten Steuerrad aus Holz, in dem ein paar Speichen fehlen. Ebenfalls steht ein kleiner Tisch mit einem einzelnen Stuhl in der Kabine. Halb versteckt zwischen dem Tisch und der Steuerkonsole führt ein kleines Loch nach unten.

Ivara folgt Hydroid, über die mit Flugrost gesprenkelte Leiter, in den Bauch des Kahns und findet sich in einem Raum wieder, der nur spärlich beleuchtet ist. Es ist gerade genug Platz um aufrecht stehen zu können. An einer Wand befindet sich eine kleine Küchenzeile. Die Schränke sind nur wenig abgegriffen, was auf seltene Benutzung schließen lässt. Dem gegenüber ist ein größerer Tisch mit zwei Bänken, die sogar mehreren Personen Platz bieten würden. Zwei Türen führen aus dem Raum hinaus. Während Hydroid aus einem kleinen Kühlschrank Fisch holt und ihn in eine Pfanne haut, sieht Ivara sich um. Wie zu erwarten führt eine Tür zum Lagerraum, der erstaunlich leer wirkt. Nur ein paar Kisten sind im dämmrigen Schein einer alten Lampe zu erkennen. Die zweite Tür führt in den Bug nach vorne. Ein enger dreieckiger Raum. An den Wänden befinden sich ein schmales Bett, welches zu einer Sitzbank umfunktioniert wurde und ein zweites Bett mit Kissen und Decke, was jedoch wie die Küche sehr wenig benutzt wirkt. Ivara linst nur kurz durch ein Bullauge auf das Meer hinaus und kehrt dann zu Hydroid zurück. Der Duft von gebratenem Fisch verteilt sich im ganzen Unterdeck.

Ihr Auge hat sich an die Lichtverhältnisse gewöhnt und nun erkennt sie einen weiteren Schrank im Aufenthaltsraum, der bis zur Decke reicht.  Er besteht aus blankem Metall und sieht aus wie ein Spind, jedoch wüsste Ivara nicht, welche Fraktion so ein Design besitzt. In der Ecke daneben steht eine etwa Hüfthohe ebenfalls metallene Truhe. Langsam streckt Ivara ihre Hand nach dem Schrank aus. Sie umschließt den abgegriffenen Knauf. Auf dem Boden erkennt sie Schleifspuren, die flügelförmig vom Schrank aus gehen. Er muss ihn oft geöffnet haben. Sie packt fest zu und dreht den Knauf. Ein leises Klicken verrät, wie der Riegel im Inneren der Tür zurückgeschoben wird.

„Lass das.“ Hydroid blickt sie grimmig an, als er zwei Teller mit Fisch auf den Tisch stellt. „Setzt dich. Essen ist fertig.“

Ivara lässt ab und setzt sich an den Tisch „Hab mich nur gewundert, dass du so ein hässliches Teil rumzustehen hast“, sagt sie wie jemand, der sich ertappt fühlt und mit einer peinlichen Ausrede davonkommen will. Sie blickt den Fisch an. Mit glasigen Augen blickt der Fisch zurück. „Danke“, sagt sie leise und beginnt zu essen.



Nach einer Weile durchbricht Hydroid die Stille „Zu welchem Syndikat musst du die Infos bringen?“

Ivara schluckt den letzten Rest ihres Fisches hinunter. „Arbiter of Hexis“

Hydroid nickt „Ok. Ich weiß wo die sind. Das trifft sich gut. Habe ein paar Dinge zum Verkaufen. Wir fahren ne Weile. Leg du dich ruhig hin. Das Bett hast du ja schon gefunden.“

Ivara nickt nur. Sie ist sehr schläfrig und erschöpft. Beim Aufstehen wirft sie einen kurzen Blick auf Hydroids Teller. Er hat kaum etwas gegessen. „Was ist mit dir? Willst du nicht auch etwas schlafen?“

„Willst du dir etwa das Bett mit mir teilen?“, lacht Hydroid sie an.

Ivara zuckt etwas zurück „Ne, lass mal.“ Und verschwindet im Bug des Schiffes.

