Forever is composed of Nows

von Sisu
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Castiel Dean Winchester
08.01.2019
15.01.2019
14
13806
4
Alle Kapitel
13 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
Kapitel 2: Die guten Sätze

Ich erinnere mich, wie ich in den Gängen deines Bunkers umhergelaufen bin. Es gibt sonst nicht so viel anderes, das ich tun kann, wenn du schläfst. Zumindest dachte ich, dass du schläfst. Als ich an deinem Zimmer vorbeikam, bemerkte ich die halb offene Tür und sah wie du ein paar Klamotten und andere Dinge in deine Tasche packtest. Ich klopfte ein paar Mal leise an die Tür und trat ein. Du drehtest dich kurz zu mir um, fuhrst dann aber fort mit dem Packen.

„Wo gehst du hin?“, fragte ich und versuchte nicht zu viel meiner Verlustangst in meiner Stimme widerklingen zu lassen.

„Ich hab einen Job für uns gefunden“, antwortetest du beiläufig und dein reges Treiben und die schnellen Bewegungen machten mich nervös.

„Einen Job?“

„Ja. Sieht nach einem Ghoul aus“

„Ok“, gab ich, „Wo geht’s hin?“

Du hieltest inne und sahst mich mit diesem Blick an, den ich nicht ausstehen kann. Die ausweichenden Augen, die alles wollen, nur nicht in meine zu blicken. Der halb offene Mund, der auf Worte wartet, über die du noch nachdenken musst. Und ich schätze es. Ich schätzte es sehr, dass du versuchst es so auszudrücken, dass ich es nicht falsch verstehe oder mich verletzt fühle. Aber gleichzeitig hasse ich diesen Blick. Denn immer wenn ich ihn sehen muss, weiß ich, dass du dabei bist, mir etwas zu sagen, dass mir nicht gefällt. Und ich hasse es, dass du Dinge sagst, die mir nicht gefallen. Ich hasse es, dass du es versuchst schön zu verpacken, als wäre es gar nichts. Ich hasse es, dass es nicht nur gute Sätze zwischen uns gibt.

„Hör zu, Cas“, sagtest du, und ich hörte, „Das ist nur ein kleiner Job. Im Grunde brauchen wir dich dabei nicht, Sam und ich kriegen das geregelt“

Mein Herz brannte. Sam und du. Nie würde ich so wichtig sein wie Sam. Nie würde ich dir so viel bedeuten. Nie würde ich dir mehr bedeuten. Sam ist dein Bruder und er ist alles in dieser Welt, was gut für dich ist. Nur wünschte ich, du würdest sehen, dass ich alles in dieser Welt bin, das du brauchst. Ich bin derjenige, den du zu diesem Job mitnehmen hättest sollen. Ich bin derjenige, der an deiner Seite kämpfen hätte sollen. Ich bin derjenige, den du brauchen hättest sollen. Doch mir wurde klar, dass wir soweit noch nicht waren. Eines Tages würdest du erkennen. Eines Tages würdest du es sehen. Und ich nickte und verließ das Zimmer ohne ein Wort. Denn die Kränkung hätte meine Stimme verzerrt und die Worte, die ich gesagt hätte, dunkel angestrichen. Und so ging ich lieber stumm, denn selbst wenn du hin und wieder keine guten Sätze sagen kannst, will ich nichts anderes als Gutes zu dir sagen.

Ich erinnere mich, wie ich weiter in den Gängen deines Bunkers umherwanderte und mir völlig nutzlos vorkam. Und ich wünschte mir ich könne in einer dieser grauen Wände verschwinden und in meiner Unwichtigkeit zumindest nichts belasten. Als wäre es der Boden leid mich tragen zu müssen und die Luft von mir geatmet zu werden. Doch eines Tages würde ich dir etwas bedeuten. Eines Tages wäre ich nützlich und der Boden würde mich tragen und die Luft würde mich lieben.

Ich spürte plötzlich eine Hand auf meiner Schulter und hielt inne. Als ich mich umdrehte, sah ich in deine grünen Augen, die mich fixierten als hätten sie mir niemals ausweichen wollen. Du musstest mir nachgelaufen sein. Und etwas in mir freute und etwas in mir traute sich nicht zu hoffen. Nur zu warten. Ich erinnere mich, wie ich gespannt erwartete, was du sagen würdest, jede Faser meines Körpers angespannt und vorfreudig für die guten Sätze.

„Wir alle sind von Bedeutung - vielleicht weniger als viele, aber immer mehr als keiner.“
(John Green; frei aus dem Englischen übersetzt)
Review schreiben