Forever is composed of Nows

von Sisu
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Castiel Dean Winchester
08.01.2019
15.01.2019
14
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Kapitel 6: Bedauern

Ich erinnere mich, die metallene Tür deines Bunkers knarrte und ich fand eure betroffenen Gesichter. Mit schweren Schritten kamt ihr die Stufen hinunter und saht mich bereits an dem großen, leuchtenden Tisch sitzen. Mein Gesicht gezeichnet von einem trügerischen Lächeln, spielend, als wüsste ich von nichts. Es fiel mir schwer zu verbergen, dass ich die ganze Zeit über bei dir gewesen war, denn ich wollte nichts mehr als dich zu fragen, was ich falsch gemacht hatte. Seit der letzten Nachricht, kurz bevor ihr euch auf die Suche nach dem Ghoul gemacht hattet und die Leiche in der Gruft gefunden hattet, hattest du mir nicht mehr geschrieben. Das war vier Tage her. Und wäre ich euch nicht weiterhin gefolgt, hätte ich hier gesessen und mir Sorgen gemacht. Um den Schein aufrecht zu erhalten, hatte ich ein paar Mal angerufen, doch du warst nie rangegangen.

„Hey“, warf ich in den Raum, als ich aufstand, als wäre ich erleichtert euch zu sehen. Natürlich war ich das wirklich, aber nicht, weil ich mir Sorgen gemacht hatte. Ich hatte dich die ganze Zeit in Sicherheit gewusst.

„Hey, Cas“, antwortete mir Sam, nicht du. Du gingst direkt in Richtung deines Zimmers und aus den Gängen hörte ich deine Tür knallen. Ich sah dir nach und meine verwirrten Augen waren nicht gespielt. Mein Blick fiel zu Sam, der mir ein aufgesetztes Lächeln schenkte.

„Was ist mit ihm?“

„Lange Geschichte“, antwortete er, „komm, lass uns was trinken und ich bringe dich auf den neuesten Stand“

Ich folgte ihm in die Küche und setzte mich mit ihm an den Tisch. Er erzählte mir jede Einzelheit. Dinge, die ich bereits wusste, Dinge, die ich nur vermutet hatte, und Dinge, die ich nicht wusste. Und in mir breitete sich ein großer Fleck aus, dunkel und beinahe schmerzhaft nahm er alles in mir ein und zerquetschte mich. Nur jetzt daran zurückzudenken lässt ihn wieder wachsen. Ich konnte nicht atmen. Ich hatte einen schrecklichen Fehler gemacht.

„Es gab nie genug Luft auf der Welt für mich, aber in diesem Moment spürte ich die Knappheit besonders.“
(John Green, „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“)


Die große Erkenntnis über meine kolossale Blindheit der Wahrheit gegenüber, erdrückte jede Faser meines Körpers. Ich hatte es nicht gewusst, aber ich hätte es sehen können, wäre ich nicht derart übereifrig vorgegangen, ohne meine Schritte doppelt zu überdenken. Vorsicht ist, was ich noch lernen muss.

Sam erzählte mir davon, wie ihr den Ghoul aufgespürt hattet, jeden Schritt, den ihr unternommen hattet. Und ich trank eifrig an meinem Scotch, der mich in dieser kleinen Menge zwar nicht betäuben konnte, aber ich hoffte das leichte Brennen meinen Hals hinunter würde mich von dem Brennen in meinem Brustkorb ablenken. Er erzählte mir davon, wie ihr auf dem falschen Friedhof gesucht hattet, und ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen. Und dann erzählte er mir davon, dass die Frau, die ich für dich umgebracht habe, nicht der Ghoul, sondern sein letztes Opfer gewesen war. Sich von bereits Toten zu ernähren hatte ihm wohl nicht mehr ausgereicht.

Die Erkenntnis über mein Versagen und darüber, was es bedeutete, erfasste mich wie eine Schockstarre. Ich habe eine unschuldige Frau umgebracht. Für dich. Oder vielleicht auch ein bisschen für mich selbst.

„Nun, das ist unerfreulich“, schwallte ich unbedeutend dahin. Ich starrte in mein leeres Glas und überlegte, was ich nun tun sollte. Natürlich konnte ich weder Sam noch dir sagen, dass ich sie umgebracht hatte. Ihr dachtet, der Ghoul hätte sie umgebracht und wäre dann abgehauen. Und das ist die einzige Wahrheit, die ihr jetzt brauchtet. Ihr ward gescheitert jemanden zu retten, ihr musstet nicht wissen, dass ich daran Schuld war. Du brauchtest jetzt jemanden, der dich aufbaut, nicht jemanden, der dich betrogen hat.

Ich goss ein weiteres Glas Scotch. Nur dass es nicht für mich war. Es war für dich. Ich hob es in Sams Sichtfeld und sagte ihm, ich würde es dir bringen. Langsam und vielleicht zögerlich bewegte ich mich die Gänge entlang zu deinem Zimmer. Ich klopfte vorsichtig an deine Tür und wartete. Ich hörte ein leises „Komm rein“ und tat so. Du saßt auf deinem Bett und zogst deine schweren Stiefel aus. Du hobst nicht einmal deinen Blick. Und ich redete mir ein, dass es nicht war, weil du niemanden sehen wolltest, sondern weil du wusstest, dass ich es war. Ich hielt dir das Glas entgegen mit einem kratzigen „hier“. Nach ein paar Sekunden, die sich anfühlten wie Stunden, nahmst du es entgegen und deine Finger streiften meine ein wenig dabei. Du leertest es in einem Zug und gabst es mir zurück.

„Dean“, traute ich mich, obwohl ich wusste, dass du nur so still bist, wenn du wütend genug bist, um jeden Moment zu explodieren. Doch das tatest du nicht. Deine Augen fanden meine und ich sah all die Selbstzweifel und all die Wut und all die Enttäuschung in ihnen, die ich hasste zu sehen. Und etwas in mir war froh, dass du es nicht an mir ausließt, als würdest du es zurückhalten, wie ein Schild, das mich nicht ins Kreuzfeuer geraten lässt. Doch etwas anderes in mir machte sich Sorgen, denn wenn du es für dich behältst und es vor mir versteckst, bedeutet das, das du mir nicht genug vertraust um mich an deinen Emotionen teilhaben zu lassen.

„Danke, Cas“, sagtest du endlich, doch für einen Moment wusste ich nicht, wofür, „für den Scotch, mein ich“

Ich lächelte dich an und versuchte den Augenkontakt so lange zu halten wie nur irgend möglich. Dein Gesicht entspannte sich etwas und ich konnte spüren, dass es dir ein wenig besser ging. Denn das ist, was ich tue. Ich sorge dafür, dass es dir besser geht.

„Das hab ich echt gebraucht“, sagtest du, als hätte ich das nicht bereits gewusst. Ich weiß immer, was du brauchst, und wann du es brauchst. Und wenn ich auch der Verursacher für diese Situation bin, konnte ich sie dennoch in Ordnung bringen. Ich konnte diese Frau nicht wiederbeleben, aber ich konnte dafür Sorgen, dass du darüber vergisst. Und ich war froh, dass du sahst, dass ich es konnte.

„Jedenfalls sind die wahren Helden nicht die Leute, die Sachen tun. Die wahren Helden sind die, die Dinge bemerken, die aufmerksam sind.“
(John Green, „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“)
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