Langsam senkt sich die Sonne in Richtung Horizont. Hydroid steht auf, wäscht die Teller ab und klettert nach Oben. Er startet die Maschinen und ein leises elektrisches Summen und Surren erfüllt die Nacht. Ivara bekommt noch mit, wie das Boot sich in Bewegung setzt und schläft dann ein. Hydroid steht am Steuer und betrachtet die untergehende Sonne.

Er zieht den blauen Glaswürfel aus seinem Mantel und begutachtet das kleine Ding in seiner Hand nachdenklich. Warum mach ich das alles? Fühle ich mich irgendwem gegenüber schuldig oder verpflichtet? So genau kann ich das nicht sagen, vielleicht habe ich mittlerweile auch einfach einen anderen Blickwinkel auf die Welt. Sein Blick fällt auf den Bug, wo Ivara schläft. Und du? Was hast du hier verloren? In meinem Leben. Kommst einfach rein gestolpert und versuchst mich zu bestehlen, ohne zu wissen wen du vor dir hast? Andererseits ist es gut, dass es sich nicht rumgesprochen hat. Wie lange kann ich so noch weiter machen ohne die Konsequenzen zu spürenEr drückt ein paar Knöpfe und geht unter Deck.

Kurz linst er zu Ivara und überprüft ob sie noch schläft. Dann geht er zu der metallenen Truhe in der Ecke und fährt mit der Hand darüber. Die Oberseite beginnt zu leuchten und Verzierungen an der Seite werden sichtbar. Er legt den Würfel auf die leuchtende Oberseite und ein Hologramm bildet sich. Es beschreibt detailliert den Inhalt des Objekts und Hydroid kann mit Handbewegungen verschiedene Infos abrufen. Was zur tief schwarzen See ist das? Immer schneller wischt er über die Bilder und versucht das gesehene und gelesene zu verarbeiten.

„Können wir reden?“

Hydroid fährt herum und reißt den Würfel von der Truhe. Das Licht versiegt und der Eben noch hell erleuchtete Raum wird wieder dunkel. Ivara steht in der Tür zum Bug. Ihr großes gelbes Auge sieht ihn erwartungsvoll an. Es folgen Minuten an bedrückender Stille. Während Hydroid ein kleines Licht angemacht hat und Tee kocht, rasen seine Gedanken. Was hat sie gesehen? Was kann ich ihr erzählen? Was weiß sie? Weiß sie wer ich bin? Wie wird sie es verstehen? Wird sie es überhaupt verstehen? Gibt es noch einen Ausweg für mich?

„Du bist ein Prime. Stimmts?“ Wieder reißt Ivara ihn aus seinen Gedanken. Sie sitzen am Tisch. Hydroid umklammert eine Tasse Tee und starrt wie besessen in das grünliche Wasser vor ihm. Ivara wiederholt ihre Frage „Du bist doch einer, oder? Du verhältst dich nicht wie ein Prime aber deine Kraft übersteigt alles, was ich je gesehen habe.“

Hydroid blickt auf „Wie verhalten sich denn diese Primes?“

Ivara stutzt „Nun ja. Sie sind freundlich und hilfsbereit und teilen ihr Wissen mit anderen und …“ Sie stockt erneut. Hydroid hört nur zu, während sie redet „Oh Mist.“ Ivara beginnt herzlich zu lachen und blickt Hydroid amüsiert an „Das bist du ja alles. Du hast mir geholfen, als ich dich bestehlen wollte. Sicherlich hättest du mich einfach umbringen können. Du hast mir erklärt, wie ich an den Kameras vorbeikomme und was es mit den Corpus-Schiffen auf sich hat. Du hast mich auf dein Schiff mitgenommen, mir was zu essen gegeben und mich in deinem Bett schlafen lassen. Du warst sogar sehr freundlich zu mir und hast, mit mir zusammen, Scherze gemacht.“

Hydroid nickt sacht „Dann bin ich wohl doch einer dieser Primes.“

„Wie bist du zum Prime geworden?“, fragt sie freudig aufgeregt.

