Forever is composed of Nows

von Sisu
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Castiel Dean Winchester
08.01.2019
15.01.2019
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Kapitel 9: Ausgesucht

Da warst du. Du saßt auf einem der Stühle an einem der sauber angeordneten Tische aus dunklem Holz, mit den kleinen Lampen darauf, in dem Bunker, den du dein Zuhause nennst. Und du last in einem dicken, alten Buch. Ich sah dir gerne dabei zu. Deine Augen bewegten sich über die alten Seiten und es war ruhig um uns herum. Ich war der stille Beobachter der Dinge, die du erreichst. Ich spürte die Präsenz deiner Erkenntnis in der Luft und es war als hätte ich sie auch. Und ich liebte es noch immer. Doch etwas hatte sich verändert. Ich war nur noch das, nur noch der Beobachter, nicht mehr.

Es fühlte sich an als würde ich schon ewig dort sitzen. Meine Ewigkeit in deiner Anwesenheit. Doch es war nicht mehr unser Nebeneinandersein. Es war Auseinandersein. Ich spürte wie es dich störte, wie du meine Blicke auf dir bemerktest und jeden Moment würdest du sie abschneiden. Du würdest mich nicht fortfahren lassen. Du verstandest es nicht. Noch immer. Und es war als wolltest du es auch nicht mehr verstehen.

Ich erwartete ein kratziges „Cas“, um mich zu stoppen, vielleicht hoffte ich auch darauf, denn es war egal, was du sagen würdest, zumindest würdest du mit mir sprechen. Doch stattdessen hobst du deinen Kopf und starrtest mich nieder, mit einem Blick voller Anschuldigung und vielleicht so etwas wie Verachtung. Deine Augen bohrten sich in meine und es dauerte nicht ewig, bis ich es nicht mehr aushalten konnte. Ich sah weg, beschämt und besiegt. Aber du warst mir noch immer nicht egal und ich wollte an dir teilhaben. Und so versuchte ich zu sehen, ohne meine Augen zu benutzen. Ich hörte deine Atmung und beobachtete deinen Herzschlag. Fühlte deine Anwesenheit, roch deinen Duft in der Luft um mich herum. Und es war beinahe genug.

Alles hätte ich gegeben für dein Lächeln. Dein Lächeln, das Kriege beenden und Krebs heilen könnte. Das einzigartige Artefakt, der Schatz in den Tiefen des Ozeans. Dein Lächeln, das alles war, was ich zu sein schien, denn es war alles, das Bedeutung hatte. Und könnte ich etwas tun, um dieses Lächeln jeden Tag und jede Minute zu sehen, würde ich es tun. Und könnte ich etwas tun, damit du mich je wieder anlächeltest, würde ich es tun. Doch für den Moment konnte ich es nicht. Ich musste warten. Geduld üben und dich gehen lassen, mit der Hoffnung du würdest wiederkommen.

Und all meine Hoffnung war erschaffen von einzig und allein der Tatsache, dass du mich hier sitzen ließt. Ich durfte dich nicht anstarren oder beobachten, aber ich durfte hier sitzen. In deinem Sichtfeld. Es hatte Tage gebraucht, bis ich es gewagt hatte, doch hier war ich. Du konntest mich sehen. Und wenn du es auch nicht wolltest, du ließt mich. Es war nur ein kleiner Sieg, winzig wirklich, aber es war ein Schritt in die richtige Richtung. Denn auf jeden Schritt folgen weitere, und am Ende des Weges würdest du mir vergeben haben.

Ich weiß, es war meine Schuld, dass wir an diesem Punkt angekommen waren, aber dennoch fühlte es sich an wie die ewige Erinnerung an mein Versagen. Es tat weh, deine Abweisung. Die Art und Weise wie du mich ansahst, wenn du mir überhaupt Beachtung schenktest. Ich war Nichts und ich musste wieder Etwas werden. Und wenn es mich auch verletzte, war ich doch sicher, dass du der Einzige bist, von dem ich verletzt werden will.

