Forever is composed of Nows

von Sisu
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Castiel Dean Winchester
08.01.2019
15.01.2019
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Kapitel 5: Vielleicht

- Haben das Versteck des Ghouls gefunden. Bald wieder zurück -

Ich liebe es, dass du mir diese kleinen Nachrichten sendest. Sie wirken kurz und unbedeutend, aber für mich bedeuten sie alles. Du müsstest mich nicht auf dem Laufenden halten, doch du tust es dennoch. Mit kleinen Botschaften. Du vermiedest ein „wir“, um mich nicht daran zu erinnern, dass du Sam mir vorgezogen hast. Du erzähltest mir von deinem Erfolg, um ihn mit mir zu teilen. Du stelltest sicher, dass ich weiß, dass du bald wieder bei mir bist. Kleine Erinnerungen, die mich nicht vergessen lassen sollen, dass ich wichtig bin. Kleine Aufmerksamkeiten, die verloren wirken in dem großen Pool der Unterhaltungen und Worte, doch immer werde ich sie finden. Nur für mich. Nur für mich nimmst du die Zeit dafür.

Natürlich konnte ich es nicht zulassen, dass du diesem Ghoul zu nahe kommst. Du warst dem definitiv gewachsen und du hattest Sam an deiner Seite. Aber Sam ist nicht ich. Und Sam wird dich nie so gut beschützen können wie ich. Deswegen konnte ich deine Sicherheit unmöglich in seine Hände legen. Und ich durfte kein Risiko eingehen. Ich tat also, was jeder vernünftige Mensch tun würde, und legte eine falsche Fährte. Natürlich bin ich kein Mensch und natürlich bist du klüger als das, und würdest es früher oder später durchschauen. Spätestens wenn in deinem Versteck keinerlei Anzeichen für einen Ghoul zu sehen sein würden. Doch bis dahin würde ich mich selbst um ihn gekümmert haben.

Vielleicht ging ich zu weit. Vielleicht sollte ich dir mehr vertrauen, mehr zutrauen. Aber es ging nicht um Unterschätzung, ich traue dir alles zu. Ich würde dir mein Leben anvertrauen. Nur dass ich dich nie in diese Position bringen werde. Und du solltest mich ebenso wenig nicht in diese Position bringen. Ich wünschte du würdest mehr auf dich Acht geben. Ich wünschte dein Leben wäre dir so viel wert wie es mir ist. Vielleicht würdest du es nicht gutheißen, dass ich dir zuvorkam, aber vielleicht musste ich es tun, um dich in Sicherheit zu wissen. Ich brauche dich am Leben und wenn du mich schon nicht mitnimmst, um dich an deiner Seite zu beschützen, muss ich es eben hinter deinem Rücken tun. Vielleicht werde ich es dir eines Tages mit meinen Augen zeigen können. Vielleicht alles. Und vielleicht wirst du dann endlich sehen.

„Das große VIELLEICHT war über uns, und wir waren unbesiegbar. Der Plan hatte Schwächen, wir aber nicht.“
(John Green, „Eine wie Alaska“)


Ich ging also in das richtige Versteck und machte kurzen Prozess. Weitere Erläuterungen sind irrelevant, denn dieser Ghoul bedeutete überhaupt nichts. Ich tat es nur für dich. Währenddessen schlichen du und Sam auf irgendeinem Friedhof in der Nähe herum. Zu leicht. Ich wusste von Anfang an, dass Sam dieses zu offensichtliche Blendwerk schnell durchschauen würde, zugegeben, nicht mein bestes Ablenkungsmanöver. Es ist nicht einmal, dass Sam schlauer ist als du, Dean, es ist nur, dass ihm dieses beinahe unblendbare, wunderschöne Vertrauen fehlt. Du nimmst einen Hinweis als eben solchen, ein Anreiz, einfach drauf los. Sam denkt zu viel. Sam sieht zu viele Zweifel, in allem um ihn herum. Du dagegen bist pur und logisch und bereit. Und ich liebe das.

Ich wusste bis dahin nicht, was bei euch passiert war, während ich hier beschäftigt war, aber ich wartete bereits im Schatten eines weiteren Baumes auf eure Ankunft. Ein zufriedenes Lächeln in meinem Gesicht, das niemand sehen konnte. Und da ward ihr. Mit euren Waffen bereit und euren Blicken geschärft. Ihr habt die Gruft gefunden, das richtige Versteck. Ihr gingt hinein und ich folgte euch, unsichtbar hinter euch her schleichend wie ein Raubtier, nur dass ich keines bin. Zugegeben etwas stolz auf mich selbst, stolzierte ich ungesehen nach euren Schritten und freute mich über die beseitigte Gefahr. Hier würde kein Kampf mehr stattfinden. Dir würde kein Haar gekrümmt. Du warst sicher. Ihr bliebt stehen. Vor euch auf dem von altem Laub geplagten Betonboden eine Leiche.

„Was zum…“, hauchtest du in die Dunkelheit. Dein Blick fand erst deinen Bruder und dann mich. Nun, nicht wirklich mich, du konntest mich ja nicht sehen. Aber meine Richtung. Du blicktest dich um. Doch dein Gesicht sagte alles, nur nicht das, was ich erhofft hatte: Erleichterung. Deine Augen suchten nach mehr und dein Blick verriet Erschütterung. Erschütterung! Wieso? Der potentielle Angreifer, das Monster der Woche, das Ding, das du töten hättest sollen und wollen, war bereits tot. Was gab es besseres? Ich habe dir diese schwere Aufgabe abgenommen, doch du sahst wenig glücklich aus darüber.

„Sam, was zum Teufel?“

„Ich… ich weiß nicht, Dean“

Und ich suchte. Ich suchte nach dem Fehler, den ich gemacht hatte. Warum reagiertest du so? Warum warst du nicht erleichtert? Warum legtest du deine Hände auf deinen Kopf, wie du es immer tust, wenn du dir hilflos vorkommst, wenn du nicht weißt was du tun sollst? Warum schlugst du mit der Faust gegen die kalten, staubigen Steinwände und schriest „verdammt“? Ich verstand die Welt nicht mehr. Ich verstand dich nicht mehr. Zumindest für den Moment. Deine Hand rieb über dein Gesicht, während deine Augen die Leiche vor dir fixierten, mit einem Blick der kein Erfolg zeigte, sondern Misserfolg. Und mir wurde klar: vielleicht hatte ich etwas übersehen.

„Jetzt mache ich mich auf die Suche nach dem großen VIELLEICHT“
(John Green, „Eine wie Alaska“)
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