Hydroid nimmt einen tiefen Schluck aus seiner Tasse. Sie hat offensichtlich keinen blassen Schimmer, wer ich bin. Er scheint erleichtert, lacht ein wenig und lächelt „Das ist eine Geschichte von Freundschaft, Gier, Verrat und Betrug. Kein passendes Thema für den ersten gemeinsamen Abend.“

Doch Ivara ist angestachelt „Komm schon erzähl mir was. Was hast du so erlebt? Kennst du noch viele andere Primes? Wieso bist du so weit weg von allen andern? Was weißt du so alles?“

Er holt den kleinen blauen Würfel aus der Tasche und legt ihn auf den Tisch.

Ivara zeigt mit dem Finger drauf „Ist das?“

„Ja. Weißt du was es ist?“

„Außer klein, blau und Würfelförmig? Keinen blassen Schimmer.“

Hydroid tippt behutsam mit dem Finger auf den Würfel während er mit gesenkter nachdrücklicher Stimme erzählt „Dies ist ein Orokin-Artefakt. Ein Datenmedium aus vergangener Zeit. Ich habe davon schon so Einige auf meinen Reisen gefunden aber eines wie dieses hier ist mir noch nie untergekommen. Ich verstehe selbst nur einen Bruchteil aber es scheint eine Bauanleitung für etwas zu sein. Etwas Großes. Die Daten sind nicht komplett. Es muss noch mehr davon geben.“

Ivara hängt gebannt an seinen Lippen „Und was machst du jetzt damit?“

Hydroid steht auf und geht zu Truhe. Er tippt etwas auf der Oberfläche ein und sie öffnet sich. In ihr liegen fein säuberlich gestapelt unzählige von diesen blauen Würfeln. Jeder leuchtet in einer leicht anderen Nuance. Er legt den Neuen dazu und verschließt die Truhe wieder. Dann schaut er Ivara an. „Ich behalte ihn und suche die Restlichen.“ Er setzt sich zurück zu Ivara und trinkt seinen Tee aus. Ivara ihr Auge wird dunkler und blasser „Du solltest wieder schlafen gehen. Deine Reserven wieder auffüllen.“

Schläfrig schaut sie ihn an und fragt weiter „Wieso bist du nicht müde? Du hast auch kaum was gegessen. Hast du kein Hunger?“

Hydroid hilft der immer schwächer werdenden Ivara auf und bringt sie ins Bett. Als sie unter der Decke liegt, setzt er sich auf die Bank gegenüber „Ich schlafe und esse nicht. Ich hol mir meine Energie auf direktem Weg.“ Doch sie ist bereits eingeschlafen. Sanft Lächelt er, steht auf und geht wieder ans Steuer.



Am Morgen kommt Ivara aus der Kajüte gekrochen. Sie sieht grauenhaft aus. Hydroid begrüßt sie mit einem „Moin. Gut geschlafen?“, ohne sich zu ihr umzudrehen. Ivara geht zu dem Tisch und lässt sich auf den Stuhl plumpsen. Dort hängt sie, wie ein nasser Sack.

„Nein“, kommt es gequält von hinten.

Hydroid dreht sich kurz um „Scheiße, siehst du scheiße aus.“ Er hebt ihren Kopf und blickt direkt in das Auge. Es leuchtet schwach. „Der Fisch war wohl zu wenig für die Strapazen von gestern.“

Er hebt sie hoch und geht mit ihr wieder unter Deck. Behutsam setzt er Ivara auf der Bank ab und geht zu dem großen metallenen Schrank. Quietschend und knarzend reißt Hydroid die Tür auf. Das Innere ist voll mit Kreisen, die wie ein Körper angeordnet sind. Nach kurzem Flackern beginnen alle zu Leuchten. In den Kreisen selbst sind Kabel mit langen Steckern, von denen Hydroid das Dickste nimmt. Er zieht es bis zum Tisch und nimmt Ivara in den Arm „Das wird jetzt Schmerzhaft. Wahrscheinlich wirst du ohnmächtig.“ Er setzt den Stecker an ihren Nacken an und zögert kurz „Vergiss bitte nicht, was wir gestern zusammen erlebt haben.“ Dann rammt er den Metallstift tief in Ivaras Hinterkopf. Ihr Auge leuchtet kurz grell auf, dann wird es schwarz und der Körper sackt leblos zusammen. Hydroid platziert Ivara im Schrank und verbindet die restlichen Kabel mit ihrem Körper.