„Man kann sich nicht aussuchen, ob man verletzt wird auf dieser Welt, aber man kann mitbestimmen, von wem. Ich bin glücklich mit meiner Wahl.“
(John Green, „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“)


Du klapptest dein Buch zu und standest auf. Ich wollte teilhaben an deiner Erkenntnis, doch du würdest kein Wort mit mir reden. Du gingst weg, ich wusste nicht wohin. Ich wollte mit dir kommen, doch du würdest mich nicht lassen. Also wartete ich, bis du in den Gängen verschwunden warst und beschloss dir zu folgen, unsichtbar. Ich bin nicht stolz darauf, aber ich musste bei dir sein. Und würdest du mich nicht an deiner Seite dulden, müsste ich es eben hinter deinem Rücken tun.

Du gingst in die Küche, die alle Erinnerungen an unsere Routine in sich hielt, aber nicht mehr lebhaft und tatsächlich, sondern tot und begraben. Sam saß an seinem Laptop und schien irgendetwas zu recherchieren. Er sah auf und schien fast überrascht dich zu sehen.

„Hey“, warf er in den Raum und bekam ein Nicken.

Nachdem du für einen Moment durch den Raum gewandert warst, wie ich es noch immer hin und wieder in den Gängen tat, räusperte er sich und klappte seinen Computer zu. Seine Hände vor sich auf dem Tisch faltend, als würde er beten diesmal etwas aus dir herauszubekommen. Denn du bist ein Fass mit doppeltem Boden, du sprichst und sagst, aber man scheint niemals wirklich alles zu erfahren.

„Also“, begann Sam erneut, „wie läuft’s mit Cas?“

Du schenktest ihm einen vielsagenden Blick und ein Schnauben entwich dir, als würdest du etwas von der ganzen Spannung loslassen.

„Wie schon…“, antwortetest du.

„Weißt du“, gab dein Bruder, mit einer seiner dramatischen Pausen, die jedem, der ihn kannte, klarmachten, dass er dabei war, etwas Wichtiges zu sagen, „ich weiß, er hat einen Fehler gemacht“

„Und was für einen“, unterbrachst du ihn.

„Ja, und was für einen. Aber…“

„Er hat jemanden umgebracht, Sam“

„Ich weiß, ich weiß. Aber, Dean… es ist Cas, von dem wir hier reden“

„Und?“, sagtest du, als hätte mein Name keine Bedeutung. Mein Herz brannte und meine Seele weinte. Ich bin Cas und du bist Dean, wir gehören zusammen. Jeder weiß das. Dein Bruder wusste es. Warum wusstest du es nicht?

„Und… komm schon, Dean, du weißt, dass du ihm nicht ewig sauer sein kannst“

„Warum nicht?“, und ich hatte tausend Gründe warum nicht, mindestens. Der Drang hineinzustürmen und dir jeden einzelnen von ihnen in deine Augen zu schreien wurde so groß, dass ich ihm kaum noch widerstand. Doch ich musste ruhig bleiben. Ungesehen und unenttäuschend. Weil du nicht wolltest, dass ich dir folge, und konnte ich dir diesen Wunsch auch nicht direkt erfüllen, musste ich ihn dennoch in deinem Wissen erfüllen.

„Weil es Cas ist, Dean“, sagte dein Bruder, als sei es der einzige Grund, den es jemals braucht, „Cas und du, ihr seid… ihr steht euch so nah. Du kannst ihn nicht einfach so ausschließen. Du brauchst ihn, das weißt du“

Und du dachtest darüber nach und für einen Moment wirkte es, als würdest du verstehen. Doch dann sagtest du: „Ich brauche ihn nicht“, und meine Innereien drehten sich schmerzhaft über diese kolossale Lüge, die du einfach so laut auszusprechen wagtest, „Er braucht mich“

„Ich hab dich nicht gebraucht, du Idiot. Ich hab dich ausgesucht. Und dann hast du mich zurück ausgesucht.“
(John Green, „Margos Spuren“; frei aus dem Englischen übersetzt)
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