Forever is composed of Nows

von Sisu
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Castiel Dean Winchester
08.01.2019
15.01.2019
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Kapitel 1: Erkenntnis

Da warst du. Du saßt auf einem der Stühle an einem der sauber angeordneten Tische aus dunklem Holz, mit den kleinen Lampen darauf, in dem Bunker, den du dein Zuhause nennst, das einzige Zuhause, dass du jemals wirklich hattest. Und du last in einem dicken, alten Buch. Ich kann mich nicht erinnern, wovon es handelte, oder warum du es überhaupt gelesen hast und was du darin zu finden hofftest. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich dir gerne dabei zusah. Alle sagen über dich, dass du nichts übrig hast für Bücher oder das Lesen an sich, aber es ist nicht wahr. Du liest. Oft. Manchmal versteckt in deinem Zimmer, als befürchtest du jemand könnte dich anders wahrnehmen als du es gerne hättest. Du bist gerne dieser harte Kerl, der Krieger, der Jäger. Jemand der kämpft und rettet, nicht jemand, der liest und weiß. Ich frage mich oft, wieso. Vielleicht gibst du diese Rolle deinem Bruder, vielleicht hast du das Gefühl, für etwas anderes bestimmt zu sein. Und vielleicht reicht es, dass ich es weiß.

Deine Augen bewegten sich über die alten Seiten und ein Finger mit ihnen. Es war still um uns herum. Und waren wir zwar zusammen hier, fühlte es sich an, als wäre ich der stille Beobachter der Dinge, die du erreichst. Und ich liebte es und liebe es noch heute. Selbst wenn du nicht viel tust, kann man dennoch so viel sehen. Die Art und Weise wie sich deine Lippen leise mitbewegen, wenn du einen Satz ein weiteres Mal liest, um seinen Inhalt noch besser zu verstehen. Die Art und Weise wie du hin und wieder deine Augenbrauen nach oben ziehst und man förmlich die Erkenntnis in deinem Kopf in der Luft spüren kann, als wäre sie etwas, das man anfassen kann. Und ist es eigentlich etwas so banales und kleines, aber wenn Dean Winchester eine Erkenntnis hat, ist es für mich, als hätte ich sie auch. Ich kenne ihren Inhalt nicht, aber ich spüre ihre Präsenz wie ein glühendes Licht in all der Dunkelheit.

Es fühlte sich an als würde ich schon ewig dort sitzen und dich beobachten. Und ein kleiner Teil von mir fragte sich, wieso es dich nicht störte. Oder vielleicht hast du es einfach nicht bemerkt. Andererseits bemerkst du es immer, wenn ich dich anstarre. Und du unterbindest es meistens. Du kannst es nicht leiden, wenn ich es tue, und du scheinst es niemals zu verstehen. Und dennoch starrte ich dich an und du ließt mich fortfahren. Eine Ewigkeit. Sogar für mich war es wie eine Ewigkeit. Jahrhunderte und Jahrtausende haben sich nicht so lang angefühlt wie diese einzelnen Momente des stillen Nebeneinanderseins.

„Das Immer besteht aus lauter Jetzts“
(John Green, „Margos Spuren“)


Und da war es. Was immer es war, du hast es gefunden. Du breitetest deine Arme etwas aus und deine Augen waren weit offen. Und ein Lächeln der Erkenntnis. Das breite Lächeln des Sieges über ein Buch, dessen Zweck es ist besiegt zu werden, und über eine Umgebung, der es egal war, was du gewonnen hast. Abgesehen von mir. Mir war es nicht egal. Galt meine Aufmerksamkeit nicht bereits zuvor schon vollkommen und alleine dir, war sie jetzt so gespannt und fixiert, dass ich nichts mehr sah als dich, ungeduldig darauf wartend, dass du deine Erkenntnis mit mir teilst. Du sahst mich an, als wäre dir gerade erst wieder eingefallen, dass ich auch hier war, und dein Lächeln nahm dein gesamtes Gesicht ein. Deine Augen leuchteten in meine und die kleinen Falten an ihnen tauchten dein Gesicht in eine Form, die es viel zu selten annimmt.

„Dieses Lächeln könnte Kriege beenden und Krebs heilen.“
(John Green, „Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen)“)


Und das denke ich wirklich. Es ist selten wie ein einzigartiges Artefakt oder ein Schatz in den Tiefen des Ozeans. Oder ein Engel, der sich von all seinen Aufgaben und Pflichten und seinem Zuhause abgewendet hat, um einem Menschen zu folgen, der nichts für ihn tun konnte und doch alles für ihn bedeutete. Kaum etwas anderes zählt für mich. Und könnte ich etwas tun, um dieses Lächeln jeden Tag und jede Minute zu sehen, würde ich es tun. Und könnte ich etwas tun, um dieses Lächeln zu verursachen, würde ich es tun. Doch für den Moment, konnte das nur die Erkenntnis und der Sieg. Und vielleicht hast du eines Tages die Erkenntnis, dass ich der Sieg bin. Dass ich diese eine Person auf diesem Planeten, in diesem Universum und in deiner Welt bin, der dieses Lächeln gelten sollte.
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