Einige Zeit vergeht und gegen Abend reißt Ivara ihr Auge auf. Sie schnappt nach Luft und bemerkt, dass sie an unzähligen Kabeln angeschlossen ist. Sofort kommt Hydroid vom Deck nach Unten gesprungen. Er beruhigt sie und befreit Ivara von den Kabeln.

Sie schaut ihn entgeistert an „Was war das?“

„Deine erste Nahtoderfahrung.“

Ivara betrachtet sich „Ich war tot?“

Hydroid lacht wieder ein wenig „Fast. Hat wahrscheinlich nicht mehr viel gefehlt. Habe dich zum Glück noch an meine Energiequelle angeschlossen.“

Immer noch verwirrt schaut sie ihn an. „Wie?“

Er deutet auf den Schrank hinter ihr „Damit kann ich den Reaktor meines Schiffes anzapfen. Normalerweise reicht das ne ganze Weile aber ich war schon länger nicht an Land. Du hast den letzten Tropfen Energie bekommen. Wir hätten es beinahe nicht in den Hafen geschafft.“

„Hafen?“

„Na wo wolltest du hin?“, grinst Hydroid und geht an Deck.

Langsam verfliegt die Benommenheit und Ivara folgt ihm. Sie liegen im Hafen einer großen geschäftigen Stadt. Der Lärm des Marktes dringt zu ihnen herüber. In triumphaler Pose stellt sich Hydroid auf den Bug und blickt in die Sonne.

„Also ich habe schon alles erledigt. Neuen Treibstoff besorgt und die Beute verkauft. Du solltest dich beeilen. Das Syndikat macht auch bald dicht. Jetzt heißt es wohl Abschied nehmen.“

Ivara verbeugt sich „Danke für alles.“ Dann springt sie von Bord und rennt die Straße runter.

Hydroid blickt ihr hinterher. Wenn ich sie jetzt gehen lasse, werden wir uns wohl nie wieder sehen. Kurz bleibt Hydroid noch am Bug stehen und grübelt in Gedanken. Das kann doch nichts werden.

Er geht ebenfalls von Bord und schlendert die Straße entlang. Als er zu dem Gebäude kommt, indem Arbiter of Hexis ihren Sitz hat, bleibt er vor der Tür stehen, um zu lauschen. Hydroid linst hinein. Ivara steht in der Mitte des Raumes. Um sie herum erheben sich große Säulen, auf denen Hologramme zu erkennen sind. Dies sind die Ratsmitglieder des Syndikats. Sie blicken stets auf einen herab, wenn man mit ihnen redet. Es wird heftig diskutiert.

„Wie bitte?!“, schreit Ivara.

Eine ruhige, leicht verzerrte Stimme antwortet ihr „Du hast richtig verstanden. Die Daten, die du uns geliefert hast, sind nutzlos. Wir sind bereits im Besitz von aktuelleren Karten der Flotte.“

„Aber ich werde doch dafür bezahlt, oder nicht?“

„Wofür sollten wir dich bezahlen? Deine Dienste sind nicht mehr vonnöten. Wir melden uns, sollten wir dich wieder brauchen.“

Damit schalten sich die Hologramme ab und lassen Ivara allein in der Halle zurück. Fluchend kommt sie raus „Verdammt, alles umsonst.“

Hydroid lehnt neben der Tür. „Klingt ja nicht gerade lohnend, für dich.“

Ivara dreht sich um „Was willst du denn hier?“, mault sie ihn leicht an.

Hydroid tut auf geheimnisvoll und blickt mehrmals umher, während er seine Stimme senkt „Nun, ich habe von meinem Informanten etwas über neue ‚heiße Ware‘ erfahren. Alad V hat mit Geld um sich geworfen und nun wird sein neuer Besitz verschifft. Da dachte ich, du willst mich vielleicht begleiten?“ Er hält ihr seine Hand entgegen und zwinkert „Du weißt schon. Falls ich mal wieder eine Tür öffnen muss.“
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